DÖW Logo
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes

Revisionistentreffen mit österreichischer Beteiligung

Ende August findet in Deutschland der Jahreskongress der geschichtsrevisionistischen Gesellschaft für freie Publizistik (GfP) statt. Als Einladender fungiert Martin Pfeiffer, der 2025 für seine Tätigkeit als Schriftleiter der Aula (nicht rechtskräftig) nach dem Verbotsgesetz zu vier Jahren Haft verurteilt wurde. Pfeiffer amtiert seit 2010 als Vorsitzender der GfP, seine Nachfolge soll auf dem diesjährigen Kongress bestimmt werden.[1]

 

Unter den angekündigten Referent*innen der Tagung findet sich mit Andreas Thierry ein Österreicher. Thierry, der eine lange Karriere im deutschen und österreichischen Neonazismus aufweist,[2] machte zuletzt als Schriftleiter des Eckart (bis 2022),als Co-Autor eines Buchs im AUF1-eigenen Pionier-Verlag und als „zuständig“ für ebendiesen Verlag seit Frühjahr 2024[3] (alles unter dem Pseudonym Konrad Reisinger auf sich aufmerksam. Auch ist er wiederkehrender Beiträger zur neonazistischen deutschen Zeitschrift Volk in Bewegung/Der Reichsbote, in der er zuletzt in zwei Teilen über den Aula-Prozess berichtete. Dort beklagt Thierry eine Entwicklung des „Linksstaates Österreich“ hin „zu einer totalitären Gesinnungsdiktatur“[4] und erinnert daran, dass er selbst Mitte der 1990er Jahre wegen der Verbreitung eines revisionistischen Flugblatts über die Waffen-SS verurteilt worden war.[5] Die Macht des „herrschende[n] System[s]“ könne „nur gebrochen werden, wenn das Verbotsgesetz fällt“.[6] Von „entscheidender Bedeutung“ sei dabei die „Haltung der FPÖ“ als „ursprünglich eine Partei der Verfolgten“ mit dem „Kampf gegen die Unterdrückung ehemaliger NSDAP-Mitglieder“ als „ureigenste[m] Anliegen“.[7]

 

Österreich-Bezüge weisen auch weitere angekündigte Vortragende auf: Mario Kandil ist regelmäßiger Autor des Eckart, Karl Richter schrieb einst für die Aula. Der Südtiroler Landtagsabgeordnete Jürgen Wirth Anderlan wiederum war häufiger Bühnengast auf Corona-Demonstrationen in Wien und pflegt Kontakte zur Identitären Bewegung Österreich (IBÖ) um Martin Sellner, den er 2025 nach Südtirol einlud.[8] Vom österreichischen EU-Abgeordneten Gerald Hauser, der Anderlan als einen Freund bezeichnet, wurde er erst im Juli 2026 ins Europäische Parlament nach Straßburg eingeladen.[9] Jüngst sorgte Anderlan durch eine Treffen mit einer gewaltbereiten Südtiroler Neonazi-Gruppe für Aufsehen, die er rund eine Woche nach seinem Auftritt im EU-Parlament nach Kaltern eingeladen hatte.[10]

 



[1] Vgl. Freies Forum, Nr. 2/2026, S. 2.

[2] Vgl. Wilhelm Lasek, Funktionäre, Aktivisten und Ideologen der rechtsextremen Szene in Österreich, Wien 2015, https://www.doew.at/cms/download/b3c9m/lasek_funktionaere_2015-2.pdf, S. 162–169.

[3] Mario Kandil/Konrad Reisinger, Der vertuschte Völkermord an den Deutschen. Wie die Vernichtung nach 1945 weiterging…, 3. Auflage, Linz 2025, S. 393.

[4] Volk in Bewegung, Nr. 3/2026, S. 30-35, hier: 30.

[5] Vgl. ebd., S. 31f.

[6] Ebd., S. 33.

[7] Ebd., S. 34.

[8] Vgl. Martin Sellner, Telegram, 23.5.2025, https://t.me/martinsellnerIB/23859.

[9] Vgl. Gerald Hauser, Telegram, 18.7.2026, https://t.me/GeraldHauser/5285 und 12.8.2026, https://t.me/GeraldHauser/5356.

Unterstützt von: