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"Sie gingen den anderen Weg" - Organisierter Widerstand in Österreich

Das nationalsozialistische Regime verfolgte Personen, die sich kommunistischen Widerstandsgruppen anschlossen, von Anfang an mit großer Brutalität. KommunistInnen leisteten den entschiedensten und zahlenmäßig opferreichsten Widerstand. Sie betonten ihre österreichisch-patriotische Ausrichtung und traten - ungeachtet ihrer sonstigen gesellschaftlichen und politischen Vorstellungen - für die Wiederherstellung der Unabhängigkeit Österreichs ein. Durch den Zustrom ehemaliger SozialdemokratInnen wurden sie zur zahlenmäßig stärksten Kraft im Widerstand.

 

Den kommunistischen WiderstandskämpferInnen gelang es wiederholt, ein Netz illegaler Funktionärsgruppen aufzubauen, die von der Gestapo jedoch fast immer zerschlagen wurden. Bis Ende 1943 nahm die Gestapo-Leitstelle Wien 6300 kommunistische ParteigängerInnen fest.

 

Robert Kurz (Foto: DÖW)

Wie viele andere junge WiderstandskämpferInnen kam Robert Kurz aus der sozialdemokratischen Jugendbewegung (das Foto, aufgenommen vor 1934, zeigt ihn in einer Gruppe der Sozialistischen Arbeiterjugend Leopoldstadt). Nach 1934 schloss er sich den illegalen Kommunisten an. Die Gruppe wurde allerdings im Sommer 1941 durch mehrere eingeschleuste Gestapo-Spitzel aufgerollt. Robert Kurz wurde verhaftet, zum Tode verurteilt und am 28. 1. 1943 hingerichtet.

 

Margarethe Schütte-Lihotzky (Foto: DÖW)  

 

 

1940 kehrte die Architektin und Kommunistin Margarethe Schütte-Lihotzky aus der Türkei nach Wien zurück. Schütte-Lihotzky sollte im Auftrag der in Moskau befindlichen KPÖ-Leitung in Wien am Aufbau eines Netzes kommunistischer Widerstandsgruppen arbeiten. Bereits nach kurzer Zeit wurde sie aufgrund des Verrats des Gestapo-Spitzels "Ossi" (= Kurt Koppel) verhaftet. Schütte-Lihotzky wurde 1942 zu 15 Jahren Kerker verurteilt und blieb bis zur Befreiung 1945 inhaftiert. (Foto: DÖW)

 

"Es war klar, dass durch reine Beobachtung die Gestapo nie zu diesen Ergebnissen kommen konnte. Also Verrat aus den eigenen Reihen. Und es durchzuckte mich der Gedanke 'Ossi'. Aber voll Entsetzen wies ich diesen Gedanken von mir, wie man eben was ganz Furchtbares zuerst wieder von sich weisen will, denn ich war mir klar, was für grauenhafte Folgen es für unsere Partei haben musste [...]. Ich machte mir in dieser ersten Nacht auch Vorwürfe, einen Genossen leichtfertig eines ungeheuren Verbrechens zu verdächtigen. [...] Erst leider 14 Monate nach der Verhaftung erhielten wir [...] die Nachricht, dass 'Ossi' wirklich der Verräter ist. Auf den Aluminiumkrügen auf der 'Liesl' [= Polizeigefangenenhaus] war überall eingeritzt 'Ossi ist ein Verräter'".

Erinnerungsbericht von Margarethe Schütte-Lihotzky über den Gestapo-Spitzel "Ossi" (= Kurt Koppel), undatiert.

 

Kurt Koppel, einstiger Funktionär des Kommunistischen Jugendverbandes, wurde bald nach dem "Anschluss" als Gestapo-Spitzel tätig. Er fungierte unter den Decknamen "Peter", "Konrad Klaser" sowie "Ossi" und unterstand dem Nachrichtenreferat der Gestapo bzw. dessen Leiter, Lambert Leutgeb. Ob Koppel mittels Drohungen zu den Spitzelaktivitäten gepresst wurde oder er diesen aufgrund finanzieller Zuwendungen bzw. Geltungsdrangs nachkam, ist unbekannt. Nach 1945 gelang es ihm unterzutauchen.

 

 

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