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Partizan★ke Art kommt ins DÖW – Ausstellung ab 30. April im Otto-Wagner-Areal

An die zwei Millionen Frauen nahmen am antifaschistischen Widerstand in Jugoslawien und Kärnten/Koroška teil – viele von ihnen auch mit künstlerischen Mitteln. Die Ausstellung „Partizan★ke Art“ macht dieses weitgehend verdrängte Kapitel europäischer Geschichte sichtbar – ab Ende April auch in Wien. 


Die Ausstellung gastiert ab 30. April 2026 im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. In Vorbereitung auf den Umzug des DÖW auf das Otto-Wagner-Areal haben wir zusätzliche Flächen in Pavillon V angemietet, die abwechselnd Gastausstellungen Raum geben werden – den Beginn macht „Partizan★ke Art“ der Kurator*innen Elena Messner, Brigita Malenica, Julia Stolba, Sabina Ferhadbegović und Goran Lazičić.



Partizan★ke Art. Die Kunst des weiblichen Widerstands in Jugoslawien und Kärnten | Umetnost ženskega odpora v Jugoslaviji in na Koroškem

 

von 2. Mai bis 28. November 2026
Mittwoch bis Freitag (werktags): 10.00 bis 17.00 Uhr
Samstag (auch an Feiertagen): 12.00 bis 16.00 Uhr
Eröffnung: 30. April 2026 um 19.00 Uhr
Finissage: 27. November 2026 um 17.30 Uhr

im Pavillon V (nicht 5) des Otto-Wagner-Areals (Baumgartner Höhe 1, 1140 Wien)

 

Eintritt frei



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Eine Ausstellung über Partisaninnen, Widerstand und ein verdrängtes Erbe

 

Was bedeutet es, Kunst nicht trotz des Krieges, sondern im Krieg zu schaffen – wenn dieser nicht nur Hintergrund, sondern Bedingung, Material und Dringlichkeit künstlerischer Praxis ist? Was heißt es, mit einfachsten Mitteln dem Faschismus entgegenzutreten: singend, schreibend, stickend, malend?


Die Ausstellung des internationalen Kollektivs Partizan★ke Art rückt ein nahezu vergessenes Kapitel europäischer Geschichte ins Licht: die Kunst der Partisaninnen aus Jugoslawien und Kärnten/Koroška. Auf Einladung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) zeigen Elena Messner, Brigita Malenica, Julia Stolba, Sabina Ferhadbegović und Goran Lazičić, wie eng ästhetische Praxis und politischer Widerstand miteinander verwoben waren.


Über 30 internationale Beiträge aus Literatur, Bildender Kunst, Film, Fotografie, Textil, Grafik, Theater, Tanz, Musik und Denkmalarchitektur machen deutlich: Widerstand war nicht nur militärisch organisiert, er war auch kulturell getragen. Meterhohe Banner strukturieren die Schau und bieten einen historisch-wissenschaftlichen Überblick über die Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen im antifaschistischen Kampf.


Zugleich öffnet die Schau den Raum für zeitgenössische Positionen. Künstler*innen setzen sich in Videoessays, Installationen, Textil- und Audioarbeiten mit diesem Erbe auseinander. Vergangenheit und Gegenwart treten in einen Dialog.

Die Bedeutung des weiblichen Widerstands

 

Während der weibliche Widerstand im Zweiten Weltkrieg in Westeuropa inzwischen zumindest punktuell erinnert wird, bleibt er in Bezug auf Ost- und Südosteuropa weitgehend unsichtbar. Besonders Jugoslawien – einst Schauplatz einer der größten und erfolgreichsten Partisan*innenbewegungen Europas, ist im deutschsprachigen Erinnerungsdiskurs marginalisiert.


Dabei schlossen sich rund zwei Millionen Frauen der Befreiungsbewegung an: als Sanitäterinnen, Kurierinnen, Organisatorinnen, Kämpferinnen – und als Künstlerinnen. Sie schrieben Gedichte im Untergrund, entwarfen Flugblätter, stickten Symbole des Widerstands, spielten Theater in befreiten Gebieten, komponierten Lieder für den Marsch in die Berge. Kultur wurde zu einem Mittel der Selbstermächtigung – und zu einem Motor für gesellschaftliche Transformation. Der antifaschistische Kampf wirkte zugleich als Impuls für Frauenrechte und Emanzipation.

Avantgarde und Volkskunst im Untergrund

 

Der Begriff „Partisan*innenkunst“ gilt als eines der umfassendsten Beispiele kulturell organisierten Widerstands im Zweiten Weltkrieg. Zu den weiblichen Akteurinnen gehörten Vertreterinnen der Avantgarde ebenso wie Analphabetinnen, die ihre Erfahrungen in Formen der Volkskunst ausdrückten. Entstanden sind Werke unter extremen Bedingungen, im Versteck, im Exil, in permanenter Lebensgefahr. Gerade diese existenzielle Situation verleiht ihnen eine besondere Dringlichkeit.


Die Kunst erfüllte viele Funktionen zugleich: Sie war Alphabetisierungskurs, politisches Manifest, Trauerarbeit, Hoffnungsträgerin, Bildungsinstrument, Mobilisierungsstrategie und ästhetische Reflexion über Leben und Tod. Inmitten von Gewalt und Terror schuf sie Räume für Zukunftsvorstellungen.

