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"Freilich": "Aula"-Nachfolgemagazin präsentiert

Neues von ganz rechts - Jänner 2019

 

Nachdem Die Aula, das langjährige publizistische Flaggschiff der österreichischen extremen Rechten, im Juni 2018 eingestellt worden war, sollte es ein halbes Jahr dauern, bis der damals für Herbst angekündigte Nachfolger präsentiert wurde. Inzwischen liegt die Nullnummer der neuen Zeitschrift vor, die den Titel "Freilich. Das Magazin für Selbstdenker" trägt und damit u. a. dem selbsternannten "Querformat für Querdenker" (alles roger?) Konkurrenz macht. Das Magazin soll sechsmal jährlich in einem Umfang von 100 Seiten (ein Drittel mehr als die Aula) erscheinen und weist nach Eigenangaben eine Startauflage von 10.000 Stück auf.

 

 

Strukturen und Personalia

 

Die Aula war im Aula-Verlag erschienen, der sich wiederum im Eigentum der föderal organisierten Freiheitlichen Akademikerverbände (FAV) befand. Für Freilich wurde nun ein "Verlagshaus Freilich Medien GmbH" (als Herausgeber und Medieninhaber) aufgesetzt, dessen Eigentümerstruktur nur noch drei Akademikerverbände umfasst: jene der Steiermark, Salzburgs und Oberösterreichs, wobei der seit jeher dominante steirische FAV zwei Drittel der Firmenanteile hält. Als Geschäftsführer fungiert der steirische FAV-Obmann und Grazer FPÖ-Gemeinderat Heinrich Sickl. Martin Pfeiffer, bis zur Einstellung der Aula deren Schriftleiter, bleibt als Obmann-Stellvertreter des Mehrheitseigentümers zumindest indirekt eingebunden. Erscheinungsort der Zeitschrift bleibt Graz, auch die Redaktionsadresse hat sich nicht geändert. Während Die Aula sich zeit ihrer Existenz einem Online-Auftritt verweigert hat, ist Freilich auch im Netz vertreten.

 

Anstelle eines Schriftleiters amtiert nun ein Chefredakteur: der deutsche PR-Berater, Sachbuchautor und Werbetexter Ulrich Novak, der hierzulande in der rechtsextremen Publizistik bislang nicht aufgefallen ist. Ihm steht u. a. Arndt Novak zur Seite, wie der langjährige Aula-Autor Fred Duswald ("Mauthausen-Befreite als Massenmörder", siehe: Hetze in der Aula gegen KZ-Häftlinge) ein Mitglied der Burschenschaft Danubia München, deren Aktivitas seit Jahren unter Beobachtung des bayrischen Verfassungsschutzes steht. So notierte der bayrische Verfassungsschutzbericht 2017 u. a. "enge Verflechtungen" zwischen Danubia und der Identitären Bewegung (IB) in Bayern. Arndt Novak selbst tritt seit Jahren als IB-Kader auf. Insofern er in burschenschaftlichen Kreisen als "Novak II" firmiert und auch Ulrich Novak in München studiert hat, liegt die Vermutung nahe, dass auch letzterer Danube ist.

 

Insgesamt präsentiert das Profil des Freilich-Teams sich als männlich und vorwiegend bundesdeutsch. Alle 14 namentlich zugeordneten Artikel bzw. Interviews der aktuellen Nummer wurden von Männern verfasst oder geführt, acht davon von deutschen Autoren. Als österreichische Autoren und/oder Interviewer scheinen die FPÖ-Politiker Sickl und Martin Hobek (Landtagsabgeordneter in Wien), der ehemalige oberösterreichische FPÖ-Landesparteisekretär Gert Bachmann und der Identitären-Ideologe Martin Lichtmesz (recte Semlitsch) auf.

 

 

Burschenschaftliche Verflechtungen

 

Die Aula startete Anfang der 1950er-Jahre als Mitteilungsblatt der völkischen Studentenverbindungen der Steiermark und, in weiterer Folge, Österreichs. Auch Freilich bleibt in diesem Milieu verankert. Dafür sprechen neben der Eigentümerstruktur und den handelnden Personen (Novak – Danubia, Sickl – aB! Arminia Graz, Bachmann – aC! Saxonia Wien) auch die Inhalte der Nullnummer: ein Werbetext über den Wiener Akademikerball, Inserate für die Grazer Burschenschaften Germania und Allemannia sowie für den Grazer Akademikerball oder auch das Editorial, in dem Ulrich Novak just die Korporationsbälle als Beispiel politischer Auseinandersetzungen zwischen "unseren Leuten und dem politischen Gegner" anführt und KritikerInnen bereits präventiv die "geistige Satisfaktionsfähigkeit" abspricht (S. 3).

