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6. 5. 3. Die propagandistische Vorbereitung der Volksabstimmung (Alle Dokumente aus: "Anschluß" 1938. Eine Dokumentation, hrsg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Wien 1988, S. 495-526.)
63. AUS: STRENG VERTRAULICHE ANORDNUNG DES GAULEITERS JOSEF BÜRCKEL FÜR DIE PRESSE, 16. 3. 1938 AVA, Bürckel-Akten, 1020 Zur Sicherung der Vorbereitung und Durchführung der Volksabstimmung in Österreich bestimme ich: 1.) Die Pressestelle des Reichsstatthalters und der Landesregierung in Österreich wird während der Vorbereitung und Durchführung der Volksabstimmung mit meinem Presseamt vereinigt, mit dessen Leitung Reichsamtsleiter Pg. Sündermann beauftragt ist. 2.) Die Betreuung der österreichischen Presse erfolgt ausschließlich durch mein Presseamt. Das gleiche gilt für die übrige deutsche Presse und die deutschen Nachrichtenbüros, soweit es sich um die Behandlung österreichischer Fragen handelt. 3.) Personelle Änderungen in der österreichischen Presse bedürfen meiner Zustimmung. 64. AUS: MITTEILUNGEN DES GAULEITERS JOSEF BÜRCKEL AN ALLE GAULEITUNGEN, 20. 3. 1938 AVA, Bürckel-Akten, 1020 Ich weise nachdrücklich darauf hin, daß wichtige Veröffentlichungen in Presse und Rundfunk zuvor meiner Zustimmung bzw. der meiner Dienststelle bedürfen. So ist es undenkbar, daß Presseartikel über den beabsichtigen Wahlbetrug der sogenannten Vaterländischen Front erscheinen, ohne daß ich zuvor bestimmt habe, wie diese Meldungen auszunutzen sind. 65. AUS: TELEGRAMM DER TOBISFILMKUNST AN DEN GAULEITER JOSEF BÜRCKEL, 26. 3. 1938 AVA, Bürckel-Akten, 1345
Gemeinsam mit dem Reichsparteitagsfilm haben wir uns entschlossen, fünf weitere Filmkopien des Staatspreisfilmes "Triumph des Willens" in Österreich zum Einsatz zu bringen. Damit laufen siebzehn Kopien dieses Filmes in allen Kinos der Ostmark. Ein Kopieneinsatz, wie er in dieser Anzahl noch niemals in Österreich bei einem Film auch nur annähernd erreicht wurde. Wir hoffen, mit diesem filmischen Großeinsatz eine Pflicht des deutschen Filmschaffens an dem großen Aufbauwerk zu erfüllen. 66. AUS: WEISUNGEN DER PROPAGANDALEITUNG ST. PÖLTEN-STADT, O. D. St. Pöltner Zeitung, 7. 4. 1938 2.Weisungen für Ausschmückungen von Geschäften: (1) Jedes Geschäft soll eine, größere Geschäfte zwei Auslagen, in die Tiefe gegliedert, mit den Bildern des Führers schmücken. Zum Beispiel im Hintergrunde eine Fahne mit Hakenkreuz oder Hoheitsabzeichen, dann Blumen und Blätterpflanzen, nach vorne zu das Bild des Führers. Allzu breite Auslagen können entsprechend kulissenartig seitlich abgeblendet werden. Spruchbänder dürfen nur mit gotischer Schrift verwendet werden und sind in den einschlägigen Geschäften und beim Gremium der Kaufmannschaft, Riemerplatz 1, 2. Stock, ab Montag, den 4. April 1938, zu billigen Preisen erhältlich. Die Nebenauslagen können flach geschmückt werden, an der Auslagenscheibe /sind/ Stoffe, Hakenkreuze, Sprüche usw. so anzubringen, daß die Ware verdeckt wird und die Auslage daher nicht ausgeräumt zu werden braucht. Steigerung der Ausschmückung. 7. April: Portalschmückung mit Tannenreisig oder sonstigem lebenden grünen Schmuck (kein Papierschmuck). 8. April: Ausschmückung der Nebenauslagen und zum Teil der Hauptauslagen. 9. April: Voller Schmuck; Portal mit Wimpeln, Steckfahnen usw. schmücken. Ab 12 Uhr mittags in der Hauptauslage das Bild des Führers. Ab dieser Zeit dürfen keine Waren in den Auslagen mehr sichtbar sein. Abends sind beim Einbrechen der Dunkelheit die Auslagen offenzuhalten und zu beleuchten. 3. Ausschmückung der Häuser (Steigerung). 6. April: Hausfahne hissen. 7. April: Schmückung des Hauses mit Tannenreisig. 8. April: Schmückung der Fenster im obersten Stockwerk mit Hakenkreuzfahnen, Wimpeln usw. 9. April früh: Schmückung sämtlicher Fenster des Hauses, Hissen sämtlicher Hausfahnen. Mittags: Schmückung einzelner Fenster mit dem Bilde des Führers, Blumen und Blattpflanzen. Abends: Beleuchtung der Fenster mit Transparenten oder mit den in Geschäften erhältlichen Hakenkreuzlichtern (keine Kerzen). Eventuell elektrisches Licht einschalten. 67. AUS: GESAMTBERICHT DES REICHSPROPAGANDAHAUPTAMTS, ABT. II (REFERENT: EDUARD FRAUENFELD), 5. 5. 1938 DÖW 11.213 Bericht zu Punkt 1.) Sammlung von Aussprüchen prominenter Persönlichkeiten. /.../ Nach entsprechender Sichtung wurden die Namenslisten zusammengestellt und den einzelnen Personen ein individuell gehaltenes Schreiben mit dem Ersuchen, sich über die Schaffung des Großdeutschen Reiches und die Volksabstimmung zu äußern, zugesandt. Bis auf einige Ausnahmen liefen auf alle ausgesandten Schreiben Antworten ein. Leider waren nur ungefähr dreiviertel derselben verwertbar, da die übrigen trotz großer Ausführlichkeit und bejahender Einstellung nichts enthielten, was propagandistisch wertvoll gewesen wäre. Aus allen anderen Schreiben wurden entweder die markantesten Sätze oder, in Fällen kurz gefaßter Antworten (Gedichte), der gesamte Inhalt verwertet (siehe Beilage). Ein Großteil der in Wien erscheinenden Tageszeitungen und Wochenblätter sowie einige Provinzblätter machten von dem ihnen zur Verfügung gestellten Material Gebrauch. /.../ Deutsche Bekenntnisse bedeutender Männer. Altbundespräsident Dr. Michael Hainisch: Rektor Prof. Dr. Wenzel Graf von Gleispach: Kommerzialrat Richard v. Schoeller: Dichter bekennen sich zur Heimkehr ins Reich. /.../ Bruno Brehm: Karl Heinrich Waggerl: Robert Hohlbaum: Josef Friedrich Perkonig: Maria Grengg: Prof. Josef Weinheber: Priesterdichter Heinrich Suso Waldeck: Musiker bekennen sich zur Heimkehr ins Reich. /.../ Generalmusikdirektor Prof. Dr. Karl Böhm: Gesellschaft der Musikfreunde: Wiener Männergesangsverein: Wiener Schubertbund: Künstler bekennen sich zur Heimkehr ins Reich. /.../ Schauspielerin Paula Wessely: Schauspieler Paul Hörbiger: Schauspieler Attila Hörbiger: Kammerschauspielerin Maria Mayen: Schauspieler Ewald Balser: Schauspieler Curt von Lessen (Siegfried von Lützow): Burgschauspieler Hans Marr: Bericht zu Punkt 2.) Einsatz verschiedener Propagandamittel. a) Aufklärungsflugblätter. b) Etiketten für Zündholzschachteln. c) Einsatz von Propagandafliegern. Bericht zu Punkt 3.) Eisenbahnen. a) Werbezüge. /.../ b) Ausschmückung der Bahnhöfe und Lokomotiven. Bericht zu Punkt 4.) Volksempfänger u. Lautsprecheranlagen. NS-Wahlveranstaltungen. Am Beispiel des "Tags des Großdeutschen Reiches" 68. AUS: STRENG VERTRAULICHES PROGRAMM DER REICHSPROPAGANDALEITUNG FÜR
