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Stellungnahme des DÖW zum Leopold Stocker Verlag

Neues von ganz rechts - August 2004

Was die Verlagsgeschichte des Leopold Stocker Verlages betrifft, so ist auf das von Murray G. Hall verfasste und 1985 veröffentlichte, zweibändige Werk "Österreichische Verlagsgeschichte" hinzuweisen, wo u. a. eine ausführliche Darstellung der Beziehungen des Verlagsgründers Leopold Stocker (1886-1950) zum Nationalsozialismus zu finden ist. Der Artikel von Murray G. Hall über den Leopold Stocker Verlag ist auch auf der Homepage der Wiener Stadt- und Landesbibliothek veröffentlicht worden. (Murray G. Hall, Belletristische Verlage der Ersten Republik. Österreichische Verlagsgeschichte 1918-1938, Band 2: Lexikon der belletristischen Verlage, Wien: Böhlau Verlag 1985)

Der Grazer Leopold Stocker Verlag weist mehrere Berührungspunkte zum Rechtsextremismus auf. Diese ergeben sich neben der Verlagsgeschichte einerseits aus den Verlagsprogrammen und dem Buchversand Bücherquelle, die Werke rechtsextremistischer und "revisionistischer" Autoren beinhalten, andererseits aus den Kontakten der ehemaligen Verlagsinhaberin Ilse Dvorak Stocker und des jetzigen Verlagsinhabers Wolfgang Dvorak-Stocker zur rechtsextremen Szene.

1985 wurde Ilse Dvorak-Stocker der "Joseph Hieß Gedenkpreis" des 1999 behördlich aufgelösten Vereines Dichterstein Offenhausen verliehen. Begründet wurde diese Auszeichnung mit dem "Mut" der Verlagsleiterin, die Werke von ehemaligen NS-Autoren zu verlegen, so z. B. von Bruno Brehm und Karl Springenschmid (vgl. Der Eckartbote 6/1985, S. 12).

1991 hat Ilse Dvorak-Stocker - neben führenden österreichischen Rechtsextremisten - der rechtsextremen Zeitschrift Aula zu ihrem 40jährigen Bestehen gratuliert. Sie lobte bei dieser Gelegenheit "die stets gute Zusammenarbeit" zwischen der Aula und dem Leopold Stocker Verlag (Aula 9/1991, S. 24).

2002 wurde Ilse Dvorak-Stocker der "Ulrich von Hutten Preis" der deutschen rechtsextremen Gesellschaft für freie Publizistik (GfP) verliehen. Unter den Personen, die bis zum Jahr 2002 den "Ulrich von Hutten Preis" bekommen haben, befinden sich so bekannte Holocaustleugner wie der Deutsche Udo Walendy. In seiner Laudatio betonte Otto Scrinzi u. a., welche Bedeutung der Leopold Stocker Verlag für die rechtsextreme Geschichtsschreibung habe:
"Sehr früh wandte man sich der Zeitgeschichte in bestem revisionistischen Geiste zu. Diese sich ständig ausweitende Sparte des Verlages erfreut sich natürlich des besonderen Zuspruches unseres Gesinnungskreises und sichert ihr unsere große Dankbarkeit. Mit ebenso viel Festigkeit wie Klugheit hat die Jubilarin das Schifflein des Verlages durch die Untiefen und Stürme einer hoffentlich bald endenden Epoche geleitet, in der Sondergesetze, Staatsanwälte und Gerichte über vorgebliche Wahrheiten und über 'gerichtsnotorische Fakten' mit Strafurteilen entscheiden." (GfP-Kongress-Protokoll 2002, S. 158)

Dass ihr Sohn und Nachfolger an der Verlagsspitze, Wolfgang Dvorak-Stocker, offenbar ihre Weltanschauung teilt, ist der GfP-Laudatio von Otto Scrinzi zu entnehmen, wo er vom "gleichgesinnten" Sohn spricht:
"Unter ihrer vorausschauenden Führung und Leitung wurde die Verlagstätigkeit in die Bereiche der Literatur, der allgemeinen Kultur- und Zeitgeschichte ausgeweitet. Daß sie die reiche Ernte ihrer Lebensarbeit in die Hände eines gleichgesinnten und ebenso tüchtigen Sohnes legen konnte, ist für sie und für uns alle ein Glücksfall." (Ebenda, S. 160)

Auf Homepages von österreichischen und deutschen rechtsextremen und neonazistischen Gruppen/Personen werden von den Betreibern dieser Webseiten Bücher des Leopold Stocker Verlags vorgestellt und teilweise ausführlich sowie zustimmend besprochen. Unmittelbare Kontakte bestehen zur rechtsextremen Österreichischen Landsmannschaft und zur Aula.


Verlagsprogramm

Das Programm des Leopold Stocker Verlages beschränkt sich nicht auf rechtsextreme bzw. von Rechtsextremisten verfasste Literatur. Für die hier zu behandelnde Frage nach dem politischen Charakter des Verlages ist jedoch nur diese von Relevanz.