 

 

Freiheitliches Vorfeldorgan

 

Auch wenn das "freiheitlich" vom Heftcover verschwand und die Selbstbezeichnung von Freilich als "parteiisch" (so die Online-Selbstdarstellung des Magazins) nicht näher ausgeführt wird, ist doch offensichtlich, dass jene Parteilichkeit in der Tat einer politischen Partei gilt. Die Vorstände der beiden Haupteigentümer des Freilich-Verlags sind mit FPÖ-Funktionären durchsetzt. Das Heftinnere eröffnet mit einer Werbeeinschaltung für die Biographie Heinz-Christian Straches aus der Feder eines freiheitlichen Landtagsmandatars (S. 2). Der Chefredakteur bekennt sich in seinem Editorial zum "verlängerten freiheitlichen Arm in die Real- und Parteipolitik", dem allerdings – in alter Aula-Tradition – gleichzeitig ausgerichtet wird, "notwendige Kompromisse und Konzessionen" nicht mit einem "sinnentleerten und lediglich liebedienerisch motivierten Kotau ohne Not" zu verwechseln (S. 3). Auch eine Handlungsanweisung für die nun in Regierungsverantwortung befindliche FPÖ findet sich – im Artikel des früheren freiheitlichen Funktionärs Bachmann: die FPÖ, so dieser, müsse nun "lange[n] Atem" beweisen. "Die Berufung neuer Richter und Beamter" erfordere Zeit, Pläne wie "die finanzielle Austrocknung von Ghettos" setzten für ihre Umsetzung einen "Marsch[] durch die Institutionen" voraus, "um die Trümmer der 68er-Utopien von einer multikulturellen Gesellschaft aus der Justiz, dem Beamtentum, dem Bildungswesen etc. zu entfernen" (S. 57). Bachmann operiert damit ganz im Geiste der Aula, die vor gut einem Jahr (11/2017, S. 23) die damals in Bildung befindliche schwarz-blaue Koalition aufgefordert hatte, "verfassungsrechtliche Maßnahmen an[zu]denken, um ein neuerliches Emporkommen der Grünen und ein Wiedererstarken der Roten hintanzuhalten. Die vom Wähler unmißverständlich gewünschte Veränderung sollte schließlich von Dauer sein."

 

Als Interviewpartner aus Österreich standen der Erstausgabe die freiheitliche Nationalratsabgeordnete Dagmar Belakowitsch-Jenewein und der FPÖ-nahe Historiker Lothar Höbelt zur Verfügung. Prominentester Interviewpartner ist allerdings ein internationaler Freund der Partei: der italienische stellvertretende Ministerpräsident Matteo Salvini (Lega). Darüber hinaus sind ein Artikel und ein Interview der jüngeren Geschichte der FPÖ gewidmet.

 

 

Form und Inhalt

 

Optisch präsentiert sich der Aula-Nachfolger runderneuert. Mit umfangreichen Fotostrecken, gezeichneten Autorenporträts und textextensivem Layout lehnt man sich ästhetisch an Magazine wie Datum, Fleisch oder – im eigenen ideologischen Einzugsbereich – Frank & Frei an. Als Zielgruppe nennt Sickl in einem online veröffentlichten Eigeninterview "intelligente Zeitgenossen beiderlei Geschlechts". Einer Presseaussendung vom 17. 12. 2018 zufolge will man auch den deutschen und den Schweizer Markt bedienen.

 

Das programmatische Editorial von Ulrich Novak nimmt vertraute Feindbestimmungen vor: man richtet sich gegen die "linken Dystopisten" und jenen "Teil der europäischen politischen Kaste", der im Verbund mit seinen "willfährigen Gefolgsleute[n]" versuche, "die ehrwürdigen Kulturnationen im Rahmen einer sogenannten Globalisierungsstrategie zu okkupieren" (S. 3). Als für das Milieu obligat können auch die Beschwörung von "Fanalen des drohenden Untergangs" (ebenda) sowie die Feindbilder Mainstream-Medien (Interview mit Felix Menzel) und linker "Moralismus" (Artikel von Götz Kubitschek) gelten.