DIE VOLKSABSTIMMUNG, 29. 3. 1938< DÖW E 20.530 Der Vorabend des Wahlsonntags muß zu einem flammenden Bekenntnis der gesamten Nation für den Führer und sein Werk ausgestaltet werden. Aus diesem Grunde sind eine Reihe von Maßnahmen und Veranstaltungen vorgesehen, die sämtliche Formationen, Gliederungen, Vereine und Verbände umfassen. Nachstehend das Programm des Tages, das vom Führer genehmigt worden ist. I. Überbringung von Treuebotschaften der deutschen Gaue an den Führer in Wien durch das NSKK. Das NSKK organisiert eine Treuefahrt aus allen deutschen Gauen nach Wien in Form einer Sternfahrt. /.../ Diese Sternfahrten mit den Botschaften der einzelnen Gauleiter an den Führer müssen nach außen hin spontan erscheinen. Die Meldung davon wird in jedem Gau an die Presse gegeben, DNB sammelt die Meldungen mit dem Text der Treuebotschaft der einzelnen Gaue, um sie in geeigneter Weise in allen Zeitungen des Reiches zu veröffentlichen. II. Der Führer trifft am 9. April, 10.30 Uhr, in Wien ein. Die Spitzen der Partei, des Staates und der Wehrmacht erwarten den Führer. Ehrenkompanien der Wehrmacht und Ehrenformationen der Gliederungen der Partei. Darauf Fahrt zum Rathaus. 11.00 Uhr Eintreffen im Rathaus. Empfang des Führers in Anwesenheit der österreichischen Landesregierung und der Stände des österreichischen Landes. Anschließend überreicht der Korpsführer des NSKK die von den einzelnen Gauen durch NSKK-Fahrer überbrachten Treuebotschaften an den Führer. /.../ Vor dem Rathaus haben hunderttausend Wiener Volksgenossen Aufstellung genommen. Die Feierstunde im Rathaus ist so eingeteilt, daß sie 1 Minute vor 12 Uhr beendet ist. /.../ Die Schaffenden, die die Verkündung des Tages in ihren Betriebsappellen hören, werden aufgefordert, nach Schluß der Arbeitszeit sich nach Hause zu begeben, sich festtäglich anzuziehen und in der nötigen Weihe den großen Schicksalstag des Deutschen Reiches zu begehen. Sämtliche Flugzeuggeschwader der deutschen Luftwaffe kreisen über den Städten. Es ist zu prüfen, ob sie in einer Staffelformation fliegen können, aus der das Wort "Ja" erkenntlich ist. Die Flugzeuge, die als Himmelschreiber zu verwenden sind, sind einzusetzen, um das Wort "Ja" an den Himmel zu schreiben. Um die Festesfreude noch zu vertiefen, wird an diesem Tage schulfrei erklärt, und zwar in der Weise, daß dies nicht vor Sonnabend bekannt wird und die Schüler zuerst noch zur Schule gehen. Dort spricht zu Beginn der Unterrichtsstunde der jeweilige Lehrer über die Bedeutung des Tages, etwa 10 Minuten, und verkündet darauf den Schülern, daß aus Anlaß dieses Tages für die weitere Dauer des Tages der Schulunterricht ausfällt. Damit wird erreicht, daß die Schüler eine große Freude mit nach Hause zu ihren Eltern bringen. III. Ab 15.00 Uhr machen sämtliche Musikzüge und Kapellen der Wehrmacht, der Gliederungen der Bewegung, sämtliche Vereine und Verbände auf verschiedenen Plätzen der Städte und Ortschaften Platzkonzerte. Die Gliederungen der Bewegung, SA, SS, NSKK usw., fahren mit Lastwagen und wehenden Fahnen durch die Straßen der Stadt. Die Hitler-Jugend und das Jungvolk sind für Propagandamärsche angesetzt. Sie tragen mit sich Transparente mit den Aufschriften: "Die Jugend will Euer Ja!" oder "Sichert die Zukunft der deutschen Jugend, gebt dem Führer Euer Ja!". IV. Um 19.00 Uhr Anmarsch der Bevölkerung unter Einsatz aller Gliederungen der Bewegung mit voranmarschierenden Musikzügen der Wehrmacht, der Gliederungen der Partei und sämtlicher vorhandener Vereinskapellen in den Ortschaften auf einen freien Platz, in den Städten auf mehrere geeignete Plätze. Auf den Plätzen muß im Mittelpunkt ein großer Fahnenmast errichtet sein, an dem die Fahne des Dritten Reiches in feierlicher Weise gehißt wird. Es muß dafür gesorgt werden, daß bei einbrechender Dunkelheit die Fahnen angestrahlt werden können. Vom Eintreffen der Züge auf den Plätzen bis zum Beginn der Übertragung der Kundgebung des Führers aus Wien machen die Kapellen und Musikzüge Platzkonzert abwechselnd mit Gesangsvorträgen der Gesangsvereine. Sämtliche deutschen Gesangsvereine sind dabei einzuspannen. Die zu singenden Lieder müssen der Bedeutung und dem Sinne des Tages entsprechen. Nicht nur die Organisationen der Partei nehmen an den Aufmärschen teil, sondern auch der Reichsbund für Leibesübungen; Vereine aller Art mobilisieren so ihre Angehörigen, Mitglieder und deren Familien. Die Häuser sind zu illuminieren, historische Gebäude sind anzustrahlen oder mit Rotfeuer zu beleuchten. V. 20.00 Uhr Beginn der Kundgebung vom Nordwestbahnhof in Wien. Es spricht der Führer. Nachdem der Führer geendet hat, wird das Niederländische Dankgebet gesungen, das überall mitzusingen ist. Gleichzeitig müssen im ganzen Reich die Glocken geläutet werden. Auf allen Höhen werden Höhenfeuer entzündet, sodaß über das ganze Reich hinweg von Ungarns Grenze bis nach Saarbrücken, von den Küsten der Nordsee bis auf die Alpengipfel die Feuer dem Volk und der Welt künden, daß die schicksalhafte Stunde gekommen ist. In den Häfen der Kriegsmarine macht die deutsche Flotte Scheinwerfermanöver. Die Parteiorganisationen haben im ganzen Reich dafür zu sorgen, daß die dadurch erzeugte feierliche und heilige Stimmung durch nichts gestört wird. In stolzer Freude müssen sich die Massen anschließend durch die Straßen bewegen, ein überwältigendes Bild für den neutralen Beschauer von der Geschlossenheit und stolzen Freude eines ganzen Volkes. 69. AUS: ARBEITSPLAN DES GAULEITERS JOSEF BÜRCKEL, 3. 4. 1938 AVA, Bürckel-Akten, 1315 I. Ankunftsbahnhof. 1.) Der Bahnsteig wird ausgestaltet wie mündlich besprochen. Verantwortlich: Gaupropagandaleiter Habacht. 2.) Die Bevölkerung Wiens ist in größtem Umfange zuzulassen. Verantwortlich: Gaupropagandaleiter Habacht und SS-Oberführer Kammerhofer. /.../ Hinter der Absperrung steht auf der ganzen Strecke bis zum Rathaus in erster Linie HJ und BDM. Verantwortlich: Gaupropagandaleiter Habacht und SS-Oberführer Kammerhofer. /.../ III. Empfang im Rathaus. 1.) Ausgestaltung des Festsaales wie am 3. 4. mit Prof. Popp besprochen. 2.) Zum Empfang im Rathaus sind seitens der Stadtverwaltung Wien einzuladen: a) die Spitzen der Bewegung, b) die Spitzen des Staates, c) die Spitzen der Stadtverwaltung, d) führende Persönlichkeiten der Industrie, Kunst und Wissenschaft (etwa 200 Personen). Verantwortlich: Stadtverwaltung Wien in Verbindung mit Pg. Gustav Fischer. /.../ V. Nordwestbahnhof. 1.) Verantwortlich für Ausgestaltung: Prof. Popp. 2.) Verantwortlich für Aufmarsch: Pg. Habacht. VI. Abendkundgebung. 1.) Für die Tribüne kommen 400 Karten für Ehrengäste zur Ausgabe. Verantwortlich für Einladung der Ehrengäste: Pg. Habacht und Pg. Gustav Fischer. 2.) Es sind alte Kämpfer aus Österreich, die in den ersten Reihen sitzen, besonders einzuladen und zu betreuen (500). Verantwortlich: Pg. Gustav Fischer. 