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Franz Danimann (1919 - 2013)

Der Widerstandskämpfer und Auschwitz-Überlebende Dr. Franz Danimann, der dem Kuratorium des DÖW angehörte, starb im 94. Lebensjahr

 

Am 30. Juli 1919 in Lugos (Rumänien) geboren wuchs Franz Danimann in Schwechat (NÖ) auf. Der gelernte Gärtner gehörte als Jugendlicher den Roten Falken an, nach den Februarkämpfen 1934 war er in der illegalen freien Gewerkschaftbewegung aktiv und schloss sich dem Kommunistischen Jugendverband (KJV) an.

 

Im März 1938 gehörte er zu jenen, die für ein selbständiges Österreich eintraten. In einem Interview für das DÖW-Projekt Erzählte Geschichte schilderte er später:

 

"Ich habe in Schwechat noch eine Demonstration von Sozialdemokraten, Kommunisten und christlichen Jugendlichen angeführt an dem Abend, wo Schuschnigg abgedankt hat. Am Hauptplatz von Schwechat haben wir demonstriert 'Rot-Weiß-Rot bis in den Tod', 'Freiheit für Österreich' und diese ganzen Sprüche. Auf einmal ist Polizei mit Hakenkreuzarmbinden aufgetaucht, und jemand hat gesagt: 'Was marschiert ihr denn noch?' 'Was demonstriert ihr denn noch, Schuschnigg hat bereits abgedankt.' […] Eigentlich ist eine Welt zusammengebrochen. Wir wussten, dass es jetzt sehr schlimm werden würde."

 

Foto: Wiener Stadt- und Landesarchiv

Erkennungsdienstliche Aufnahme von Franz Danimann, Gestapo Wien, Februar 1939

(Foto: Wiener Stadt- und Landesarchiv)

 

Danimann war ab Sommer 1938 am Aufbau einer KJV-Gruppe in Wien-Simmering beteiligt, die im Jänner 1939 eine größere Flugblatt-Aktion durchführte. Er wurde am 15. Februar 1939 festgenommen und am 23. April 1940 vom Volksgerichtshof wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach Strafverbüßung wurde er Ende April 1943 nach Auschwitz überstellt. 1943 kam es zu einem weiteren Verfahren, wieder wegen "Vorbereitung zum Hochverrat": Danimann wurde vorgeworfen, er habe während seiner Strafhaft in Theimwald, einem Außenlager des Zuchthauses Stein a. d. Donau, Mitgefangene kommunistisch beeinflusst. Danimann wurde am 13. Oktober 1943 von der Anklage freigesprochen, blieb aber weiterhin in Schutzhaft in Auschwitz. Dort erlebte er die Befreiung durch die Rote Armee am 27. Jänner 1945 und war an der Sicherstellung von Beweisen für die NS-Verbrechen beteiligt: "Als ob wir geahnt hätten, dass es später Neonazis geben würde, die die historisch einmaligen Massenverbrechen in Auschwitz zu leugnen bzw. zu bagatellisieren versuchen, machten wir uns in der Kommandantur und in den SS-Unterkünften auf die Suche nach Unterlagen über die dortigen Verbrechen. Wir fanden Anordnungen, konkrete Befehle, Listen der Opfer, Hinweise auf die Täter usw. Diese Unterlagen waren wichtige Beweisstücke bei den späteren Kriegsverbrecherprozessen."

 

Nach der Rückkehr nach Österreich absolvierte Danimann berufsbegleitend ein Jura-Studium und leitete in der Folge das niederösterreichische Landesarbeitsamt. Ab den 1960er-Jahren veröffentlichte er mehrere Arbeiten zur österreichischen NS-Vergangenheit, darunter Finis Austriae: Österreich, März 1938 (1978, als Herausgeber) und Flüsterwitze und Spottgedichte unterm Hakenkreuz (1983, Ephelant 2001). Franz Danimann war Ehrenvorsitzender der Lagergemeinschaft Auschwitz und Ehrenmitglied des Bundes Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer/innen, Opfer des Faschismus und aktiver Antifaschist/inn/en.

 

 

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