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Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes

Objekt des Monats Juli 2026

Objekte erzählen Geschichte

Monat für Monat präsentieren wir Ihnen in unserer Dauerausstellung ein Objekt des Monats. Dabei handelt es sich um neue, unbekannte oder womöglich zu wenig beachtete Objekte und deren Geschichte. Der Schwerpunkt des Jahres 2026 liegt auf Neuzugängen zu unseren Sammlungen.

Foto: Michael Bigus

 

 

Die antisemitische Hetzschrift „Juda“ von Karl Paumgartten
 

Im Herbst 2025 schenkte ein Antiquar dem DÖW das Pamphlet „Juda. Kritische Betrachtungen über das Wesen und Wirken des Judentums“. Es dokumentiert, wie selbstverständlich der Antisemitismus, besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in breiten Schichten der österreichischen Bevölkerung fester Bestandteil der Alltagskultur war. Der Autor Karl Paumgartten (1872–1927), er hieß eigentlich Karl Huffnagl, war Beamter und als Archivar im Innenministerium tätig. Nebenberuflich trat er als Satiriker in diversen Zeitschriften in Erscheinung, vor allem in Die Muskete, bei der er knapp zwei Jahre auch leitender Redakteur war. Mit Beginn der 1920er Jahre verfasste Paumgartten eine Reihe von kurzen politischen Traktaten und Broschüren mit Titeln wie „Judentum und Sozialdemokratie“ (1920) und „Judenfibel. Das ABC der viertausendjährigen Judenfrage“ (1924), in denen er sich als antisemitischer und antimarxistischer Autor positionierte.

 

All diese Werke erschienen beim „Heimatverlag Leopold Stocker“. Leopold Stocker (1886–1950) gründete 1917 in Graz eine Verlagsbuchhandlung mit Fokus auf landwirtschaftlicher Fachliteratur. Von Anfang an beinhaltete das Verlagssortiment auch deutsch-völkische Publikationen. Stocker war darüber hinaus politisch tätig und wurde 1919/20 für den Deutschen Bauernbund in die Konstituierende Nationalversammlung Deutschösterreichs gewählt, später vertrat er den Landbund von 1924 bis 1926 im Bundesrat. Der Stocker Verlag wurde zum Hausverlag von Karl Paumgartten, der neben seinen Traktaten und Broschüren 1921 auch die umfangreiche Hetzschrift „Juda. Kritische Betrachtungen über das Wesen und Wirken des Judentums“ veröffentlichte. Im Vorwort des Verlegers zur vierten Auflage 1936 pries Leopold Stocker den Autor als „tiefgründigen Kenner der Judenfrage“ und hob die im Stil von Julius Streichers Zeitschrift Der Stürmer gehaltenen Karikaturen explizit hervor. Abschließend bezeichnete Stocker das Buch als „sittlich berechtigte und verpflichtende Abwehr und Notwehr des Ariertums gegen das artfremde Judentum“.

 

Foto: Daniel Shaked

 

Der Stocker Verlag, sowie sein Tochterunternehmen Ares Verlag, werden auch heute noch von der Gründerfamilie geführt und weisen sowohl personell als auch in ihren Verlagsprogrammen weiterhin mehrere Berührungspunkte zum Rechtsextremismus auf. Es verwundert daher nicht, dass bei dem von der FPÖ 2025 veranstalteten, nach dem bekennenden radikalen Antisemiten und deutschnationalen Politiker Franz Dinghofer benannten, Dinghofer-Symposium der Stocker Verlag mit den gleichnamigen Medienpreis ausgezeichnet wurde.

 

Weiterführende Literatur:

  

Autor: Stephan Roth, Bibliothekar

Fotos: Michael Bigus (Objekt), Daniel Shaked (Porträt)

 

 

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