Brigitte Bailer-Galanda

Frauenbild und Frauenrepräsentanz im österreichischen Rechtsextremismus

(Referat Senatsarbeitskreis Innsbruck, 22. 1. 1997)


Vorbemerkung

Während für Deutschland bereits eine ganze Reihe von sozialwissenschaftlichen Studien und theoretisch orientierten Sammelbänden zur Thematik Frauen und Rechtsextremismus vorliegt, fehlen solche Untersuchungen für Österreich nach wie vor. (1) Insgesamt wird dieser Fragenkomplex in verschiedener Hinsicht über- bzw. unterbewertet. Selbst so verdienstvolle Arbeiten wie die fundierte Definition rechtsextremer Ideologie durch Willibald Holzer (2) lassen die wesentliche Frage des Geschlechterverhältnisses im Rechtsextremismus sowie der ideologischen Festschreibung der Frauenrolle in diesem Spektrum außer acht. Die eher spärlichen österreichischen sozialwissenschaftlichen Arbeiten zu Vorurteilsstrukturen bzw. rechtsextremen Einstellungsmustern verzichten nur zu oft darauf, nach Geschlechtern getrennte Auswertungen anzugeben. Gleichzeitig besteht von journalistischer Seite immer wieder die unbegründete und daher rasch enttäuschte Erwartung, mit diesem Thema neuartige Sensationen liefern zu können. In Deutschland mündete dieses Interesse in einige von ihrer Aussagekraft eher wertlose Publikationen, die zumeist in einer analyselosen Aneinanderreihung von Interviews mit rechtsextremen Aktivistinnen bestehen. (3) Im Bereich der deutschen, vor allem der feministischen Wissenschaft kann jedoch in den letzten Jahren eine deutliche Bereicherung an theoretischen Ansätzen und auch sozialwissenschaftlichen Arbeiten verzeichnet werden.

Der folgende Beitrag wird sich jedoch - schon aus Gründen des vorhandenen Platzes - vorwiegend auf die österreichische Situation beschränken.

Frauen als Aktivistinnen im Organisationsspektrum des österreichischen Rechtsextremismus

a) Der empirisch-statistische Befund

Die rechtsextreme Szene Österreichs und der Bundesrepublik ist aus ideologischen, historischen sowie strukturellen Gründen und Traditionen deutlich klarer männerdominiert als andere Politikbereiche.

Eine Zählung der namentlich bekannten Funktionäre/Funktionärinnen rechtsextremer Organisationen und der in einschlägigen Publikationen aufscheinenden AutorInnen und bei Tagungen auftretenden ReferentInnen, wie sie im Organisationsteil des "Handbuchs des österreichichen Rechtsextremismus" aufgelistet sind (4), ergab einen Anteil von rund 10 Prozent Frauen. In absoluten Zahlen finden sich darin 36 Frauen als zentrale Funktionärinnen, unter Einschluß von Autorinnen und Referentinnen 105. Erweitert man den Untersuchungsbereich auf Spenderinnen und Leserbriefschreiberinnen, so erhält man einen Frauenanteil von 16 Prozent (5), d. h. umso weiter entfernt vom eigentlichen Kern rechtsextremer Aktivisten, desto größer der weibliche Anteil. Diese Zahlen können allerdings nicht als repräsentativ im streng methodischen Sinne verstanden werden, da das Dokumentationsarchiv über keinen Zugang zur Gesamtheit der Namen rechtsextremer AktivistInnen, FunktionärInnen und SympathisantInnen verfügt. Die im "Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus" aufgelisteten Personen sind nur jene, die in schriftlichen Unterlagen - Zeitschriften, Flugblättern, etc. - aufscheinen. Informationen über nicht in Publikationen Genannte stehen dem Dokumentationsarchiv nicht zur Verfügung.

