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Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes

Rechtsextremer Gipfel in Portugal mit österreichischer Beteiligung

Am 30. Mai veranstalteten identitäre Aktivist*innen aus mehreren europäischen Ländern ein Vernetzungstreffen unter dem Titel „Remigration Summit“ in Portugal. Als Veranstaltungsort der zweiten Auflage des Formats nach 2025 war Porto angekündigt, tatsächlich fand das Event in Figueira da Foz (Provinz Coimbra) statt. Mehr als 500 Personen aus Europa und Nordamerika sollen teilgenommen haben, darunter auch Vertreter*innen politischer Parteien wie der Alternative für Deutschland (AfD), Vox (Spanien) und Reconquête (Frankreich). Dass es eine Veranstaltung von Rechtsextremen ausschließlich für Rechtsextreme war, wurde von ihrer Presse-Policy unterstrichen: Medien, die nicht dem eigenen Lager angehörten, hatten keinen Zutritt.

 

Mit Martin Sellner (IBÖ) gehört ein Österreicher dem fünfköpfigen Organisationskomitee hinter dem Event an. Mehrere Mitglieder desselben sind wegen einschlägiger Delikte vorbestraft oder Gegenstand laufender Ermittlungen. Sellner nutzte die Veranstaltung, um für sein Institut für Remigration zu werben – eine im Aufbau befindliche Lobbyorganisation, mit der Sellner seinen politischen Impact wie auch das von ihm eingeworbene Spendenaufkommen vervielfachen will. Außerdem präsentierte Sellner zusammen mit der niederländischen Aktivistin Eva Vlaardingerbroek eine Initiative für eine EU-Bürgerinitiative, die „Remigration“ unionsweit auf den Weg bringen soll. Erst im Februar hatte Vlaardingerbroek Sellner in Wien besucht und im Zuge dessen auch eine private Führung durch das österreichische Parlament erhalten – durchgeführt von Nationalratspräsident Walter Rosenkranz.

 

Neben Sellner war auch Philipp Huemer in Figueira vor Ort, der nach Tätigkeit beim Heimatkurier und zuletzt für AUF1 zu seinen Ursprüngen in der IBÖ – und an Sellners Seite – zurückgekehrt ist. Im Podcast von Info-DIREKT erklärte Huemer, das Institut für Remigration solle der bisherigen „One-Man-Army“ Sellner eine „organisatorische Struktur“ zur Verfügung stellen und als „Kampagnenplattform“ dienen (info-direkt.eu, 3.6.2026) Auch Sellner bezeichnete in Portugal (im AUF1-Interview mit Roy Grassmann das „Institut“ als „Lobbyorganisation“, die u. a. Briefings für Politiker anbieten werde (AUF1, Telegram, 31.5.2026). Der im Namen suggerierte wissenschaftliche Anspruch der Einrichtung wird demnach bereits vor Eröffnung nicht sonderlich ernst genommen.

 

Stargast des „Remigration Summit“ war Gregory Bovino, der 2025/26 als Kommandant der Massendeportationseinsätze von ICE und Border Patrol in den USA bekannt geworden war. Für Aufsehen hatte Bovino mit seinem martialischen Auftreten und ebensolchen Taktiken gesorgt, die allein in Minneapolis zwei Todesopfer forderten. Während Bovino selbst der Trump-Administration letztlich untragbar erschien, rief seine Ankunft am identitären Event in Figueira Begeisterung hervor. „The interest around him is enormous. This is where theory meets practice“, vermerkte der offizielle Account des „Summit“ (Telegram, 30.5.2026). Der Bundestagsabgeordnete Kay Gottschalk (AfD) war in einem Video im Gespräch mit Bovino zu sehen, in dem er sich erkundigte, ob die in den USA durchgeführten „mass deportations“ (Bovino) auch in Deutschland umsetzbar wären. Bovino bejahte das, bot seine Hilfe an und versäumte nicht anzumerken, die Deutschen seien „very good at this“.

 

Ein vor Ort von Matisse Royer geführtes Interview mit Bovino erschien in einem identitären Online-Medium aus Frankreich. Royer hatte unlängst im identitären Hausprojekt in Steyregg (OÖ) referiert und schreibt für das Freilich-Magazin, früher auch für den Heimatkurier. Im Interview stellte Bovino sich in eine Reihe mit Führungsfiguren wie Wehrmachtsgeneral Erwin Rommel und bekräftigte, rund 100 Millionen Menschen aus den USA abschieben zu wollen. Unter seinem Kommando sei die Abschiebeoffensive am Weg zum „totalen Sieg“ gewesen. Europa und die USA sollten zusammenarbeiten, um ihre Probleme mit Migration „ein für allemal zu lösen – weltweit“ (eigene Übersetzungen aus dem Französischen).

 

Bovino war, einem Reporter von WIRED zufolge, nicht der einzige Gast aus den USA (vgl. David Gilbert, Bluesky, 4.6.2026). Auch Mitglieder der neofaschistischen Patriot Front aus den USA, der Präsident des New York Young Republican Club (NYYRC), der eine Partnerschaft mit der Freiheitlichen Jugend unterhält, und der White Supremacist Jared Taylor waren erschienen. Taylor gab einst die Zeitschrift American Renaissance heraus, in der auch Eugeniker und Holocaustleugner schrieben, und hatte Sellner 2024 auf seiner „American Renaissance Conference“ virtuell zu Gast. Sellner selbst beschreibt Remigration als „Traum aller europäischen und weißen Völker, weltweit“. (Telegram, 15.9.2024) Gegenüber WIRED kritisierte Taylor an Donald Trump, dass dieser kein „racially conscious white man“ sei. Politico zufolge, das Taylor als „a high-profile promoter of racialist ideology” beschrieb, war auch er wie Bovino ein gefragtes Motiv für Selfies.

 

Für den Gipfel hatte der portugiesische Veranstalter eine Crowdfundingkampagne gestartet. Auf deren Website hatten Spender Nachrichten wie die folgenden hinterlassen, die dort trotz aktiver Moderation seit Wochen zu lesen sind und den Geist der Tagung auf den Punkt bringen: „Deport them all, even the legal ones“, „White children are the sole legitimate owners of Europe“ und auch die „14 words“ des US-Rechtsterroristen David Lane, die zum Credo der White Supremacy wurden: „We must secure the existence of our people and a future for white children“.

 

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