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Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes

Neue türkische Rechtsaußenpartei mit Dependance in Wien

Im Zentralen Vereinsregister findet sich seit Kurzem unter der Nummer 1136287463 ein am 18. September 2025 gegründeter Verein mit Sitz in Wien: der Verein für österreichisch-türkischen Zusammenhalt und Partnerschaft (ATZP). Die Abkürzung ATZP steht für Avusturya Türkiye Zirve Platformu („Österreich-Türkei Gipfelplattform“). In seinem öffentlichen Auftreten präsentiert sich der Verein als Satellit der 2021 gegründeten, rechtsextremen Zafer Partisi (ZP, „Siegespartei“) aus der Türkei. Diese wird nicht zuletzt aufgrund ihrer Forderung nach der massenhaften Abschiebung von geflüchteten Personen (u. a. aus Syrien und Afghanistan) als eine Partei nach Vorbild westeuropäischer Rechtsaußenparteien beschrieben.[1] Sie ist bislang nicht im türkischen Parlament vertreten, befindet sich in Umfragen aber im Aufwind. Bei den Präsidentschaftswahlen 2023 erreichte ihr Kandidat Sinan Oğan den dritten Platz.

 

Als Emblem verwendet der Wiener Verein eine stilisierte Flamme mit Halbmond und Stern, das dem Parteilogo der ZP ähnelt. Als Obfrau fungiert Gülnur Ala. Der für Diasporaangelegenheiten und die Auslandsstrukturen der ZP zuständige Habib Suiçmez dokumentierte in einem X-Posting ein Treffen mit Vertreter*innen des Vereins in Wien. In dem Beitrag wird Ala als „Gründerin unserer Österreich-Organisation“ („Avusturya Teşkilatımızın kurucusu“) bezeichnet und ihr im Namen des Parteivorsitzenden Ümit Özdağ gedankt.[2] Ala selbst wandte sich auf X mit der Anrede „Değerli Başkanım“ („Sehr geehrter Vorsitzender“) an Suiçmez und bekundete, „[w]ir werden weiterhin den Kampf unseres Parteivorsitzenden Ümit Özdağ und die Stimme der Wahrheit überall bekannt machen.“[3]

 

Bereits 2024 hatte ZP-Mitbegründer Erdinç Örencik von Gesprächen mit Ala über den Aufbau einer ZP-Vertretung in Österreich berichtet. Ala selbst bekundete in Reaktion darauf, es sei ihr „eine große Ehre, entschlossen unter dem Dach der Zafer Partisi zu arbeiten.“[4] Im Oktober 2025 bezeichnete Örencik Ala als Vertreterin der ZP in Österreich. Der entsprechende Beitrag wurde vom ATZP weiterverbreitet.[5] Bei einer Kundgebung vor dem österreichischen Parlament am 23. März 2025 wurden Ala und Oğuzhan Aksoy (die seit der Eintragung des ATZP-Vereins im September 2025 als dessen Obfrau und Kassier fungieren) vom Moderator als ZP-Vertreter*innen angekündigt. Ala übermittelte „in Vertretung unseres Parteivorsitzenden Ümit Özdağ“ dessen Grüße.[6] Einen eigenen Kundgebungsaufruf vom 18. April 2025 versah Ala u. a. mit den Hashtags „#zaferpartisi“ und „#zaferpartisiavusturya“.[7] Elf Tage nach der Vereinsgründung veröffentlichten Ala und der ATZP in einem gemeinsamen Instagram-Beitrag ein Foto Alas mit dem ZP-Vorsitzenden Özdağ, aufgenommen in der Parteizentrale, mit dem Begleittext „Türke verbündet sich mit Türke! Gemeinsam werden sie stärker! Mit ihren Siegen überwinden sie alle Grenzen!“[8]

 

Über den TikTok-Account des Vereins werden laufend Inhalte der ZP verbreitet. Auf der Vereinswebsite wiederum finden sich zahlreiche Zitate des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk, was in dieser Häufung auf eine Orientierung an säkular-nationalistische Deutungsmuster hinweist. Das entspricht der ideologischen Ausrichtung der ZP in Abgrenzung von der stark religiös orientierten Regierungsallianz aus AKP, MHP, BBP und YRP. Mit ihrem säkularen Selbstverständnis weist die ZP ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb der ultranationalistischen Parteien in der Türkei auf, das auch in der Diaspora auf eine gewisse Nachfrage treffen könnte.

 

Rund ein Monat nach der offiziellen Gründung des Vereins wurde von diesem die Einrichtung der Jugendorganisation Genç Türk („Junger Türke“) verlautbart. In der über Instagram verbreiteten Verlautbarung wurde das Wort „Türk“ in der alttürkischen, runenähnlichen Orchon-Schrift wiedergegeben, die in nationalistischen Kontexten (Turanismus/Panturkismus) gängig ist.[9]

 

Die Reichweite des Vereins erscheint bis dato überschaubar zu sein. Zum Zeitpunkt der Auswertung verfügte dessen Instagram-Account über rund 740 Follower, die Facebook-Seite über rund 30. Offenkundig ist, dass der Verein, wie seine Mutterorganisation in der Türkei, sich an ein nationalistisch orientiertes, der AKP gegenüber aber oppositionell eingestelltes und säkular orientiertes Publikum richtet. Zudem sind in einzelnen Zusammenhängen Hinweise auf Kontakte mit Akteur*innen aus dem Umfeld der sozialdemokratischen Cumhuriyet Halk Partisi (CHP, „Republikanische Volkspartei“) in Österreich zu beobachten.[10]

 

Anm.: In einer früheren Version dieses Eintrags wurde eine private Veranstaltung fälschlich als ATZP-Veranstaltung zum türkischen Tag der Republik bezeichnet und falsch datiert. Die entsprechende Passage wurde entfernt und durch andere Belege ersetzt. Dass der ATZP als ZP-Vertretung in Österreich fungiert, wurde vom Verein in einer Stellungnahme gegenüber dem DÖW vom September 2026 bestritten.

 



[1] Vgl. Ekrem Yaşar Akçay/Halil Emre Deniş, The Zafer Party’s Discourse on The European Union as an Example of the European Type Radical Right Party in Türkiye, in: Journal of Social Sciences 5 (2022), Heft 4, S. 29–44.

[3] Gülnur Ala, X, 29.1.2025, https://x.com/alagulnur/status/1884724936809320855 (eigene Übersetzung aus dem Türkischen).

[4] Erdinç Örencik, X, 23.10.2024 bzw. Retweet durch Gülnur Ala (nicht mehr abrufbar, gesichert im DÖW).

[6] YENI PARTI Viyana Birligi, Facebook (Video), 25.3.2025, https://www.facebook.com/chpviyanabirligi/videos/9497427037017960.

[8] Gülnur Ala/@avusturyaturkiyezp, Instagram, 29.9.2025 (Inhalt nicht mehr abrufbar, archiviert im DÖW).

[9] Vgl. ATZP, Instagram,11.10.2025, https://www.instagram.com/p/DPqeCpXiOLG.

[10] Vgl. ATZP, Instagram, 19.3.2026, https://www.instagram.com/p/DWD8YxQiIRh.

 

 

 

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