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Das Dokumentationsarchiv
des österreichischen Widerstandes "Besonders wichtig war aber, dass wir hier im Haus auf das 'andere Österreich' treffen konnten, auf jene Menschen, die alle ihre Erfahrungen mit dem Faschismus gemacht hatten und dabei auf der Seite der Opfer gestanden waren. Mit ihnen wurde für uns eine Perspektive auf die österreichische Geschichte unseres Jahrhunderts möglich, die weder Elternhaus noch Schule uns geboten hatten." (Helmut Konrad, Rektor der Karl-Franzens-Universität Graz, anlässlich der DÖW-Jahresversammlung 1997) "Das DÖW hat sich in den vier Jahrzehnten seines Bestehens mit einer Vielzahl von wissenschaftlichen Projekten zu einer im In- und Ausland anerkannten Instanz sowie zu einer Art von geschichtlichem Gewissen unseres Landes entwickelt." (Bürgermeister Michael Häupl anlässlich der Festveranstaltung 40 Jahre DÖW, 5. Mai 2003) Themen- und Arbeitsbereiche |
Tätigkeitsbericht |
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Das DÖW wurde 1963 von ehemaligen Widerstandskämpfern und Widerstandkämpferinnen und Verfolgten sowie von einigen engagierten Wissenschaftlern gegründet. Es entsprang - ebenso wie die von ihm ausgehende Widerstandsforschung - nicht der vom offiziellen Österreich vertretenen "Opfertheorie" (Österreich als erstes Opfer von Hitlers Aggressionspolitik), sondern dem Bemühen um Selbstdarstellung der WiderstandskämpferInnen und Verfolgten und deren Selbstbehauptung gegen Ignoranz und Verdrängung. Der offiziellen Gründung des Archivs waren seit dem Jahre 1961 Vorarbeiten vorausgegangen. Am 11. Februar 1963 fand im Palais Palffy eine Proponentensitzung statt, bei der der Gründungsantrag eingebracht wurde. In der Grundsatzerklärung, die für die weitere Tätigkeit maßgebend war, hieß es: "Das Archiv soll vor allem durch dokumentarische Beweise der zeitgeschichtlichen Erziehung der Jugend dienen. Sie soll mit den schrecklichen Folgen des Verlustes der Unabhängigkeit und Freiheit Österreichs sowie mit dem heldenhaften Kampf der Widerstandskämpfer bekannt gemacht werden. Das Archiv soll als bleibende Dokumentation verwahrt werden." Offiziell wurde das DÖW am 25. Juni 1963 gegründet. Trotz dieser Fokussierung der Gründungserklärung auf den österreichischen Widerstand umfasste die inhaltliche Tätigkeit des DÖW von Beginn an auch die Geschichte der Verfolgung, vor allem der Jüdinnen und Juden, aber auch anderer Gruppen. Das DÖW war auch als Institution stets von weltanschaulicher und religiöser Pluralität geprägt, die Vorstand, Kuratorium und die Zusammensetzung des MitarbeiterInnenstabes ebenso wie deren Tätigkeit bis heute auszeichnet. Seit 1963 gehören dem Vorstand des DÖW Repräsentanten der drei Opferverbände (ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten, Bund Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer und Opfer des Faschismus, KZ-Verband) ebenso an wie jene der Israelitischen Kultusgemeinde, der katholischen Kirche und der Wissenschaft. Einen Markstein in der Entwicklung des DÖW bildete 1983 die Gründung der Stiftung DÖW, die gemeinsam von der Republik Österreich, der Stadt Wien und dem Verein DÖW getragen wird und der Arbeit des DÖW ein finanzielles Fundament schuf. (Stiftungsrat ») Basis der Arbeiten des DÖW ist die Vernetzung der Arbeitsbereiche Archiv/Bibliothek - Forschung, durch die wir unsere Bestände als Grundlage eigener Forschungsvorhaben ebenso nützen können, wie unsere Projekte zum ständigen Anwachsen der verschiedenen Sammlungen beitragen. |
Ausführliche |
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Namentliche Erfassung der Von den mehr als 200.000 vor 1938 in Österreich lebenden Menschen, die aufgrund der nationalsozialistischen "Nürnberger Gesetze" als Jüdinnen und Juden galten, fielen mehr als 65.000 der Shoah zum Opfer. Im Rahmen des von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem initiierten und vom Wissenschaftsministerium in Auftrag gegebenen Projekts arbeitete das DÖW an der Erfassung der biographischen Daten und Todesumstände aller österreichischen Holocaustopfer. Ausgangspunkt der von 1992 bis 2001 dauernden Arbeiten waren die Deportationslisten der Großtransporte aus Wien und die Deportationskartei der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Im Zuge des Projektes wurde weiters eine Vielzahl von Beständen in weiten Teilen Europas, in Israel und in den USA ausgewertet. Insgesamt wurden weit mehr als 500.000 Datensätze gesammelt mit Angaben zu den aufgrund der "Nürnberger Gesetze" Verfolgten, die zwischen 1938 und 1945 in Österreich durch Mord oder Selbstmord ums Leben kamen, aus Österreich deportiert oder als Flüchtlinge in anderen europäischen Staaten von den nationalsozialistischen Verfolgungsmaßnahmen eingeholt wurden. Insbesondere die Erfassung der zuletzt erwähnten Gruppe stieß auf beträchtliche Schwierigkeiten. Die Ergebnisse dieses Projektes wurden der Öffentlichkeit erstmals im Oktober 2000 im Rahmen des Museumskomplexes am Judenplatz in Wien zugänglich gemacht, wo neben den Namen und Todesorten auch Informationen über die Todesorte und die Todesumstände sowie das Schicksal der einzelnen Deportationstransporte zur Verfügung stehen. Dazu wurde im November 2001 auch eine (mittlerweile vergriffene) CD-ROM herausgegeben. Eine Dokumentation zur Shoah der österreichischen Jüdinnen und Juden sowie eine Datenbank mit Angaben zu mehr als 63.200 Opfern sind auf der Ausstellungswebsite des DÖW veröffentlicht. Mit den vom DÖW zur Verfügung gestellten Daten wurde von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien in der Synagoge eine Gedenkstätte mit den Namen von 62.000 Opfern gestaltet. Im Schuljahr 2002/03 wurde wiederum anhand der DÖW-Daten ein SchülerInnenprojekt, Letter to the Stars, durchgeführt, das die SchülerInnen auch auf einer individuellen Ebene mit dem Schicksal einzelner NS-Opfer vertraut machen sollte. Trotz des vorläufigen Abschlusses des Projekts (2001) werden bis heute neu auftauchende Namen von Opfern in die Datenbank aufgenommen. Ebenso fungieren wir als Anlaufstelle von Angehörigen und Freunden von Holocaustopfern aus dem In- und Ausland, die Anfragen an uns richteten bzw. uns ergänzende Informationen zukommen ließen. Zahlreiche Gedenkprojekte in Wien, Niederösterreich und Burgenland konnten vom DÖW mit Datenmaterial unterstützt werden. |
Schwerpunkt
Holocaust
