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Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes

Objekt des Monats Oktober 2026

Objekte erzählen Geschichte

Monat für Monat präsentieren wir Ihnen in unserer Dauerausstellung ein Objekt des Monats. Dabei handelt es sich um neue, unbekannte oder womöglich zu wenig beachtete Objekte und deren Geschichte. Der Schwerpunkt des Jahres 2026 liegt auf Neuzugängen zu unseren Sammlungen.

OdM Web Oktober 2026

„Sudetenland-Medaille“ für Konrad Gutleber
Signatur: DÖW 52108/i

 

Am 19. September 1939 wurde dem 43-jährigen Arbeiter der Tabakregie Hainburg Konrad Gutleber die „Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938“ verliehen. Die umgangssprachlich „Sudetenland-Medaille“ genannte Auszeichnung war nach dem Münchner Abkommen im September 1938 von Adolf Hitler gestiftet worden. Das vom Deutschen Reich, Großbritannien, Frankreich und Italien unterzeichnete Abkommen beendete die Sudetenkrise und legte fest, dass die Tschechoslowakei das Sudetenland an Deutschland abtreten müsse.

 

Konrad Gutleber war seit August 1939 als Hilfszollbetriebsassistent beim verstärkten Grenzaufsichtsdienst im Sudetenland eingesetzt. Später wurde ihm als Soldat der Deutschen Wehrmacht die Feldspange zum Kriegsverdienstkreuz Zweiter Klasse mit Schwertern verliehen. Diese Auszeichnung erhielten Soldaten „für den Einsatz unter feindlicher Waffenwirkung oder besonderer Verdienste in der Kriegsführung“. Gutlebers Wehrpass gibt darüber Auskunft, dass er ab Februar 1944 als Fahrer in der der Division Nr. 487 beim Kraftfahr-Ersatz- und der Ausbildungs-Abteilung 17 eingesetzt war, im November 1944 zum Obergefreiten befördert wurde und bis zum 29. März 1945 im Gebiet der Heeresgruppe Süd in Ungarn gegen die Rote Armee der Sowjetunion kämpfte.

 

Bis hierher scheint es sich um eine gewöhnliche Biografie eines Soldaten der Deutschen Wehrmacht zu handeln, der das Glück hatte, an der Front nicht zu fallen und über dessen tatsächlichen Kriegseinsatz wenig bekannt ist. Doch dieser Biografie ist auch ein familiärer Schicksalsschlag eingeschrieben, der das Leben von Konrad Gutleber und seiner Frau mit Sicherheit nicht unbeeindruckt ließ.

 

 OdM Oktober 2026 Zitat

 

Am 27. Februar 1943 wurde nämlich ihr gleichnamiger Sohn im Landgericht Wien guillotiniert. Der 1920 geborene Gärtnergehilfe Konrad Gutleber jun. gründete mit 18 Jahren in Hainburg mit Gleichgesinnten eine kommunistische Jugendgruppe und verbreitete in Wien illegale Flugblätter. Am 27.  Februar 1943 wurde er wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tod verurteilt. Sein Name ist auf einer der Gedenktafeln im ehemaligen Hinrichtungsraum des Landesgerichts für Strafsachen Wien ebenso verzeichnet wie auf dem Mahnmal für die „Opfer des Faschismus 1938–1945“ am Hainburger Friedhof. Im Gedenkort der Gruppe 40 auf dem Wiener Zentralfriedhof befindet sich im Gräberfeld der im LG Wien Hingerichteten ein Grabstein für ihn. Vor einigen Monaten überbrachte eine Enkelin der Schwester von Konrad Gutleber dem DÖW Unterlagen von Vater und Sohn, darunter die „Sudetenland-Medaille“ ihres Urgroßvaters.

 

 

Weiterführende Literatur

 
 

Autorin: Claudia Kuretsidis-Haider, Leiterin Abteilung Historische Sammlungen
Fotos: Michael Bigus (Objekt), Daniel Shaked (Porträt)

 

 

 

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