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Christina Wieder: Visuelle Transformationen

Das Exil der jüdischen Künstlerinnen Grete Stern, Hedy Crilla und Irena Dodal in Argentinien

Dissertation, Universität Wien, 2022 (Abstract)

 

Diese Arbeit wurde mit dem Herbert-Steiner-Preis 2022 ausgezeichnet.

 

 

Die Dissertation widmet sich drei jüdischen Künstlerinnen aus Österreich, Deutschland und der Tschechoslowakei, die während des Nationalsozialismus flüchten und ins argentinische Exil gehen mussten. Im Zentrum stehen die Fotografin Grete Stern (geb. 1904 in Elberfeld, gest. 1999 in Buenos Aires), die Schauspielerin und Regisseurin Hedy Crilla (geb. 1898 in Wien, gest. 1984 in Buenos Aires) sowie die Filmemacherin Irena Dodal (geb. 1900 Ledéc nad Sázavou, gest. 1989 in Buenos Aires), die alle bereits diverse Stationen des Exils durchlaufen hatten, bevor sie in Argentinien die Kunst- und Kulturlandschaft mitgestalten sollten. Die Arbeit verfolgt einen interdisziplinären Ansatz, der Methoden der Frauen- und Geschlechtergeschichte mit welchen der Visual History kombiniert, um einen Beitrag zu eben genannten Fachgebieten sowie zur historischen Exilforschung leisten zu können. Mit genderspezifischem Fokus und mithilfe des methodischen Werkzeugs der Intervisualität werden (audio-)visuelle Quellen analysiert und es wird Einblick in das Leben, Kunstschaffen und (kultur-)politische Engagement exilierter Frauen jüdischer Herkunft in Argentinien gegeben. Die Arbeit fragt, inwiefern und auf welchen Ebenen des Schaffens die Erfahrungen des Exils sichtbar bzw. (be)greifbar werben?

Die zentrale Forschungsfrage wendet sich damit zugleich an die Biografien und das Werk dieser Künstlerinnen. Sie fragt nach Formen, Orten und Strategien des Schaffens, in denen sich das Exil betreffende Aushandlungen, Vernetzungen oder Herausforderungen zeigen und wie sich diese zu politischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen des Aufnahmelandes verhalten. Sie geht ebenso der Frage nach, inwiefern Praktiken des kulturellen Übersetzens im Exil als spezifisch feministische Strategien gelesen werden können und inwiefern diese Künstlerinnen, ihr Werk ebenso wie ihr Leben, Auskunft über Erfahrungen von jüdischen Frauen geben können. Während diverse Exil-historische Arbeiten den passiven Status von exilierten Kunstschaffenden betonten und sie meist außerhalb von Mehrheitsdiskursen, sowohl im Herkunfts- als auch im Aufnahmeland, positionierten, erlaubt der Ansatz der vorliegenden Arbeit agency als zentrale Analysekategorie einzuführen. Denn die Arbeit verfolgt das Ziel, diese Künstlerinnen in ihrer Tätigkeit als kulturelle Übersetzerinnen vorzustellen, ihnen dadurch Sichtbarkeit zu verleihen sowie ihre politischen und kulturellen Anliegen herauszuarbeiten. Dabei wird besonderes Augenmerk auf das Verhältnis von Privatheit und Öffentlichkeit innerhalb des Werks, sowie auf die Auseinandersetzung mit kursierenden Frauenbildern und Weiblichkeitsentwürfen im Herkunfts- und im Exilland gelegt. Andererseits wird das Werk selbst in seiner medialen Funktion innerhalb von Übersetzungsprozessen analysiert. Es wird also der Frage nachgegangen, inwiefern und auf welchen Ebenen des Kunstschaffens sich eine transnationale biografische Erfahrung der Flucht und des Exils manifestierte, welche politischen und kulturellen Entwicklungen und Netzwerke dabei zentral wurden und welche Rolle künstlerische Medien in kulturellen Übersetzungsprozessen spielten

 

 

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