Dokumentation zur
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Theresienstädter Gedenkbuch Das 2005 gemeinsam mit dem Institut Theresienstädter Initiative herausgegebene Gedenkbuch beinhaltet Namen und Schicksale von mehr als 18.100 Jüdinnen und Juden (darunter auch 1.149 in Österreich eingesetzte ungarisch-jüdische ZwangsarbeiterInnen), die 1942 bis 1945 aus Österreich und aus anderen besetzten Ländern Europas nach Theresienstadt deportiert wurden. Ein wissenschaftlicher Einleitungsteil beschreibt die Geschichte Theresienstadts vom Zeitpunkt der Gründung des Ghettos bis zu seiner Befreiung unter besonderer Berücksichtigung der Schicksale und der Stellung der österreichischen Jüdinnen und Juden in Theresienstadt. Einzelne Beiträge beschäftigen sich auch mit den Tätern, den Täterorganisationen und der justiziellen Ahndung der Verbrechen nach 1945. Auch die 2009 vom DÖW herausgegebene Publikation von Martin Niklas "... die schönste Stadt der Welt". Österreichische Jüdinnen und Juden in Theresienstadt beleuchtet den Alltag in der Theresienstädter "Zwangsgemeinschaft", der von Hunger, Krankheit und Tod geprägt war, aber auch von dem Versuch, sich durch kulturelle Tätigkeiten Würde und Menschsein zu bewahren. Individuelle Schicksale und Berichte von Überlebenden des Lagers, das vom NS-Regime als "Musterghetto" bezeichnet und für propagandistische Zwecke instrumentalisiert wurde, bieten einen tiefen Einblick in die Situation der Häftlinge und zeigen deutlich, dass das auch heute noch weitverbreitete Bild eines "besseren" NS-Ghettos nicht aufrechterhalten werden kann. |
Publikation
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Namentliche Erfassung der Trotz zahlreicher Publikationen zur Thematik fehlt bislang eine empirisch gesicherte Basis für realistische Aussagen über die Zahl der österreichischen Opfer politischer Verfolgung während der NS-Zeit. Da die bisher veröffentlichten Zahlen zu diesem Personenkreis auf einer nicht mehr nachvollziehbaren Quellengrundlage beruhen, muss auch für die zu Tode gekommenen WiderstandskämpferInnen eine auf seriöser Recherchegrundlage beruhende Quantifizierung vorgenommen werden. Ziel des 2009 abgeschlossenen Projekts war daher die quantitative Feststellung dieser Opferzahlen, um damit einen sachlich fundierten und faktenorientierten Opferdiskurs zu ermöglichen. Auf den Erfahrungen des Projekts Namentliche Erfassung der österreichischen Holocaustopfer aufbauend wurden in Kooperation mit dem Karl von Vogelsang-Institut die Namen und verfolgungsrelevanten Daten von Österreichern und Österreicherinnen erfasst, die im Zeitraum vom 11. März 1938 bis zum 8. Mai 1945 aus politischen Gründen durch das NS-Regime umkamen bzw. ermordet wurden. Konkret handelt es sich dabei um Opfer des SS- und Polizeiapparates, Opfer der NS-Justiz (sowohl Hingerichtete als auch während des Strafvollzuges Umgekommene), Todesopfer der Konzentrationslager und Tote von Massakern. Mit berücksichtigt wurden auch Personen, die im Zuge der Verfolgung Selbstmord verübt haben. Im Mittelpunkt der Arbeiten standen die systematische Erfassung und der datenbankgestützte Abgleich von großen Quellenbeständen, wobei sich als Ausgangsbasis Quellenbestände aus dem Bereich der Politischen Polizei, der Justiz, des Strafvollzugs sowie der Konzentrationslager anboten. Dank guter Kontakte zu Gedenkstätten im In- und Ausland konnten zahlreiche neue Quellen für das Projekt erschlossen werden. Derzeit wird an der Publikation der Ergebnisse gearbeitet. Im Internet wird eine Datenbank mit den Namen der österreichischen Opfer politischer Verfolgung zwischen 1938 umd 1945 unter Beachtung datenschutzrechtlicher Bestimmungen öffentlich zugänglich gemacht werden. Die Arbeiten im Rahmen dieses Projekts wurden durch finanzielle Unterstützung des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kunst, des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus, des Österreichischen Fonds für Versöhnung, Frieden und Zusammenarbeit und des Zukunftsfonds der Republik Österreich ermöglicht. |
Schwerpunkt
Widerstand & Verfolgung
Projekt |
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Widerstand und Verfolgung in den 1970 wurde mit den Arbeiten für die Reihe Widerstand und Verfolgung in den österreichischen Bundesländern begonnen, in der mittlerweile insgesamt 13 Bände (Wien, Burgenland, Oberösterreich, Tirol, Niederösterreich, Salzburg) erschienen sind. Die Arbeiten an der Dokumentation über die Steiermark sind im Gange, mit Vorarbeiten für jene über Kärnten wurde in Zusammenarbeit mit der Universität Klagenfurt begonnen. Schon mit dem Projekttitel Widerstand und Verfolgung wird zum Ausdruck gebracht, dass keine enge Begrenzung des Widerstandsbegriffs - etwa auf den aktiven Kampf "für ein freies, unabhängiges Österreich" im Sinne des Opferfürsorgegesetzes 1947 - vorgenommen wird, sondern das ganze Spektrum von Widerstand, Opposition und Unzufriedenheit, also jede nonkonformistische Reaktion auf die NS-Diktatur, berücksichtigt werden soll. Diese Tendenz zu einem breit aufgefassten Widerstandsbegriff setzte sich seither in der modernen Widerstandsforschung immer mehr durch. Gleichrangig dargestellt wird die nationalsozialistische Verfolgung aus rassistischen, religiösen und nationalen Gründen. Auch die Mitwirkung von Österreichern bei den nationalsozialistischen Terrormaßnahmen wird mit einbezogen (Volksgerichtsprozesse u. a.). Als Quellen werden Justizdokumente, Materialien des Polizei- und Sicherheitsapparats, Gesetze, amtliche Erlässe, Materialien der WiderstandskämpferInnen und der Widerstandsgruppen ebenso wie Aussagen, Berichte und Interviews aus der Zeit nach 1945 herangezogen und auszugsweise wiedergegeben. Die regionale Gliederung des Gesamtprojektes hat sich in vielerlei Hinsicht als vorteilhaft erwiesen: zur besseren Übersichtlichkeit und der erleichterten Forschungsfinanzierung tritt die Bedeutung der Dokumentationen als Quellenbasis für regional- und lokalgeschichtliche Initiativen und Forschungen. Die Arbeiten wurden/werden in Zusammenarbeit mit den wissenschaftlichen Institutionen und Fachleuten der jeweiligen Bundesländer (Universitätsinstitute, Landes-, Stadt- und Diözesanarchive bzw. -historikerInnen, VertreterInnen der Opferverbände u. a.) durchgeführt. |
Publikationsreihe
Projekt |
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Gedenken und Mahnen in Österreich.
