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DOKUMENTE ZUM NOVEMBERPOGROM IN NIEDERÖSTERREICH (Aus: Widerstand und Verfolgung in Niederösterreich 1934-1945. Eine Dokumentation, hrsg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Wien 1987, Bd. 3, S. 370-375)
73. AUS: CHRONIK DES GENDARMERIEPOSTENKOMMANDOS EICHGRABEN, 10. 11. 1938 Gendarmeriepostenkommando Eichgraben Über Auftrag der Bezirkshauptmannschaft St. Pölten wurden am 10. 11. 1938 28 Juden von Rev. Insp. Josef Waiz festgenommen und dem Amtsgericht in Neulengbach überstellt. 74. AUS: TELEGRAMM DES GAULEITERS JURY AN DEN SS-ABSCHNITT XXXI BETREFFEND DEMONSTRATIONEN GEGEN JUDEN UND JÜDISCHE GESCHÄFTE, 10. 11. 1938 Tuwiah Friedmann (Hrsg.), "Die Kristall-Nacht". Verbrennung der jüdischen Tempel am 10. November 1938 im Deutschen Reich. Die Milliarde Reichs-Mark, die als Strafe und Kontribution dem Judentum auferlegt wurde. Dokumentarische Sammlung, Haifa 1972 Demonstrationen gegen Juden und jüdische Geschäfte und
Häuser sind nicht zu unterbinden, aber auch nicht zu
organisieren. Die Kreisleiter sind mir verantwortlich, daß
keine kriminellen Aktionen (Plünderungen etc.) erfolgen. Wer
plündert, ist zu verhaften. 75. AUS: TELEFONISCHER BERICHT DER SD-AUSSENSTELLE BADEN ÜBER DIE GESCHEHNISSE AM 10. NOVEMBER 1938 Kraupp, Geschichte der Juden in Baden bei Wien, in: Hugo Gold (Hrsg.), Geschichte der Juden in Österreich. Ein Gedenkbuch, Tel Aviv 1971, S. 8 Mit der Aktion ist um 10 Uhr früh begonnen worden.
Träger der Aktion waren die SS und die SA. Die SS befaßte
sich vornehmlich mit den Kultstätten. Der Tempel (Grabengasse)
wurde ausgeräumt und der NSV zur Verfügung gestellt. (Ist
nicht in jüdischem Stil erbaut.) Zwei Privathäuser wurden
zerstört. Die Kultusgemeinde wurde ebenfalls ausgeräumt und
zum Teil zerstört. 76. ARTIKEL DES "AMSTETTNER ANZEIGERS" ÜBER DIE "REICHSKRISTALLNACHT", 17. 11. 1938 Amstettner Anzeiger, 17. 11. 1938 Unsere Antwort! Der feige Meuchelmord des Juden Grünspan [richtig:
Grynszpan] hat im ganzen deutschen Volke eine berechtigte und
verständliche Empörung hervorgerufen. Im Reich kam es zu
Vergeltungsaktionen gegen jüdische Gebäude und am Freitag
früh mußten in Amstetten die Fensterscheiben einiger im
jüdischen Besitze befindlichen Häuser daran glauben, welche
von der empörten Bevölkerung eingeschlagen wurden. Mehrere
Juden wurden in Schutzhaft genommen. Als besonders erfreulich kann
die Nachricht gemeldet werden, daß seit Samstag im Kreise
Amstetten die Juden aus dem gesamten Wirtschaftsleben ausgeschieden
sind. Die letzten Arisierungen wurden durchgeführt, und es ist
auch der jüdische Hausbesitz bereits in arische Hände
übergegangen. [...]