Gehen wir noch einen Schritt weiter zur Wählerschaft tendenziell rechtsextremer Parteien, wie beispielsweise der FPÖ oder der Republikaner, so finden wir sowohl in Österreich als auch in Deutschland einen konstanten Anteil von rund einem Drittel weiblicher Wähler, der jedoch im Falle der FPÖ bedauerlicherweise in Zunahme begriffen ist. Bis 1996 votierte die Mehrheit der Frauen für die Option einer Ampelkoalition, vor allem für junge, gebildete und berufstätige Frauen waren die Freiheitlichen unwählbar, nur 18 Prozent der Frauen stimmten für die FPÖ. (6) Dieser Anteil stieg bei der Europawahl 1996 jedoch auf 25 Prozent an, wobei Haider vor allem schlechter ausgebildete berufstätige Frauen für sich gewinnen konnte, d. h.., 41 Prozent der FPÖ-Wähler waren 1996 weiblich. (7)

An rechtsextrem motivierten Gewalttaten hingegen sind Frauen sowohl in Österreich als auch in Deutschland nur in verschwindend geringem Ausmaß beteiligt. Der Verfassungsschutzbericht des deutschen Bundesministeriums des Inneren nennt einen Anteil von 1 Prozent Gewalttäterinnen (8), für Österreich weist das Bundesministerium für Inneres keine nach Geschlechtern differenzierte Statistik aus.

b) Die Funktionärinnen

Der Anteil von Frauen ist über die rechtsextremen Organisationen keineswegs gleichmäßig verteilt, sondern differiert je nach Militanz bzw. ideologischer Schwerpunktsetzung und Ausrichtung der Gruppen. Im Spektrum des militanten Rechtsextremismus bzw. Neonazismus, der seit den Verurteilungen der zentralen Funktionäre in der ersten Hälfte der neunziger Jahre nur mehr im Untergrund agiert, waren im Kernbereich der Aktivisten in den letzten Jahren keine politisch tätigen Frauen anzutreffen, sehr wohl aber Unterstützerinnen und sich solidarisierende Ehepartnerinnen bzw. Freundinnen. Der Versuch der VAPO ("Volkstreue Außerparlamentarische Opposition"), mit Hilfe der Freundinnen ihrer Mitglieder eine eigene Frauengruppe aufzubauen, kam über die Anfangsphase aber nicht hinaus. (9) Aus strukturellen Gründen finden sich in Veteranenorganisationen der ehemaligen SS- und Wehrmachtsangehörigen ebenfalls keine weiblichen Funktionäre. Eine Ausnahme stellt der im Umfeld des Rechtsextremismus angesiedelte "Österreichische Kameradschaftsbund" dar, der Frauen als unterstützende Mitglieder oder Patinnen von Traditionsfahnen ausweist.

Im Bereich der Kultur- und Sportorganisationen hingegen sind Frauen am stärksten vertreten. Sie treten als Referentinnen von Tagungen beispielsweise der "Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik" (AFP) oder des "Vereins Dichterstein Offenhausen" ebenso in Erscheinung wie als Autorinnen im Mitteilungsblatt der "Wohlfahrtsvereinigung der Glasenbacher", einer Vereinigung ehemaliger Nationalsozialisten, oder in den Publikationen der "Österreichischen Landsmannschaft". Einige dieser Gruppen sind im karitativen Bereich zur Unterstützung deutschsprachiger Minderheiten z. B. in Rumänien tätig, wo typischerweise Frauen sich in besonderem Maße engagieren. Im "Österreichischen Turnerbund", der als Sportorganisation tausende Mitglieder erfaßt, von denen die Mehrheit wohl nicht als rechtsextrem anzusehen ist, sind - strukturell bedingt - besonders viele Frauen anzutreffen. Trotzdem sind Funktionärinnen dort - mit Ausnahme der Betreuung der Mädchengruppen - deutlich unterrepräsentiert (10). In einer Kulturorganisationen, nämlich im "Deutschen Kulturwerk Europäischen Geistes", Ableger einer gleichnamigen deutschen Organisation, wirkt auch eine der drei im österreichischen Rechtsextremismus führenden Frauen, nämlich Lisbeth Grolitsch, Angehörige der NS-Generation und wahrscheinlich längstgediente rechtsextreme Aktivistin Österreichs. Die Leitung der Zeitschrift "Die Umwelt", die sich nicht auf Umweltthemen, sondern vielmehr auf antisemitische und NS-apologetische Inhalte sowie Ablehnung der Abtreibung spezialisiert, obliegt seit dem Tod des männlichen Gründers 1988 der (1997) fünfundsiebzigjährigen Hemma Tiffner.

