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Rassistischer Rundumschlag im Überlebenskampf

Die Wochenzeitung ZurZeit „kämpft ums Überleben! Viele unserer treuen Abonnenten fallen altersbedingt aus, und neue Abonnenten aus der jungen Generation kommen nur wenige nach“, ist einem aktuellen Eigeninserat zu entnehmen. Neben Aboausfällen machten gestiegene Produktions- und Versandkosten sowie die obligatorische „linke, politisch korrekte Jagdgesellschaft“ dem Blatt zu schaffen. MitarbeiterInnen würden „seit Monaten nur mehr eingeschränkt ihre ohnehin bescheidenen Gehälter und Honorare bekommen“. „Trotz aller Opferbereitschaft […] und trotz massivster Einsparungen“ sei ohne gewaltige Spendenoffensive der Weiterbestand des Mediums akut gefährdet.

Angesichts dieser Bedrängnis zeigt man sich offenbar bestrebt, gegenüber der schrillen Online-Konkurrenz nicht ins Hintertreffen zu geraten. So wartet die letzte ZZ-Ausgabe des Jahres 2022 (Nr. 51-52) einmal mehr mit einer Breitseite an rassistischen Entgleisungen auf.


Der Heft-Schwerpunkt widmet sich einem „neue[n] Rassismus“, als dessen Opfer man Weiße ausgemacht zu haben glaubt. Leitartikel-Autor Werner Reichel zufolge ist die „linke Medienbranche“ aktuell bemüht, „die Europäer“ auf „ihre künftige Rolle als Minderheit“ vorzubereiten, die „systematisch benachteiligt werden“ solle (S. 36). So seien etwa die Black Panther-Filme „offen rassistisch“ und bedienten „schwarze[] Herrenmenschenphantasien“ (S. 30). „Afrika und seine autochthone Bevölkerung“ hätten es „nie zu einer eigenständigen, hochentwickelten Kultur gebracht“. Die erwähnten Filme portraitierten die Bewohner*innen des fiktiven Staates Wakanda als „allen anderen Rassen […], insbesondere den Weißen geistig, moralisch, kulturell und technologisch überlegen“ und spielten damit „die Geschichte der Menschheit […] mit vertauschten Rollen nach“. (S. 29) Bemühungen um mehr Diversität liefen darauf hinaus, „aus einer Gruppe mit aller Macht etwas zu formen, was sie offenbar nicht ist, und letztendlich auch nicht sein will.“ (S. 37)


Herausgeber Andreas Mölzer selbst ergeht sich anhand der Fußball-WM der Männer in Katar in 'rassekundlichen' Erwägungen. So mögen „Schwarzafrikaner genetisch, biologisch, wenn man so will, über eine bessere körperliche Disposition verfügen, die ihnen schnelleres Laufen und akrobatisches Ballgefühl ermöglicht.“ (S. 38) Zum Missfallen Mölzers würden die „multikulturellen Sportstars mit Migrationshintergrund ganz wesentlich“ dazu beitragen, die „autochthone[] Bevölkerung“ an zunehmende ethnische Diversität zu gewöhnen und sie die „Entwicklung hin zur multikulturellen Gesellschaft“ akzeptieren zu lassen. Ein positives Gegenbild zu multikulturellen Nationalteams – die Bildunterschrift des Artikels spricht von der „französische[n] Fußball-Staatsmannschaft“ und gemeindet damit nach ZurZeit-Maßstäben unzureichend europide Menschen aus der französischen Nation aus – liefert für Mölzer etwa das deutsche Weltmeister-Team von 1954. Während dieses „noch weitgehend aus ausgemergelten ehemaligen Wehrmachtssoldaten und Heimkehrern aus der Gefangenschaft bestand, geben heute auch häufig Spieler mit Migrationshintergrund den Ton an." (S. 39)


Ein weiterer Autor dieser Ausgabe, Anton Lang, beklagt, dass selbst in „verschneite[n] Bergdörfer[n]“, deren Bewohner*innen sich „nächstens mit der Laterne den Weg ins Tal hinab zur Christmette bahnen“, letztlich „der Zeitgeist das Ruder in die Hand“ nehme: nämlich dann, „wenn ein polnischer oder nigerianischer Priester zusammen mit ledigen Dorflaien das Messopfer vollzieht, sodass [...] keine klassische, besinnliche in sich geschlossene Weihnacht, wie wir sie von Rosegger kennen, möglich ist.“ (S. 43)


Unterstützt wird die Verbreitung solcher Inhalte wie stets von der Freiheitlichen Partei Österreichs, die Leser*innen per Doppelseite die Feiertagswünsche von fünfzehn ihrer Spitzenfunktionäre übermittelt (S. 12f.), während Manfred Haimbuchner (Landeshauptmann-Stellvertreter in Oberösterreich) auch einen Gastkommentar beigesteuert hat (S. 15). Bemerkenswerterweise ist die freiheitliche Feiertags-Einschaltung nicht als Inserat gekennzeichnet, sondern als „ZZ-Weihnachtsgrüße“ ausgeschildert. Das restliche Inseratenaufkommen der Nummer wird, wie seit vielen Jahren üblich, von der Europaparlamentsfraktion der FPÖ bestritten. Der chronische Mangel an kommerziellen Inserent*innen – neben einem Berliner Kleinstverlag ist in dieser Nummer nur das Wiener Einkaufszentrum Lugner City vertreten – ist für die wirtschaftlichen Turbulenzen der ZurZeit maßgeblich mitverantwortlich.

 

 

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