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Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes
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Wölfel Josef


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Josef Wölfel
Foto: Wiener Stadt- und Landesarchiv

Vorname
Josef
Nachname
Wölfel
Geburtstag
11.07.1897
Wohnort
Wien

Der Sattlergehilfe Josef Wölfel emigrierte nach den Februarkämpfen 1934 zunächst in die Tschechoslowakei und dann in die Sowjetunion. Dort wurde er der "Spionage" verdächtigt und zusammen mit seinem Bruder Jakob Wölfel im März 1938 festgenommen. Im Dezember 1939 wurde Josef Wölfel den deutschen Behörden ausgeliefert und am 14. 3. 1940 als "Russlandrückkehrer" von der Gestapo Wien erkennungsdienstlich erfasst. Am 10. 1. 1944 wurde er wegen "wehrkraftzersetzender Äußerungen" festgenommen. Er wurde am 13. 6. 1944 von der Anklage wegen "Wehrkraftzersetzung" freigesprochen und aus der Haft entlassen.

Aus dem Urteil des Oberlandesgerichts Wien, 13. 6. 1944:
"Am 29. 12. 1943 morgens gewahrte Wölfel, wie der Kolonnenführer [...] einen Ostarbeiter, der sich verspätet hatte, tätlich durch Ohrfeigen misshandelte. Den ohnehin leicht erregbaren Angeklagten empörte dies, er eilte zum Meister [...] und rief ihm zu: 'Was sind denn das für Zustände, der [...] misshandelt Ostarbeiter.' [...]
[...] brauste daraufhin auf, Wölfel solle ihn nicht frozzeln, sonst könne er auch gleich ein paar haben; er nannte den Angeklagten einen Kommunisten, der erschlagen gehöre, und fügte bei: 'Wenn wir das Unglück hätten, den Krieg zu verlieren, tätet ihr eh uns alle aufhängen und mich als Ersten!' Darauf antwortete Wölfel im Zorn: 'Nicht aufgehängt, sondern ausgebeinelt gehörst du!'
Dass der Angeklagte sich geäußert hätte: 'Wenn wir den Krieg verlieren, kommt ihr alle dran und du wirst nicht aufgehängt, sondern als Erster ausgebeinelt', wie ihm die Anklage auf Grund der Angaben des [...] vor der Staatspolizei zur Last legt, trifft nach der bestimmten, übereinstimmenden Aussage der vernommenen Tatzeugen nicht zu. Vielmehr war es [...] selbst, der davon sprach, dass die Kommunisten, unter die er auch den Angeklagten einreihte, im Falle einer deutschen Niederlage an allen Rache nehmen würden und an ihm zuerst."

Überlebt

Quelle: Gestapo-Opfer (Individuelle Widerständigkeit)

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