In den 1990er Jahren wurde mit einer umfangreichen und seither laufend aktualisierten Materialsammlung für ein Dokumentationsprojekt Gedenken und Mahnen begonnen. Gedenken und Mahnen in Wien, basierend auf der 1975 von Erich Fein erstellten Dokumentation Die Steine reden. Gedenkstätten des österreichischen Freiheitskampfes - Mahnmale für die Opfer des Faschismus, stellte ein Pilotprojekt für die geplante Projektreihe in den übrigen Bundesländern dar. Als Endergebnis wurde 1998 eine Dokumentation über Gedenkstätten zu Widerstand und Verfolgung, Exil und Befreiung in Wien vorgelegt. Ziel war es, sowohl die Perspektive auf die Vergangenheit als auch den zeitgeschichtlichen Kontext der kollektiven Erinnerung umfassend zu dokumentieren und dadurch beide Dimensionen der Denkmallandschaft Wiens zu erschließen. Kernstück der Dokumentation ist die Erfassung jener Personen und Orte, auf die sich die gesellschaftliche Erinnerung an Widerstand, Verfolgung, Exil und Befreiung bezieht. Durch die Recherche von Alter, Beruf, politischen Aktivitäten und erlittenen Verfolgungsmaßnahmen können die Namen auf den Erinnerungszeichen mit konkreten Einzelschicksalen verknüpft werden. Die Dokumentation versteht sich somit selbst als "Denkmal", wobei neben den zentralen Gedenkstätten sowie namhaften Personen das Schicksal und der Leidensweg unzähliger, nunmehr bereits in Vergessenheit geratener Menschen in das Zentrum gerückt werden. Für Wien wurde 2001 ein Ergänzungsband vorgelegt. Ein Band für die Steiermark ist in Bearbeitung, der Band für Niederösterreich ist 2011 erschienen. Arbeiten zur Erfassung zeitgeschichtlicher Erinnerungszeichen zum Gedenken an die Opfer des Faschismus und Nationalsozialismus im Burgenland wurden 2006 abgeschlossen. |
Projekt
Projekt
Publikation
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Projekte zur NS-Justiz Die Opfer der NS-Strafjustiz sind für die Beurteilung der Rolle Österreichs in der Zeit des Nationalsozialismus und für das Selbstverständnis der ÖsterreicherInnen bis in die Gegenwart von Bedeutung. Bereits seit 1998 besteht zwischen dem DÖW und der Philipps-Universität Marburg eine enge Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Aufarbeitung der NS-Justiz in Österreich, die schon in mehrere Publikationen mündete. 2006 wurde das Projekt Hochverrat, Landesverrat, Wehrkraftzersetzung. Politische NS-Strafjustiz in Österreich und Deutschland, das von der VW-Stiftung gefördert wurde, abgeschlossen. Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses stand die Spruchpraxis des Volksgerichtshofs und des Oberlandesgerichts Wien. Als erste Ergebnisse wurden 2004 die Publikation NS-Justiz in Österreich. Lage- und Reiseberichte 1938-1945 (hrsg. von Wolfgang Form und Oliver Uthe) sowie die Mikrofiche-Edition Widerstand und Verfolgung in Österreich 1938-1945. Die Verfahren vor dem Volksgerichtshof und den Oberlandesgerichten Wien und Graz (hrsg. von Wolfgang Form, Wolfgang Neugebauer und Theo Schiller) publiziert. Ende 2006 folgte als Abschluss des Projekts der Band NS-Justiz und politische Verfolgung in Österreich 1938-1945: Analysen zu den Verfahren vor dem Volksgerichtshof und dem Oberlandesgericht Wien (hrsg. von Wolfgang Form, Wolfgang Neugebauer und Theo Schiller). Für die Publikation wurden alle Verfahren wegen Hochverrats, Landesverrats und Wehrkraftzersetzung vor dem Volksgerichtshof und den Oberlandesgerichten Wien und Graz systematisch ausgewertet. Dadurch werden sowohl Einblicke in den österreichischen Widerstand und in die nonkonformen Handlungen der Bevölkerung als auch in die Vorgehensweise des NS-Regimes bei der Instrumentalisierung des Strafrechts gegen politisch Andersdenkende möglich gemacht. Die vom DÖW gemeinsam mit der Philipps-Universität Marburg vorbereitete Online-Ausgabe der Gestapo-Tagesberichte Wien wurde vom Saur Verlag, München, im Rahmen der Online-Edition zu Quellen der deutschen Geschichte herausgegeben. Dazu wurden sämtliche erhaltene Tagesberichte der Gestapo-Leitstelle Wien gescannt und ein Findbehelf, der Abfragen nach verschiedenen Kriterien (Namen, Verfolgungskomplexe etc.) erlaubt, erstellt. Das DÖW verfügt über Kopien von etwa 95 Prozent der gesamten Tagesrapporte der Gestapo-Leitstelle Wien und damit über einen einzigartigen Quellenbestand im deutschsprachigen Raum, der bereits jetzt im DÖW EDV-gestützt zugänglich ist. Die ergiebige Zusammenarbeit auf diesem Gebiet mit der Philipps-Universität Marburg soll weitergeführt werden. |
Kooperationsprojekte |
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Opfer des Terrors der NS-Bewegung in Österreich 1933-1938 Im Auftrag des damaligen Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur erfassten das Karl von Vogelsang-Institut und das DÖW die Opfer des Terrors der NS-Bewegung in den Jahren vom Verbot der NSDAP im Juni 1933 bis zum "Anschluss" 1938 in einer Datenbank. Insgesamt wurden 117 Personen bei nationalsozialistischen Anschlägen sowie im Zuge des NS-Putschs vom Juli 1934 sofort getötet, weitere 52 Personen so schwer verletzt, dass sie an den Folgen dieser Verletzungen verstarben. Von diesen 169 Todesopfern konnten bis auf fünf alle namentlich identifiziert werden. Im Rahmen des 2002 abgeschlossenen Projekts wurden auch 624 Verletzte erfasst. Darüber hinaus wurden Angaben zum Tathergang in einer eigenen Ereignis-Datenbank gespeichert, die auch Quellenangaben (in erster Linie Polizeiberichte und Zeitungsmeldungen) enthält. |
Projekt |