Eher jünger hingegen die dritte Frau, Astrid Friesacher, die nach einer Verurteilung ihres Vaters wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung die Herausgabe eines esoterisch-neuheidnisch-neugermanischen, ökologisch verbrämten und rassistischen Kalenders, des "Alten Jahreszeitweiser", übernommen hat und nunmehr auch eine inhaltlich ähnlich gelagerte Zeitung, "Der Jahreskreis", ediert. Neuheidnische Gruppen ziehen - anders als deren Vorläufer vor 1933/38 - auch in Deutschland zahlreiche Frauen in ihren Bann, ein Trend, den auch die von Friesacher bearbeitete Zeitschrift zu nützen sucht. (11)

Auch die deutschnational-kulturpolitisch orientierte "Österreichische Landsmannschaft" wird seit dem Rückzug des FPÖ-Mandatars Helmut Kowarik von einer Frau, Gertraud Schuller, geleitet, um damit die Organisation aus den tagespolitischen Auseinandersetzungen herauszuhalten und Kowarik vor Angriffen wegen seiner rechtsextremen Aktivitäten zu schützen. (12)

Während die traditionellen deutschnationalen Burschenschaften - nicht zu verwechseln mit den katholischen Studentenverbindungen des Cartellverbandes - die Mitgliedschaft von Frauen strikt ablehnen, wurde in ihrem Umfeld 1988 als weibliches Pendant die "Mädelschaft" Freya gegründet, namensgleich mit einer noch vor dem Ersten Weltkrieg bestehenden weiblichen Pennale, dem "Deutsch-arischen Mädchenbund Freya" (13), die zwar die Interessen weiblicher Studierender vertreten möchte, die wahre und zentrale Bestimmung von Frauen aber doch in der "Mutter und Erzieherin" sieht. (14) Der Name der germanischen Göttin Freya verfügt offensichtlich über große Anziehungskraft auf Frauengruppen des rechtsextremen Bereichs. Unter der Bezeichnung "Freja's [sic!] Homepage" (15) verbreitet seit einiger Zeit eine rassistische Gruppe von Schwedinnen ihre Propaganda über Internet.

Die seit 1986 zu einer zentralen Kraft des österreichischen Rechtsextremismus gewandelte Freiheitliche Partei verfolgt in der Frage der Frauenemanzipationen eine Doppelstrategie. Während Frauen auf allen Ebenen der Partei zu finden sind und nach außen Aufgeschlossenheit und Modernität demonstriert wird, befindet sich die Partei in ideologischer Hinsicht in dieser Frage in den alten "nationalen" Bahnen. Die einst führende freiheitliche Ideologin, Kriemhild Trattnig, kehrte 1993/94 verärgert über den ihr unverständlichen - da offiziell nicht mehr den alten Werten verpflichteten - Kurs Haiders der FPÖ den Rücken.

Frauen in der rechtsextremen Ideologie

Rechtsextreme Ideologie, von Holzer als Spielart des Konservativismus begriffen, ist kein in sich geschlossenes, logisch aufgebautes Gedankengebäude, sondern vielmehr eine Bündelung von apodiktisch behaupteten Einzelaussagen und Vorurteilen. Der Qualitätssprung zum ausgeprägten rechtsextremen Weltbild entsteht erst durch das gemeinsame Auftreten dieser Elemente (16). Drei Zentralbegriffen kommt dabei wesentliche konstitutive Bedeutung zu:

  • der Idee der "Volksgemeinschaft", die in rückwärtsgewandter Utopie als Ort der Geborgenheit in einer organisch aufgebauten, notfalls zwangsweise harmonisierten Gemeinschaft aller Mitglieder des (deutschen) Volkes verstanden wird. Politische Gruppen und Bestrebungen, die die verordnete Harmonie stören, werden abgelehnt.
  • der sogenannten "biologischen Weltanschauung", die gesellschaftliche Zusammenhänge mit biologischen Argumenten erklärt und eine vorgebliche "Natürlichkeit" aller erwünschten Zustände postuliert, Abgelehntes als "widernatürlich" diffamiert.
  • dem meist rassistisch konnotierten (Deutsch)nationalismus, der vor allem im Zusammenhang mit dem Volksgemeinschaftskonzept alles Fremde ausschließt ("Ethnopluralismus", "Ethnozentrismus"), Vermischung des eigenen mit fremden Völkern ablehnt und vor allem das für Rechtsextreme typische NS-apologetische Geschichtsbild bedingt.