3.) Für die restlichen Plätze der Halle gibt Gauleitung Wien Sonderkarten aus. Verantwortlich: Pg. Habacht. Die Füllung der Halle erfolgt ausschließlich von rückwärts. /.../ 4.) Die Sicherung der Kundgebungshalle ist durch die SS ab 4. 4. zu übernehmen. /.../ VII. Rundfunkeinsatz. a) Rundfunkreportage vom Eintreffen des Führers auf dem Westbahnhof, b) Reportage vom Empfang des Führers im Rathaus bzw. Ursendung vom Gesang des Wr. Männergesangsvereines, der Ansprachen und der Treuebotschaft des NSKK, Proklamation des Tages des Großdeutschen Reiches, c) Übertragung der Abendkundgebung in ihrer Gesamtheit. /.../ IX. Lautsprecheranlage. Sprechstellen sind zu errichten: a) Rathaus, b) Nordwestbahnhof. Lautsprecheranlage auf folgender Strecke: Rathaus-Vorplatz, Dr. Karl Lueger-Ring, Burgring, Opernring, Kärntnerring, Schubertring, Parkring, Stubenring, Franz Josef-Kai, Taborstraße, Nordwestbahnhof, Ost-, Süd- und Westseite. Verantwortlich: SA-Brigadeführer Schäfer. 70. AUS: MINUTENPROGRAMM DES GAULEITERS JOSEF BÜRCKEL, 8. 4. 1938 AVA, Bürckel-Akten, 1315 I. Eintreffen am Bahnhof. 10.45 Uhr Westbahnhof Wien: Ehrenformationen sind angetreten /.../ (Gesamtlänge der Aufstellung 140 m) Die Aufstellung der Ehrenformationen leitet SA-Standartenführer Prütz. 11.00 Uhr Eintreffen des Führersonderzuges auf dem Westbahnhof. /.../ 11.05 Uhr Abschreiten der Ehrenformationen: /.../ Danach Fahrt zum Rathaus über Mariahilferstr. - Babenbergerstr. - Ring - Rathaus (3 km). II. Empfang im Rathaus. 11.25 Uhr Eintreffen des Führers im Rathaus. Bürgermeister Dr. Neubacher empfängt den Führer am Eingang des Rathauses und geleitet ihn in den Festsaal. Wenn der Führer in der Mitte des Festsaales angelangt ist, singt der Chor der Staatsoper unter Leitung von Professor Grossmann den "Wach auf"-Chor. 11.30 Uhr Begrüßungsansprache des Bürgermeisters Dr. Neubacher (5 Minuten). Danach kurze Erwiderung des Führers. /.../ 11.59 Uhr Reichsminister Dr. Goebbels tritt auf den Balkon des Rathauses und verkündet von dort aus den "Tag des Großdeutschen Reiches" und gibt dann Befehl "Heißt Flaggen!". Darauf werden im gesamten Reichsgebiet auf allen öffentlichen Gebäuden die Flaggen geheißt. Gleichzeitig werden 30 000 Brieftauben, die aus allen Gauen nach Wien geschafft worden sind, am Rathausplatz aufgelassen. 12.00 Uhr Im ganzen Reich 2 Minuten Verkehrsstille. Die Personen auf der Straße bleiben stehen. Es heulen Fabriksirenen und Sirenen der Schiffe. Die in Bewegung befindlichen Fahrzeuge der Eisenbahnen und anderer Verkehrsmittel, die nicht angehalten werden können, geben jedoch von 12.00-12.02 Uhr Signale. Sämtliche Kriegs- und Handelsschiffe der See- und Binnenschiffahrt flaggen über die Toppen. 12.02 Uhr Der Führer betritt den Balkon des Rathauses. Danach vor dem Rathaus Übergabe der Treuebotschaften des NSKK aus den 31 Gauen des Deutschen Reiches an den Führer. /.../ Gegen 12.25 Uhr Eintreffen im Hotel "Imperial". III. Abendkundgebungen. 19.15 Uhr Der Aufmarsch zur Kundgebungshalle und zu den Vorplätzen ist beendet. 19.00-19.40 Uhr Anfahrt der Ehrengäste. 19.15-19.30 Uhr Reportage des Reichspropagandaleiters, Reichsminister Dr. Goebbels, vom Hotel "Imperial" über alle deutschen Sender. Übernahme durch Lautsprecher auf Feststraßen und Kundgebungshalle. 19.30-19.40 Uhr Chorgesang mit großem Orgelspiel aus dem Konzerthaus "Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre". Übertragung auf alle deutschen Sender. Übernahme auf Lautsprecheranlage der Feststraßen und Kundgebungshalle. 19.50 Uhr Fahneneinmarsch (Führer des Fahnenblocks: SA-Standartenführer Bartel). 19.40 Uhr Abfahrt des Führers vom Hotel "Imperial" zur Kundgebungshalle über: Ring - Aspernbrücke - Praterstr. - Am Tabor - Trunnerstr. (3,5 km). 20.00 Uhr Eintreffen des Führers in der Kundgebungshalle. Badenweiler-Marsch bis der Führer am Fuße der Redner-Tribüne angelangt ist. Danach: Der Führer begrüßt die Hinterbliebenen der im Kampfe Gefallenen und Ermordeten. Danach: Der Führer begibt sich zu seinem Platz auf der Tribüne. Danach Begrüßung des Führers durch Gauleiter Bürckel. Es spricht der Führer. Danach Niederländisches Dankgebet, gesungen vom Wiener Männergesangsverein. Die Nation singt mit. Bei der dritten Strophe läuten alle Glocken der Kirchen im Reichsgebiet. Danach: Führerhuldigung durch Gauleiter Bürckel. Nationalhymnen. Der Führer verläßt die Kundgebung. Danach Fahnenausmarsch. Fahrt des Führers zum Nordbahnhof über die Anfahrtstrecke. Am Bahnhof sind Ehrenformationen aufgestellt. Zusammensetzung und Stärke wie am Ankunftsbahnhof. Der Führer fährt an der Front der Ehrenformationen vorbei. Leitthemen der NS-Propaganda
(3) 71. AUS: AUFRUF DES GAULEITERS JOSEF BÜRCKEL, 16. 3. 1938 Der Ostmarkbrief, Folge 1, Juli 1938 Deutsche Männer und Frauen! Der Führer hat mir den ehrenvollen Auftrag gegeben, Euch Österreichern ein Helfer zu sein bei der Vorbereitung auf Euren großen geschichtlichen Tag. Meine Aufgabe bei Euch ist nicht schwer, denn Ihr seid aus ganzem Herzen Deutsche. Die Frage, die der Führer am 10. April 1938 Euch stellt, ist ja keine andere als die: Bist Du ein Deutscher? Ein überwältigendes "Ja" wird einen geschichtlichen Abschnitt beenden, der gar zu oft der tiefsten Sehnsucht aller Deutschen zur Schicksalsgemeinschaft die Erfüllung verweigerte. Ich bin stolz darauf und dankbar, Euch Österreichern als Saarpfälzer bei diesem historischen Geschehen zur Seite stehen zu dürfen. Ich tue es um so lieber, als ich Zeuge sein darf, daß Ihr Österreicher im äußersten Osten in die Hand des treuen Saarländers im äußersten Westen einschlagen werdet, zum stärksten Bündnis für unseren herrlichen Führer und unser großes gemeinsames Vaterland. 72. AUS: AUFRUF DES LANDESHAUPTMANNES VON BURGENLAND, TOBIAS PORTSCHY, O. D. DÖW Bibliothek 4060/100 Burgenländer! Deutsche unserer Grenzmark! /.../ Hier im Burgenland hielten unsere Ahnen allen asiatischen Stürmen zum Trotze aus. Im Frieden durchzog der Pflug die deutsche Scholle, im Krieg verteidigte das Schwert den deutschen Herd. Deutscher Schweiß und deutsches Blut weihten den Boden unseres Heimatlandes. Auf seinen Fluren stürzte die Macht der Awaren und Türken zusammen. Hier steht schon seit tausend Jahren die Pforte des deutschen Reiches. /.../ Diesen geschichtlichen Tatsachen trug das göttliche Walten Rechnung: Die deutsche Ostmark und mit ihr unsere Grenzmark Burgenland sind wieder Bestandteil des Deutschen Reiches. Das große germanische Reich deutscher Nation ist erstanden: Adolf Hitler heißt sein gewaltiger Schmied. /.../ Am 10. April 1938 bekennt sich das ganze Burgenland zu Großdeutschland und stimmt ein mit himmlischer Freude in das in alle Welt hinausdröhnende Bekenntnis: ein Volk, ein Reich, ein Führer! 