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Ersatzgeschwächte Abendlandretter tagen in Aistersheim (OÖ)

Neues von ganz rechts - März 2018

Diesen Samstag, den 3. März, findet in Oberösterreich die zweite Auflage der rechtsextremen Tagung "Verteidiger Europas" statt – nach Eigendarstellung die "wichtigste Veranstaltung" des Jahres "für Patrioten im deutschsprachigen Raum". Der nach der Erstauflage von Oktober 2016 verkündete Anspruch, das Event fortan jährlich abzuhalten, wurde mit Rücksicht auf den Nationalratswahltermin 2017 und die FPÖ umgehend wieder fallengelassen. Weil man sich seitens der Veranstalter nicht "für parteistrategische Spielchen" missbrauchen lassen wollte, wurde der zunächst angekündigte Termin im September 2017 um fünf Monate nach hinten verschoben (derstandard.at/2000061867135/Rechte-Verteidiger-Europas-tagen-im-Maerz-wieder-in-Linz).

 

Gleiches gilt auch für den als Rahmenprogramm angekündigten Burschenschafter-Kommers. Auf diesem hätten im September die Jubiläen "140 Jahre Burschenschaft Arminia Czernowitz" ( Informationen zur akademischen Burschenschaft (aB!) Arminia Czernowitz zu Linz) und "100 Jahre Linzer Burschenschafterturm" begangen werden sollen. "Die Zeit, in der wir als Burschenschafter und Waffenstudenten tatenlos am Straßenrand der Geschichte stehen geblieben sind und die gesellschaftliche Veränderung an uns vorbeiziehen haben lassen, ist zu Ende", hatte es in der Einladung geheißen. Dieselbe Formulierung – reduziert um "Burschenschafter und Waffenstudenten" – findet sich nun in der Ankündigung der anstehenden Tagung "Verteidiger Europas" wieder, was einmal mehr die zentrale Rolle der Linzer Arminen in der Tagungsorganisation unterstreicht. Wie der Standard berichtete (www.derstandard.de/story/2000062210226/rechte-verteidiger-europas-planen-kongress-in-linzer-prachtpalais), hatte der Linzer FPÖ-Stadtrat Markus Hein, Mitglied der Arminia Czernowitz, ursprünglich erneut um die Nutzung der Linzer Redoutensäle für den zunächst avisierten Septembertermin angefragt. Demgegenüber dient als Austragungsort nun keine Liegenschaft des Landes Oberösterreich, sondern das rund 50 Kilometer von Linz entfernt liegende Schloss Aistersheim (Bezirk Grieskirchen), das von einer politisch einschlägig bekannten Privatperson verwaltet wird.

 

Abgesehen vom Veranstaltungsort sind gegenüber der Erstauflage – vgl. die damalige Vorschau (Konferenz der "Verteidiger Europas": ReferentInnen und Aussteller) und den Nachbericht (Pangermanismus als Abendlandrettung) des DÖW – wenig Neuerungen auszumachen. Als "Medienpartner" der Tagung fungieren wieder die rechten Desinformationsportale Info-DIREKT und Unzensuriert sowie die deutsche Initiative EinProzent. Erneut wird das Vortragsprogramm von einer "patriotischen Messe" mit diversen Ausstellungsständen flankiert. Der Blick auf die eingeladenen Vortragenden und Aussteller zeigt, dass mit dem Europa, das man verteidigen will, erneut im Wesentlichen der deutschsprachige Raum gemeint ist. Als einzige ReferentInnen nichtdeutscher Muttersprache sind der serbische Philosoph Miša Đurković und die US-amerikanische Bloggerin Brittany Pettibone (gleichzeitig die einzige weibliche Rednerin) angekündigt. Pettibone unterhält enge Kontakte zur Identitären Bewegung Österreich und begleitete unter anderem vergangenen November eine Identitären-Delegation nach Ungarn (Identitäre Enthemmung). Nur leicht aufgewertet wird der internationale Charakter des Treffens durch die Teilnahme des Italieners Matthias Hofer (Süd-Tiroler Freiheit, Südtiroler Heimatbund).

 

Mit Đurković, Philip Stein, Felix Menzel und Thomas Bachheimer finden sich vier Redner von 2016 im heurigen Programm wieder. In Ermangelung weiterer Szenegrößen (2016 hatten unter anderem Götz Kubitschek, Jürgen Elsässer und Manuel Ochsenreiter referiert) wurden Roland Hofbauer (Chefredakteur der Verschwörungsrevue alles roger?) und Wolfgang Dvorak-Stocker (Ares Verlag, Zeitschrift Neue Ordnung) von Ausstellern zu Vortragenden befördert. Auch die Vertretung der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) fällt in diesem Jahr weniger hochrangig aus: anstelle eines Generalsekretärs (Herbert Kickl) entsendet sie diesmal den Grazer Vizebürgermeister Mario Eustacchio (Burschenschaft Stiria Graz). Ihre deutsche Schwesterpartei Alternative für Deutschland (AfD) ist ebenso nur mit einem Repräsentanten aus der zweiten Reihe vertreten – Andreas Lichert (Hessen), der außerdem als Vorsitzender des "neurechten" Instituts für Staatspolitik (IfS) fungiert und somit als Ersatz für den in Szenekreisen weit zugkräftigeren Kubitschek anzusehen ist. Das Vortragsprogramm komplettieren ein parteifreier Nationalratsabgeordneter außer Dienst (Marcus Franz, ehemals Team Stronach und Österreichische Volkspartei/ÖVP) und ein Organisator von Demonstrationen gegen Geflüchtete in Brandenburg (Christoph Berndt).

 

Die Liste der Aussteller bildet wie gehabt ein Panorama der rechtsextremen Publizistik in Deutschland und Österreich ab. Auffällig ist die Abwesenheit der Identitären Bewegung. Während der Schwerpunkt des Ausstellungsprogramms im Bereich des rhetorisch modernisierten Rechtsextremismus ("Neue Rechte") liegt, ist auch der traditionalistische Sektor repräsentiert – maßgeblich durch dem völkischen Verbindungswesen zuzuordnende Aussteller wie die Burschenschaften Arminia Graz und Germania Marburg, den Landes Delegierten Convent (LDC) der völkischen Mittelschulverbindungen Oberösterreichs und den Freiheitlichen Akademikerverband Steiermark, der maßgeblich für die rechtsextreme Aula verantwortlich zeichnet.

 

 

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