Historische Stimmen – zeitgenössische Perspektiven

 

Die Ausstellung rückt Partisaninnen und Künstlerinnen in den Blick, darunter Saša Božović, Magda Bošan Simin, Greta Štern Čaće, Lela Čermak, Vera Crvenčanin, Vera Obrenović Delibašić, Alenka Gerlovič, Cvijeta Job, Vida Jocić, Ina Jun-Broda, Elvira Kohn, Helena Kuchar (Jelka), Hanna Levy-Hass, Mitra Mitrović, Marta Paulin (Brina), Milka Žicina, Nadežda Ilić Tutunović, Mira Baum Sanjina, Stella Skopal, Ana Zablatnik u. a. 


Gleichzeitig fragt die Ausstellung, wie sich diese widerständigen Kunstpraxen nach 1945 fortsetzten und wie sie heute neu gelesen werden können. Künstler*innen aus Kärnten/Koroška, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien und Deutschland greifen die Geschichte auf und schreiben sie weiter.

Wissenschaftliche Einbettung

 

Die Ausstellung ist Teil eines mehrjährigen internationalen Forschungsprojekts mit Beteiligung von Wissenschaftlerinnen aus Österreich, Deutschland, Polen, den USA, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Serbien. Sie knüpft an die 2023 an der Universität Klagenfurt/ Celovec veranstaltete Tagung „Ästhetiken des Widerstands“ an und wird vom wissenschaftlichen Sammelband „Women and Partisan Art“ (transcript 2025) begleitet.


Seit 2024 arbeitet das Team von Partizan★ke Art, vertreten durch Brigita Malenica, Elena Messner, Julia Stolba, Sabina Ferhadbegović und Goran Lazičić, gemeinsam mit wechselnden Gastgeber*innen und Institutionen, in einem kollektiven Recherche-, Erarbeitungs-, Vernetzungs- und Kuratierungsprozess für eine wandernde künstlerisch-wissenschaftliche Ausstellung. Die entstandenen Auseinandersetzungen mit weiblichem Widerstand öffnen vielfältige Zugänge zu einem kaum bekannten europäischen antifaschistischen Kunsterbe. 


Bisherige Stationen waren die Hochschule für Bildende Kunst Hamburg, die Galerie der Hochschule für Grafik und Bild in Leipzig, die Humboldt Universität Berlin – Institut für Ethnologie, das kärnten.museum Klagenfurt/Celovec, der Container25 Wolfsberg und die flucc wanne Wien.

Team | Ekipa

 

Kuratierung | Kuracija: Elena Messner, Brigita Malenica, Julia Stolba, Sabina Ferhadbegović, Goran Lazičić


Ausstellungstexte | Besedila: Brigita Malenica, Elena Messner, Sabina Ferhadbegović, Goran Lazičić


Videoproduktion | Video produkcija: Julia Stolba, Elena Messner


Wissenschaftliche Beiträge | Akademiki in znanstveniki: Ana Adamović, Stanislava Barać, Đurija Borovnjak, Ana Buka, Sabina Ferhadbegović, Lea Furbach, Markus Gönitzer, Daniel Gönitzer, Jakob Holzer, Gal Kirn, Goran Lazičić, Andreas Leben, Brigita Malenica, Tijana Matijević, Elena Messner, Aleksandra Momčilović, Jelena Petrović, Ana Rajković Pejić, Julia Stolba, Nora Sternfeld, Ana Hoffner ex-Prvulović*, Katarzyna Taczyńska, Zlatan Tunjić, Ljubinka Škodrić, Dubravka Zima, Maja Krtalić, Ingo Gönitzer, Christoph Volk


Künstlerischen Beiträge | Umetniški prispevki: Ana Bilankov, Zoe Gudović, Lukas Greiderer, Ana Grilc, Ana Hoffner ex-Prvulović*, Leja Jurišić, Bara Kolenc, Davor Konjikušić, Lovro Krnić, Elsa Logar, Irma Markulin, Hanna Novak, Dana Rausch, Julia Stolba, Julija Urban, Samo Zeichen, Carola Duschl, Florian Singer, Silvia Stecher, Annika Stich, Meta Vouk, Nataša Mackuljak, Ljubomir Bratić, Jana Dolecki, Eva Moschitz


Bannerdesign | grafika banera: Metaklinika


Übersetzung | prevod: Amalija Maček


Ausstellungssujet | Ilustracija: Julia Stolba


Dank | Hvala: Društvo/Verein Peršman & Muzej/Museum Peršman, Muzej II zasjedanja AVNOJ-a (Jajce), Arhiv Jugoslavije, Muzej Jugoslavije, Muzej novejše i sodobne zgodovine Slovenije, ZNACI online archive, Institut für Slawistik der Alpen-Adria Universität Klagenfurt/Celovec, Unwanted images, WerkStattmuseum/delavnicaMuzej, ZKP - Zveza koroških partizanov in prijateljev protifašističnega odpora, Institut für Slawistik der Universität Graz, HOR 29 novembar


Host: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes

 

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