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Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes

„Benedikt Kautsky. Politische und wissenschaftliche Biografie“

Workshop, 11. Mai 2026

Im Verein für Geschichte der ArbeiterInnenbewegung (VGA) liegt der Nachlass von Benedikt Kautsky (1894–1960), dem jüngsten Sohn von Luise und Karl Kautsky. Kautsky zählte als Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Arbeiterkammer (1921–1938) und als politischer Autor, der sieben Jahre KZ-Haft, u. a. in Dachau, Buchenwald und Auschwitz/Monowitz überlebte und nach der Befreiung in seinem Buch „Teufel und Verdammte“ soziologisch bearbeitete, zu den führenden Intellektuellen der österreichischen Sozialdemokratie seiner Zeit. Ab 1945 war er nach kurzer Mitarbeit in der Thüringischen Landesbibliothek als Journalist in der Schweiz tätig, 1950 kehrte er nach Österreich zurück, wo er Leiter der Otto Möbes-Schule der Grazer Arbeiterkammer wurde. Er wirkte als Universitätsdozent und ab 1957 als stellvertretender Generaldirektor der Creditanstalt. 1958 war er federführend an der Neufassung des SPÖ-Parteiprogramms beteiligt.

 

Der Nachlass, der 2025 neu geordnet und vollständig erschlossen wurde, umfasst persönliche Dokumente, Notizen, Artikel, Buchentwürfe, Aufsätze und Vorträge, Materialien und Korrespondenzen zu Kautskys Haft in Konzentrationslagern und zur Nachkriegsgerichtsbarkeit gegen NS-Verbrecher:innen, berufliche Korrespondenzen und Unterlagen zur SPÖ-Programmdiskussion 1957/58. Ebenso enthalten sind Materialien und Korrespondenzen seines Vaters, des sozialdemokratischen Theoretikers Karl Kautsky, Aufsätze seiner Ehefrau Gerda Kautsky sowie Dokumente und Korrespondenzen zu weiteren Familienangehörigen.

 

In den letzten Jahren ist ein neues Interesse an der politischen und wissenschaftlichen Biografie von Benedikt Kautsky zu bemerken. Der Workshop nimmt dies zum Anlass, die Quellen zu Kautsky gemeinsam zu diskutieren, aktuelle Arbeiten zu seiner Person vorzustellen und die beteiligten Forscher:innen zu vernetzen. Die Ergebnisse des Workshops werden Ende 2026 in der Zeitschrift VGA Dokumentation veröffentlicht.

 

Der Workshop ist als gemeinsame Veranstaltung mehrerer wissenschaftlicher Einrichtungen und Archive konzipiert, die in ihren Beständen und der jeweiligen forscherischen Praxis wichtige Bezugspunkte zu Benedikt Kautsky vereinen, darunter VGA, Institut für historische Sozialforschung, Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Schweizerisches Sozialarchiv.

 

Koordination und Organisation: Georg Spitaler & Julia Tyll-Schranz

 

Programm

  • 09.00: Begrüßung
  • 09.10: Georg Spitaler/Julia Tyll-Schranz (VGA): Der Nachlass von Benedikt Kautsky im Verein für Geschichte der ArbeiterInnenbewegung. Funde und Leerstellen
  • 09.40: Florian Wenninger (Institut für historische Sozialforschung): Benedikt Kautsky. Pragmatiker – Überlebender – Einzelgänger
  • 10.10: Berthold Molden (Universität Wien): Kautsky, Hayek und die Gründung des Österreichischen Instituts für Konjunkturforschung. Wirtschaftswissenschaft als politisches Feld in der Zwischenkriegszeit
  • 10.40: Kaffeepause
  • 11.10: Christian Fleck (Karl-Franzens-Universität Graz)/Andreas Kranebitter (DÖW): Welche Schlüsse zog Benedikt Kautsky aus seiner siebenjährigen KZ-Haft?
  • 11.55: Dieter Hecht (ÖAW): Benedikt Kautsky und die Rückkehr vertriebener jüdischer Sozialist:innen und KZ-Opfer nach Österreich
  • 12.25: Mittagspause (Buffet)
  • 13.30: Paul Kahl (Erfurt): Benedikt Kautsky und die Weimarer Bibliothek. Zur Restitution von Büchern aus sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Beständen
  • 14.00: Christian Koller (Schweizerisches Sozialarchiv, Zürich): Zwischen Buchenwald und Graz: Benedikt Kautskys Aufenthalt und Publikationen in der Schweiz, 1945–1950
  • 14.30: Karin Scaria-Braunstein (Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich): „Lediglich auf dem Gebiete der Sozialpolitik“ – der Habilitationsakt Benedikt Kautsky
  • 15.00: Kaffeepause
  • 15.25: David Mayer (Universität Wien): Unerwarteter Rand? Benedikt Kautsky und die wirtschaftspolitischen Diskussionen in der österreichischen Arbeiter:innenbewegung in der Nachkriegszeit
  • 15.55: Paul Dvořak (Institut für historische Sozialforschung): Karl Kautskys Rolle beim SPÖ-Parteiprogramm 1958
  • 16.25: Resümee und Ausblick
  • 18.30: Gemeinsames Abendessen

 

 

Workshop „Benedikt Kautsky. Politische und wissenschaftliche Biografie“

 

am 11. Mai 2026

von 9.00 bis 16.55 Uhr

im Verein für Geschichte der ArbeiterInnenbewegung (Rechte Wienzeile 97, 1050 Wien)

Teilnahme kostenlos möglich, aufgrund der begrenzten Platzkapazitäten ist eine Anmeldung unter office@vga.at erforderlich.

 

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