73. AUS: NS-PROPAGANDAFLUGBLATT, HERAUSGEGEBEN VON GAULEITER JOSEF BÜRCKEL, O. D. DÖW Bibliothek 4060/4 Deutscher! Weißt Du, warum unser Volk immer wieder von dem Gipfel politischer Macht in den Abgrund der Ohnmacht hinabgestürzt ist? Weißt Du, warum andere Völker, wie die Franzosen und Engländer, sicher und stetig ihren Weg nach oben gingen? Weil es nie vorkam, daß Franzosen gegen Franzosen oder Engländer gegen Engländer kämpften! Weil allein die Deutschen auf den Höhepunkten ihrer Geschichte in Zwietracht auseinanderfielen und sich selbst zerfleischten! /.../ So war es im Weltkriege, als Deutsche die Beseitigung des innerpolitischen Gegners höher stellten als das Schicksal des gesamten Volkes, auf diese Weise Deutschland wehrlos machten und schließlich den schmählichen Waffenstillstand und die schändlichen Friedensdiktate von Versailles und St-Germain unterschrieben. So wurden Deutschland und Österreich trotz hundert Siegen in hundert Schlachten zum Objekt der Willkür ihrer Gegner. Sie wurden moralisch gebrandmarkt vor der Welt durch den Kriegsschuldartikel, wirtschaftlich ausgesogen durch die Tribute und politisch verkrüppelt. Das deutsche Volk wurde rechtlos gemacht. Damit ist es zu Ende! Eine Stunde der Ohnmacht und der Erniedrigung wird in der deutschen Geschichte nicht mehr wiederkehren! Nie mehr wird der Deutsche rechtlos sein darum, weil er Deutscher ist. Das deutsche Recht wird durch die deutsche Macht gesichert. Denn ein eherner Ring schließt sich nunmehr um das gesamte deutsche Volk. 75 Millionen Deutsche sind in einem Reich zusammengefaßt wie ein Granitblock gesammelter Kraft. Und über diese 75 Millionen hält schützend ihren Schild die neue Deutsche Wehrmacht als Garant des Friedens. Keine Macht der Welt wird in Zukunft die Einheit des deutschen Volkes zerreißen können! /.../ Deutscher! Danke dies dem Schöpfer und Vollender der deutschen Einheit, Adolf Hitler, durch Dein Bekenntnis am 10. April mit: Ja! 74. AUS: REDE DES REICHSKANZLERS ADOLF HITLER IN DER NORDWESTBAHNHALLE IN WIEN, 9. 4. 1938 Völkischer Beobachter, Wiener Ausgabe, 10. 4. 1938 1. Dieses Land hier ist ein deutsches Land, und seine Menschen sind deutsch. /.../ 2. Dieses Land kann auf die Dauer ohne das Reich nicht leben. Was bedeuten heute 84 000 Quadratkilometer? Was bedeuten sechseinhalb Millionen Menschen? Sie werden nicht beachtet. Hier gilt die Erkenntnis, daß jeder deutsche Stamm für sich allein jederzeit gebrochen werden kann, aber alle vereint sind sie unüberwindbar. /.../ 3. Dieses Volk wollte sich auch gar nicht vom Reich trennen. Im Augenblick, in dem seine Mission als führendes Volk im großen Reiche erloschen war, erhob sich sofort die innere Stimme des Blutes. Nach dem Zusammenbruch 1918 wollte Deutschösterreich sofort wieder zum Reiche zurück. /.../ 4. Wem auch dieser Grund nicht genügt, dem muß ich sagen: es ist meine Heimat! /.../ 5. Wen aber auch das noch kaltläßt, dem muß ich sagen: Ich stehe hier, weil ich mir einbilde, mehr zu können als Herr Schuschnigg! 75. AUS: NS-PROPAGANDAFLUGBLATT, HERAUSGEGEBEN VON GAULEITER JOSEF BÜRCKEL, O. D. DÖW Bibliothek 4060/6 Am 26. März 1938 verkündete Generalfeldmarschall Hermann Göring in 17 Punkten das Programm der Arbeit und des wirtschaftlichen Aufbaues für Österreich: 1. Günstiger Umrechnungskurs des Schillings, um mit der Reichsmark zu arbeiten und zu wirtschaften. 2. Sofortige Auszahlung von 60 Millionen Clearingspitze, um das Kapital sofort wieder in Arbeit umzusetzen. 3. Aufhebung der Zölle zur Erweiterung des österreichischen Absatzgebietes. 4. Aufrüstung und Ausbau der Rüstungsindustrie. 5. Erschließung sämtlicher Produktionsreserven und Erstellung neuer Produktionswerkstätten. 6. Errichtung gewaltiger Kraftwerke in den Hohen Tauern und bei Grein a. d. Donau sowie mehrerer Einzelprojekte. Im Zusammenhang damit erfolgt die Donauregulierung. 7. Hebung der österreichischen Bodenschätze. Ausbau und Steigerung der Produktion der Alpine-Montan-Werke bis zum doppelten Ausmaß. Errichtung der modernsten Hüttenwerke in Linz. 8. Steigerung der Erdölgewinnung. Heranführung von Bohrtürmen aus dem Reich. 9. Ausbau der chemischen Industrie. 10. Bau einer Zellstoffabrik. 11. Bessere Ausnützung des Holzes. 12. Sofortige Inangriffnahme von 1100 km Autobahnen. 13. Sofortiger Bau von zwei Donaubrücken und Projektierung von zwei weiteren Donaubrücken. 14. Neubau von Eisenbahnlinien und Ausbau der vorhandenen. 15. Beschleunigter Bau des Rhein-Main-Donau-Kanals, der wirtschaftlich Österreich zugute kommt. 16. Planung und spätere Durchführung eines Donau-Großhafens in Wien. 17. Hebung des Bauernstandes. Neuregelung und Verbesserung des landwirtschaftlichen Kreditwesens. Kredite für den Ausbau der Höfe, Ställe, Scheunen usw. Einführung des verbilligten Kunstdüngers. Wildbachregulierung, Gewinnung und Befruchtung der Hochtäler und Hochmoore. Drainagearbeiten. Ausgestal-tung und Förderung der Almwirtschaft. 76. AUS: REDE DES REICHSLUFTFAHRTMINISTERS UND BEAUFTRAGTEN FÜR DEN VIERJAHRESPLAN, HERMANN GÖRING, IN DER NORDWESTBAHNHALLE IN WIEN, 26. 3. 1938 Der 10. April. Wahlzeitung für den deutschen Österreicher Ihr sollt nun nicht etwa glauben, daß wir aus dem Reich gekommen sind, um euch alle Arbeit abzunehmen und für euch den Tisch zu decken! Im Gegenteil! Ich werde dafür sorgen, daß bis zur äußersten Kraftanspannung der eigene Mann hier eingesetzt wird, und daß die Österreicher selber Österreich in Ordnung bringen. (Stürmischer Beifall und anhaltende Sieg-Heil!-Rufe.) Wir helfen insofern, als jetzt das Reich als die Zentralführung auch hier Direktiven und Weisungen zu geben hat, die Ausführung und die Gestaltung liegt in euren eigenen fleißigen Händen. Insofern sollen nun auch in Österreich alle jene Maßnahmen getroffen werden, die Deutschland emporbrachten, und es sollen für Österreich jene Gesetze Kraft bekommen, die Deutschland wieder gesund machten. Es soll also auch für Österreich der Vierjahresplan durchgeführt werden, der in Deutschland äußerste und letzte Anspannung aller Kräfte bedeutet. /.../ Ich werde die Weisungen geben, ich werde die Mittel und die Erfahrungen geben, aber ihr werdet die Arbeit durchführen und beweisen, daß ihr genauso gute Deutsche seid wie die in den anderen Gauen. 77. AUS: PROPAGANDAFLUGBLATT DER NSDAP, O. D. DÖW Bibliothek 4060/5 Ein festes Bollwerk gegen Krisenstürme u. Spekulation. Ein sicheres Fundament für ehrliche Arbeit, Fleiß und Streben, das ist die deutsche Volkswirtschaft! /.../ 1932 1938 Deutsches Volk, denk daran am 10. April! 78. AUS: REDE DES GAULEITERS JOSEF BÜRCKEL IM WIENER KONZERTHAUS, 24. 3. 