DOKUMENTE ZUM
NOVEMBERPOGROM IN WIEN
(Aus: Widerstand und Verfolgung in Wien 1934-1945. Eine
Dokumentation, hrsg. v. Dokumentationsarchiv des
österreichischen Widerstandes, 2. Aufl. Wien 1984, Bd. 3, S.
278-284)
148. BERICHT DES VÖLKISCHEN BEOBACHTERS
ÜBER "JUDENFEINDLICHE KUNDGEBUNGEN IN WIEN", 11. 11. 1938
Völkischer Beobachter, Wiener Ausgabe, 11. 11. 1938
Judenfeindliche Kundgebungen in Wien. Das Bekanntwerden der
erschütternden Nachricht von dem Tode des deutschen
Gesandtschaftsrates Erster Klasse Pg. Ernst vom Rath, der
kürzlich in Paris das Opfer des feigen Mordanschlages des Juden
Herschel Grünspan geworden ist, hat in der Nacht von Mittwoch
auf Donnerstag sowie am Donnerstag selbst wie im ganzen Reich so auch
in Wien zu Zusammenrottungen der erbitterten Volksgenossen und
Volksgenossinnen geführt. Die Volkswut richtete sich
begreiflicherweise insbesondere gegen die Synagogen in den einzelnen
Bezirken, in denen schließlich Brände ausbrachen, die die
Intervention der Feuerwehr in mehreren Fällen notwendig machten.
Das Vorgehen der Volksmenge nahm umso schärfere Formen an und
richtete sich oftmals auch gegen Judengeschäfte, als inzwischen
bekannt wurde, daß auf Anordnung des Gauleiters Bürckel
bei zahlreichen Juden in Wien eine Hausdurchsuchung durchgeführt
wurde, wobei eine große Anzahl von Waffen, kommunistische
Flugschriften und eine große Menge unangemeldeter Devisen
vorgefunden wurden. Daß sich die Erbitterung der Volksgenossen
in erster Linie gegen die Judentempel gerichtet hat, ist nur zu
verständlich, sind sie doch die Heim- und
Erziehungsstätten, in denen die staats- und volksfeindlichen
Lehren des Talmuds bzw. Schulchan Aruch gepflegt und verbreitet
wurden. Donnerstag vormittag sind die meisten unter ihnen, und zwar
die Tempel in der Schiffamtsgasse, in der Neuen-Welt-Gasse, in der
Tempel- und in der Stumpergasse, die Synagogen in der Unteren
Viadukt-Gasse, in der Schmalzhofgasse, in der Hubergasse, in der
Siebenbrunnengasse, in der Großen Schiffgasse, Kluckygasse
sowie Neudeggergasse, in der Malzgasse und in der
Schopenhauerstraße, in der Zirkusgasse, Steingasse und
Müllnergasse, in der Pazmanitengasse, am Humboldtplatz und in
der Turnergasse, in Flammen aufgegangen. Wenn auch in den meisten
Fällen die nackten Gebäude erhalten blieben, so ist die
Inneneinrichtung durch die Flammen doch derartig zerstört
worden, daß kaum anzunehmen ist, daß in diesen Bauten je
wieder volksfremde und volksfeindliche Mächte imstande sein
werden, dort unter der Tarnung und unter dem Schutz "religiöser
Zusammenkünfte" jene Maßnahmen zu besprechen und zu
planen, die dann da und dort im Auslande unter dem Titel von
"Boykottbewegungen" und "antifaschistischen Kundgebungen" gegen das
Reich und gegen das deutsche Volk getroffen werden ... Aber es blieb
nicht bei den Tempeln allein. In den Vierteln und Straßen, in
denen sich trotz der Arisierung vieler Geschäfte noch immer mehr
als genug Stätten "jüdischer
Geschäftstüchtigkeit" vorfinden, mußte zum Schutze an
eine Schließung der Läden gegangen werden, gegen die sich
die Volkswut richtete. Dabei wurden verschiedentlich sehr deutliche
Aufforderungen an die Geschäftsinhaber gerichtet, die ihnen als
Ziel Palästina oder andere geeignete Aufenthaltsorte nahelegten.
