Monat für Monat präsentieren wir Ihnen in unserer Dauerausstellung ein Objekt des Monats. Dabei handelt es sich um neue, unbekannte oder womöglich zu wenig beachtete Objekte und deren Geschichte. Der Schwerpunkt des Jahres 2026 liegt auf Neuzugängen zu unseren Sammlungen.

Ausmusterungsschein von Franz Bauer, der als 20-Jähriger von der SS erschossen wurde
Ende 1942, Anfang 1943 hatte die anfängliche Kriegsbegeisterung im Deutschen Reich schon deutlich nachgelassen. Die Waffen-SS verzeichnete einen Rückgang der freiwilligen Meldungen, sodass ab 1943 ganze Jahrgänge der Hitler-Jugend und des Reichsarbeitsdienstes (RAD) zwangsweise für die Waffen-SS rekrutiert wurden. Dieses Schicksal erlitt auch Franz Bauer, Arbeiter und Sohn eines Landwirts in Eggendorf im niederösterreichischen Industrieviertel. Noch nicht einmal 18 Jahre alt musste er seinen Beitritt zur Waffen-SS erklären. In einem Brief an seine Eltern beschrieb er, wie sich auf Aufforderung nur drei seines RAD-Jahrgangs freiwillig zur SS meldeten, worauf die übrigen jungen Männer „ausnahmslos die Lappen zur freiwilligen SS Meldung unterschreiben“ mussten: „Ich wehrte mich noch vergeblich, aber es blieb mir nichts anderes über“.
Bereits mit 1. Februar 1943 wurde er einem SS-Regiment zur Ausbildung zugeteilt. Den Angaben in seinem Wehrpass folgend könnte es sich um die neu aufgestellte SS-Division „Frundsberg“ gehandelt haben. Aus seinen Briefen wird deutlich, wie sehr Franz Bauer militärischen Drill und den Krieg verabscheute. Diese Grundhaltung geht nicht zuletzt aus den Briefen und Unterlagen hervor, die seine Familie zur Wahrung seiner Erinnerung 2017 dem DÖW übergab.

Im Dezember 1943 kündigte Franz Bauer an, dass seine Einheit nun bald in den „Osten“ verlegt werde, wahrscheinlich Russland. Die Division „Frundsberg“ wurde ab März 1944 in schweren Kämpfen auf sowjetischem Gebiet eingesetzt, die zehntausenden Soldaten das Leben kosteten. Franz Bauer war allerdings nicht mehr dabei. Im Jänner 1944 dürfte er erkrankt sein, laut den Erzählungen der Familie, weil er die Taten und Anforderungen der Waffen-SS nicht ertrug.
Franz Bauer wurde zu seiner Stammkompanie versetzt. Am 12. März 1945 wurde er aus dem Wehrpflichtverhältnis entlassen. Sein Heimatort Eggendorf war wenig später Schauplatz letzter Abwehrkämpfe von Waffen-SS-Einheiten gegen die Rote Armee. Am 2. April sah Franz Bauer sichtlich erschöpfte SS-Männer auf der Leithabrücke in Eggendorf und fragte sie, ob sie nicht aufgeben wollten, er könne ihnen Zivilkleidung geben. Für diese Geste wurde er auf der Stelle erschossen. Er war knapp 20 Jahre alt.
Signatur: DÖW M 52216
Autorin: Brigitte Bailer, Historikerin
Fotos: Michael Bigus (Objekt), Daniel Shaked (Porträt)



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