Dieser Idealtypus rechtsextremer Ideologie findet sich in je nach Ausrichtung und Schwerpunktsetzung der einzelnen Gruppen unterschiedlicher Ausprägung wieder. Modernisierungsversuche sollen alte Inhalte hinter neuen Begriffen und Argumentationsmustern verbergen.

Die Ähnlichkeit rechtsextremer Vorstellungen zu jenen mancher Rechtskonservativer oder religiöser Fundamentalisten wird in dem von Rechtsextremen gezeichneten und geforderten Frauenideal besonders deutlich. Die (wesentlichen) Unterschiede liegen im Begründungszusammenhang. Während Konservative um den Bestand tradierter Werte und Lebensformen bangen, definieren Rechtsextreme die Rolle der Frau in einem bevölkerungspolitischen und biologistischen Zusammenhang. Die bipolare Sicht des Geschlechterverhältnisses ist ihnen jedoch gemeinsam. Die Geschlechter werden, vor allem in der von Rechtsextremen vertretenen biologistischen Weltsicht als "gleichwertig", aber biologisch bedingt "verschieden" begriffen, woraus unterschiedliche Aufgaben für Mann und Frau abgeleitet werden. In diesem Zusammenhang kann durchaus Mechtild Jansen zugestimmt werden, wenn sie meint, der Rechtsextremismus treibe "das Patriarchat auf die Spitze". (17)

Im Kontext von Familien- und Bevölkerungspolitik wird Frauen spezifische Verantwortung zugeschrieben. Sie sollen auf ihre biologische Gebärfähigkeit reduziert werden, wobei die Forderung nach einer Aufwertung von Mutterschaft und Hausfrauendasein im Mittelpunkt sowohl der Argumentation traditionell rechtsextremer Gruppierungen als auch der Äußerungen zentraler Funktionäre der Freiheitlichen steht, allen voran Haiders selbst. (18) In seinem Bekenntnisbuch "Die Freiheit, die ich meine" machte der F-Führer aus seiner Sicht der Frauen kein Hehl:

"Familie und Kinder haben Vorrang: Die Geburtenentwicklung hat das demographische Fundament des Sozialstaates ins Wanken gebracht. [...] Die Erziehung von Kindern ist eine vorrangige gesellschaftliche Aufgabe, und deshalb müssen auch die Leistungen der Frau und Mutter unabhängig von ihrer möglichen Berufstätigkeit anerkannt werden. Eine Alterspension für die "Nur"-Hausfrau und Mutter ist ein gesellschaftspolitisches Grundanliegen. [...] Aber hat man schon einmal darüber nachgedacht, daß die Frau von ihrer biologischen Struktur her ein ausgesprochen starkes Schutz- und Sicherheitsbedürfnis wegen ihrer Kinder hat? Mutterliebe ist durch Vaterliebe nicht zu ersetzen. [...] Das Recht auf Chancengleichheit und Entscheidungsfreiheit für die Frau ist unbestritten, aber man sollte auch darauf achten, ihren Gefühlen keine Gewalt anzutun und ihr das Frau- und Muttersein nicht beinahe schon zu verbieten." (19)

Hier findet sich das alte Muster der propagandistischen Aufwertung der Rolle der Mutter, wodurch die reale gesellschaftliche Diskriminierung der Frauen ideologisch überhöht und gerechtfertigt wird.