In manchen Straßen Wiens wurden die Fensterscheiben der
Judengeschäfte zertrümmert und so eine neue Visitenkarte
für jüdische Läden geschaffen, die bestimmt noch
deutlicher wirken dürfte als die erst jüngst verordnete
Kennzeichnung jüdischer Firmen.
149. AKTENNOTIZ DES SS-HAUPTSCHARFÜHRERS
SELIGER ÜBER DIE SITZUNG IM GAUWIRTSCHAFTSAMT WEGEN DER
VORFÄLLE AM 10. 11. 1938, 12. 11. 1938
Friedmann, "Die Kristall-Nacht", Haifa 1972, Nr. 18
Aktennotiz.
Betr.: Sitzung im Gauwirtschaftsamt wegen der Vorfälle am 10.
11. 1938.
Teilnehmer:
Dr. Eberharter Min.-Rat Peischel
Minister Janda
Obersenatsrat Dr. Helch
Obersenatsrat Dr. Schaufler
Gauinspekteur Nemec
Dr. Rat vom Gewerbebund
Landeshandwerksmeister Harald Ziegler
Dr. Wenzel vom Handelsbund
Dr. Henrici vom Handelsbund
Min.-Rat Dr. Steindl (Finanz-Min.)
Obermagistratsrat Pramberger
Dr. Schilling von der Gestapo
Wien, den 12. Nov. 1938.
Als Ergebnis der Besprechung wurde folgender Beschluß
gefaßt:
1) Der Polizeipräsident von Wien, SS-Oberführer
Fitzthum, wird alle Maßnahmen zur Sicherung der geschlossenen
jüdischen Geschäfte anordnen und dabei feststellen lassen,
wieweit die Beschädigungen dieser Geschäfte von außen
sichtbar sind.
2) Der Magistrat Wien wird durch seine Organe diese Geschäfte
amtlich versiegeln.
3) Die noch nicht geschlossenen jüdischen Betriebe werden sofort
polizeilich sichergestellt, geschlossen und versiegelt.
4) Es wird beim Gauwirtschaftsamt sofort eine Zentralstelle zur
Verwertung aller im Gau befindlichen jüdischen Waren
geschaffen.
a) Alle leicht verwertlichen Waren werden noch heute, längstens
aber bis 14. 11. 38, 12 Uhr an die NSV. abgeliefert. Eine
Vergütung dafür kommt keinesfalls in Frage.
b) Die Kreise und Ortsgruppen stellen bis Montag, 12 Uhr fest,
wieviel Waren nicht verderblich sind. Für diese ist in Aussicht
genommen, sie ebenfalls einzulagern und später zu verkaufen. Der
Erlös wird auf ein vom Gauwirtschaftsamt zu errichtendes
Sperrkonto eingezahlt.
5) Die Gestapo wird noch heute die Sperre aller jüdischen
Bankguthaben veranlassen. Als erste Etappe die Guthaben von Juden,
die im Laufe der Aktion festgenommen wurden.
Über die stimmungsmäßige Auswirkung der Aktion
herrschte unter den Teilnehmern nur eine Meinung: Ablehnung und
Erschütterung über die Tatsache, daß bei der
Durchführung Skandalszenen vorgefallen sind, die das Ansehen der
Partei und des Reiches aufs schwerste schädigen. So haben u. a.
zwei Hoheitsträger erklärt, daß, wenn es heute eine
andere Partei im Reiche geben würde, es Pflicht eines jeden
anständigen Menschen sei, diese andere Partei zu
unterstützen. Die Versammelten gaben einmütig ihrer
Überzeugung dahin Ausdruck, daß Pogrome und Vandalismus
nicht die Mittel sind, um die Judenfrage zu lösen, und daß
Schändungen, Raub und Plünderung in der Bevölkerung
und in weiten Kreisen der Parteigenossenschaft nur Abscheu
hervorgerufen haben. In der Sitzung wurde festgestellt, daß in
letzter Zeit überhaupt seitens der politischen Leitung in
rohester Form in das Wirtschaftsleben eingegriffen wird, daß
die Kreisleiter herumfuhrwerken und nicht imstande sind, zu
übersehen, welches Unheil sie anrichten.
Gauleiter Globocnik hat erklärt, daß sowohl er wie auch
Bürckel mit dem Erfolg der Aktion durchaus zufrieden sind.
