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Was Fotorückseiten erzählen

Blog der DÖW-Fotosammlung, Februar 2026

Michael Achenbach


Franz Haderlapp. Foto: DÖW (02455_002)Das Foto an sich ist eher unauffällig. Es zeigt einen etwa 40-jährigen Mann, der sich in Hemd, karierter Weste, sowie Lederhose und Stutzen in seinem Garten in Eisenkappel ablichten lässt. Dabei stützt er sein linkes Bein auf einem Stuhl oder einer Bank ab und schaut nach links aus dem Bild hinaus in die Ferne. Hinter ihm ein hölzerner Gartenzaun und der Blick nach Osten in Richtung Kurniksattel. Es handelt sich um den Sozialdemokraten und Schutzbundführer Franz Haderlapp aus Eisenkappel, der nach den Februarkämpfen 1934 ins Ausland flüchtete. Eine Kurzbiografie von ihm wurde von Barry McLoughlin und Josef Vogl im Zuge des vom DÖW initiierten Projektes über die österreichischen Stalin-Opfer recherchiert und kann hier nachgelesen werden. Das Foto wurde da bereits als Illustration verwendet.


Ergänzend sei an dieser Stelle hinzugefügt, dass sich Franz Haderlapp 1918/19 aktiv am Kärntner Abwehrkampf beiteiligte und in der Organisation der – letztlich gescheiterten – Verteidigung von Eisenkappel gegen die jugoslawische Armee eine führende Position innehatte. In seinem Bericht über die Gefechte[1] erzählt er auch über ein Zusammentreffen mit dem erfolgreichsten österreichisch-ungarischen Marineflieger des Ersten Weltkrieges, Gottfried von Banfield, der sich ebenfalls in diesen Kämpfen engagierte.


Haderlapp legte schon 1933 aus Enttäuschung über die zögerliche Haltung der Sozialdemokratie zum autoritären Ständestaat seine Parteifunktionen nieder, blieb jedoch Bezirkskommandant des Schutzbundes. Er gehörte Anfang 1934 zu den zahlreichen Schutzbundfunktionären, die von der austrofaschistischen Regierung in Vorbereitung der Kämpfe kurz vor deren Ausbruch verhaftet wurden. Als ehemaliger Gendarm verfügte er jedoch augenscheinlich noch über genügend interne Kontakte, konnte er doch recht bald aus der Haft entkommen. Anfangs flüchtete er nach Ljubljana, später dann über Rumänien in die Tschechoslowakische Republik und schließlich in die Sowjetunion.


Franz Haderlapp. Foto: DÖW (02455_001v)Von besonderem fotohistorischem Interesse ist jedoch die Rückseite des Bildes, gibt sie doch Aufschlüsse über die Vorgehensweise der Gendarmerie nach der Flucht von Franz Haderlapp. Sie beschlagnahmte von der Familie diese Privataufnahme und vervielfältigte sie als Fahndungsfoto im Postkartenformat 9 x 14 cm. Auf dem Gendarmerie-Postenkommando Völkermarkt fügte man mit Schreibmaschine eine Personenbeschreibung hinzu. Dabei wurde der Eintrag „Schutzbundführer“ noch per Hand ausgestrichen und mit Schreibmaschine auf „Schutzbundunterführer“ ausgebessert. Zwar war die österreichische Gendarmerie inzwischen Teil des austrofaschistischen Repressionsapparates, trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – sollte alles den Anstrich der Korrektheit haben. Ein Stempel des Postenkommandos Völkermarkt findet sich ebenfalls auf der Rückseite der Fotografie.

 
Interessant auch, dass das Foto im DÖW in zwei absolut identen Exemplaren aufliegt. Erst dadurch ließ sich die Vermutung verifizieren, es handle sich um ein Fahndungsfoto in höherer Auflage, das an alle in Frage kommenden Gendarmerieposten zwecks Suche nach Haderlapp verteilt wurde. Wahrscheinlich übergaben ehemalige Gendarmeriekollegen diese beiden Bilder an die Familie, die sie wiederum als private Schenkung 1970 dem DÖW anvertraute.


[1] Hans Lagger (Hg.), Abwehrkampf und Volksabstimmung in Kärnten 1918 – 1920, Klagenfurt 1930, S. 69 – 83. https://ubdocs.aau.at/open/voll/altbestand/AC02138329.pdf

 


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