Gedenkfeier, 27. Juni 2026
Wie auch die Geschichte des Lagers Weyer-St. Pantaleon beweist, brachten die Nationalsozialisten viele Menschen um, die fälschlich als „asozial“ oder „arbeitsscheu“ abgestempelt wurden. Ähnlich verhält es sich mit der Opfergruppe der sogenannten „Berufsverbrecher“ oder „Gewohnheitsverbrecher“. Allein in der Nacht des 14. Juni 1938 wurden im ehemaligen Österreich mehrere hundert Männer ohne aktuellen Tatverdacht in „Vorbeugungshaft“ genommen. Großteils in Konzentrationslager verbracht, starben viele von ihnen einen grausamen Tod.
Ein neues Buch widmet sich einem dieser Häftlinge, dem Linzer Josef Finster. Seine Großnichte, die Soziologin Waltraud Kannonier-Finster hat es gemeinsam mit Meinrad Ziegler verfasst. In der Familie kursierte zwar das Gerücht, Josef sei 1938 im KZ Dachau erschossen worden, aber niemand schien mehr zu wissen oder wissen zu wollen. Josef Finster hatte eine Familie gegründet und sich seit 1933, als er 15 Stunden Arrest absaß, nichts mehr zuschulden kommen lassen. Auch vorher hatte er lediglich ein paar kurze Arreststrafen wegen kleiner Delikte – Diebstahl minderer Art, Vorenthaltung von Gütern, Veruntreuung usw. – in der Zeit der großen Arbeitslosigkeit verbüßt. Der schmächtige Mann musste im KZ Flossenbürg in Bayern im Steinbruch schuften und starb dort am 30. November 1941 im Alter von 41 Jahren, offiziell an Herzschwäche.
Unmittelbar nach der heurigen Gedenkfeier an der Erinnerungsstätte am 27. Juni stellen die Autor*innen in der Aula der Mittelschule (Am Kuglberg 12), das Buch „Josef Finster. Eine Recherche“ vor. Im anschließenden Gespräch, an dem auch DÖW-Leiter Andreas Kranebitter teilnimmt, wird es auch um die Lehren gehen, die sich für die Gegenwart ziehen lassen, in der die Krise der Demokratie beunruhigende Ausmaße annimmt. Die NS-Herrschaft aus Willkür und gigantischen Lügengebäuden scheint gerade viele junge Leute nicht mehr davon abzuschrecken, rechtsextremem Gedankengut anzuhängen.
Gedenkfeier
am 27. Juni 2026
um 18.00 Uhr
an der Erinnerungsstätte St. Pantaleon (Moosachstraße, 5120 St. Pantaleon)
Die Erinnerungsstätte hat keine eigene Hausnummer. Sie befindet sich an der Moosachstraße in St. Pantaleon vor der Überquerung der Moosach auf der linken Seite. Sie können auch folgende Koordinaten in Ihr Navigationssystem eingeben: 48.0059348, 12.8986323 ("Erinnerungsstätte Lager Weyer" auf OpenStreetMap)
Buchpräsentation
in der Mittelschule St. Pantaleon (Am Kuglberg 12, 5120 St. Pantaleon)
im Anschluss an die Gedenkfeier
mit Waltraud Kannonier-Finster, Meinrad Ziegler und Andreas Kranebitter



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