1938 Der 10. April. Wahlzeitung für den deutschen Österreicher Ich vermerke dankbar, daß die Kirchenfürsten aus Österreich ihre Stellungnahme insbesondere im Zusammenhang mit der bevorstehenden Abstimmung bekunden. /.../ Wenn nun in den letzten Tagen aus dem Hause Habsburg der Ruf kommt: "Versündigt Euch nicht an Eurer Religion!", so haben wir absolut Verständnis für diese "Sorge" um die Religion. Es gibt einen alten Satz, der heißt: "Sie reden von Christus und meinen Kattun." Gaben bisher die Kabarettstückchen dieser Zeitgenossen immer wieder den Stoff ab, den Zeitungen eine heitere Note zu geben, so wird es doch jetzt an der Zeit sein, daß die Nachläufer dieser Gilde zum Verstande kommen. Sie mögen den Abschied, wenn notwendig, noch mit einer Träne bestreiten. "Glücklich ist, wer vergißt, was nicht mehr zu ändern ist." (Lebhafte Heiterkeit.) Den paar adeligen Drahtziehern dieses legitimistischen Verfolgungsvereines gebe ich aber die Erklärung ab, daß sie die einzigen in ganz Österreich sind, von denen wir nichts wissen wollen. Eine Auslese von hochmütigen Fratzen und notorischen Faulenzern und Nutznießern paßt nun einmal nicht in den Staat hinein, in dem alle nur Arbeiter sind. (Erneuter Beifall.) Otto der Letzte möge mit dem letzten Hoflakaien Abschied nehmen mit dem für diesen Zweck gewiß geeigneten Liede: "Ich tanze mit Dir in den Himmel hinein." 79. AUS: REDE DES REICHSLUFTFAHRTMINISTERS UND BEAUFTRAGTEN FÜR DEN VIERJAHRESPLAN, HERMANN GÖRING, IN DER NORDWESTBAHNHALLE IN WIEN, 26. 3. 1938 Der 10. April. Wahlzeitung für den deutschen Österreicher Nun aber noch ein Wort gegen jene, die hier vielleicht Anständigkeit mit Schwäche verwechseln könnten. Ich möchte meinen heutigen Erklärungen noch eine hinzufügen und erwarte, daß sie ebenso klar und eindeutig verstanden wird: Ich weiß, viele hofften darauf, daß es vielleicht unter einem König oder Kaiser der Habsburger besser werden würde; gut, sie haben das gehofft. Vielleicht waren sie ehrlich davon überzeugt, jetzt aber müssen sie einsehen, daß es besser geworden ist unter dem Nationalsozialismus. Jetzt müssen sie wissen, daß ihre alten Hoffnungen zunichte geworden sind. Wenn sie jetzt noch in dieser Richtung arbeiten, so ist das Landes- und Hochverrat, und das fällt unter die Schwere des Gesetzes, ganz gleichgültig, ob es sich dabei um einen kleinen Arbeiter oder einen ehemaligen Erzherzog handelt. 80. AUS: BERICHT DES "VÖLKISCHEN BEOBACHTERS", 29. 3. 1938 Völkischer Beobachter, Wiener Ausgabe, 29. 3. 1938 Bollwerk Salzkammergut In Gmunden fand auf dem Adolf Hitlerplatz eine Großkundgebung
der Nationalsozialisten des Salzkammergutes statt, bei der der Oberbürgermeister
von Saarbrücken, Pg. Schwitzgebel, und der Gauleiter und Landeshauptmann
von Oberösterreich, Eigruber, vom Rathausbalkon herab an die versammelten
Massen Ansprachen hielten. /.../ 81. AUS: REDE DES REICHSMINISTERS FÜR VOLKSAUFKLÄRUNG UND PROPAGANDA, JOSEPH GOEBBELS, IN DER NORDWESTBAHNHALLE IN WIEN, 29. 3. 1938 Wiener Neueste Nachrichten, Abendausgabe, 30. 3. 1938 Diese Weltdemokratie, die nun ihr Herz für das souveräne, selbständige Österreich entdeckte, die uns als Diktatoren beschimpft und verleumdet, sie begann nun, gewisse Eintagsfliegen des politischen Lebens in Österreich zu wahren Weltgrößen emporzuloben. (Verständnisvolle Heiterkeit.) Männer, deren Format bestenfalls zu Handlungsreisenden ausreichte, wurden zu Volkserrettern erkoren (stürmisches Gelächter), zu Staatsmännern, auf deren tiefe Weisheiten die Welt horchte, wenn sie dem Gehege ihrer Zähne entflohen. /.../ Noch niemals hat das Volk versagt, versagt haben immer nur Führungen. Hier zeigt es sich, daß das Volk besser war als seine Regierung, besser war an Einsicht, besser an Mut, besser an Entschlossenheit und besser an Charakter. (Stürmischer Beifall.) Denn das ist das Kennzeichen aller volksfremden Diktaturen: Sie sind mutig und tapfer, solange sie die Macht besitzen. Nimmt man ihnen die Macht, dann knicken sie zusammen, dann werden sie weich in den Knien und empfehlen sich auf französisch. (Lebhafte Heiterkeit und stürmischer Beifall.) /.../ Herr Schuschnigg hatte sich wahrscheinlich vorgestellt, daß der Führer nur redet, aber nicht handelt. Große Redner, aber schlechte Feldherren, meinte er, seien wir. (Hier braust das Lachen der Zuhörer durch den Raum.) Er sagte sich mit Fafner aus dem "Siegfried": "Ich lieg' und besitz', laßt mich schlafen!" Und in diesen tiefen Schlaf dröhnte dann plötzlich - um mich im Jargon der schon zitierten internationalen Weltpresse auszudrücken -, dröhnte dann "der Kommißstiefel des preußischen Militarismus". 82. AUS: REDE DES GAULEITERS JOSEF BÜRCKEL IM WIENER KONZERTHAUS, 24. 3. 1938 Der 10. April. Wahlzeitung für den deutschen Österreicher Nun tretet einander gegenüber: 83. AUS: REDE DES REICHSKANZLERS ADOLF HITLER IN KÖNIGSBERG, 25. 3. 1938 Wiener Neueste Nachrichten, 26. 3. 1938 Natürlich, man könnte nun fragen: Warum lassen Sie dann noch abstimmen? Warum soll dieses Deutschösterreich nun überhaupt noch zur Abstimmung gehen? Es ist dies ein Akt, den wir in die deutsche Geschichte einfügen wollen. Das Volk soll bekennen. Ich bin hier ein besserer Demokrat als so viele der Demokraten in unserer Umgebung. Das Volk von Österreich soll die Gelegenheit haben aufzustehen, und ich will sehen, ob es nicht den Sohn seiner Heimat und den Führer der deutschen Nation wählt. (Unbeschreibliche Kundgebungen branden dem Führer entgegen.) Und es soll damit zugleich ein Bekenntnis ablegen für ewig. Denn das schwören wir Nationalsozialisten uns heute so wie in der Vergangenheit: Was wir einmal besitzen, geben wir niemals mehr her! (Erneute tosende Kundgebungen.) Wo unser Banner in die Erde gerammt wird, da steht ein lebender Wall deutscher Menschen davor. 84. AUS: REDE DES REICHSLUFTFAHRTMINISTERS UND BEAUFTRAGTEN FÜR DEN VIERJAHRESPLAN, HERMANN GÖRING, IN DER NORDWESTBAHNHALLE IN WIEN, 26. 3. 1938 Der 10. April. Wahlzeitung für den deutschen Österreicher Es /das Ausland/ mußte erleben, daß hier nicht ein Volk von dem mächtigen deutschen Nachbarn bedroht und vergewaltigt wurde, sondern daß dieses Volk unsagbar glücklich darüber war, daß das nationalsozialistische Deutschland zu ihm kam, weil es selbst deutsch war. Österreich war und blieb deutsch und bleibt deutsch für alle Ewigkeit! (Brausender Beifall.) 85. AUS: REDE DES STELLVERTRETERS ADOLF HITLERS, RUDOLF HESS, IN DER KRAFTWAGENHALLE IN WIEN, 7. 4. 1938 Der 10. April. Wahlzeitung für den deutschen Österreicher Ihr werdet von mir nun nicht erwarten, daß ich eine Rede halte, um etwa die Berechtigung des Anschlusses zu begründen. Ihr werdet nicht erwarten, daß ich vor euch die Berechtigung des deutschen Volkes begründe, sich ein Großdeutschland zu schaffen. Der Anschluß ist vollzogen, und Großdeutschland ist eine vollendete Tatsache für alle Zeit - ob andere wollen oder nicht!! 6. 5. 4.
