Das DÖW hat am 12. Oktober den ORF-Journalisten und den „Taxifahrer von Leoben“ für ihre Beiträge gegen demokratiegefährdende Tendenzen geehrt.
„Wir haben in unserem Rechtsextremismusbericht schon vor zwei Jahren über das Aufkommen der Mosaik-Rechten geschrieben“, sagte DÖW-Leiter Andreas Kranebitter bei der Preisverleihung, also von einer arbeitsteilig organisierten Zusammenarbeit verschiedener rechtsextremer Strömungen, die die Straße wie das Parlament nutzen, um ihre Positionen durchzusetzen. „In Leoben ist diese Mosaik-Rechte in einer Taxifahrt zu einer Bedrohung verschmolzen. Umso wichtiger war das entschlossene Einschreiten von Dimitrios Papatsetsilas.“
Der Taxilenker hatte nach einem Fest der Burschenschaft Leder in Leoben Fahrgäste nach „Sieg Heil!“-Rufen zum Verlassen seines Wagens aufgefordert und danach ihr Verhalten den Behörden gemeldet. Dann wurde er von Gästen des Fests – Burschenschaftern, Kadern der Identitären Bewegung sowie einem damaligen parlamentarischen Mitarbeiter eines FPÖ-Nationalratsabgeordneten – gewalttätig attackiert. „Dimitrios Papatsetsilas hat mit seinem mutigen Vorgehen eine klare Antwort auf die entscheidenden Fragen gegeben: ‚Wohin wollen wir?‘ beziehungsweise ‚Wohin wollen wir nicht?‘“, sagte Laudatorin Barbara Stelzl-Marx im Wiener Rathaus. „Gerade in Zeiten politischer und gesellschaftlicher Krisen braucht es Menschen, die Zeichen setzen, den Blick schärfen und uns dazu anregen, das eigene innere Koordinatensystem immer wieder neu auszurichten. Dafür danke ich dem Preisträger – und wünsche uns allen: Bon courage – und vor allem: bon Zivilcourage!“ Bei der Preisverleihung sagte der sichtlich berührte Preisträger: „Eines ist mir von heute Abend geblieben, wir alle haben unterschiedliche Geschichten, aber eines haben wir gemeinsam: Wir leben in der Zukunft.“
„Der aufkommende Autoritarismus nimmt als erstes Journalist*innen und Wissenschafter*innen ins Visier“, sagte Kranebitter weiter. „Insofern ist es auch auf dieser Ebene von enormer Bedeutung, dagegenzuhalten.“ In diesem Sinne ist auch die Auszeichnung an Armin Wolf nur naheliegend. Der ORF-Journalist und ZiB2-Anchor lebt seit vielen Jahren vor, warum der unabhängige Journalismus ein unverzichtbarer Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft ist. „Armin Wolf verfolgt einen aufklärerischen Zugang zum Journalismus: Er sieht ihn als Dienstleistung zum Funktionieren der Demokratie“, sagte Oscar Bronner in seiner Laudatio, in der er auch Wolfs Interviewtechniken hervorhob. „Er ist immer bestens vorbereitet und kennt deshalb die Schwachstellen seiner Interviewpartner. Er kennt aber auch die Techniken, mit denen Politiker unangenehmen Fragen ausweichen – und weiß, wie er das verhindern oder zumindest für das Publikum erkennbar machen kann. Es gibt viele Interviews von ihm, die jeder angehende Journalist beziehungsweise Journalistin studieren sollte. Eigentlich nicht nur angehende sondern auch manche alteingesessene.“
Wolf schloss seine Dankesworte mit einer Beobachtung: „Ich fühle mich sehr geehrt und gleichzeitig finde ich es traurig, dass im 21. Jahrhundert Menschen dafür ausgezeichnet werden, einen Beitrag gegen Neofaschismus, Rechtsextremismus, Rassismus oder demokratiegefährdendes Verhalten zu leisten. Ich hatte sehr lange gehofft, dass das nach den Verbrechen und Katastrophen des 20. Jahrhunderts einfach Mindeststandard ist.“
Mehr zum Ferdinand-Berger-Preis
Der von Ernst und René Berger, Sohn und Enkel des 2004 verstorbenen Widerstandskämpfers und ehemaligen KZ-Häftlings Ferdinand Berger, gestiftete Preis wird seit 2018 vom DÖW vergeben. Der mit 3.000 Euro dotierte Preis geht an Personen, die durch wissenschaftliche oder publizistische Leistungen oder durch besonderes öffentliches Auftreten einen markanten Beitrag gegen Neofaschismus, Rechtsextremismus, Rassismus oder demokratiegefährdendes Verhalten geleistet haben.
Die Nominierung erfolgt durch eine Jury, der Paulus Hochgatterer, Andreas Kranebitter, Corinna Milborn, Alexander Mitteräcker, Christine Schindler, Ruth Wodak sowie René und Ernst Berger angehören.
Bisherige Preisträger*innen: Christa Zöchling (2018), Uwe Sailer (2018), Michael Köhlmeier (2019), Susanne Scholl (2020), Hans Rauscher (2021), Wilfried Embacher (2022), Petar Rosandić (2023), Nina Horaczek (2024), Alaaeddin Alhalabi (2025) und Rudolf Vouk (2025)
Berichte von der Preisverleihung
- „Dienstleistung zum Funktionieren der Demokratie“, derstandard.at (12.10.2026)
- „Man muss schon ein bisschen Anstand haben“, arminwolf.com (13.10.2026)



English
Termine
Neues






