„Nationalsozialistische Unternehmenskultur, Zwangsarbeit und Holocaust: Die HASAG und ihre Nachgeschichte“
DÖW-Koop: Vortrag, 16. Februar 2026
Die Leipziger Hugo Schneider AG (HASAG) war während des Nationalsozialismus einer der größten deutschen Rüstungsproduzenten sowie ein radikaler Profiteur von NS-Zwangsarbeit im Deutschen Reich und im besetzten Polen. Zehntausende ziviler Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Kriegsgefangener und KZ-Häftlinge mussten in Leipzig und einer Reihe von Zweigwerken insbesondere Munition und die „Panzerfaust“ herstellen. Im Generalgouvernement starben tausende Jüdinnen und Juden aufgrund der katastrophalen Bedingungen in den Lagern der Firma oder wurden vom Werkschutz ermordet. Zugleich war die HASAG ein „NS-Musterbetrieb“ und war für seine nationalsozialistische Unternehmenskultur sowie für soziale Angebote für die deutsche „Betriebsgemeinschaft“ bekannt. Nach dem Krieg mussten sich etwa 100 Männer und Frauen aus der Belegschaft vor deutschen und internationalen Gerichten wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ähnlicher Vergehen verantworten.
Im Vortrag von Martin Clemens Winter wird die Dynamik von nationalsozialistischer Inklusion und Exklusion im Mittelpunkt stehen: Wie waren die NS-Unternehmenskultur, die radikale Ausbeutung von Zwangsarbeit und die Involvierung in den Holocaust in diesem privaten Rüstungsunternehmen miteinander verbunden? Zudem wird die Nachgeschichte des heute nicht mehr existierenden Unternehmens im Hinblick auf die Ahndung der Verbrechen und Formen von Erinnerung beleuchtet.
Dr. Martin Clemens Winter ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Alfred Landecker Lecturer am Historischen Seminar der Universität Leipzig (Lehreinheit Geschichtsdidaktik). Er arbeitet an einem Forschungsprojekt zu „Unternehmenskultur, Zwangsarbeit und Judenmord beim Leipziger Rüstungskonzern HASAG“. Zuvor war er Post-Doc-Stipendiat des Fritz Bauer Instituts Frankfurt a.M. und arbeitete als Referent im Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters der Stadt Leipzig sowie an der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig. Seine Dissertationsschrift „Gewalt und Erinnerung im ländlichen Raum: Die deutsche Bevölkerung und die Todesmärsche“ wurde 2018 mit dem Stanislav-Zámečník-Studienpreis des Comité International de Dachau ausgezeichnet.
Die Veranstaltung wird gemeinsam von Central European University Jewish Studies Program, Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien und Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes organisiert. Der Vortrag ist Teil der Alfred Landecker Lecture Series.
Vortrag
am 16. Februar 2026
um 18.00 Uhr
im DÖW, Ausstellung (Altes Rathaus, Wipplinger Str. 6-8, 1010 Wien / Eingang im Hof)
Freier Eintritt, zur Anmeldung auf der Seite der Central European University





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