Vom 18. bis zum 19. Mai 2026 fand der der transnationale Workshop „Rethinking Holocaust History through Geospatial Approaches“ statt, der vom Masaryk-Institut und Archiv der Tschechischen Akademie der Wissenschaften (EHRI-CZ) in Kooperation mit dem DÖW (EHRI-AT) organisiert wurde. Der Workshop beinhaltete einen theoretischen Teil mit wissenschaftlichen Vorträgen und einen praxisorientierten Teil mit Hands-On Session.
Zu den Vortragenden gehörten Forscher*innen und Archivar*innen aus Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Israel, Italien, Kroatien, Österreich, Polen, Tschechien und den USA. Dadurch sollte auch die Beteiligung von Teilnehmenden aus Ländern außerhalb der EHRI National Nodes gefördert werden, etwa aus Frankreich, Griechenland, Italien und den USA. Die Veranstaltung zeugte von der wachsenden Bedeutung von GIS-basierten und räumlichen Ansätzen in der Holocaust-Forschung.
Der Workshop wurde mit einer Keynote von Anne Knowles eingeleitet, die über die Möglichkeiten und Herausforderungen der räumlichen Darstellung des Holocaust reflektierte. Sie plädierte dafür, den Fokus nicht nur auf eine begrenzte Anzahl bekannter Orte des Holocausts zu legen, sondern stattdessen die umfassendere Geografie von Verfolgung, Vertreibung und Überleben zu reflektieren. Ihre Ausführungen bildeten einen konzeptionellen Rahmen für viele der nachfolgenden Diskussionen.
Das erste Panel „GIS Perspectives on Ghettos and Camps“ zeigte auf, wie räumliche Analysen Muster von Verfolgung, Haft, Mobilität und Überleben aufdecken können, die in traditionellen historischen Erzählungen kaum sichtbar sind.
Das nächste Panel „Mapping Persecution: HGIS Approaches to the Holocaust“ untersuchte die räumlichen Dimensionen wirtschaftlicher Verfolgung, Erinnerungslandschaften und die Umwandlung von Archiv- und Zeitzeugenquellen in Geodaten, indem es verschiedene HGIS-Projekte vorstellte.
Der erste Tag des Workshops endete mit einer Führung durch Orte der Verfolgung in der NS-Zeit im Zentrum Prags mit dem Online-Tool MemoMap.
Der zweite Tag begann mit dem Panel „Geospatial Approaches to Holocaust Narratives“, das sich mit Literatur und Zeugnissen befasste. Anhand von Zeitzeug*innenberichten und Gedenkbüchern untersuchten die Vortragenden innovative Wege, mikrohistorische Perspektiven mit übergeordneten geografischen und historischen Prozessen zu verknüpfen, indem individuelle Erfahrungen einbezogen wurden.
Ein praxisorientierter Hands-On-Teil mit dem Titel „Tools, Infrastructure and New Approaches“ bot drei parallele Module an, die sich auf das EHRI Geospatial Repository, GIS in der historischen Forschung und auf einen Atlas der Holocaust-Literatur in Łódź konzentrierten. Die Hands-On-Sessions wurden von Vertreter*innen dreier verschiedener EHRI-National Nodes – Israel, Polen und Tschechien – geleitet, was die im Rahmen von EHRI-ERIC geförderte transnationale Zusammenarbeit verdeutlichte.
In seinen Schlussworten ging Benjamin Frommer auf wiederkehrende Themen des Workshops ein, wie die Einbindung individueller Erfahrungen in umfassendere räumliche Rahmenbedingungen, und zeigte anhand seiner eigenen Forschungen zum Holocaust im „Protektorat Böhmen und Mähren“ neue Einblicke in diese Themen auf.
Text: Wolfgang Schellenbacher
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