 

Mit der gesamten rechtsextremen Medienlandschaft eint Freilich nicht zuletzt die Bestimmung der Causa Prima: "Reden wir über Migration", lautet die Titelzeile. Inhaltlich wird dabei Gewohntes geboten: schon auf Titelseite wird ein im Gang befindlicher "Selbstmord Europas" behauptet. Gert Bachmann erläutert, dass die Sozialdemokratie im Niedergang begriffen sei – nur, um in weiterer Folge ebendiese am Boden liegende Sozialdemokratie als entscheidenden Hebel zu bestimmen, über welchen "eine rasch wachsende migrantische Gruppe" die "Kontrolle über den Kontinent" übernehmen könnte (S. 57). Der deutsche Pennalburschenschafter und Publizist (Blaue Narzisse, Sezession) Felix Menzel ortet eine Spaltung zwischen "einer globalistischen Elite und bodenständigen Menschen aus dem Volk" (S. 41), während Martin Semlitsch hinter dem UN-Migrationspakt ("blanker Wahnsinn", "Suizidpakt") eine "Agenda internationaler Eliten" wittert, "die meinen, sie könnten über das Schicksal ganzer Völker und Kontinente entscheiden" (S. 99).

 

In gewisser Abgrenzung zur sozialchauvinistischen Aula, aber im Einklang mit der jüngeren Entwicklung der Mutterpartei wird mit einem Bericht über die Jahreskonferenz des deutschen Ludwig-von-Mises-Instituts auch um den Zuspruch rechtslibertärer Kreise gebuhlt.

 

 

Inserate

 

Über die schon genannten Einschaltungen hinaus präsentiert sich das Inserate-Portfolio in großer Kontinuität zur Aula. Deren langjährige Stamminserenten konnten demnach gehalten werden – von der Grazer Hausverwaltung Strohmeier über die Immobilienverwaltung Reinhard Eder und die DI Pietsch und Ing. Dr. Weindorfer Prüf-GmbH bis hin zu Dr. Fischers Montana-Haustropfen. Neu gewonnen werden konnten die einschlägigen Verlage Stocker (Graz) und Jungeuropa (Dresden).

 

 

Resümee und Ausblick

 

Freilich präsentiert sich in seiner Erstausgabe stilistisch und inhaltlich zurückhaltender als sein – teilweise die Grenze zum Neonazismus berührender – Vorgänger. Während dessen Feindbestimmungen den Relaunch weitgehend überdauert haben, zeigt man sich in Themensetzung, Ästhetik, Rhetorik und nicht zuletzt personell stärker "neurechts" inspiriert, wovon nicht zuletzt Autoren bzw. Interviewpartner wie Menzel, Kubitschek und Semlitsch zeugen. Angesichts des Schwerpunktthemas der letzten Aula-Ausgabe ("Identitäre Bewegung") setzt Freilich damit dort an, wo die Geschichte des Vorgängers im Juni 2018 geendet hatte. Diese Neujustierung steht im Einklang mit der aktuellen Ausrichtung insbesondere des steirischen FAV, der inzwischen regelmäßig – in Form einer gemeinsamen "Herbstakademie" in der Steiermark – mit dem "neurechten" deutschen Institut für Staatspolitik (IfS) kooperiert. Angesichts dessen ist nur folgerichtig, dass das neue Medium in einschlägigen Kreisen bereits aktiv beworben wird – so etwa am Blog des IfS-Medium Sezession um Götz Kubitschek.

 

Fraglich muss einstweilen bleiben, ob der Aula-Nachfolger sich mit der dargestellten redaktionellen Linie einen Platz im zunehmend umkämpften Markt der rechtskonservativen bis rechtsextremen Publizistik erarbeiten kann. Während die traditionelle Klientel der Aula – deutsch-völkisch, rückwärtsgewandt und teilweise NS-affin – sich "neurechten" Innovationen gegenüber historisch äußerst resistent erwies, wird das Feld der modernisierungsbereiten Rechten inzwischen von zahlreichen Akteuren beackert. Neben den etablierten deutschen Medien Sezession, Blaue Narzisse und Junge Freiheit wäre hier aus Österreich v. a. Info-DIREKT zu nennen, das sich u. a. mit einem mehrteiligen Nachruf auf die Aula und der Anwerbung des vormaligen Aula-Schriftleiters Martin Pfeiffer als Kolumnist bereits eifrig um die Konkursmasse der Grazer Traditionszeitschrift bemüht hatte.

 

 

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