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„Ken Jebsen“ auf Österreich-Tour

Neues von ganz rechts - Jänner 2024

Mit Ken Jebsen (bürgerlich Kayvan Soufi-Siavash) hat ein wichtiger Exponent der verschwörungsideologischen Szene im deutschsprachigen Raum mehrere Vortragstermine in Österreich angekündigt.

Jebsen war seit den späten 1980er Jahren als Journalist tätig gewesen, ab 2001 moderierte er eine Radiosendung für den Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). 2011 wurde ein E-Mail Jebsens publik, in dem dieser den Holocaust als Erfindung des PR-Strategen Edward Bernays, eines Neffen Sigmund Freuds, bezeichnet und weitere zeitgeschichtliche Mythen bemüht hatte. Im Zuge der dadurch ausgelösten Kontroverse beendete der RBB die Zusammenarbeit. 2012 machte sich Jebsen mit seinem YouTube-Kanal KenFM selbständig, für den er u.a. Verschwörungsmystiker wie Udo Ulfkotte, Jürgen Elsässer und Gerhard Wisnewski als Gesprächspartner aufbot. Mit dem Ökonomen Franz Hörmann (2011) und dem Unternehmer Heinrich Staudinger (2017) waren auch Österreicher bei KenFM zu Gast.


Im Zuge der Covid-19-Pandemie trat Jebsen wiederholt auf „Querdenken“-Demonstrationen als Redner auf. Die von ihm verbreiteten Falschinformationen und Thesen zu vermeintlichen Hintergründen der Pandemie („Gates kapert Deutschland!“) führten 2021 zur dauerhaften Sperrung seines Kanals wegen wiederholter Verletzung von Community-Standards.[1] Das begleitende Webportal, gegen das bereits ein Verfahren wegen Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht anhängig war, machte dem aktuellen Angebot apolut Platz.[2]


Inhaltlich kann Jebsen dem Querfront-Ansatz zugerechnet werden, dessen Bestreben es ist, linke und rechte Extremismen auf der Basis geteilter Verschwörungserzählungen und Feindbilder zu vereinen. Ins Visier geraten dabei mit Vorliebe Israel (dem Jebsen 2012 etwa unterstellte, eine systematische Ausrottung der Palästinenser*innen im Sinne einer „Endlösung für Palästina“ zu betreiben[3]), „Zionisten“ (welche internationale Institutionen wie die UN unter ihrer Kontrolle hätten[4]) und die USA (die Jebsen von jüdischen Akteuren beherrscht wähnt[5] und die sich die Anschläge vom 11. September 2001 selbst zugefügt hätten[6]). Schon 2012 und 2013 war er auf den Jahreskonferenzen des Querfront-Magazins Compact aufgetreten, 2014 und 2015 auf den sogenannten „Montagsmahnwachen“ der Querfront-Szene.


Nun begibt Jebsen sich auf Vortragstour durch Österreich. Seit 11. Jänner will er Veranstaltungen in Pörtschach, Wien, Sipbachzell, Hall, Dornbirn und Graz absolvieren, für die Eintrittspreise von rund 30 € verlangt werden. In Vorarlberg tritt die Heron-Gruppe mit Hauptsitz in Dornbirn als Veranstalter auf. Inhaber und Geschäftsführer Christian Beer hatte sich bereits im Zuge der Corona-Proteste politisch exponiert, in dem er auf einer Protestkundgebung in Bregenz als Redner auftrat[7] und Inserate gegen die „Diskriminierung gesunder Menschen“ schaltete.[8] Der Firmensitz in Dornbirn avancierte seitdem zu einem Zentrum für die Verbreitung von Verschwörungsideologien und anderen eigenwilligen Weltdeutungen.[9]


Geworben wird für die entsprechenden Veranstaltungen auf der von Beer mitbegründeten Plattform einheit.at, die als Sammelbecken für „maßnahmenkritische“ Unternehmen begann.[10] Im Oktober 2022 richtete sie einen Forderungskatalog an die österreichische Bundesregierung und Wirtschaftskammer, in dem es u.a. hieß: „Das Angebot Russlands für Friedensverhandlungen muss unverzüglich angenommen werden.“ Auch für die „Aussetzung sämtlicher Sanktionen gegen Russland“ trat man ein, „um eine weitere Beschädigung Österreichs zu verhindern.“[11] Kurz darauf stellte sich Beer dem rechtsextremen Medium AUF1 als Interviewpartner zur Verfügung. Dabei wusste er von russischen „Friedensverhandlungsangebote[n]“ zu berichten, „die definitiv da sind“, und propagierte eine zentrale These der sogenannten Reichsbürger-Bewegung, wonach Deutschland nach wie vor ein besetztes Land sei.

Die aktuellen Vortragstermine Jebsens werden zentral auf der Plattform Menschheitsfamilie beworben. Diese wird von Johann Peter Schutte betrieben, der im vergangenen Jahr u. a. den Schweizer Verschwörungsideologen Daniele Ganser nach Österreich geholt hatte. Auch Ganser soll 2024 wieder auf Österreich-Tournee gehen: drei Termine sind für Ende Jänner anberaumt, vier weitere für April. Darunter finden sich, wie schon im Fall Jebsens, auch Termine in kleineren Gemeinden wie Steinbach am Attersee und St. Veit an der Glan.

 


[5] Ebd.

[11] https://einheit.at/blog/9-punkte-forderung-an-die-bundesregierung-und-wirtschaftskammer/

 

 

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