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El Paso: ein weiteres rechtsterroristisches Manifest

Neues von ganz rechts - August 2019

 

Am 3. August 2019 erschoss ein - nach derzeitigem Erkenntnisstand - Einzeltäter in der texanischen Stadt El Paso 20 Menschen und verwundete 26 weitere. Kurz zuvor hatte der mutmaßliche Täter ein Manifest auf die Internetplattform 8chan geladen, in dem er seine Tat begründet. Das Schreiben unterstreicht einmal mehr, dass Rechtsterroristen zwar als "einsame Wölfe" zur Tat schreiten mögen, ihre Motivation für diese Taten aber aus einem Ideentransfer über Länder und Kontinente hinweg beziehen.

 

Das Manifest stellt eine krude Mischung ideologischer Versatzstücke dar. Darunter finden sich Ideen, die gemeinhin eher dem linken politischen Spektrum zugeordnet werden: die Analyse eines übermäßigen Einflusses großer Unternehmen auf die amerikanische Politik, die Klage über steigende Kosten von College-Abschlüssen (bei deren gleichzeitiger Entwertung am Arbeitsmarkt), ökologistische Betrachtungen und eine Kritik "imperialistischer" Kriege, welche die USA führten bzw. geführt hätten.

 

Ungeachtet dessen entstammen das deklarierte Grundmotiv der Tat und deren Rationalisierung eindeutig den ideologischen und rhetorischen Arsenalen des globalisierten Rechtsextremismus. Schon einleitend erklärt der Autor der Begründungsschrift seine Unterstützung für den Attentäter von Christchurch (März 2019, siehe: Christchurch: das Weltbild des mutmaßlichen Attentäters) und dessen Manifest. Es habe ihm erst die Augen geöffnet und die hispanische Community in sein Visier gerückt.

 

Dem mutmaßlichen Attentäter zufolge sei eine "Invasion" der USA durch Hispanics im Gange, die auf "kulturellen und ethnischen Austausch" hinauslaufe. Hispanics seien im Begriff, die USA gleichsam zu übernehmen und die angestammte Bevölkerung zu majorisieren. Nicht nur diese Prognose gleicht dem, was in Österreich und anderen europäischen Ländern von Rechtsextremen unter dem Schlagwort einer vermeintlichen "Islamisierung" prophezeit wird. Auch in seiner Begründung ist der Autor des Manifestes sich mit österreichischen Rechtsextremen, und hier insbesondere mit der sogenannten Identitären Bewegung (IBÖ), siehe auch: Die Identitäre Bewegung Österreich nach Christchurch, einig. Neben dem unvermeidlichen Verweis auf höhere Fertilitätsraten der zugewanderten Bevölkerung bemüht er auch jenen Mechanismus, den Identitäre unter dem Schlagwort der "ethnischen Wahl" beschwören. Demnach würden migrantische Communities ein homogenes Wahlverhalten an den Tag legen und verlässlich Pro-Migrations-Parteien unterstützen, welche wiederum aus ebendiesem Grund gezielt MigrantInnen "importieren" würden, um die Mehrheitsverhältnisse zu ihren Gunsten und auf Dauer zu ändern. Daraus leitet sich schließlich der - bereits die Manifeste von Christchurch und Oslo durchziehende - Glaube ab, dass eine Umkehr der beschworenen Entwicklung nicht mehr - oder nur mehr sehr kurz - auf friedlichem bzw. demokratischem Wege möglich sei, weshalb es umgehend eines ultimativen Weckrufes (zur Gewalt) bedürfe. Wie auch Identitäre identifiziert der El-Paso-Shooter die letztlich Schuldigen an der von ihm beklagten Entwicklung nicht in den MigrantInnen selbst, sondern in "Verrätern" bzw. "schamlosen Rassenvermischern" aus dem eigenen Volk und dessen politischer Elite.

 

Seinen Massenmord rechtfertigt der Attentäter letztlich mit der zynischen Bemerkung, dass er und von ihm offenbar herbeigesehnte Folgeanschläge durch "other patriotic Americans" einen "Anreiz" für eine freiwillige Rückkehr bieten würden. Als notwendige Bedingung seiner Tat würdigt er die US-amerikanische Waffengesetzgebung - und bedauert gleichzeitig seine "europäischen Kameraden", die in Ermangelung vergleichbarer "gun rights" nicht über die Möglichkeit verfügten, "Millionen von Invasoren" zurückzuschlagen.

 

Während der mutmaßliche Attentäter die eigene massenmörderische Gewalt, wie in derartigen Rechtfertigungsschriften üblich, als Notwehraktion ("act of preservation", "fight to reclaim my country from destruction") zu legitimieren versucht, lehnt er die Idee, alle "nicht-weißen Amerikaner" zu deportieren oder gar zu ermorden, als "entsetzlich" ("horrific") ab. Stattdessen propagiert er als vorläufige "Lösung" der vermeintlichen Problematik ethnischer Diversität ("race mixing") eine geographische Separierung nach "Rassengrenzen" innerhalb der USA - in etwa also das, was Identitären unter dem Euphemismus des "Ethnopluralismus" im Weltmaßstab vorschwebt.

 

 

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