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Laudatio von Ao. Univ.-Prof. Dr. Ingrid Bauer, Universität Salzburg

Ella Falldorf: Ambivalent Continuities. Forced Labor in Artworks of Political Prisoners in the Buchenwald Concentration Camp

Herbert-Steiner-Anerkennungspreis 2020

 

 

Ella Falldorf richtet in ihrer – im Rahmen der Holocaust Studies an der Universität Haifa entstandenen – Masterarbeit den Blick auf Lagerkunst aus dem KZ Buchenwald. Das tut sie – und die Jury hat das als eine der besonderen Qualitäten dieser Arbeit gewertet – mit einem innovativen Zugang und einem hohen Maß an methodischer Reflexion. Im Gegensatz zum häufig anzutreffenden Usus, von KZ-Häftlingen gestaltete Kunst als für sich sprechende historische Zeugnisse zu sehen, werden sie in der vorliegenden Studie mit einem erkenntnisreichen theoretisch-methodischen Konzept untersucht. Danach bilden diese künstlerischen Manifestationen die Wirklichkeit des Konzentrationslagers nicht nur dokumentierend ab, sondern interpretieren diese immer auch und weisen mehrere Bedeutungsschichten auf, die es freizulegen gilt, um der "eigentlichen Bedeutung" auf die Spur zu kommen.

 

Ella Falldorf, die bis 2016 an der Universität Jena Kunstgeschichte, Filmwissenschaft und Soziologie studiert hat, setzt in ihrer Entschlüsselungsarbeit auf ein kunsthistorisches Instrumentarium, das nicht nur nach dem Dargestellten, sondern auch nach der Art und Weise des Dargestellten und nach vorgängigen Bildtraditionen fragt und das gleichzeitig auf differenzierte Weise den Entstehungskontext der künstlerischen Arbeiten mit einbezieht (die Erfahrungen der jeweiligen "kunstschaffenden" Akteure im KZ, ihre Position in der Häftlingsgesellschaft, ihre nationale Herkunft, ihren kulturellen/religiösen/weltanschaulichen Hintergrund).

 

Dieses vielschichtige Deutungsmodell wird in der Studie an einem inhaltlichen Schwerpunkt materialreich und überzeugend durchgespielt: nämlich mit Konzentration auf das Thema Zwangsarbeit und auf Werke von politischen KZ-Häftlingen mit sozialistischem/kommunistischem Background. Dabei gelingen der Autorin aufschlussreiche Einblicke in deren künstlerische Interpretationen der KZ-Erfahrung wie auch in die soziale Dynamik der Häftlingsgesellschaft und ihre Hierarchien.

 

Die Jury hat in ihrer Besprechung der Masterarbeit von Ella Falldorf insbesondere auch die innovative Integration von Zeitgeschichte und Kunstgeschichte hervorgehoben sowie die außerordentlich disziplinierte, jedes Pathos vermeidende Argumentation und die in hohem Maße gegebene Fähigkeit zum interkulturellen, intertemporalen und interpersonalen Vergleich.

 

Wir gratulieren Frau Falldorf zum Herbert-Steiner-Anerkennungspreis 2020 und wünschen ihr für ihre künftige wissenschaftliche Laufbahn – aktuell ist sie Doktorandin am Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität und setzt sich in ihrer Dissertation mit vertiefter Intensität weiterhin mit KZ-Lagerkunst auseinander – alles Gute.

 

 

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