Die Frau als Bewahrerin der Familie soll helfen, die idealisierte Volksgemeinschaftsharmonie wieder herzustellen, wodurch alle Übel moderner Gesellschaften wie von selbst geheilt werden könnten. Berufstätigkeit der Frauen wird als negativ, unnatürlich und zerstörerisch für die Frauen selbst, ihre Kinder, Ehemänner und das gesamte "Volk" begriffen, im Umkehrschluß zum oben Gesagten wird die egoistische, weil berufstätige Mutter für alle Probleme und Mißstände bis hin zu Krebs und Aids verantwortlich gemacht. Kriemhild Trattnig, ehemalige freiheitliche Kärntner Landtagspräsidentin, mittlerweile wegen mangelnder Grundsatztreue der FPÖ ohne politische Funktion, brachte dies in einer freiheitlichen Zeitung einmal unübertroffen auf den Punkt, als sie schrieb:

"Längst überholt sind jene Thesen von speziellen Emanzen, Ideologen und Meinungsmachern, welche uns jahrelang einredeten, daß der Fortschritt unaufhaltsam sei, die Betreuung und Erziehung unserer Kinder ebensogut, ja noch besser von staatlichen Einrichtungen aller Art erledigt werden kann und dadurch die Frauen über die Ausübung eines Berufes sich selbst verwirklichen können. Wohin dieses ausschließlich ichbezogene, rein wirtschaftliche und materialistische Denken und Handeln führt, sehen wir heute in allen Ecken und Enden. Umweltzerstörung (34 Millionen Tonnen an Schadstoffen jährlich in Europa), Verschuldung, Arbeitslosigkeit, Jugendkriminalität, Drogenabhängigkeit, Zunahme des Alkohol- und Nikotinmißbrauches, starkes Ansteigen von Krankheiten, Krebs, Herz-, Kreislaufschäden und nicht zuletzt die neue Seuche Aids haben ihre Ursachen zum größten Teil in unserer Maßlosigkeit und widernatürlichen Einstellung zum Leben, zur Mutter, Ehe und Familie." (20)

Frauengleichberechtigung, Emanzipationsbestrebungen werden so zum Bedrohungsbild, sie führen, wie der Freiheitliche Jürgen Hatzenbichler - mittlerweile Redaktionsmitglied der Österreichausgabe der "Jungen Freiheit" - meinte, "zu einer Orientierungslosigkeit, die die ganze Gesellschaft erschüttert". (21)

Den Frauen obliegt im rechtsextremen Weltbild weiters die Erhaltung bzw. "Reinhaltung" des angestammten Volkstums bzw. der "weißen Rasse", wie die aus den USA eingespeiste Homepage "Aryan female homestead" im Internet fordert: "If the Aryan women in this land of ours don't wake up soon, their won't be many of us left to fight for the purity of our white race. Stop letting the jews lie, preaching that race mixing is okay, and stand up for what you believe in! We need to continue and preserve our Aryan race." (22)

Da in rechtsextremer Weltsicht - wie erwähnt - die Vermischung der Völker zwangsläufig den Untergang der Zivilisation in Chaos und Bürgerkrieg nach sich zieht, muß alles daran gesetzt werden, dies zu verhindern. Der Einbürgerung von Fremden wird daher stets eine Erhöhung der Geburtenrate des eigenen Volkes entgegengestellt, um das Aussterben der "Deutschen" bzw. der "weißen Rasse", das schon die Rassentheoretiker des vorigen Jahrhunderts befürchteten, zu verhindern. Wiederum ist es Haider, der dies unter Hinblick auf die erforderliche Finanzierbarkeit der Pensionen pointiert formulierte: "Die ehrliche Alternative für die Finanzierbarkeit der sozialen Sicherheit lautet: Mehr arbeiten, mehr Kinder und weniger ausländische Zuwanderer oder weniger arbeiten, weniger eigene Kinder und mehr Einwanderer." (23)