Abstimmungsvorgang und Ergebnisse 86. AUS: RICHTLINIEN DES REICHSPROPAGANDALEITERS JOSEPH GOEBBELS FÜR DEN 10. APRIL 1938, 28. 3. 1938 AVA, Bürckel-Akten, 1300 1.) Schmückung: Es ist selbstverständlich, daß die Schmückung der Häuser, Verkehrsmittel, Bahnhöfe u. ä. mit Tannengrün sowie die allgemeine Beflaggung auch für den Wahlsonntag gilt. 2.) Der Weckruf: Für den Wahlsonntag wird morgens 7 Uhr großes Wecken angeordnet. Das Wecken wird durchgeführt durch den Einsatz sämtlicher Gliederungen und angeschlossenen Verbände, deren Spielmanns- und Musikzüge zu diesem Zweck durch die Propagandaleiter eingesetzt werden. /.../ 3.) Die Frühwahl: Luftschutzbund: Neben der besonderen Verpflichtung für alle Parteigenossen und Mitglieder der Gliederungen und angeschlossenen Verbände, bei der Eröffnung des Wahlaktes um 9 Uhr zugegen und damit bemüht zu sein, als erste für den Führer zu stimmen, sind die Hauswarte des Reichsluftschutzbundes zu verpflichten, morgens um 10 Uhr alle Einwohner ihres Hauses aufzusuchen und sie zu bitten, möglichst zeitig ihrer Wahlpflicht zu genügen. Beamte: Über das Hauptamt für Beamte sind sämtliche Behördenvertreter anzuhalten, am Vortage der Wahl alle Beamten nicht nur auf die Pflicht der Ausübung der Wahl hinzuweisen, sondern auch nachdrücklichst auf die Bedeutung der Frühwahl zu verweisen. NSKOV: Die Mitglieder der NSKOV werden von dieser angehalten, sich ebenfalls an der Frühwahl zu beteiligen. Es ist dafür Sorge zu tragen, daß diesen, wie allen körperlich Behinderten überhaupt, unter allen Umständen der Vortritt in den Wahllokalen gewährt wird. 4.) Bereitschaftsdienst der Kraftfahrkolonnen: Um allen Kriegsbeschädigten, Invaliden, Kranken und sonst körperlich Behinderten Gelegenheit zu geben, ihrer Wahlpflicht nachzukommen, ist vom Wahldienst der Gaue, Kreise bzw. Ortsgruppen und Stützpunkte ein entsprechender Automobildienst zu organisieren. Diesem sind in entsprechender Anzahl die Mannschaften der Sanitätsstürme der SA und die Mitglieder des Roten Kreuzes beizugeben. /.../ 5.) Ausgabe der Abstimmungsplakette: Den Kreispropagandaleitungen werden durch die Reichspropagandaleitung Abstimmungsplaketten übersandt, die der Anzahl der Wahlberechtigten entsprechend über alle Ortsgruppen an alle Wahllokale verteilt werden müssen. Die Wahllokale sind von Parteigenossen zu besetzen, die die Aufgabe haben, jedem Volksgenossen, nachdem er seiner Wahlpflicht genügt hat, dieses Abzeichen unentgeltlich auszuhändigen. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß es strengstens verboten ist, mit Sammelbüchsen allgemein oder für eine Organisation bzw. das WHW zu sammeln. Die Abgabe von Abstimmungsplaketten an Nichtwahlberechtigte ist unter allen Umständen verboten und würde auch die später kommenden Volksgenossen schädigen, da die Zeichen nur der Zahl der Wahlberechtigten entsprechend zur Verfügung gestellt werden. /.../ 6.) Wahlmahndienst: Es stehen für den Wahlmahndienst zur Verfügung: SA, SS, NSFK, HJ, BDM, NS-Frauenschaft, Werkscharen. Die erforderlichen Kraftfahrzeuge stellt das NSKK. Außerdem können Hitlerjungen mit Fahrrädern zusätzlich als Mahner eingesetzt werden. Mahnzettel: Bei der ersten Mahnung überreicht der Mahner eine schriftliche Mahnung mit folgendem Text, ohne von sich aus noch weitere mündliche Bemerkungen hinzuzufügen: "Sie haben Ihrer Wahlpflicht noch nicht genügt. Auch Ihr Bekenntnis darf am heutigen Tage nicht fehlen. Also auf zur Wahl!" Vorbereitung: Der Wahlmahndienst muß der außerordentlichen Bedeutung des 10. Aprils entsprechend äußerst sorgfältig organisiert werden. Zweckmäßig werden daher für diese Arbeit die allerbesten Parteigenossen bestimmt, die, bewußt der ihnen übertragenen Verantwortung, mit äußerster Sorgfalt an die ihnen zugeteilten Aufgaben herangehen. Nicht mehr wie 5 Mehrfamilienhäuser: Die Schlepper selbst, die zum Dienst herangezogen werden, müssen von vornherein so eingeteilt werden, daß sie in Großstädten jeder nicht mehr als 5 Mehrfamilienhäuser zu überwachen haben. Einsichtnahme in Wahlliste, zum Heeresdienst eingezogene Volksgenossen, Hilfskolonnen für Kranke: Jeder Schlepper hat durch Einsichtnahme in die Wahllisten oder unter Zuhilfenahme der zuständigen Polizeibehörde sich bereits vor der Wahl eine Liste aller wahlberechtigten Volksgenossen zu verschaffen, die in seinen ihm zugewiesenen Häusern wohnen. Durch Kontrolle dieser eigenen Liste am Vortage der Wahl hat er Gelegenheit, die am nächsten Tage aufgelegte Liste der Wahlberechtigten im Wahllokal durch den Leiter des Schlepperdienstes kontrollieren zu lassen. Wir verweisen im besonderen auf die Bedeutung dieser Kontrolle, da durch diese alle Nichtwahlberechtigten, soferne sie noch in den Listen stehen sollten, dem Abstimmungsvorstand gemeldet werden müssen. Es sind dies im besonderen die zum Heeresdienst eingezogenen Volksgenossen und die durch die neuen Gesetze nicht mehr Wahlberechtigten. Am Wahlsonntag ist der Wahlmahndienst von morgens 9 Uhr an mit einzusetzen, um zunächst den Hilfskolonnen für Kranke und Gebrechliche zur Verfügung zu stehen. 13 Uhr: Unmittelbar nach 13 Uhr müssen von der Leitung des Schlepperdienstes alle bis dahin nicht erschienenen Volksgenossen festgestellt und zum erstenmal durch Überreichung der schriftlichen Mahnung gemahnt werden, ihrer Wahlpflicht zu genügen. HJ: Ferner werden die Musikzüge und Singgruppen der HJ mit dem Jungvolk zusammen eingesetzt. Ab 13 Uhr ziehen HJ und Jungvolkabteilungen singend bzw. unter Einsatz ihrer Musikzüge durch die einzelnen Orte. In Zwischenpausen mahnen ihre Sprechchöre mit folgenden Texten: "Ein Volk - Ein Reich - Ein Führer! Auf zur Wahl!" oder "Geht zur Wahl. Tut Eure Pflicht!" oder "Euer Ja - Unsere Zukunft!" Die zweite Mahnung erfolgt um 15 Uhr, um dann halbstündig wiederholt zu werden. Bei den letzten Stichkontrollen ist nochmals mit außerordentlicher Sorgfalt festzustellen und jeweils dem Leiter des Schlepperdienstes zu melden, ob nicht etwa säumig scheinende Wähler inzwischen Wehrmachtsangehörige geworden oder durch die neuen Gesetze nicht mehr wahlberechtigt sind. 87. AUS: AUFRUF DES GAULEITERS JOSEF BÜRCKEL, O. D. Wiener Neueste Nachrichten, 8. 4. 1938 Deutschösterreicher! Mit dem heutigen Tag habt Ihr alle aktiv in den Wahlkampf einzugreifen, d. h., jeder sucht sich den "zweiten Mann". Den bringt er mit zur Wahlurne; keiner kommt allein. Vergeßt mir vor allem jene nicht, die in unseren armen Stadtvierteln oder in den Dachstuben wohnen. Sie sind genauso wertvoll wie alle anderen. 88. AUS: BERICHT DER GAUWAHLLEITUNG WIEN, STAND 12.30 UHR, 10. 4. 1938 AVA, Reichsstatthalter
