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Herbert Exenberger
(Veröffentlicht in: Herbert Exenberger (Hrsg.), Als stünd' die Welt in Flammen. Eine Anthologie
ermordeter sozialistischer SchriftstellerInnen. Wien: Mandelbaum Verlag 2000)
Benedikt Fantner kam am 9. Juni 1893 in Wien als Sohn des
gleichnamigen Kürschnergehilfen und Juliana, geborene Neumaier,
zur Welt. Mit 18 Jahren wurde er glühender Freigeist und
Sozialist. Im Ersten Weltkrieg sehen wir Fantner als Soldaten, bis er
in Wolhynien in Gefangenschaft geriet. Der Russischen Revolution im
Jahre 1917 schloß er sich begeistert an, erlebte als Rotarmist
das Vorwärtsdrängen der Revolution und den erbarmungslosen
Kampf der Kosaken gegen sie, ehe er über das Heimkehrerlager in
Lemberg im August 1918 wieder Wiener Boden erreichte. In den
stürmischen Tagen des November 1918, als die junge
österreichische Republik Gestalt annahm, war Benedikt Fantner
mit dabei: am 11. November 1918 in einer sozialdemokratischen
Riesenversammlung im Verbandsheim in der Königseggasse und am
12. November vor dem Parlament. Wir finden den Dichter nun in
sozialistischen, kommunistischen und anarchistischen Versammlungen
und Diskutierklubs, über die er meinte: "In allen Lagern
lernte er Revolutionäre, aber auch viele Schwätzer und
Streber kennen."
Am 8. Jänner 1921 heiratete Fantner Antonia Schalda. Seine
zweite Ehe schloß er am 21. Dezember 1933 mit Josefine Bauer.
Am 11. November 1925 ersuchte Benedikt Fantner den Dichter Karl Kraus
im Namen der sozialdemokratischen Bezirksorganisation Wieden und
ihres Vorstandes um einen Vortragsabend. Gleichzeitig bat er, den
Erlös dem Wiedner Wohlfahrtswerk Societas und dem
Republikanischen Schutzbund, Gruppe Wieden zu
überlassen.
Richard Lanyi, Buchhändler und Verleger, der vor allem durch die
Herausgabe von Publikationen von und über Karl Kraus einige
Aufmerksamkeit erregte, nahm auch Fantner unter seine Verlagsfittiche
und publizierte zwei Bände dieses Arbeiterdichters. Die
Wirtschaftskrise traf den Schriftsteller mit voller Wucht. Als
Bankbeamter wurde er abgebaut; als Vertreter, Austräger,
Schreiber und Aushilfsbeamter konnte er nur notdürftig seine
Existenz sichern. Im April 1933 stellte Benedikt Fantner gemeinsam
mit den Arbeiterschriftstellern Fritz Bartl und Willy Miksch seine
Werke bei einer Lesung im Bildungsverein Alsergrund vor. Beim zweiten
Autorenabend der Vereinigung sozialistischer Schriftsteller am
15. Juni 1933, der unter dem Motto "Satire und Pathos im
Klassenkampf" stand, las Fantner aus seinem Werk. Im Jahre 1933
bewarb er sich auch, ohne Erfolg, um die Stelle eines Sekretärs
für eine sozialdemokratische Bezirksorganisation in Wien.
Nach dem Bürgerkrieg im Februar 1934 wurde der Schriftsteller
von Hörern der literarischen Fachgruppe im Volksheim Ottakring
abwechselnd zum Mittagessen eingeladen, um ihm damit ein wenig seine
trostlose Lage zu erleichtern. Seine literarischen Arbeiten konnte er
nur mehr vereinzelt publizieren, etwa in der Zeitschrift Wochenschau/Der
Strom. Mit diesem Organ versuchten die Freien
Gewerkschaften nach dem Februar 1934 "einen Zipfel
Legalität" für ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten zu
retten. Im Sommer 1935 beteiligte sich Fantner an Lesungen
von Arbeiterschriftstellern im Wiener Arbeiterstrandbad, die der
Bildungsfunktionär der Arbeiterkammer Dr. Viktor Matejka
organisierte. Einige Zeit später, am 11. September 1935,
durchsuchten Polizeibeamte das notdürftig eingerichtete Kabinett
des, wie sie feststellten, "linksradikalen Schriftstellers" im 3.
Stock des Hauses Wien 15, Dingelstedtgasse Nr. 5-7. Im Bericht der
Staatsanwaltschaft heißt es darüber:
"Am 11. 9. 1935 wurden bei einer Hausdurchsuchung in seinem Besitz
26 Stück illegale Druckwerke gefunden, die hauptsächlich
aus dem Jahre 1934 stammten, außerdem zwei Reinschriften eines
von ihm verfaßten Romanes 'Menschen zwischen zwei Zeiten', in
dem die Februarereignisse 1934 in revolutionärem Sinne
beleuchtet werden, ein von ihm verfaßtes Gedicht
revolutionäre Inhaltes, das in der illegalen Zeitung 'Der rote
Kämpfer' vom Mai 1934 wiedergegeben worden war, und ein an den
Genossen Winter gerichtetes, nicht abgesendetes Schreiben mit
aufreizendem Inhalte ... Er wurde von der Polizeidirektion Wien wegen
Verwahrung kommunistischer und anderer illegaler Druckschriften, die
offenbar für Propagandazwecke bestimmt waren, mit 6 Wochen
Arrest bestraft."
1937 stand Benedikt Fantner in den Reihen der Internationalen
Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg. Eine dramatische
Blutspendeaktion im Frühjahr 1937 für den schwerverwundeten
österreichischen Freiwilligen Willi Hauk im Hospital Universidad
in Murcia nahm Fantner zum Anlaß für sein Gedicht "Die
Blutspenderinnen von Murcia". Über das Camp de la Braconne par
Ruelle in Frankreich wurde er am 22. Februar 1941 in das
Konzentrationslager Dachau eingeliefert. Viktor Matejka erinnert
sich: "Es dürfte erst 1941 gewesen sein, ich war
Stubenältester im Block 13, Stube 1, da ist er irgendwie auf
mich gestoßen und hat meinen Namen gehört. Er ist jeden
Tag gekommen, ich habe ihn bisserl füttern können, aber es
war zu sehen, er geht zugrunde ... er ist jeden Tag verfallener
gewesen." Matejka erinnert sich noch, daß der
Schriftsteller im Konzentrationslager auch Gedichte und Skizzen
geschrieben hat. Fantner wurde zur Nummer, zur Nummer 23.979 im KZ
Dachau. Mit einem Transport von hundert ausgemergelten und
erschöpften Häftlingen wurde er am 19. Jänner 1942 in
die Vernichtungsstätte Schloß Hartheim bei Linz
überstellt, in dessen Räumen Geisteskranke und Krüppel
im Auftrag des NS-Regimes ermordet wurden. In diese Euthanasieanstalt
kamen nun auch kranke und arbeitsunfähige KZ-Häftlinge, die
dort mit Giftgas getötet und eingeäschert wurden.
Die Aschenurne Benedikt Fantners wurde am 11. April 1942 von seiner
Schwester Albertine Skarwada im Familiengrab auf dem Baumgartner
Friedhof beigesetzt.
Selbständige Werke
Lazarus. Die Geschichte eines Menschen unserer Zeit. Wien: Verl.
der Buchhandlung Richard Lanyi 1929. 87 S.
Geschichten aus der grauen Masse. Wien: Verl. der Buchhandlung
Richard Lanyi 1931. 123 S.

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