Die Auszahlung der Löhne an die Angestellten der verhafteten
oder aus ihren Wohnungen gewiesenen Juden soll für diese Woche
die D. A. F. übernehmen. Bis jetzt, Sonnabend, 13 Uhr, war sich
die D. A. F. noch nicht im klaren, wie sie das bewerkstelligen
soll.
Die Teilnehmer der Sitzung beurteilen die Aktion und die
Ausschreitungen dahin gehend, daß eine Richtung zum Durchbruch
gekommen ist, die unter Abkehr bisher gepredigter Grundsätze
eine Politik betreibt, die von den Gegnern mit Vergnügen
beobachtet wird. Die Entfesselung niedrigster Instinkte, die
Anzettelung eines Aufruhrs, bei dem kommunistischer Mob in
hervorragendem Maße beteiligt war, untergräbt die
Staatsautorität und kann sich jederzeit auch anders
auswirken.
Offiziell wird bekannt, daß die Zahl der Selbstmorde 680 ist,
daß schwerste Mißhandlungen und in Linz öffentliche
Schändungen vorgenommen wurden.
gez.: Seliger
SS-Hauptscharführer.
[...]
151. AUS: BERICHT DER VOLKSSTIMME ÜBER DIE
BESTRAFUNG DER JUDEN DURCH GÖRING, 14. 11. 1938
Volksstimme, 14. 11. 1938
Göring straft die Juden.
Der Beauftragte für den Vierjahresplan, Generalfeldmarschall
Hermann Göring, erließ eine Verordnung, derzufolge Juden
vom 1. Jänner 1939 ab der Betrieb von
Einzelhandelsverkaufsstellen, Versandgeschäften oder
Bestellkontoren sowie der selbständige Betrieb des Handwerkes
untersagt wird . . . Weiterhin erließ der Beauftragte für
den Vierjahresplan eine Verordnung, derzufolge alle Schäden,
welche durch die Empörung des Volkes über die Hetze des
internationalen Judentums gegen das nationalsozialistische
Deutschland am 8., 9. und 10. November 1938 an jüdischen
Gewerbebetrieben und Wohnungen entstanden sind, von den
jüdischen Inhabern beziehungsweise jüdischen
Gewerbetreibenden sofort zu beseitigen sind. Die Kosten der
Wiederherstellung hat der Inhaber der betroffenen jüdischen
Gewerbebetriebe beziehungsweise Wohnungen zu tragen.
Versicherungsansprüche von Juden deutscher
Staatsangehörigkeit werden zugunsten des Reiches beschlagnahmt
... Vor allem wurde der Beschluß gefaßt, den deutschen
Juden in ihrer Gesamtheit in Form einer Geldbuße von einer
Milliarde Reichsmark die Strafe für den ruchlosen Mord in Paris
aufzuerlegen ...
[...]
153. ERFAHRUNGSBERICHT DES FÜHRERS DES
SD-UNTERABSCHNITTES WIEN, TRITTNER, ÜBER DIE JUDENAKTION VOM 9.
BIS 11. NOVEMBER 1938, 18. 11. 1938
Friedmann, "Die Kristall-Nacht", Haifa 1972, Nr. 28
Sicherheitsdienst des Reichsführer-SS
SD-Unterabschnitt Wien
An den
SD-Führer des SS-Oberabschnittes Donau
Wien.
Betr.: Erfahrungsbericht über die Judenaktion vom 9. bis 11.
November 1938
Vorg.: Do. telef. Auftrag vom 15. XI. l. J.
Anlg.: 21
Die Aktionen sind in Wien durch die Weisungen von den vorgesetzten
Dienststellen, die die Polizei erhielt, in die Wege geleitet worden.
Der erste dieser Befehle langte am 9. 11. um 23 Uhr bei den
Polizeiämtern ein, aber auch die Dienststellen der Partei, die
Kreise und Ortsgruppen erhielten diesbezügliche Weisungen.