Auswahl der im Leopold Stocker Verlag erschienen Bücher mit rechtsextremem Hintergrund

Otto, Scrinzi: Politiker und Arzt in bewegten Zeiten (2003); NS-apologetische Autobiographie des ehemaligen SA-Sturmführers und NSDAP-Mitgliedes, Scrinzi gilt als einer der führenden Exponenten des deutsch-österreichischen Rechtsextremismus; Autor in zahlreichen rechtsextremen Zeitschriften (z. B. fakten) und Referent bei rechtsextremen Gruppen im In- und Ausland; bis Ende 2003 war er "Schriftführer" der Aula

Maximilian Czesany, Europa im Bombenkrieg 1939-1945 (1998); Referent bei der rechtsextremen Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik; 1989 Unterzeichner eines Aufrufes für die Straffreiheit von Holocaust-Leugnern, welcher u. a. im neonazistischen Blatt Sieg veröffentlicht wurde

Walter Marinovic, Diktatur des Hässlichen (1995); auf den antimodernen Kulturkampf spezialisierter Autor in fast sämtlichen rechtsextremen Zeitschriften Österreichs und der BRD (z. B. fakten, Aula, Eckartbote, Deutsche Stimme); Referent bei rechtsextremen Gruppen in Österreich und der BRD, z. B. bei der Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik, der Gesellschaft für freie Publizistik, der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) und dem von dieser rechts abgespaltenen Bildungswerk Deutsche Volksgemeinschaft

Wolf Rüdiger Heß, Rudolf Heß: "Ich bereue nichts" (1994); der 2001 verstorbene Sohn des ehemaligen Hitler-Stellvertreters wird im Verfassungsschutzbericht 2001 des Landesamtes für Verfassungsschutz Thüringen unter der Rubrik Rechtsextremismus angeführt. Er sollte 2001 bei der von Neonazis veranstalteten Rudolf Heß-Gedenkkundgebung im bayrischen Wunsiedl als Redner auftreten. Nachdem er krankheitsbedingt nicht zu dieser Veranstaltung kommen konnte, wurden dort seine Grußworte verlesen.

Fritz Becker, Im Kampf um Europa. Stalins Schachzüge gegen Deutschland und den Westen (1991); Becker ist Autor in den neonazistischen Huttenbriefen und regelmäßiger Teilnehmer an den "Gästewochen" der diese herausgebenden Deutschen Kulturgemeinschaft

David Irving, Rudolf Heß. Ein gescheiterter Friedensbote (1987); der mit Einreiseverbot in mehreren Ländern (darunter Österreich) belegte Irving gilt als einer der zentralen Autoren und Redner im internationalen Netzwerk der Holocaust-Leugner


Daneben betreibt der Leopold Stocker Verlag einen Buchversand namens Bücherquelle. In den Katalogen der Bücherquelle sind auch rechtextreme Werke anderer Verlage zu finden.

Auswahl der über den Buchversand Bücherquelle angebotenen Bücher

Wilfred v. Oven, Ein "Nazi" in Argentinien; ehemaliger hoher NS-Funktionär (im "Reichspropagandaministerium") und nach 1945 eine der Ikonen des internationalen Neonazismus, 1997 wurde ihm der "Ulrich von Hutten Preis" der GfP verliehen, Autor in zahlreichen deutschen rechtsextremen Blättern

Jean Marie Le Pen, Der Front National

Julius Evola, Mensch inmitten von Ruinen; bedeutendster Philosoph des italienischen Faschismus

Leon Degrelle, Denn der Hass stirbt; belgischer Faschistenführer und NS-Kollaborateur

Peter Dehoust, Heuchler, Henker, Halunken; führender deutscher Rechtsextremist mit Kontakten zum Neonazismus, Mitherausgeber von Nation & Europa, der bedeutendsten rechtsextremen Publikation der BRD, stellvertretender Vorsitzender der GfP

Jürgen Schwab, Die Meinungsdiktatur; deutscher Neonazi, führender Ideologe der NPD

Hans Grimm, Volk ohne Raum; Propagandist nationalsozialistischer Eroberungspolitik, 1933 Präsident der "Reichsschriftumskammer", trotz seiner Differenzen mit der NS-Spitze, welche seinen Rückzug ins Private notwendig machten, trat er nach 1945 als NS-Apologet in Erscheinung, 1953 Kandidat der neonazistischen Deutschen Reichspartei

Gert Sudholt, Ungesühnt; Leiter der rechtsextremen Verlagsgesellschaft Berg; 1999 wegen "Volksverhetzung" zu vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt

Rolf Kosiek, Völker statt One World; vormaliger Funktionär der NPD, Vorsitzender der GfP

Franz Schönhuber, Europas Patrioten; ehemaliger Waffen-SS-Mann und Vorsitzender der Republikaner; führender deutscher rechtsextremer Publizist


Politisches Umfeld von Wolfgang Dvorak-Stocker

  • Autor in der rechtsextremen Aula
  • 1997: 10prozentige Beteiligung an Zur Zeit, in welcher regelmäßig rechtsextremistische und offen antisemitische Texte erscheinen
  • November 2001: Teilnahme an einem Treffen europäischer Rechtsextremisten in Gloggnitz/NÖ
  • April 2002: Vortrag bei der Jahrestagung der GfP, laut deutschem Verfassungsschutz die "bedeutendste rechtsextremistische Kulturorganisation" in der BRD
  • Neue Ordnung: In der unter der Geschäftsführung von Wolfgang Dvorak-Stocker vom Leopold Stocker Verlag herausgegebenen Zeitschrift, welche sich in den letzten Jahren von einer rechtskonservativen Zeitschrift zu einem Brückenbauorgan zum Rechtsextremismus wandelte, sind seit dem Jahr 2000 auch Artikel von Personen veröffentlicht worden, die eindeutig dem Milieu des Rechtsextremismus zuzuordnen sind, z. B. Karl Richter (Nation & Europa), Jürgen Schwab (NPD), Gerhoch Reisegger (Aula, fakten) und Tomislav Sunic. Letztere verfügen gar über beste Kontakte in das Milieu neonazistischer Holocaustleugner. So trat Sunic im 2002 und 2003 auf Konferenzen des neonazistischen Institute for Historical Review als Referent in Erscheinung. Reisegger referierte im Jänner 2002 auf einer internationalen Neonazi-Konferenz in Moskau, an welcher unter anderem der vormalige Ku-Klux-Klan-Führer David Duke teilnahm.

 

 

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