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Weitere Projekte Gemeinsam mit dem Archiv der KZ-Gedenkstätte Mauthausen / Bundesministerium für Inneres, Abteilung IV/7 hat das DÖW 2010 die Publikation Die Toten von Ebensee. Analyse und Dokumentation der im KZ Ebensee umgekommenen Häftlinge 1943-1945 herausgegeben. Kernstück der Publikation ist die Auflistung der Namen und Daten von über 8200 Ebenseer Häftlingen, die von 1943 bis zur Befreiung am 6. Mai 1945 umkamen bzw. kurz nach der Befreiung an den Folgen der KZ-Haft starben. Als erster österreichischer Bundesligaklub hat der SK Rapid im Rahmen des Projekts Der SK Rapid in den Jahren 1938-1945 seine Rolle im Nationalsozialismus kritisch aufarbeiten lassen. Daraus resultierte die Publikation Grün-weiß unterm Hakenkreuz. Der Sportklub Rapid im Nationalsozialismus von Jakob Rosenberg und Georg Spitaler, die von SK Rapid und DÖW 2011 herausgebracht wurde. |
Publikation
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Bereits seit den 1980er Jahren widmet sich das DÖW der Geschichte der NS-Medizinverbrechen in Österreich, vor allem der Ermordung geistig und körperlich Behinderter, wobei auch die Forschung zu den Tätern - also zu den in das NS-"Euthanasieprogramm" involvierten Ärzten - breiten Raum einnahm. In Kooperation mit MedizinhistorikerInnen sowie dem Psychiatrischen Krankenhaus der Stadt Wien konnten diese Arbeiten seit Ende der 1990er Jahre intensiviert werden. Mit Unterstützung der Stadt Wien wurde die virtuelle Ausstellung Der Krieg gegen die "Minderwertigen": Zur Geschichte der NS-Medizinverbrechen in Wien konzipiert und 2002 ins Netz gestellt. Gleichzeitig wurde eine provisorische Ausstellung im Pavillon V-Gebäude des Otto Wagner-Spitals, die ebenfalls vom DÖW betreut wird (Führungen, ZeitzeugInnenprogramm), eröffnet. 2008 konnte die Ausstellung mit Unterstützung der Stadt Wien, des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus sowie des Wiener Krankenanstaltenverbunds völlig neu gestaltet werden. Die Website der Ausstellung wurde ebenfalls überarbeitet, weitere inhaltliche Erweiterungen sind geplant. Die inhaltlichen Schwerpunkte der Ausstellung und der Website bewegen sich von den ideologischen Wurzeln in der Eugenik und Rassenhygiene, des gesundheits- und sozialpolitischen Paradigmas des Nationalsozialismus, den verschiedenen Tötungsaktionen bis zur Nachgeschichte der Verbrechen. Im Rahmen der Bestattung der sterblichen Überreste von Opfern der NS-Kindereuthanasie in Wien (April 2002) übernahm das DÖW die Aufgabe, die vorhandenen Präparate zu sichten, zuzuordnen und zu dokumentieren. Außerdem wurde eine vollständige namentliche Erfassung der "Spiegelgrund"-Opfer durchgeführt. Gemeinsam mit dem Otto-Wagner-Spital wurden bislang auch drei Symposien zu dieser Thematik veranstaltet, deren Ergebnisse in publizierter Form vorliegen. Im Auftrag des Vereins Schloss Hartheim führte das DÖW ein vom Wissenschaftsministerium finanziertes Forschungsprojekt zur NS-Euthanasie in Hartheim durch, dessen Ergebnisse auch als Grundlage für die im Mai 2003 eröffnete Oberösterreichische Landesausstellung Der Wert des Lebens sowie die Gestaltung der Gedenkstätte Hartheim dienen. |
Schwerpunkt NS-Medizin-
verbrechen
Ausstellung |
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Seit seiner Gründung hat das DÖW auch die Erforschung des österreichischen Exils 1934-1945, das als integrierender Bestandteil von Widerstand und Verfolgung betrachtet wird, zu einer seiner Hauptaufgaben gemacht. In jahrelanger Such- und Sammelarbeit, auch unter Mithilfe österreichischer Auslandsvertretungen, konnte eine umfassende einschlägige Sammlung von Publikationen, Flugschriften und Korrespondenzen aufgebaut werden. Auf der Grundlage dieser Vorarbeiten begann das DÖW 1981 mit den ersten Arbeiten für eine umfangreiche Edition des bislang nicht publizierten und wissenschaftlich kaum ausgewerteten Quellenmaterials über das österreichische Exil. In der Gestaltung ähnlich den Bundesländerdokumentationen konnten bereits mehrere Bände über ÖsterreicherInnen im Exil veröffentlicht werden: eine Dokumentation über Frankreich 1984, eine über Belgien 1987, über Großbritannien 1992, USA (zwei Bände) 1995, Sowjetunion 1999, Mexiko 2002. 1986, anlässlich des 50. Jahrestages des Ausbruchs des Spanischen Bürgerkriegs, wurde eine Arbeit über Österreicher an der Seite der Spanischen Republik 1936-1939 als Sonderform des politischen Exils vorgelegt. Die Dokumentationen umfassen im Wesentlichen den Zeitraum 1938-1945 und geben Auskunft über die oftmals sehr schwierigen Lebensbedingungen in den Zufluchtsländern, in die die österreichischen Vertriebenen gelangten, nachdem sie die bürokratischen Schikanen der Ausreise oder die Gefahren eines illegalen Grenzübertritts bewältigt hatten. Ausführlich werden die Aktivitäten von ÖsterreicherInnen in Exilorganisationen, nationalen Widerstandsgruppen und im Dienste alliierter Armeen dargestellt, wobei kulturelle und politische Aspekte dieser Tätigkeiten Berücksichtigung finden. Der Band über Exil in der Sowjetunion widmet auch den stalinistischen Repressionen gegen die österreichischen politischen Flüchtlinge breiten Raum und leistet damit einen Beitrag zur österreichischen Stalinismusforschung. 2006 bzw. 2004 wurden die Projekte Biographisches Handbuch der österreichischen Opfer des Stalinismus (bis 1945) und ÖsterreicherInnen im Exil. Die La-Plata-Staaten Argentinien und Uruguay 1934-1945 abgeschlossen.Ziel des 2010 angelaufenen Projekts Vertreibung - Exil - Emigration. Die österreichischen NS-Vertriebenen im Spiegel der Sammlung der Rechtsanwaltskanzlei Dr. Hugo Ebner ist es, durch eine umfassende quantitative und qualitative Auswertung des 7000 Akten umfassenden Teilnachlasses von Dr. Hugo Ebner und PartnerInnen im DÖW zu verallgemeinerbaren Aussagen zu jenen rund 130.000 bis 140.000 Menschen zu gelangen, die ab dem Jahr 1938 wegen ihrer jüdischen Herkunft und zum Teil auch aus politischen Gründen aus Österreich vertrieben wurden bzw. flüchteten. In einem geringeren Maße sind daher auch Informationen zu politisch und aus anderen Gründen Verfolgten zu erwarten. Angesichts der Tatsache, dass es bisher praktisch keine umfassenden auf empirischer Grundlage beruhenden Arbeiten zur erzwungenen Emigration aus Österreich insgesamt gibt, sind von diesem Projekt wesentliche neue Erkenntnisse zur sozialen Zusammensetzung, zur Vertreibungsgeschichte und zum späteren Schicksal dieser zahlenmäßig größten Gruppe von NS-Verfolgten zu erwarten. Das DÖW wirkt weiters an der 2002 ins Leben gerufenen Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung mit, die sich um Kooperation und Koordinierung einschlägig tätiger Organisationen und ForscherInnen bemüht. |
