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Richard Schweinburg: Ich bin bereit, die Wohnung für meine Person zu räumen

Deportationen Wien - Opole, Februar 1941

 

Richard Schweinburg, geboren am 14. Juni 1887, Lederzuschneider

 

Deportation nach Opole: 26. Februar 1941

 

Richard Schweinburg lebte ab 1927 mit seiner Lebensgefährtin Ida Liebhart in der städtischen Wohnhausanlage Domaniggasse 1-9 (Stiege 22, Tür 17) in Wien-Ottakring. Ende Juni 1938 strengte die nationalsozialistische Wiener Stadtverwaltung rund 2000 Kündigungsverfahren gegen jüdische MieterInnen von Gemeindewohnungen an. Auch Schweinburg wurde die Wohnung per 31. Juli 1938 gekündigt. In seinen Einwendungen gegen die Aufkündigung (7. Juli 1938) bat er, die Wohnung auf seine Lebenspartnerin (eine Nicht-Jüdin, mit der er ein gemeinsames Kind hatte) umzuschreiben:

 

"Meine Lebensgefährtin ist Arierin, ebenso ihre a.e. [außereheliche] Tochter Hedwig, während mein a.e. Sohn Mischling I. Grades ist und als Arier im Sinne der Nürnberger Gesetze gilt.
Ich bin bereit die Wohnung für meine Person zu räumen, jedoch möchte ich eine Umschreibung der Wohnungsinnehabung auf meine Lebensgefährtin erwirken."

 

In diesem Sinn unterschrieb Richard Schweinburg am 15. Juli 1938 eine handschriftliche Erklärung (die polizeiliche Abmeldung erfolgte am 27. Juli):

 

"Ich erkläre hiemit, daß ich die mir von der Gemeinde Wien gekündigte Wohnung [...] meiner Mitbewohnerin Fr. Ida Liebhart samt Möbel übergebe und die Wohnung verlasse."

 

Am 19. Juli erklärte das Bezirksgericht Hernals die Kündigung für rechtswirksam: "Da das gegenständliche Bestandobjekt nicht den Bestimmungen des Mietengesetztes unterliegt, daher Kündigungsbeschränkungen des Mietengesetzes nicht zur Anwendung kommen, weiters die gemachten Einwendungen rechtlich unerheblich sind, war die Kündigung für rechtswirksam zu erklären." Der Wohnungsumschreibung wurde nicht zugestimmt, Ida Liebhart wurde aber die Räumungsfrist mehrfach verlängert. Sie verließ die Wohnung am 28. Februar 1939.

 

Richard Schweinburg wohnte zuletzt in der Servitengasse 13 (Wien-Alsergrund). Er wurde am 26. Februar 1941 nach Opole deportiert und starb dort am 27. November 1941.

 

 

Literatur:
Herbert Exenberger / Johann Koß / Brigitte Ungar-Klein, Kündigungsgrund Nichtarier. Die Vertreibung jüdischer Mieter aus den Wiener Gemeindebauten in den Jahren 1938-1939, Wien 1996.
Für diese Publikation arbeiteten die AutorInnen Akten der Magistratsabteilung 52 auf.

 

 

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