Am 10. 11. um 4 Uhr morgens bekamen die Polizeiämter den
Auftrag, wohlhabende Juden zu verhaften, sie aus größeren
Wohnungen zu entfernen und die Angehörigen in kleineren
Wohnungen unterzubringen, ferner jüdische Geschäfte zu
sperren und zu versiegeln. Zur selben Zeit erhielten die Einheiten
der allgemeinen SS und die SS-Verfügungstruppe den Befehl, in
jüdische Tempel und Bethäuser einzudringen und sie zu
demolieren. Die Gauleitung Wien gab an die Kreisleitungen
bezügl. der Judenaktionen einen Befehl, dessen wichtigste Punkte
waren: 1. Uniformverbot, 2. Strengstes Verbot bezügl.
Plünderungen, 3. Brandstiftungen sind verboten. In Niederdonau
kam die Aktion in erster Linie durch die Weisungen der Allgemeinen SS
zustande. Die 52. SS-Standarte in Krems erhielt am 10. 11. um 4 Uhr
früh von Wien den telefonischen Auftrag, den Juden die
Fensterscheiben und die Türen einzuschlagen. Die SA-Standarten
erhielten durch einen SA-Gruppenbefehl Auftrag. Dieser lautete
sinngemäß: Am 10. 11. finden Aktionen gegen die Juden
statt, die im allgemeinen mit der Kreisleitung durchzuführen
sind. Diese Weisung hat naturgemäß jeder Auslegung
freiesten Raum gelassen.
Der SD-Unterabschnitt Wien erhielt die 1. Verständigung durch
die Außenstellen. Von seiten der vorgesetzten Dienststelle kam
keinerlei offizielle Verständigung. Am 10. 11. um 10 Uhr
vormittags kam der Führer des SD-Unterabschnittes Wien,
SS-Hauptsturmführer Trittner, von der Tagung der
Sicherheitspolizei aus München zurück, wodurch der SD-U-A
offiziell Kenntnis erhielt.
Trotzdem aber waren die SD-Außenstellen und ein Sonderkommando
vom SD-Unterabschnitt schon vor 7 Uhr morgens damit beschäftigt,
die sinnlosen Zerstörungen der Möbel und Vernichtung des
SD-wichtigen Materials hintanzuhalten.
Bereits in den frühen Vormittagsstunden wurde seitens des
SD-Unterabschnittes Wien versucht, mit der Gestapo sowie den
Parteistellen Fühlung wegen der gedeihlichen Zusammenarbeit bei
den Aktionen zu nehmen, dies war jedoch infolge der
Arbeitsüberlastung bei diesen Stellen nicht immer möglich.
Es gelang dem SD, verschiedene Schriften und Bücher sowie
Einrichtungsgegenstände vor der Vernichtung zu retten. Ferner
konnten in verschiedenen Fällen Plünderungen verhindert
werden.
Die Zerstörung der Tempel und Bethäuser erfolgte in Wien in
den meisten Fällen durch Werfen von Handgranaten im Innern der
Tempel und durch Anzünden des Mobiliars derselben.
Bei Geschäften wurden etwas solidere Methoden angewandt. In den
jüdischen Wohnungen aber kam es verschiedentlich zu sinnlosen
Zerstörungen von Einrichtungsgegenständen usw.
Die Ortsgruppenleiter, die mit Hilfe ihrer Mitarbeiter die
Beschlagnahmungen durchführten, befolgten teilweise strikte die
Weisungen der Kreisleitungen, teils handelten sie nach eigenem
Ermessen und ließen die Judengeschäfte ausräumen,
wobei es mitunter zu unkontrollierbaren Verteilungen von Sachwerten
kam.
Die größeren Aktionen, nämlich die gegen die Tempel
und Bethäuser, wurden fast ausschließlich durch die SS
durchgeführt. Auf besonders gute Tarnung legte man scheinbar
keinen besonderen Wert. Der unbefangene Beobachter hatte sofort den
Eindruck, daß es sich hier um befohlene und organisierte
Aktionen handelte.
Die Aktionen gegen die Geschäfte und Wohnungen wurden in der
Hauptsache von Politischen Leitern und SA-Angehörigen
durchgeführt, wobei auch die Allgemeine SS im Einvernehmen mit
den Parteidienststellen vorging.
In einigen Bezirken beteiligte sich vereinzelt auch die HJ, welche
meistens in roher Weise gegen die Juden vorging, was allgemein sehr
ungünstig aufgenommen wurde.