Schwerpunkt Exil
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Oral-history-Projekt Erzählte Geschichte 1982 begann das DÖW - zu Beginn in Kooperation mit dem Institut für Wissenschaft und Kunst (IWK) - mit einem größeren Projekt unter dem Titel Erzählte Geschichte. Ziel dieses Projektes war es, Widerstand und Verfolgung aus der Perspektive der Betroffenen darzustellen, den alltäglichen Lebenszusammenhang, die menschlichen Probleme, die Emotionen, die Handlungsmotivationen und das spätere Schicksal der Verfolgten und deren Verarbeitung der Vergangenheit zu erfassen. Diese Dimensionen sollten als Ergänzung zu den schriftlichen Quellen erschlossen werden. Bei den Befragungen wurde grundsätzlich unter Anwendung der Methode des Narrativinterviews die Lebensgeschichte in ihrer Gesamtheit erfasst: Elternhaus und Kindheit, Arbeitswelt, politische und religiöse Sozialisation und Tätigkeit, wobei der Zeitraum 1934 bzw. 1938-1945 und die Themen Widerstand und Verfolgung den Schwerpunkt bildeten. Insgesamt liegen bisher ca. 1.000 Interviews (über 2.800 Kassetten) vor, von denen mehr als 800 transkribiert wurden. Kassetten und Transkripte sind durch eine EDV-gestützte Personen- und Schlagwortkartei erschlossen und wurden 2004 digitalisiert und damit auch für die Zukunft gesichert. Anhand der gesammelten Interviews konnten in der Reihe Erzählte Geschichte vier Bände veröffentlicht werden. Der erste Band umfasst Berichte aus dem Widerstand der Arbeiterbewegung, der zweite aus jenem des christlich-konservativen bzw. legitimistischen Lagers, der dritte Berichte von jüdischen Überlebenden und der vierte behandelt Widerstand und Verfolgung der Kärntner SlowenInnen. Absichten, weitere Gruppen von Verfolgten, insbesondere die Roma, zu erfassen, konnten bislang bedauerlicherweise nicht realisiert werden, da die Gesprächsbereitschaft dieser ehemaligen Verfolgten - sieht man von prominenten Ausnahmen ab - sehr gering ist.
Ebenfalls beteiligt war das DÖW am ZeitzeugInnenprojekt Mauthausen /
Mauthausen Survivors Documentation Project, das 2003 abgeschlossen wurde und in dessen Rahmen |
Oral History -
Erzählte Geschichte
Publikationsreihe
Auswahl aus der
Kooperation |
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Die Sammlung von auszugsweisen Papier-Kopien der Strafakten wegen NS-Verbrechen ist seit den frühen 1980er Jahren einer der Sammelschwerpunkte des DÖW. Seit der ersten Hälfte der 1990er Jahre werden am DÖW Akten von Verfahren vor dem Volksgericht Wien (1945-1955) sowie Wiener Strafakten wegen NS-Verbrechen (1956-1975) erfasst, ausgewertet und mikroverfilmt. Das 1993 begonnene Projekt wird seit 2001 von der am DÖW und am Österreichischen Staatsarchiv angesiedelten Zentralen österreichischen Forschungsstelle Nachkriegsjustiz (www.nachkriegsjustiz.at) durchgeführt, als Kooperationspartner konnten Yad Vashem (Jerusalem) und das US Holocaust Memorial Museum gewonnen werden. Durch die EDV-unterstützte Mikroverfilmung ausgewählter Akten des Wiener Volksgerichts war es möglich, die Sicherung der teilweise vom Zerfall bedrohten Dokumente mit ihrer inhaltlichen Erschließung zu verbinden. Das DÖW unterstützte die von der Forschungsstelle Nachkriegsjustiz und dem Verein für justizgeschichtliche Forschungen durchgeführten Projekte zur Digitalisierung des Verfahrensregisters und des Hauptverhandlungsregisters des Volksgerichts Wien und zur Gesamterfassung der im Oberösterreichischen Landesarchiv aufbewahrten Akten des Volksgerichts Linz. Darüber hinaus wurden im Zuge der Auswertung Grundzüge einer Quellenkritik für die Nutzung von Gerichtsakten entwickelt, die sowohl historische als auch juristische Methoden berücksichtigen. Die Bearbeitung dieser Bestände mündete auch in zahlreiche Publikationen. Die am DÖW tätige Forschungsstelle Nachkriegsjustiz berät Studierende und FachkollegInnen bei der Suche nach Gerichtsverfahren und der Lokalisierung der dazugehörigen Akten, sammelt Kopien von Justizakten und organisiert wissenschaftliche Veranstaltungen. Die gesammelten Aktenkopien - neben Mikrofilmen sind das bisher insgesamt ca. 22 lfm von Anklageschriften und Urteilen Wiener Volksgerichtsprozesse wegen NS-Gewaltverbrechen, zahlreiche staatsanwaltschaftliche Tagebücher von Prozessen wegen NS-Tötungsverbrechen vor österreichischen Geschworenengerichten nach 1955, Aktenkopien aus deutschen und amerikanischen Archiven, Artikel aus juristischen Fachzeitschriften sowie aus den stenographischen Protokollen des Nationalrats und Zeitungsmeldungen - können im DÖW unter Einhaltung der bei ihrer Anfertigung von den Justizbehörden auferlegten Benützungsbeschränkungen eingesehen werden. |
Schwerpunkt
Volksgerichts-
barkeit nach 1945 |
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Das DÖW und insbesondere dessen wissenschaftliche Leiterin Brigitte Bailer-Galanda setzen sich schon seit Anfang der 1990er Jahre mit den historischen Entstehungsbedingungen der Opferfürsorgegesetzgebung und deren Auswirkungen auf die verschiedenen Opfergruppen auseinander. Im Auftrag der Historikerkommission, der sie 1998-2003 als Mitglied und stellvertretende Vorsitzende angehörte, untersuchte Bailer-Galanda auch die Entstehung der Rückstellungs- und Entschädigungsgesetzgebung anhand österreichischer und internationaler Quellen und legte eine erste umfassende Darstellung der Nachkriegspolitik gegenüber den NS-Opfern im Spannungsfeld zwischen Innen- und Außenpolitik vor. Seither folgten mehrere selbständige Publikationen und Beiträge in Sammelbänden und Zeitschriften, die sich sowohl mit der Restitutionsgesetzgebung befassen als auch auf die Perspektive der Opfer abzielen. Das DÖW leistet neben der theoretisch-wissenschaftlichen Arbeit auf diesem Gebiet durch Beratung, Zurverfügungstellung von Dokumenten etc. auch konkrete Hilfestellung für AntragstellerInnen insbesondere nach dem Opferfürsorgegesetz. |
Schwerpunkt Restitution,
Entschädigung für NS-Opfer |
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Rechtsextreme und deutschnationale Geschichtsdarstellungen, insbesondere Diffamierungen von WiderstandskämpferInnen und Leugnung oder Bagatellisierung von NS-Verbrechen, veranlassten das DÖW Mitte der 1970er Jahre, mit der Sammlung und Untersuchung rechtsextremer Publikationen und Materialien zu beginnen. Nach einigen kleineren Veröffentlichungen wurde 1977 aufgrund eines Forschungsauftrages des damaligen Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung die wissenschaftliche Auswertung dieser bislang unbearbeiteten Thematik begonnen, wobei eine enge Zusammenarbeit mit Universitätsinstituten in Wien, Linz, Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt sowie mit den zuständigen Abteilungen des Innenministeriums gepflogen wurde. In interdisziplinärer Arbeitsweise wurden sowohl die historische Entwicklung als auch eine Bestandsaufnahme des gegenwärtigen Rechtsextremismus (Organisationen, Personen, Ideologie, Aktivitäten etc.) durchgeführt und 1979 in dem 600-seitigen Werk Rechtsextremismus in Österreich nach 1945 im Österreichischen Bundesverlag veröffentlicht. Die fünfte, überarbeitete Auflage (1981) wurde in den vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst herausgegebenen Medienkoffer 2 aufgenommen und stand dadurch allen höheren Schulen Österreichs zur Verfügung. Insgesamt wurden 12.000 Exemplare des Werkes verkauft. Seither legten das DÖW und einige seiner MitarbeiterInnen eine Reihe weiterer Publikationen und Aufsätze zu diesem Thema vor. 1993 publizierte das DÖW das gemeinsam mit WissenschafterInnen der Universitäten Wien, Linz, Klagenfurt, Innsbruck und Salzburg erstellte Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus, das nicht zuletzt wegen rechtlicher Schritte des damaligen FPÖ-Obmanns Jörg Haider gegen das Titelbild eine für eine wissenschaftliche Publikation sensationelle Zahl verkaufter Exemplare erreichte. Es folgte rasch eine zweite und letztlich 1994 eine aktualisierte und erweiterte Auflage, insgesamt ist das Werk in mehr als 20.000 Exemplaren erschienen. Besonders hervorzuheben sind auch jene Publikationen, die sich mit der Leugnung der nationalsozialistischen Verbrechen, insbesondere der Massenmorde mittels Giftgas, auseinandersetzen. Nach einigen kleineren Arbeiten wurde gemeinsam mit dem deutschen Rechtsextremismusforscher Wolfgang Benz 1995 ein Sammelband Wahrheit und Auschwitzlüge veröffentlicht, der einerseits der Leugnung der Massenmorde historisches Faktenwissen gegenüberstellt und sich andererseits eingehend mit den Methoden der Holocaust-Leugnung auseinandersetzt. Die Widerlegung solcher Geschichtslügen erwies sich als notwendig, da es manchen dieser sogenannten "Revisionisten" durchaus gelang, besonders in schulischen Kreisen Verunsicherung auszulösen. Daher wurden solche Arbeiten auch in enger Zusammenarbeit mit der Abteilung Politische Bildung des damaligen Bundesministeriums für Unterricht durchgeführt. Insbesondere im Zusammenhang mit dieser neonazistischen Geschichtspropaganda hat das DÖW immer wieder auf die - in einem Rechtsstaat an sich selbstverständlich gebotene - Anwendung der einschlägigen österreichischen Gesetze und damit auf die strafrechtliche Verfolgung von NS-Wiederbetätigern gedrängt bzw. die Revision mangelhafter Gesetze gefordert. Diese auch von Simon Wiesenthal maßgeblich getragenen Bemühungen führten 1992 zu einer Novellierung des NS-Verbotsgesetzes, durch die nun jede Leugnung, Verharmlosung, Rechtfertigung oder Verherrlichung des NS-Völkermordes unter Strafe gestellt ist. Das Erstarken rechtsextremer und rechtspopulistischer Parteien in Europa ebenso wie der internationale Schulterschluss zwischen Holocaust-Leugnern und islamistischen Gruppierungen und neue antisemitisch konnotierte Allianzen zwischen der äußersten Linken und der äußersten Rechten haben zu neuen Herausforderungen in der Auseinandersetzung mit gegenwärtigen rassistischen Tendenzen und Vorurteilen geführt. Die Chronik Neues von ganz rechts (elektronisch archiviert ab 1998) auf der Website des DÖW bietet neueste Informationen über rechtsextreme und neonazistische Aktivitäten und spiegelt gleichzeitig rechtsextreme Tendenzen der jüngsten Vergangenheit wider. Ebenfalls abrufbar ist eine Auswahl von rechtsextremen Organisationen, Vereinen und Medien auf Basis des Rechtsextremismus-Handbuchs. |
Schwerpunkt
Rechts-
extremismus
Handbuch des
Chronik
Aktuelle |
