Monat für Monat präsentieren wir Ihnen in unserer Dauerausstellung ein Objekt des Monats. Dabei handelt es sich um neue, unbekannte oder womöglich zu wenig beachtete Objekte und deren Geschichte. Der Schwerpunkt des Jahres 2026 liegt auf Neuzugängen zu unseren Sammlungen.

Kugel, durch die Max Schneider im April 1945 einen Steckschuss erlitt
Signatur: DÖW-Museumsgegenstände 996
Wenige Tage vor Kriegsende wurde Max Schneider am 23. April 1945 in Norddeutschland bei einem Gefecht mit der Deutschen Wehrmacht durch einen Steckschuss in der Schulter verwundet. Schneider war im Mai 1939 aufgrund seiner jüdischen Herkunft und aus politischen Gründen nach Großbritannien geflüchtet. 1940 wurde der Österreicher als „feindlicher Ausländer“ interniert und nach Kanada verschifft, wo er bei Waldrodungsarbeiten eingesetzt war. Im Dezember 1941 konnte er nach England zurückkehren und arbeitete als Metalldreher in Coventry. Mitte 1943 meldete sich Schneider – wie viele österreichische Exilanten – freiwillig zur britischen Armee. Im November desselben Jahres zum General Service Corps der British Army einberufen, landete er im Spätherbst 1944 mit dem Northamptonshire Regiment in Frankreich. Nach Einsätzen in Belgien und den Niederlanden war Schneider im März 1945 als Angehöriger des Infanterieregiments „The Cameronians (Scottish Rifles)“ bei der Rheinüberquerung dabei. Nach seiner Verwundung wurde er in ein Spital in Brüssel gebracht.

Max Schneider war am 4. Dezember 1921 als Sohn einer in einfachen Verhältnissen lebenden jüdischen Familie geboren worden, in der Religion nur eine geringe Rolle spielte. 1933 wurde er Mitglied der Roten Falken und trat nach 1934 zum illegalen Kommunistischen Jugendverband (KJV) über. Im britischen Exil wurde er Mitglied der KPÖ. Während Max Schneider mit Hilfe des linkssozialistischen Hashomer Hatzair die Emigration gelang, wurden seine Eltern Abraham und Josefine sowie sein sechsjähriger Bruder Robert am 6. Februar 1942 nach Riga deportiert und dort ermordet.
Im April 1947 rüstete Max Schneider als Soldat der britischen Armee ab. Nach seiner Rückkehr nach Wien war er als hauptamtlicher Funktionär der KPÖ aktiv, u.a. als Sekretär des von der Partei initiierten und bis 1950 bestehenden Verbands österreichischer antifaschistischer Freiheitskämpfer. Bis 1969 war er Wiener Landessekretär der KPÖ, 1971 trat Schneider infolge seiner Kritik am Einmarsch der Warschauer Vertragsstaaten in die Tschechoslowakei aus der KPÖ aus. Danach arbeitete er als Vertreter einer englischen Firma. In späteren Jahren war Schneider im Rahmen der vom Unterrichtsministerium vermittelten Gespräche als Zeitzeuge in Schulen aktiv. Schneider starb am 12. Juni 2010 im Alter von 88 Jahren in Wien.
Herta Maria Plohberger, die Lebensgefährtin von Max Schneider, übergab dem DÖW die Kugel, die im April 1945 aus Schneiders Schulter herausoperiert worden war.
Weiterführende Literatur:
DÖW-Interviewsammlung Nr. 287, Interview von Irene Etzersdorfer mit Max Schneider, 25.6.1985, 34 Seiten, auszugsweise abgedruckt in: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.), Jüdische Schicksale. Berichte von Verfolgten, Wien 1992 (Erzählte Geschichte. Berichte von Widerstandskämpfern und Verfolgten, Bd. 3), 479–481.
Österreicher im Exil – Großbritannien 1938–1945. Eine Dokumentation, hg. vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Einleitungen, Auswahl, Bearbeitungen: Wolfgang Muchitsch. Wien: Österreichischer Bundesverlag 1992.
Autor: Manfred Mugrauer, Archivar
Fotos: Michael Bigus (Objekt), Daniel Shaked (Porträt)



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