Stimmung in allen Kreisen ausgezeichnet. Die Leute drängen sich in großen Massen, um aus freiem Willen ihre Stimme abzugeben. Stimmen zum Großteil aus eigenem offen ab und lassen sich dies auch nicht nehmen. Überall ist eine reguläre Handhabung garantiert. Vorfälle sind keine zu verzeichnen. 89. AUS: BERICHT DER GAUWAHLLEITUNG BURGENLAND, STAND 12.30 UHR, 10. 4. 1938 AVA, Reichsstatthalter Die Abstimmung im Gau Burgenland geht ordnungsgemäß strengstens legal, ohne jeden Druck und Terror vor sich. Es haben sich keine Unzukömmlichkeiten ereignet. Nachrichten über angebliches öffentliches Abstimmen werden energisch dementiert, nach Ansicht des Gauwahlleiters muß es sich hier um ein Mißverständnis handeln, es kann sich nur um einzelne Wähler handeln, die freiwillig nicht in die Zelle gingen und aus eigenem Entschluß heraus öffentlich mit Ja stimmten. Bis zur Stunde haben 75 % aller Stimmberechtigten im ganzen Gauwahlgebiet abgestimmt. Es wurden bis nun im ganzen von diesen 75 % aller Stimmberechtigten 4 Nein-Stimmen abgegeben. 90. AUS: BERICHT DES "KLEINEN BLATTS", 11. 4. 1938 Das Kleine Blatt, 11. 4. 1938 Der Wahlvorgang geht überraschend schnell vor sich. Man weist den Wahlausweis vor, der Vorsitzende ruft den Namen und die Nummer in der Stimmliste auf, man bekommt einen Stimmzettel, einen Umschlag und dazu gleich das Abstimmungsabzeichen. Dann fordert der Vorsitzende den Wähler auf, die Wahlzelle zu betreten. Doch, so diszipliniert bisher alles verlaufen ist, jetzt auf einmal versagt die Disziplin der Wiener. Keiner der Wähler will in diesen stoffbespannten Kasten, in dem er ungesehen seinen Stimmzettel ausfüllen kann. Die Leute weigern sich, die Wahlzelle zu betreten, haben rasch einen Bleistift zur Hand, zeichnen blitzartig ihr Kreuz in den Kreis unter dem Ja, und schon reichen sie dem Vorsitzenden den Umschlag mit dem ausgefüllten Stimmzettel, um ihn in die Urne werfen zu lassen. Der Vorsitzende, ein älterer Herr, erinnert die Leute daran, daß es Vorschrift sei, den Stimmzettel in der aufgestellten Zelle auszufüllen, doch da kommt er bei den Leuten schlecht an: "Ist ja ganz schön, die Zelln", sagt vorwurfsvoll ein Chauffeur der Wiener Molkerei, "aber fünf Jahre haben wir jetzt kuschen müssen, sich ducken, nit rühren und nix reden, und jetzt endlich einmal kann man zagn, wia man denkt. Dazu brauch i ka Wahlzelln!" Sagte es, machte ein Kreuz in dem Ja-Kreis, übergab den Umschlag und steckte sich stolz die Hitler-Plakette auf die blaue Arbeitsbluse. Und die anderen haben es halt ebenso gemacht, und es war längst schon zwölf Uhr, ehe es dem Vorsitzenden zum ersten Male gelungen war, einen Wähler zu bewegen, die Wahlzelle aufzusuchen. "Bei mir macht's nichts", sagte dieser, "bei mir weiß der ganze Bezirk, daß i Ja sag!" Als wir gegen 9 Uhr ins nächste Wahllokal gingen, begegneten wir bereits unzähligen Menschen, die alle schon das Abstimmungszeichen trugen. Der Schaffner trug es oberhalb der Ledertasche, der Taxichauffeur auf seinem dicken Ledermantel /.../ der Wachmann unter dem Schulterriemen und der Kellner, der das Frühstück serviert, ist ebenso stolz auf dieses runde, golden leuchtende Abzeichen, das jeden Säumigen an seine Wahlpflicht erinnert. 91. AUS: BERICHT DES "VÖLKISCHEN BEOBACHTERS", 11. 4. 1938 Völkischer Beobachter, Wiener Ausgabe, 11. 4. 1938 Schon lange vor 7 Uhr früh durchziehen die zum Wahlhilfsdienst
eingesetzten Trupps der Hitler-Jugend die Straßen der Stadt und wecken
mit ihren frischen Liedern die säumigen Schläfer, erinnern sie
an die Pflicht des heutigen Tages. In den ersten Vormittagsstunden hatten schon in zahlreichen Bezirken
mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten, vielfach 60 bis 70 Prozent,
ihre Stimme abgegeben. Im Gegensatz zu den äußeren Bezirken hat sich auf der Stubenbastei
im ersten Bezirk schon vor 7 Uhr eine dichte Kolonne von Menschen angesammelt
und wartet mit Ungeduld, bis sie ihr "Ja" abgeben darf. Gegen
8 Uhr erscheint hier zu Fuß und im schlichten schwarzen Überrock
Wiens Erzbischof Kardinal Dr. Innitzer und will sich am Ende der Kolonne
anschließen. Doch bald hat man ihn erkannt, und einige Funktionäre
begleiten ihn sofort hinauf in sein Wahlzimmer, wo er mit dem Deutschen
Gruß eintritt und seine Stimme abgibt. Im dritten Stockwerk der Kaserne ist ein feines Wahllokal eingerichtet. Eintausendfünfzig Mann gehen hier den Weg zu Großdeutschland, sie marschieren eigentlich und stehen stramm davor. Sie alle haben "Ja" gesagt, freudig, selbstbewußt. Sie sagten "Ja" zu den Kanonen, die nimmer Pappe sind, zu den Flakgeschützen, zur hoheitsvollen deutschen Wehr! /.../ Am Ostbahnhof wehen Fahnen, windet sich Tannengrün um die alten
Eisensäulen. Der Bahnsteig ist voll von Menschen. Da braust auch schon
ein geschmückter Zug heran, dampft und pustet. Die Auslandsdeutschen
kommen an. Erhobene Arme, ein einziger Willkommschrei begrüßt
die Weitgefahrenen. 92. AUS: BERICHT DES "VÖLKISCHEN BEOBACHTERS", 11. 4. 1938 Völkischer Beobachter, Wiener Ausgabe, 11. 4. 1938 Die Arbeiter der Halleiner Zellulosefabrik standen zu Hunderten auf der Straße. Viele ehemalige Kommunisten waren unter ihnen, aber sie alle trugen das gestanzte Wahlabzeichen auf dem Rockkragen. Einige haben gebeten, man solle sie öffentlich abstimmen lassen, damit, falls es wirklich einige Neinstimmen in ihrem Sprengel geben sollte, der Verdacht nicht auf sie fallen könne. In Bischofshofen, dem Hauptort des Pongaus, gingen die Arbeiter lachend an die Wahlurnen. Niemand macht aus seinem Bekenntnis ein Hehl. 93. AUS: BERICHT DES "VORARLBERGER TAGBLATTS", 11. 4. 1938 Vorarlberger Tagblatt, 11. 4. 