Wie die jüngsten Tätigkeitsberichte des Freiheitliches Bildungsinstituts (FBI), der FPÖ-Parteiakademie, unterstreichen, finden die engen Verbindungen zwischen der FPÖ und dem außerparlamentarischen Rechtsextremismus (vgl. dazu etwa den jüngsten Rechtsextremismusbericht des DÖW) auch in der parteiinternen Bildungsarbeit umfangreichen Niederschlag. Eine Durchsicht der Tätigkeitsberichte des FBI von 2022 bis 2025 ergibt, dass es sich dabei um keinen Einzelfall handelte, sondern die mit öffentlichen Geldern (Parteiakademieförderung) finanzierten Bildungsaktivitäten des FBI systematisch Vertreter*innen der extremen Rechten einbeziehen.
Bereits im August 2023 berichtete das DÖW über die vom FBI erstmalig ausgerichtete „Metapolitik-Akademie“, bei der eine ganze Reihe rechtsextremer Publizisten und Aktivisten aus Deutschland und Österreich als Referenten auftraten. In der „Metapolitik-Akademie“ 2024 referierten u. a. Thor von Waldstein, Steve Henschke (Castell Aurora), Michael Scharfmüller (Info-DIREKT), Philipp Huemer (damals Heimatkurier), Martin Semlitsch (vulgo Lichtmesz), Götz Kubitschek, Benedikt Kaiser, Matthias Helferich und Reinhild Boßdorf (identitäre Fraueninitiative Lukreta). Das im selben Jahr aufgelöste (und im Jahr davor vom deutschen Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte) Institut für Staatspolitik war durch seinen Leiter Erik Lehnert und Mitgründer Karlheinz Weißmann vertreten. Viele der Genannten hatten auch bereits in der ersten Auflage der Akademie 2023 referiert. Unter den Vortragenden des ersten Jahres fanden sich außerdem Alexander Tschugguel (Katholischer Widerstand) und Roland Moritz (KVLTGAMES).
Für 2025 wurden im Tätigkeitsbericht keine Referent*innen und Vortragslokale genannt – weder für die „Metapolitik-Akademie“ noch für andere Veranstaltungen. Fotos belegen für die Akademie jedoch die erneute Teilnahme von u. a. Reinhild Boßdorf, Erik Lehnert, Michael Scharfmüller und Thor von Waldstein. Auch Felix Cassel, der bereits 2024 aufgetreten war, referierte erneut. Zum Zeitpunkt seines Auftritts beim FBI 2024 war Cassel, damaliger Landesvorsitzender der Jungen Alternative in Nordrhein-Westfalen, bereits (zu diesem Zeitpunkt noch nicht rechtskräftig) wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung verurteilt: Er war 2019 in Bonn mit seinem Auto in eine antifaschistische Demonstration gefahren. Das Urteil erlangte im August 2024 Rechtskraft und stand einer weiteren Einladung nach Wien offenbar nicht entgegen. Zoltán Szalai, Generaldirektor der Fidesz-Kaderschmiede Mathias Corvinus Collegium (MCC) und Chefredakteur der parteinahen Zeitschrift Mandiner, referierte über „Die Ergebnisse der konservativen Bildung in Ungarn“.
Im Tätigkeitsbericht 2025 ist zudem zu lesen, dass erstmals im Rahmen der Akademie Abschlussprojekte ausgearbeitet wurden, die „konkrete Impulse für den vorpolitischen Raum setzen und das erlernte Wissen in umsetzbare Strategien überführen“ sollten. „Damit wurde ein weiterer Schritt gesetzt, um die Metapolitik-Akademie nicht nur als Bildungsformat, sondern als praxisorientierte Denk- und Entwicklungsplattform zu etablieren.“
Auch jenseits der Akademie wurden Kader der extremen Rechten in die freiheitlichen Bildungsaktivitäten einbezogen. 2022 referierte Andreas Hinteregger, der später als Gesicht des Identitären-Ablegers Aktion 451 in Erscheinung trat, zusammen mit Bernhard Heinzlmaier für das FBI über „Europäische Demografie“. 2023 referierte Hinteregger zusammen mit dem Identitären-Kader Fabian Rusnjak und Nikolaus Schmidt im Vitalhotel Gosau für das FBI über „Metapolitik, Video- und Grafikgestaltung, Fotobearbeitung“. 2024 traf sich eine „Arbeitsgruppe Demographie“ auf Schloss Albeck im Kärntner Sirnitz, um sich über „Kulturelle Identität“ auszutauschen. Unter den Vortragenden befand sich erneut Hinteregger. Inzwischen avancierte er – wie auch Rusnjak – zum ständigen Mitarbeiter des Freiheitlichen Parlamentsklubs.
Wiederholt hostete das FBI Buchtouren mit Gerald Hauser (seit 2024 Abgeordneter zum Europäischen Parlament, davor zum österreichischen Nationalrat) und dessen Co-Autor Hannes Strasser. Das Buch „Raus aus dem Corona-Chaos“ wurde 2022 vom FBI in 15 Terminen quer durch Österreich beworben. U. a. gastierte die Reihe auf der Bude der Innsbrucker Burschenschaft Brixia und beim Wiener Akademikerbund. Eine weitere Veranstaltungsreihe über „Blackout-Vorsorge“ machte im März 2023 im Abstand von nur fünf Tagen bei zwei deutschnationalen Schülerverbindungen in Linz (Bajuvaria und Wiking) Station und zog laut Tätigkeitsbericht 15 bzw. 20 Teilnehmer an.
Ebenfalls 2023 tourten Hauser und Strasser mit 23 Veranstaltungen zur Bewerbung ihres Nachfolgewerks „… und die Schwurbler hatten doch recht!“ durch das Land. In Lienz übernahm Bernadette Conrads vom Online-Magazin Der Status die Begrüßung, im Südtiroler Kaltern der lokale Rechtsaußenpolitiker Jürgen Wirth Anderlan, im Wiener Ferdinandihof – der sich als ein zentrales Veranstaltungslokal der extremen Rechten in Wien etabliert hat – Hausherr Ronald Schwarzer. Der Ferdinandihof wurde wiederholt vom FBI genutzt – so etwa auch für einen Vortrag von Ursula Stenzel über „Die Neue Weltordnung aus zentraleuropäischer Sicht“ 2025.
Im selben Jahr referierte Michael Scharfmüller, Chefredakteur der rechtsextremen Zeitschrift Info-DIREKT in Osttirol gemeinsam mit Gerald Hauser über „Medienmacht“ und den „Kampf um die Meinungshoheit“. Zwei Kollegen Scharfmüllers aus dem Parallelmediensektor, Alexander Höferl und Walter Asperl (unzensuriert.at) hatten 2022 im Rahmen der „Medien-Akademie“ des FBI die Akademieteilnehmer*innen im „[k]orrekte[n] Umgang mit Quellen und Fakten“ unterwiesen.



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