Parallel zu diesen traditionellen Ideologieelementen sind seit einigen Jahren auch pseudoemanzipative Ansätze in rechtsextremer Publizistik zu finden, die sich - wie zum Beispiel in Artikeln der deutschen Theoretikerin der sogenannten "Neuen Rechten", Sigrid Hunke, auf angebliche Gleichstellung der Geschlechter bei den idealisiert gesehenen historischen Germanen berufen. So meinte Hunke in einem Artikel in der deutschen Zeitschrift "Elemente", nachgedruckt in der "Aula" (1/1990), es seien die "germanischsten unter den Frauen Europas" gewesen, die die Frauenbefreiung auf ihre Fahnen geheftet hätten. Sie erkannten, "ein Mensch mit Willen zum eigenen Gesetz, zur Entfaltung ureigenster Wesenskräfte, zur Verantwortung zu selbständigem Wachstum und Reifen zur Persönlichkeit" zu sein. Es sei nicht verwunderlich, daß die "erste Emanzipation, wie jede Kraft, die bis zur Unnatur gehemmt, plötzlich freigesetzt ist, hier und da über das Ziel hinausschoß". (24) In den "Deutschen Annalen", einer aus der BRD kommenden rechtsextremen Zeitschrift, vertritt eine Eva Meier einen etwas eigenwilligen, jedoch gleichfalls emanzipativ gemeinten Ansatz und erhebt u. a. folgende Forderungen für eine rechte Frauenpolitik: "Keine Gleichmacherei von Mann und Frau, denn Frau ist dem Mann gleichwertig, aber nicht gleichartig. [...] Schutz des ungeborenen Lebens [...] es geht um die Emanzipation, und zwar die Emanzipation des Ungeborenen! [...] Rechte Frauenpolitik muß zur Vorreiterin des Kampfes gegen die geistige Umweltverschmutzung werden. [...] Ziel einer rechten Frauenbewegung muß die Wiederherstellung der Würde der Frau sein. Nicht Prüderie oder Bigotterie soll das Wort geredet werden, sondern der wahren Emanzipation von Frau und Mann." (25)

Ein weiterer, quasiemanzipatorischer Ansatz besteht angeblich im Kreise deutscher Skingirls, die meinen, sie wollten sich ebenso prügeln wie ihre Freunde und sich nicht mit einer untergeordneten Rolle zufriedengeben. Für Österreich fehlt hier leider jedes Material. Als Indiz für diese Spezialströmung innerhalb der Skinhead- bzw. Neonaziszene könnte ein Vorfall aus dem April 1994 dienen, als fünf junge Mädchen, 13 bis 16 Jahre alt, vier Schülerinnen der Vienna International School in der U-Bahnstation Schwedenplatz in Wien zusammenschlugen. (26) Über Einzelfälle reicht dies aber in Österreich nicht hinaus.

Ein besonderer Randbereich der sogenannten "Neuen Rechten" muß hier noch erwähnt werden. Einige Autoren dieses Bereiches so wie auch zum Beispiel in Ansätzen Kriemhild Trattnig, stehen dem Neuheidentum nahe, das sich auf angebliche germanische oder keltische Mythen und Überlieferungen beruft und damit wiederum den Brückenschlag zur stark anwachsenden Esoterik- bzw. New Age-Szene sucht. Einige rechtsextreme Zeitschriften sowie Publikationen stehen dieser Szene gleichfalls nahe, wie beispielsweise der Kalender "Alter Jahreszeitweiser" und die Zeitung "Der Jahreskreis. Das ganzheitliche Magazin für Familie und Lebensart", beide - wie erwähnt - herausgegeben von der Kärntnerin Astrid Friesacher. Beide Publikationen verbinden altes rassistisches, teilweise antisemitisches Gedankengut mit Neuheidentum, Anleitungen zur Kräuterheilkunde und mondgläubiger Lebenshilfe. Unter anderen veröffentlicht der "Jahreskreis" auch Beiträge von Judith Jannberg, die in den achtziger Jahren durch ihr Buch "Ich bin ich" Aufsehen erregte. Waltraud Friesacher (wie und ob sie mit der Herausgeberin verwandt ist, entzieht sich der Kenntnis der Autorin) schrieb 1995 zur Aufgabe der Frau:

"Und es ist eine große mitschöpferische Verantwortung - Würde oder Bürde einer Frau -, Leben zu empfangen und Leben zu geben und dieses Leben im Einklang und Harmonie mit der Natur zu erhalten. Auch unser äußeres Erscheinungsbild prägt nicht nur uns, sondern auch unser Unterbewußtsein. Nicht einfach davonlaufen in eine äußere Scheinwelt, zu kämpfen, wo es gar keines Kampfes bedarf. Sondern einfach nur unseren, den ureigenen kosmisch intuitiven, schöpferischen Weg zu gehen. Wir haben eine Macht in unseren Händen, zu der wir keine Waffengewalt brauchen, sondern Besonnenheit, Erkenntnis und Liebe zu allem Sein. Nehmen wir doch wieder ganz bewußt die Hilferufe unserer Kinder, unserer Alten und unserer Männer wieder wahr. Spüren und hören wir in uns hinein. Seien wir wieder die liebende, umsorgende Hilfe unseres Schöpfers und der Mutter Erde." (27) Seit 1997 erscheint eine weitere von Astrid Friesacher betreute Zeitschrift, "Gezeitenmagazin", die obskuren esoterischen Theorien ebenso Raum gibt wie Naturheilkunde und "Lebenshilfe", sich jedoch einer beträchtlichen Zahl z. T. potenter Inserenten (wie beispielsweise der Bank für Kärnten und Steiermark) erfreut.

Besonders im Bereich der neuen Sinnsuche, dem Bedürfnis nach "Ganzheitlichkeit" und neuen Heilmethoden finden wir viele Frauen, die sich davon angesprochen fühlen, wie Besuche auf Esoterikmessen rasch zeigen.

Insgesamt stellen Verweise auf die besondere biologische Rolle der Frau sowie die Überbetonung der Geschlechterdifferenz keinen Randbereich dar, auf den frau mit Lächeln reagieren könnte. Neokonservative Diskurse bemühen seit den achtziger Jahren eine Rebiologisierung des Geschlechterverhältnisses, einzelne Autorinnen, wie beispielsweise Mary Daly oder Luce Irigaray, propagieren den weiblichen Separatismus, die Rückbesinnung auf das spezifisch Weibliche (28) und verweisen Frauen auf den Bereich der "Produktion und Reproduktion des Lebens" (29). Liebhart und Veichtlbauer verweisen zu Recht darauf, daß "die Rebiologisierung der Geschlechterverhältnisse soweit vorangetrieben" ist, "daß sie kein Spezifikum rechter Diskurse mehr darstellt". (30) Freiheitliche familienpolitische Vorstellungen sind in ihrer Konkretisierung nicht weit von jenen einzelner ÖVP-Politiker entfernt. (31)

Insbesondere im Gefolge der budgetären Sparmaßnahmen der letzten Jahre wurde eine ganze Reihe frauenfeindlicher Maßnahmen durchgesetzt, der Druck auf Frauen, sich gegen die Berufstätigkeit zu entscheiden, wächst entschieden. Rechtsextreme Diskurse repräsentieren die harten Varianten traditioneller Frauenbilder; Rechtsextreme sprechen in aller Deutlichkeit jene Wunschvorstellungen an, die auch so mancher Rechtskonservativer gerne verwirklicht sähe. In der gegenwärtigen ökonomischen und gesellschaftspolitischen Situation müssen solche Bestrebungen mehr denn je unsere Aufmerksamkeit erhalten.

ANMERKUNGEN

(1) Zum Zeitpunkt des Referats lag die ausgezeichnete Diplomarbeit von Gertrude Öllinger, Rechte (und) Frauen: Skinheads - Neonazis - Rechtsextreme (Institut für Zeitgeschichte Wien, Wien 1997) noch nicht vor.

(2) Willibald I. Holzer, Rechtsextremismus - Konturen, Definitionsmerkmale und Erklärungsansätze, in: Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus, hrsg. v. Stiftung Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, aktualisierte und erweiterte Neuausgabe, Wien 1994, S. 12-96.

(3) Siehe dazu beispielsweise Sonja Balbach, "Wir sind auch die kämpfende Front". Frauen in der rechten Szene, Hamburg 1994.

(4) Brigitte Bailer/Wolfgang Neugebauer, Rechtsextreme Vereine, Parteien, Zeitschriften, informelle Gruppen, in: Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus, a. a. O., S. 103-253.

(5) Hier ist anzumerken, daß die letztgenannte Zahl nur als ungefähre Größe angegeben werden kann, da sie aufgrund einer nur beschränkt repräsentativen Grundgesamtheit errechnet wurde.

