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Julius Tandler

Vortrag von Peter Schwarz, 30. Oktober 2019

 

Julius Tandler (1869–1936), sozialdemokratischer Politiker und Universitätsprofessor für Anatomie, wirkte bereits in der jungen Republik 1919/1920 als Unterstaatssekretär im Gesundheitsamt, ehe er ab November 1920 als Stadtrat für das Wohlfahrtswesen die Gesundheits- und Sozialpolitik im Roten Wien entscheidend prägte und gestaltete.

 

Der Vortrag bietet eine gerechte Würdigung des Wirkens Tandlers, dem da und dort Nähe zum rassenhygienischen Denken der Nationalsozialisten vorgeworfen wird. Nach einem biografischen Abriss schildert Schwarz Tandlers radikale Reformansätze, Innovationen und Maßnahmen auf dem Gebiet der kommunalen Gesundheits- und Sozialpolitik, insbesondere die neu geschaffenen Einrichtungen der Kinder- und Jugendfürsorge. In einem zweiten Teil seines Vortrags kontrastiert Schwarz einige tatsächlich radikal eugenische Formulierungen aus Tandlers wissenschaftlichen Publikationen mit dessen Aktivitäten als Stadtrat für das Wohlfahrtswesen. Als "Neolamarckist" favorisierte Tandler Maßnahmen der positiven Eugenik: Durch eine gezielte soziale Förderung junger Menschen sollte die Gesundheit kommender Generationen verbessert und zur Schaffung eines "neuen Menschen" (auch im biologischen Sinn) beigetragen werden. Im Gesundheitssystem Tandlers nahm die medizinische Versorgung bzw. Pflege älterer Menschen aber gleichfalls einen wichtigen Stellenwert ein. Der Mensch und Politiker Tandler fühlte sich insgesamt dem Projekt der "Spätaufklärung" verbunden und den Prinzipien des Humanismus verpflichtet.

 

 

Peter SCHWARZ
wissenschaftlicher Mitarbeiter des Vereins zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Zeitgeschichte (Universität Wien). Forschungsschwerpunkte: NS-Herrschaft, NS-Medizin, Antisemitismus, Aufarbeitung des NS-Erbes nach 1945, Erinnerungskultur, Kommunalpolitik im Roten Wien

 

 

Zeit:

Mittwoch, 30. Oktober 2019, 18.30 Uhr

 

Ort:

Bezirksmuseum 4. Wieden, Klagbaumgasse 4, 1040 Wien

 

 

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Rezension

Mitteilungen 235 / März 2018 (S. 7 ff.)
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