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Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes

Objekt des Monats August 2026

Objekte erzählen Geschichte

Monat für Monat präsentieren wir Ihnen in unserer Dauerausstellung ein Objekt des Monats. Dabei handelt es sich um neue, unbekannte oder womöglich zu wenig beachtete Objekte und deren Geschichte. Der Schwerpunkt des Jahres 2026 liegt auf Neuzugängen zu unseren Sammlungen.

Foto: Michael Bigus

 

 

Private Fotoalben aus dem Reichsarbeitsdienst und der Wehrmacht

Signatur: DÖW 10868-001 & DÖW 10868-002


 

Die beiden kleinformatigen Fotoalben (12 × 9 × 2,5 cm) gelangten im Sommer 2025 aus Privatbesitz in die Sammlung des DÖW, sie erlauben einen Blick in die Lebensrealität eines jungen Ehepaares während der NS-Zeit.

 

Entstanden zwischen 1938 und 1943 dokumentieren sie aus persönlicher Perspektive den uniformierten Alltag im Dienst des NS-Regimes. Beide Alben tragen den Titel „Meine Dienstzeit“. Während das Album des Mannes auf dem Einband eine Metallplakette in Form eines Wehrmacht-Stahlhelms zeigt, ist das Album der Frau mit einer Plakette des Reichsarbeitsdienstes (RAD) versehen. Solche vorgefertigten Fotoalben waren in zahlreichen Varianten im Handel erhältlich und forderten geradezu dazu auf, jenen Teil der eigenen Biografie zu inszenieren, der nicht unmittelbar mit der familiären Geschichte verbunden war, sondern den vermeintlichen „Dienst am Volk“ in den Mittelpunkt stellte. Die standardisierte Form dieser Alben wirkte zugleich erinnerungslenkend im Sinne der NS-Ideologie.

 

Zugleich lässt sich daran die gewünschte Rollenverteilung zwischen Mann und Frau ablesen. Der Mann ist als Soldat Teil des aggressiven Eroberungskriegs, während die Frau im Arbeitsdienst „in den ihr von der Natur auferlegten Pflichtenkreis“ – häusliche und landwirtschaftliche Arbeiten – geführt wird.

 

Das Album des Mannes enthält Fotografien aus dessen Zeit als Soldat, zunächst im österreichischen Bundesheer und ab dem Frühjahr 1938 in der deutschen Wehrmacht. Seite für Seite entfaltet sich ein visuelles Tagebuch seines Kriegsdienstes: die Ausbildung zum Unteroffizier, der Einmarsch in die Tschechoslowakei im März 1939 sowie verschiedene Stationierungen in Deutschland und Polen. Auch das Album der Frau ist sorgfältig arrangiert und bildet gewissermaßen ein Gegenstück: Es begleitet uns durch ihre Dienstzeit beim RAD, zeigt junge Frauen in Arbeitskleidung und Uniform, ein Barackenlager, landwirtschaftliche Arbeitseinsätze sowie zahlreiche Freizeitaktivitäten. Aber die Alben offenbaren auch Augenblicke der Normalität in einem ideologisch durchdrungenen Alltag.

 

 

Foto: Daniel Shaked

 

Gemeinsam bilden die beiden Alben ein bemerkenswertes Doppelzeugnis privater Erinnerung und kollektiver Geschichte. Sie veranschaulichen, wie stark persönliche Lebenswege im „Dritten Reich“ von Trennung, staatlicher Kontrolle, Pflichtvorstellungen und Unterdrückung der Persönlichkeit geprägt waren.

 

Mittlerweile überlassen uns immer wieder Personen aus der Enkelgeneration solche Dokumente, da sie aufgrund ihres größeren zeitlichen und emotionalen Abstands zur Täter- und Opfergeneration sowohl die belastende Dimension dieser Erbstücke, aber auch deren historischen Wert klarer erfassen.

 

Weiterführende Literatur:

  • Petra Bopp, Fremde im Visier, Fotoalben aus dem Zweiten Weltkrieg, Bielefeld 2009.
  • Michael Wildt, Sybille Steinbacher (Hg.), Fotos im Nationalsozialismus. Neue Forschungen zu einer besonderen Quelle, Göttingen 2022.)

  

Autor: Michael Achenbach, Archivar Fotosammlung

Fotos: Michael Bigus (Objekt), Daniel Shaked (Porträt)

 

 

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