Verfahren vor österreichischen Volksgerichten:
Schätzungen und erstmals detaillierte Zahlen für Wien

Bericht über die vorläufigen Ergebnisse des Projekts "Kartei der Wiener Volksgerichtsprozesse 1945-1955. Forschungs- und Dokumentationsprojekt zur elektronischen Erfassung und wissenschaftlichen Auswertung der Kartei der am Volksgericht Wien 1945-1955 geführten gerichtlichen Voruntersuchungen"

1945 bis 1955 wurden vor den so genannten Volksgerichten (Wien, Graz - mit ständigen Außensenaten in Leoben und Klagenfurt -, Linz und Innsbruck) in 136.829 Fällen gerichtliche Voruntersuchungen wegen des Verdachts nationalsozialistischer Verbrechen oder "Illegalität" (Mitgliedschaft bei der NSDAP zur Zeit ihres Verbots 1933-1938) eingeleitet. Die gerichtlichen Ermittlungen betrafen vermutlich 100.000 bis 115.000 Personen.

Genaue Statistiken, die eine Verteilung der Gerichtsverfahren auf die einzelnen Verbrechenskategorien erlauben würden, existieren nicht. Die amtliche Statistik (Karl Marschall, "Volksgerichtsverfahren und Verfolgung von nationalsozialistischen Gewaltverbrechen in Österreich", 2. Aufl. 1987) beinhaltet nur regional und zeitlich gegliederte Übersichten. Als Ergebnis eines durch die Hochschuljubiläumsstiftung der Stadt Wien geförderten Projekts ist es nun möglich, vorläufige statistische
Angaben über die Verteilung der beim Volksgericht Wien eingeleiteten Voruntersuchungen auf die Paragraphen des Strafgesetzes, des NS-Verbotsgesetzes und des Kriegsverbrechergesetzes sowie hinsichtlich der zeitlichen Abläufe der Verfahren und der Geschlechterverteilung unter den Beschuldigten zu machen.

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