Bei den Tempelzerstörungen war im großen und ganzen ein
diszipliniertes Vorgehen festzustellen, wie überhaupt die SS
strenge ihre Weisungen durchführte. In einigen Fällen
wirkte sich dies derart aus, daß SS-Angehörige Politische
Leiter mit vorgehaltener Schußwaffe von Requirierungen und
sonstigen Übergriffen zurückhielten.
Die Aktionen gegen Wohnungen und Geschäfte wären
disziplinierter durchzuführen gewesen, in vielen Fällen
wurde sinnlos zerstört und auch geplündert bezw. bei den
Transporten gestohlen.
In einigen Bezirken ließen die Ortsgruppenleiter die Wohnungen
räumen und lagerten die Waren und Einrichtungsgegenstände
bei den NSV-Stellen nach vorheriger Inventuraufnahme ein.
Jedenfalls würden überraschende Haussuchungen in den SA-
und NSKK-Heimen und bei deren Führern Erstaunliches an den Tag
bringen.
Diese Konfiskationen und sinnlosen Zerstörungen riefen
naturgemäß bei der Bevölkerung schärfste
Ablehnung hervor.
Die Behandlung der Juden war zum Großteil eine sehr harte und
artete meistens in brutale Züchtigungen aus.
Das allgemeine Bekanntwerden dieser Einzelheiten wirkte auf die
allgemeine Stimmung drückend, wodurch auch die anfängliche
günstige Aufnahme der Gesamtaktion gegenwärtig in
Mitleidenschaft gezogen wird.
In Wien wurden ungefähr 4038 Geschäfte gesperrt. Im Kreis 1
allein wurden 1950 Judenwohnungen ausgeräumt.
In Niederdonau wurden ähnliche Aktionen durchgeführt, doch
konnten Plünderungen verhindert werden, da die Überwachung
leichter ist als in Wien. Nur aus dem Kreise Lilienfeld wurden
Übergriffe gemeldet, welche sich bei der dortigen
Bevölkerung stimmungsmäßig schlecht auswirken.
Von den Vorfällen in Wien, insbesondere von den
Plünderungen, ist in Niederdonau fast nichts bekannt,
sodaß die Stimmung dort besser ist als in Wien.
Besonders ungünstig wirkte sich aus, daß dem SD keinerlei
Mitteilung von den geplanten Aktionen gemacht wurde. Die Folge davon
war ein verspätetes Eingreifen der verschiedenen
SD-Dienststellen, und konnte daher verschiedenes SD-wichtiges
Material, alte Bücher und verschiedene Kultgegenstände von
Wert, von der Zerstörung nicht gerettet werden.
Die Durchführung der Aktion lediglich durch die SS hätte
den Vorteil gehabt, daß in weitgehendstem Maße die
Disziplin gewahrt worden wäre.
Bei kommenden ähnlichen Anlässen wäre es sehr wichtig,
den verschiedenen Rollkommandos SD-Angehörige mitzugeben, welche
die Aufgabe hätten, SD-wichtiges Material usw. vor der
Zerstörung zu retten.
Aufnahmen von Zerstörungen folgen in der Anlage mit.
Der Führer des
SD-Unterabschnittes Wien
m. d. F. b.
Trittner
SS-Hauptsturmführer
154. AUS: TR GESTAPO WIEN NR. 8 VOM 17.-18. 11.
1938
DÖW Film 68/2, T 84 R 13, 39 814
Nach den bisherigen Feststellungen (am 16. 11. 1939, 18 Uhr)
wurden bei der Judenaktion in Wien 6547 Juden festgenommen. Hiervon
wurden 3700 Juden in das K. L. Dachau eingewiesen, 1865
vorläufig zurückgestellt und 982 entlassen.
Die Großaktion gegen die Juden wurde auf Weisung des Geheimen
Staatspolizeiamtes in Berlin vom 16. November 1938 abgebrochen.
Heute, 17. 11. 1938, morgens, saßen in Wien aus dieser Aktion
noch ca. 2000 Juden ein. Bei diesen 2000 Juden handelt es sich um
diejenigen, die bei der Überprüfung der insgesamt
Festgenommenen von der Überstellung nach Dachau
zurückgestellt wurden, weil sie vom Arzt für krank oder
lageruntauglich erklärt worden waren.

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