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Die Sammlung, Aufarbeitung und schließlich Archivierung aller Materialien zählen zu den wichtigsten und aufwendigsten Arbeiten unserer MitarbeiterInnen. Einen ebenso hohen Stellenwert nimmt die Beratung unserer BesucherInnen ein: die DÖW-MitarbeiterInnen sind hierbei AnsprechpartnerInnen für StudentInnen (Seminar- und Diplomarbeiten sowie Dissertationen), SchülerInnen (zeitgeschichtliche Referate, Fachbereichs- und Projektarbeiten), WissenschafterInnen (Recherchen für Forschungsprojekte, Publikationen und Ausstellungen), ExpertInnen aus den Bereichen Medien, Kultur, Erwachsenenbildung, Schule, gewerkschaftliche Bildungsarbeit sowie interessierte Einzelpersonen. Zusätzlich werden zahlreiche schriftliche und telefonische Anfragen beantwortet, in den letzten Jahren insbesondere zu Namen und Schicksal der Holocaust-Opfer. Im Zuge der oben angeführten Forschungsprojekte sind die Archiv- und Bibliotheksbestände des DÖW beträchtlich angewachsen; an wichtigen Sammlungen sind hier anzuführen:
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Arbeitsbereiche
Archiv
& Bibliothek |
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Permanente Ausstellung Nachdem das DÖW 1965 erstmals mit einer Wanderausstellung über den Nationalsozialismus und den österreichischen Widerstand an die Öffentlichkeit getreten war, wurde im Dezember 1969 in den DÖW-Räumen im Alten Rathaus die erste ständige zeitgeschichtliche Ausstellung eröffnet; 1978 erfolgte die Errichtung einer neuen und großzügiger konzipierten Ausstellung in der Bürgerstube des Alten Rathauses. Aus ihrem Titel Der österreichische Freiheitskampf war bereits erkennbar, dass der inhaltliche Schwerpunkt - dem Zeitgeschmack und den didaktischen Vorstellungen jener Jahre entsprechend - auf der Darstellung des österreichischen Widerstandes gegen das NS-Regime und weniger auf einem Gesamtüberblick über die Verbrechen des NS-Regimes lag. 2005 wurde der Ausstellungsbereich des DÖW sowohl inhaltlich als auch räumlich neu gestaltet und am 8. November 2005 vom Wiener Bürgermeister Dr. Michael Häupl und Stadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny eröffnet. Die neue permanente Ausstellung spannt einen inhaltlichen Bogen von der Vorgeschichte des Nationalsozialismus über Widerstand und Verfolgung in der NS-Zeit bis zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit nach 1945. Der Kern der Ausstellung besteht aus drei verschiedenen Bereichen. An den Wandelementen geben Faksimile von Fotos und Dokumenten sowie kurze Texte einen Überblick über das behandelte Thema. Als Ergänzung finden die BesucherInnen vertiefende Subtexte sowie detaillierte Bildbeschriftungen. Bereichstexte und Bildtexte stehen auch in englischer Sprache zur Verfügung. Zusätzlich werden in Wandvitrinen Originalobjekte gezeigt: Dokumente, Korrespondenzen, Broschüren, Bücher. Computerteminals bieten anhand von Texten, Dokumenten, Fotos sowie Datenbanken des DÖW vertiefende Informationen zu den Themenbereichen der Ausstellung. Die Kosten für Umbau und Neugestaltung wurden von der Stadt Wien im Rahmen des Jubiläumsjahres 2005 getragen. Die Ausstellung kann jetzt auch als Veranstaltungsraum genützt werden und stellt damit einen weiteren Schnittpunkt zwischen DÖW und Öffentlichkeit dar. Führungen durch die Ausstellung sind - wie der Ausstellungsbesuch selbst - kostenlos möglich. Ein Ausstellungskatalog mit zahlreichen Abbildungen gibt einen Überblick über den Stand der zeitgeschichtlichen Forschung zu NS-Verbrechen sowie Verfolgung und Widerstand auf österreichischem Gebiet 1938-1945. Ein schmalerer, ebenfalls reich bebilderter Band enthält die Ausstellungstexte in englischer Sprache und bietet damit auch nicht-deutschsprachigen Interessierten die Möglichkeit des Nachlesens nach dem Besuch der Ausstellung. |
Arbeitsbereich Ausstellung
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Weitere Ausstellungen Besondere Aktivitäten setzte das DÖW in den Gedenkjahren 1985 und 1988. Anlässlich des 50. Jahrestages des "Anschlusses" war das DÖW federführend an der vom Historischen Museum der Stadt Wien durchgeführten Ausstellung Wien 1938 in der Volkshalle des Rathauses und der Zusammenstellung des gleichnamigen Katalogs beteiligt. Zehn Jahre später übernahm das DÖW im Auftrag des Bundesministeriums für Inneres mit einem Team von ZeithistorikerInnen die Gestaltung einer Ausstellung anlässlich des 60. Jahrestags des "Anschlusses" im März 1938 und der Errichtung des Konzentrationslagers Mauthausen im August 1938 mit dem Titel 1938. NS-Herrschaft in Österreich, die sowohl in der Gedenkstätte Mauthausen als auch in komprimierter Form in einem Bus der Stadt Wien an verschiedenen Standorten in Wien, vor allem vor Schulen, zu sehen war. Am Morzinplatz in Wien befand sich 1938-1945 im ehemaligen Hotel "Metropole" das Hauptquartier der Gestapo. In dem an dieser Stelle neu errichteten Haus, benannt nach dem Widerstandskämpfer und späteren Bundeskanzler Ing. Leopold Figl, erinnert eine vom DÖW betreute Gedenkstätte an die Opfer der Gestapo Wien. 2011 wurde die Gedenkstätte nach einer umfassenden Renovierung durch eine Ausstellung über die Opfer der Gestapo, aber auch über die Rolle der Gestapo Wien als Institution des NS-Terrors und deren Involvierung in die Deportation der österreichischen Jüdinnen und Juden ergänzt. Ebenso vom DÖW betreut wird eine Ausstellung zur Geschichte der NS-Medizinverbrechen im Otto Wagner-Spital, die 2008 neu gestaltet wurde. |
Ausstellung
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Periodika
Homepage 1997 begann das DÖW, damals in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Wien, Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung, mit dem Aufbau einer eigenen Homepage, um auch im Internet präsent zu sein. Mittlerweile umfasst die nunmehr vom DÖW selbst betriebene Website viele tausend Seiten an Informationen. 2010 konnte sie monatlich bis zu 90.000 BesucherInnen verzeichnen (Zugriffe von DÖW-Rechnern sowie der Traffic von Maschinen - Robots, Würmern - sind hier nicht mitgezählt). Damit stellt die Homepage das mit Abstand wichtigste Medium des DÖW zur Information über seine Tätigkeit und seine Forschungsergebnisse dar. Ein Relaunch ist derzeit in Vorbereitung.
