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Aus: Widerstand und Verfolgung in Niederösterreich 1934-1945. Eine Dokumentation, hrsg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Wien 1987, Bd. 3, S. 236 266. BRIEF DER ORDENSSCHWESTER RESTITUTA AUS DEM GEFANGENHAUS
DES LG WIEN AN IHRE SCHWESTER OBERIN, DÖW 11.029 J. M. Landesgericht, 1. November 1942 Meine liebe, gute Schwester Oberin! Nach meiner Verurteilung der erste, vielleicht auch letzte Brief. Meine gute Sr. Oberin, wie der Urteilsspruch lautet, wißt Ihr ja alle, da Sr. Longina und Asella sowie Wally und Anny bei der Verhandlung zugegen waren und Euch sicher davon verständigt haben. Meine gute Sr. Oberin, wohl tut es mir von Herzen leid, daß ich Ihnen sowie allen Schwestern solches Leid zugefügt, doch kränkt Euch nicht, denn was Gott tut, ist wohlgetan. Ich selbst fühle mich keiner Schuld bewußt, und muß ich mein Leben lassen, bringe ich gerne das Opfer, denn so hoffe ich, daß ich gnädige Aufnahme bei meinem Heiland finde. Heute am Feste Allerheiligen, an welchem mich mein Heiland jene herrlichen Wunder betrachten läßt, bitte ich meinen Heiland, auch mich bald in diese Scharen einzureihen. Oh lb. Sr. Oberin, bitte verzeihen Sie mir all die Sorgen und Leiden, die ich Ihnen bereitet habe, bitte auch alle Schwestern um Verzeihung, vergeßt mich nicht in Euren Gebeten. Betet viel für mich um eine gute Sterbestunde und dann für meine Seelenruhe. Tausendmal Vergelt's Gott Ihnen, lb. Sr. Oberin, für alle Liebe und alles Gute, das mir durch Sie zuteil wurde, ebenso allen lb. Schwestern. Allen habe ich von Herzen verziehen, die zu meiner Verurteilung beigetragen, auch Dr. Stumfohl, möge mir der lb. Gott dafür Seelen schenken. Bitte traget niemandem etwas nach, sondern verzeiht allen von Herzen, wie auch ich es tue. Liebe Sr. Oberin, am 25. 10. schrieb ich der Würd. Mutter, obwohl ich noch keine Ahnung hatte, sogar die Hoffnung, bald wieder bei Euch sein zu können, einen Abschiedsbrief. Die Feder wollte nichts anderes schreiben, somit, wenn ich noch einmal schreiben kann, werde ich meinen beiden Schwestern Wally und Anny schreiben. Ein letztes Mal grüßen Sie mir beide herzlich. Vielleicht, lb. Sr. Oberin, kann ich Euch noch einmal sehen, möchte mich freuen. Jeden Mittwoch ist Besuchstag, vielleicht könnt Ihr Euch erkundigen, Briefe bekam ich keine, weder von Mödling noch [vom] Mutterhaus noch von Anny, ob ich sie bekomme, weiß ich nicht. Es tut mir sehr leid wegen des Bildchens, das Anny mir schickte, wie sie mir beim Besuch erzählte. Vielleicht könnt Ihr Euch erkundigen hier. Meine lb. Sr. Oberin, grüßen Sie bitte alle meine lb. Bekannten. Sie sollen nicht weinen, sondern beten für mich, besonders Sr. Agnes mit ihren lb. Schwestern. Ihr und allen ein inniges Vergelt's Gott, ebenso Hilda und Vater, Fels, Mader, Podewin, Krause, Span, Stanislaus, Dr. Göhr, Kienast, alle Namen ist mir nicht möglich aufzuschreiben, da es mir an Papier fehlt, aber niemanden vergesse ich und bitte, auch meiner nicht zu vergessen. Nun, lb. Sr. Oberin, nochmals tausend Dank für alles. Grüße Sie und alle Schwestern von ganzem Herzen, bitte vergeßt meiner nicht im Gebete, auch an Würd. Mutter und Schwestern unserer ganzen Kongregation Vergelt's Gott für alles. In Jesu Herzen stets vereint, Eure dankbar bis in den Tod
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