78. AUS: BERICHT DES "MELKER ANZEIGERS" BETREFFEND INHAFTIERUNG DER FAMILIEN METZL IN ST. LEONHARD AM FORST UND SCHULZ IN RUPRECHTSHOFEN WÄHREND DES NOVEMBERPOGROMS 1938, 26. 11. 1938 Melker Anzeiger, 26. 11. 1939 Die jüdischen Familien Metzl in St. Leonhard am Forst und Schulz in Ruprechtshofen hatten am 10. November 1938 auch ihren Teil der Konsequenzen wegen des durch den Juden Grünspan [richtig: Grynszpan] an dem Gesandtschaftsrat vom Rath in der Deutschen Botschaft zu Paris begangenen Mordes zu tragen. Ihre Inschutzhaftnahme über die Nacht zum 11. November und Durchsuchung der Wohnungen nach Waffen und Devisen etc. sowie der an sie ergangene Auftrag, innerhalb kurzer Zeit das Reichsgebiet zu verlassen, war nur ein Akt gerechter Vergeltung, denn als das Reich Ende September 1938 durch die Tschechenkrise unmittelbar vor einem Kriege stand, war nur zu deutlich zu bemerken, wie das Antlitz des Juden vor Freude glühte, daß es nun zu einem Krieg komme. 79. AUS: BERICHT DER "LAND-ZEITUNG" ÜBER DIE HALTUNG ZUR "JUDENFRAGE" NACH DEM NOVEMBERPOGROM 1938 IN NIEDERÖSTERREICH, 30. 11. 1938 Land-Zeitung (Krems), 30. 11. 1938 Wir haben ein Interesse, die Juden endgültig und baldigst bis auf den letzten Juden-Goff los zu haben. Ohne jede Barmherzigkeit. Entweder gehen sie und die sogenannte liberale Welt öffnet den Kindern Israels ein "gelobtes Land", oder sie werden den letzten Rest des jüdischen Vermögens, den sie in Deutschland besitzen, auffressen und dann verrecken. Wir haben kein Mitleid mit ihnen, wir in der Ostmark am wenigsten. [...] Jeder Deutsche, der heute mit dem jüdischen Gesindel noch irgendwelches Mitleid empfindet, gefährdet die Existenz des eigenen Volkes. Mit Stumpf und Stiel die Juden ausrotten, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Das ist die Parole der Zukunft für die junge, die nationalsozialistische Generation! 80. AUS: SITUATIONSBERICHT DES LANDRATS DES KREISES AMSTETTEN FÜR NOVEMBER 1938 AN DIE GESTAPO WIEN, 2. 12. 1938 BH Amstetten, XI-153/VI-303 Der Monat November ist im Verwaltungsbezirk politisch vollkommen ruhig verlaufen. Nur am 9. November ereigneten sich in einzelnen Gemeinden, so Amstetten, Waidhofen a. d. Ybbs und Kematen, kleinere Zwischenfälle, bei welchen die erbitterte Bevölkerung die Auslagen von Judengeschäften zertrümmerte und auch in den Judenwohnungen Verheerungen verursachte. Zwecks Vermeidung weiterer Zwischenfälle mußten die männlichen Juden zwischen 18 und 50 Jahren in Schutzhaft genommen werden. [...]
84. AUS: BERICHT VON KARL KATZ ÜBER DIE "REICHSKRISTALLNACHT" IN GROSS-ENZERSDORF, 1971 Karl Katz, Geschichte der Juden in Groß-Enzersdorf, in: Hugo Gold (Hrsg.), Geschichte der Juden in Österreich. Ein Gedenkbuch, Tel-Aviv 1971, S. 23 Gegen 3 Uhr früh wurden wir Juden unter Gepolter und
Fensterklirren von einer großen Schar haßerfüllter
Nazis [...] aus den Betten gerissen, worauf eine vollkommene
Plünderung begann, wobei Bargeld, Schmuck und alles, was man
mitnehmen konnte, gestohlen wurde. Nachher wurden wir, 81 an der
Zahl, in ein Seitenzimmer des Gemeindegasthauses am Hauptplatz unter
Beschimpfungen gröbster Art zusammengetrieben. [...] « zurück |