Kooperationen Seit seiner Gründung kooperiert das DÖW eng mit der universitären Zeitgeschichtsforschung, seine MitarbeiterInnen nahmen und nehmen an wissenschaftlichen Tagungen, Symposien, Podiumsdiskussionen und ähnlichen Veranstaltungen teil, halten dort Vorträge und beteiligen sich an Sammelbänden wissenschaftlicher Institutionen des In- und Auslandes. DÖW-MitarbeiterInnen hielten bzw. halten regelmäßig Lehrveranstaltungen an der Universität Wien und anderen Universitäten. Auf diese Weise wird die Vermittlung der Forschungen des DÖW im universitären Lehrbetrieb verankert; die WissenschafterInnen des DÖW wiederum halten damit Kontakt zur universitären Forschung, wodurch das DÖW seinerseits wertvolle Anregungen gewinnt und seine Position als wichtige außeruniversitäre Forschungseinrichtung bewahren kann.Das DÖW arbeitete seit seiner Gründung inhaltlich und projektorientiert mit zahlreichen namhaften Institutionen des In und Auslandes erfolgreich zusammen. Neben verschiedenen Landesarchiven, den Instituten für Zeitgeschichte bzw. Geschichte, Geschichte der Medizin und Politik sowie Staatswissenschaft der österreichischen Universitäten sind hier zu nennen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): Akademie der Wissenschaften | Anti-Defamation League, New York bzw. Wien | Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten | Bundesministerium für Inneres, Mauthausen Memorial. KZ-Gedenkstätte Mauthausen | Bundesministerium für Inneres, Verfassungsschutz | Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung | Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, Abteilung Politische Bildung | Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, erinnern.at | Centre de Documentation Juive Contemporaine, Paris | Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, Wien | European Center for Research and Action on Racism and Antisemitism/C. E. R. A., Paris | FFDJF (Les Fils et Filles des Déportés Juifs de France), Paris | Forschungsstelle Nachkriegsjustiz | Forschungsstelle Widerstandsgeschichte von FU Berlin und Gedenkstätte Deutscher Widerstand | Gesellschaft für politische Aufklärung | Historisches Museum der Stadt Wien | Institute for Jewish Policy Research, London | Institut für Geschichte der Medizin der Universität Wien | Institut für Konfliktforschung, Wien | Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien | International Conference of Labour and Social History (ITH) | Israelitische Kultusgemeinde Wien | Jüdisches Institut für Erwachsenenbildung | Jüdisches Museum der Stadt Wien | Jura-Soyfer-Gesellschaft | Karl-Franzens-Universität Graz, Abteilung Zeitgeschichte | Karl-Franzens-Universität Graz, Institut für Geschichte | Karl von Vogelsang-Institut/Institut zur Erforschung der Geschichte der christlichen Demokratie in Österreich | KZ-Gedenkstätte Buchenwald, Mittelbau-Dora, Nordhausen | KZ-Gedenkstätte Dachau | Ludwig Boltzmann-Institut für Kriegsfolgen-Forschung | Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Fürstenberg | Österreichische Gesellschaft für Exilforschung | Österreichische Gesellschaft für historische Quellenstudien | Philipps-Universität Marburg | Stadtschulrat für Wien | Terezinska Iniciativa (Institut Theresienstädter Initiative) | Theodor Kramer Gesellschaft | United States Holocaust Memorial Museum, Washington | Universitätsbibliothek Wien | Verein Gedenkdienst | Yad Vashem, Jerusalem. Der Verein DÖW gehört zu den Gründungsorganisationen des Wiener Wiesenthal Instituts für Holocaust-Studien (VWI) und wird dort im Vorstand von der wissenschaftlichen Leiterin des DÖW Brigitte Bailer vertreten. Brigitte Bailer gehört der österreichischen Delegation bei der ITF (Task Force for International Cooperation on Holocaust Education, Remembrance and Research) an und ist dort Mitglied der Academic Working Group. Die ITF ist eine internationale Organisation, der derzeit 28 Staaten angehören. Diese sind sowohl durch Regierungsinstitutionen als auch durch NGOs vertreten. Die Arbeitsgruppen der ITF befassen sich mit den im Titel vorgegebenen Themen: Holocaust-Forschung, Erinnerung an und Bildung über den Holocaust. Der Vorsitz wechselt jährlich, 2008/09 war Österreich das Vorsitzland. Die österreichische Delegation besteht aus Vertretern und Vertreterinnen des Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten, des Nationalfonds, des Unterrichtsministeriums, des Innenministeriums (KZ-Gedenkstätte Mauthausen), erinnern.at, der Akademie der Wissenschaften und des DÖW. Weiters ist Brigitte Bailer Mitglied des Internationalen Beirats der Stiftung Topographie des Terrors in Berlin. 2008 wurde sie in eine neu gegründete österreichisch-russische Historikerkommission nominiert, die auf österreichischer Seite vom Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, vom Ludwig Boltzmann-Institut für Kriegsfolgen-Forschung und vom Österreichischen Staatsarchiv mitgetragen wird. Das DÖW wurde aufgrund seiner Arbeiten zum Thema Exil in der Sowjetunion miteinbezogen. Brigitte Bailer ist im wissenschaftlichen Beirat des Wien Museums und in Nachfolge von Wolfgang Neugebauer im Internationalen Forum Mauthausen zur Beratung der für die KZ-Gedenkstätte zuständigen Abteilung im Innenministerium vertreten. Weiters ist sie Vorstandsmitglied des Vereins für Geschichte der Arbeiterbewegung, des Vereins Industrieviertelmuseum, Wiener Neustadt und der Gesellschaft der Freunde der Österreichischen Exilbibliothek. Am DÖW angesiedelt ist die Aktion gegen den Antisemitismus in Österreich (www.gegendenantisemitismus.at), eine unabhängige, überparteiliche Vereinigung, die seit 1955 durch Veranstaltungen, Presseaussendungen und Publikationen auf antisemitische Äußerungen und Publikationen reagiert. |
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