(6) Gallup-Analyse zur Nationalratswahl 1995, zitiert nach: News 51 (1995).

(7) Fessl & GFK-Analyse zur Europawahl 1996, zitiert nach: News 42 (1996).

(8) Verfassungsschutzbericht 1994, hrsg. v. Bundesministerium des Innern, Bonn 1995, S. 93.

(9) In der BRD bestand im Umfeld der Organisationen Michael Kühnens eine Zeitlang eine "Deutsche Frauenfront", die jedoch mittlerweile in einer Reihe neonazistischer Organisationen aufgegangen ist.

(10) Beim Bundesturntag 1988 klagte die Bundesfrauenreferentin des ÖTB, Waltraud Reischl, über die notorische Unterrepräsentanz von Frauen in den Funktionärsrängen. Bundesturnzeitung 12/1988.

(11) Siehe dazu: Stefanie von Schnurbein, Göttertrost in Wendezeiten. Neugermanisches Heidentum zwischen New Age und Rechtsradikalismus, München 1993; dies., Weiblichkeitskonzeptionen im neugermanischen Heidentum und in der feministischen Spiritualität, in: Fanitfa Marburg (Hg.), Kameradinnen. Frauen stricken am braunen Netz, Münster 1995, S. 113-136.

(12) Eckartbote 12 (1995).

(13) Peter Krause, Mädchen in Couleur, in: Cousin. Couleurstudentische Informationen Karlsruhe, http://cousin.stud.uni-karlsruhe.de/cousin/allgemein/damen.html.

(14) Interview mit der Gründerin, Helena Pleinert, in: Aula 1/1990.

(15) Freja's Homepage. A tribute to the white aryan movement on the net, http://www.flashback.se/ freja/

(16) Zur rechtsextremen Ideologie siehe Anm. 1.

(17) Mechtild Jansen, Täterin, Zuarbeiterin, Opfer - Frauen, Rechtsextremismus und Gewalt, in: Christiane Tillner (Hrsg.), Frauen - Rechtsextremismus, Rassismus, Gewalt. Feministische Beiträge, Münster 1994, S. 85.

(18) Vgl. dazu Brigitte Bailer-Galanda, Haider wörtlich. Führer in die "Dritte Republik", Wien 1995, S. 73 f., 83-87.

(19) Jörg Haider, Die Freiheit, die ich meine. Das Ende des Proporzstaates. Plädoyer für eine Dritte Republik,Frankfurt/M. 1993, S. 167 f.

(20) Kriemhild Trattnig, Zum Muttertag 1987, Kärntner Nachrichten, 7. 5. 1987.

(21) Identität 1 (1993).

(22) Aryan Female Homestead, http://www.whitepower.com/aryanfemale/

(23) Jörg Haider, Freiheit, a. a. O., S. 173.

(24) Sigrid Hunke, Die Zukunft unseres unvergänglichen Erbes in Mann und Frau, in: Die Aula 1/1190, nachgedruckt aus Elemente 2/1989.

(25) Eva Meier, Frau und Politik in Deutschland. Ein Klischee und sein notwendiger Wandel, in: Deutsche Annalen 1996, S. 119 ff.

(26) Kurier, 30. 4. 1994.

(27) Waltraud Friesacher, Die W(B)ürde, eine Frau zu sein, in: Der Jahreskreis 3/1995, S. 28. Hervorhebung im Original.

(28) Roswitha Moser, Gleichheit(en) und Differenz(en). Zum Verhältnis neonkonservativer Politikmodelle und feministischer Theorien zur Geschlechterdifferenz, in: Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft 23 (1994), S. 141-149.

(29) Ebenda, S. 146.

(30) Karin Liebhart, Judith Veichtlbauer, Weiblichkeitsbilder in neokonservativen und rechtsextremen Diskursen. Am Beispiel Österreichs und Deutschlands, in: erziehung heute 3(1994), S. 22.

(31) Vgl. dazu: Eva Rossmann, Heim an den Herd? Sparpaket, Arbeitsplatzmangel, konservative Trends - und was Frau dagegen tun kann, Wien 1996.


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