1938 Die Abstimmung war vollkommen frei, und niemand brauchte die Sorge zu haben, es könnte jemand das Geheimnis seines Entschlusses belauschen. Man zeichnete sein Kreuz in der Wahlzelle auf den Stimmzettel, steckte den Zettel in das Kuvert und gab dieses dem Wahlleiter, der es sogleich in die Urne beförderte. Für die Objektivität des Wahlvorganges und der Stimmenzählung war überdies dadurch gesorgt, daß in den Wahlkommissionen nicht etwa nur lauter Nationalsozialisten saßen, sondern im Gegenteil auch viele Mitglieder der ehemaligen Vaterländischen Front, darunter auch solche, die darin eine gewisse Rolle gespielt hatten und die zudem als "Schwarze" bekannt waren. /.../ Man war großzügig genug, auch andere sich gelegentlich von der absoluten Freiheit und geheimen Abstimmung, die hier herrschte, überzeugen zu lassen. So erschienen drei Schweizer in einem Bregenzer Wahllokal, die hatten in der Schweiz drüben gehört, daß die Abstimmung in Österreich in ganz raffinierter Weise kontrolliert würde: in der Wahlzelle sei in das Brett, auf dem man seinen Stimmzettel anzeichnete, ein Glas eingelassen, und darunter sitze ein Nazi, der passe mit Argusaugen auf, welchen Kreis der Schreiber über ihm anzeichne. Man ließ die drei Nachbarn die Zellen genau beschauen, sie konnten aber beim besten Willen nichts Verdächtiges bemerken, sondern mußten nur feststellen, daß man in der freien Schweiz auch nicht geheimer wählen könne als hier in Vorarlberg. Und so schieden sie, überzeugt von der Lügenhaftigkeit ihrer Presse, mit einem kräftigen "Heil Hitler!" aus dem Lokal. Das wird aber nicht helfen, daß unsere lieben Nachbarn oder wenigstens deren Tintenkleckser unsere Abstimmung vernadern und verdächtigen werden. Man kann diesen Leuten eben nichts recht machen: da wir 98 Prozent Ja herausgebracht haben, werden sie behaupten, das sei unnatürlich, da habe man eben "wieder einmal" gemogelt. Hätten wir nur 70 Prozent herausgebracht, so würde man sagen, nun ja, seht - mit allen ihren Listen und Kniffen haben sie es nur gerade knapp über die Hälfte gebracht, da weiß man ja wohl, was man von der "wahren" Meinung des Vorarlberger Volkes denken soll. 94. ERGEBNIS DER VOLKSABSTIMMUNG UND DER WAHL ZUM GROSSDEUTSCHEN REICHSTAG AM 10. APRIL 1938 Dokumente der Deutschen Politik, Bd. 6, Großdeutschland, Teil 1, bearbeitet von Hans Volz, 2. Aufl., Berlin 1940, S. 201
A: Ergebnis der Volksabstimmung in Österreich: (5) /.../ 96. AUS: BERICHT DES "KLEINEN BLATTS", 12. 4. 1938 Das Kleine Blatt, 12. 4. 1938 Das ist ja das Erhebendste an dieser Abstimmung, daß die Zahl der Ja-Stimmen so überragend ist, daß die lächerliche Minderheit der Nein-Sager gar nicht mitzählt. So konnte man es gestern früh immer wieder erleben /.../ daß man sich über die Nein-Stimmen lustig machte. "Die paar Tramhapperten san leicht zum zähl'n", sagte der Fabrikportier in den Favoritner Eisenwerken unter dem größten Beifall der Umstehenden, "denn dö zähl'n überhaupt net!" /.../ Stolz weisen die Floridsdorfer nun darauf hin, daß die Zahl der Nein-Stimmen verhältnismäßig kleiner ist als beispielsweise jene im Villenviertel von Hietzing. Aber was hat das schon zu bedeuten, daß in Favoriten zum Beispiel die Zahl der Nein-Sager nur ein Viertel eines Hundertstels betrug, in Hietzing jedoch, in einem Nobelbezirk, dagegen drei Viertel eines Hundertstels, was hat das wirklich schon zu bedeuten, wo es sich in beiden Fällen, und so fast in allen Bezirken, bei der lächerlichen Minderzahl von Nein-Stimmen nur um Bruchteile handelt. Was sind schon die 118 Nein-Sager unter den 105 068 Ja-Stimmenden Ottakrings? Wahrlich, es war ein brausendes Ja, das die Arbeiter Wiens, die vom vernichteten System noch in letzter Stunde als Kampftruppe für die schlechteste Sache auserkoren waren - so heißt es in einem Dankaufruf des Bürgermeisters Dr. Neubacher -, dem Führer Großdeutschlands zugerufen haben. Was bedeutet schon dieses Drittel eines Hundertstels, das sich bemüßigt sah, sich selbst aus der Gemeinschaft des Volkes auszustoßen? Was sind schon diese 4939 Nein-Sager Wiens neben der Armee von 1 226 586 Ja-Stimmenden? Aber es war keineswegs nur in Wien so, daß die besten Wahlergebnisse in den Arbeiterbezirken und Elendsvierteln erzielt wurden, das gleiche erfreuliche Bild bot sich auch in den Arbeiterbezirken in den Gauen der Ostmark. /.../ Erinnern wir uns nur, wie fortgesetzt von linksradikalen Illegalen und von den "kommunistisch verseuchten" Elendsvierteln auf dem Steinfeld und im Wöllersdorfer Notbezirk gesprochen wurde. Was hat es nun wirklich zu sagen, daß in Wiener Neustadt bei 23 910 Ja-Stimmen 946 Wahlberechtigte den Nein-Kreis durchkreuzten? Wie lächerlich klein ist doch die Minderheit der Neinsager in Bruck an der Leitha: 51 : 50 604 ist das Verhältnis von Nein zu Ja! Und gar erst Wiener Neustadt-Land oder St. Pölten oder Neunkirchen, das als "Kommunistenzentrale" verschrien war: in keinem dieser Arbeiterorte erreichte die Zahl der Nein-Stimmen nur ein halbes Prozent! 97. AUS: LAGEBERICHT DER STAATSPOLIZEISTELLE INNSBRUCK AN DEN SD-FÜHRER DES SS-OBERABSCHNITTS DONAU, 29. 6. 1938 Rot-Weiß-Rot-Buch. Gerechtigkeit für Österreich! Darstellungen, Dokumente und Nachweise zur Vorgeschichte und Geschichte der Okkupation Österreichs (nach amtlichen Quellen), 1. Teil, Wien 1946, S. 82 Weit mehr Gemeinden umfaßt jedoch die zweite Gruppe der kleinen Dorfgemeinden mit weniger als tausend Einwohner, in denen die Zahl der Parteiangehörigen im März 1938 nur eine wenige Köpfe zählende Minderheit bildete. In all diesen Gemeinden läßt sich einheitlich beobachten, daß über Nacht eine wahre Sturzflut neugebackener "Nationalsozialisten" auftauchte, welche die alten Parteigenossen vollständig überschwemmten und im weiteren Verlaufe an die Wand drückten. In mehreren Gemeinden ist dieser Vorgang so radikal und umfassend zu beobachten gewesen, daß bei der Abstimmung am 10. April 100prozentige Ergebnisse zu verzeichnen waren, was naturgemäß zu denken geben muß, wenn man weiß, daß es sich um Ortschaften handelt, in welchen einen Monat vorher kaum 5 bis 6 Parteigenossen ein mehr als verborgenes und nichts weniger als beneidenswertes Dasein fristen mußten. Das 100prozentige Abstimmungsergebnis hat außenhin Leuten eine Legitimation erteilt, die nichts weniger denn als Anhänger der Bewegung bezeichnet werden können. 98. AUS: BERICHT DES GENDARMERIEPOSTENKOMMANDOS KÖNIGSWIESEN AN DAS LANDESGENDARMERIEKOMMANDO FÜR DAS MÜHLVIERTEL, 23. 4. 1946 HHStA, Unveröffentlichte Manuskripte für das Rot-Weiß-Rot-Buch Die Wahlkommission bestand ausschließlich aus Leuten, die nationalsozialistisch gesinnt waren. Es wimmelte überall von SA-Männern und Parteispitzeln, die die Aufgabe hatten, jeden zu beobachten, von dem erwartet werden könnte, daß er nicht mit "Ja" stimme. Die Organisation der gesamten Wahl war so aufgezogen, daß es eine große Gefahr für die Wähler gewesen wäre, wenn sie mit "Nein" gestimmt hätten. Sie wären zweifellos verfolgt worden. Im Wahllokal befand sich zwar eine Wahlzelle, wurde aber von den Wählern nicht benützt, weil sie dadurch verdächtigt worden wären, nicht mit "Ja" zu stimmen. Die Praxis war so, daß der Wähler seine Stimme einem Mitglied der Wahlkommission übergab, dieser steckte sie in das Kuvert und warf es in die Wahlurne. Es wußte auf diese Weise jedes Mitglied der Wahlkommission ganz genau, was der abgefertigte Wähler gewählt hatte. (1) "Nichtarischen" Geschäftsleuten wurde
die Ausschmückung der Geschäfte untersagt, siehe dazu: St. Pöltner
Zeitung, 31. 3. 1938. « zurück |