|
Brigitte Bailer-Galanda
(Referat Senatsarbeitskreis Innsbruck, 22. 1. 1997)
Vorbemerkung
Während für Deutschland bereits eine ganze Reihe von
sozialwissenschaftlichen Studien und theoretisch orientierten
Sammelbänden zur Thematik Frauen und Rechtsextremismus vorliegt,
fehlen solche Untersuchungen für Österreich nach wie vor.
(1) Insgesamt wird dieser Fragenkomplex in verschiedener Hinsicht
über- bzw. unterbewertet. Selbst so verdienstvolle Arbeiten wie
die fundierte Definition rechtsextremer Ideologie durch Willibald
Holzer (2) lassen die wesentliche Frage des
Geschlechterverhältnisses im Rechtsextremismus sowie der
ideologischen Festschreibung der Frauenrolle in diesem Spektrum
außer acht. Die eher spärlichen österreichischen
sozialwissenschaftlichen Arbeiten zu Vorurteilsstrukturen bzw.
rechtsextremen Einstellungsmustern verzichten nur zu oft darauf, nach
Geschlechtern getrennte Auswertungen anzugeben. Gleichzeitig besteht
von journalistischer Seite immer wieder die unbegründete und
daher rasch enttäuschte Erwartung, mit diesem Thema neuartige
Sensationen liefern zu können. In Deutschland mündete
dieses Interesse in einige von ihrer Aussagekraft eher wertlose
Publikationen, die zumeist in einer analyselosen Aneinanderreihung
von Interviews mit rechtsextremen Aktivistinnen bestehen. (3) Im
Bereich der deutschen, vor allem der feministischen Wissenschaft kann
jedoch in den letzten Jahren eine deutliche Bereicherung an
theoretischen Ansätzen und auch sozialwissenschaftlichen
Arbeiten verzeichnet werden.
Der folgende Beitrag wird sich jedoch - schon aus Gründen des
vorhandenen Platzes - vorwiegend auf die österreichische
Situation beschränken.
Frauen als Aktivistinnen im
Organisationsspektrum des österreichischen Rechtsextremismus
a) Der empirisch-statistische
Befund
Die rechtsextreme Szene Österreichs und der Bundesrepublik
ist aus ideologischen, historischen sowie strukturellen Gründen
und Traditionen deutlich klarer männerdominiert als andere
Politikbereiche.
Eine Zählung der namentlich bekannten
Funktionäre/Funktionärinnen rechtsextremer Organisationen
und der in einschlägigen Publikationen aufscheinenden AutorInnen
und bei Tagungen auftretenden ReferentInnen, wie sie im
Organisationsteil des "Handbuchs des österreichichen
Rechtsextremismus" aufgelistet sind (4), ergab einen Anteil von rund
10 Prozent Frauen. In absoluten Zahlen finden sich darin 36 Frauen
als zentrale Funktionärinnen, unter Einschluß von
Autorinnen und Referentinnen 105. Erweitert man den
Untersuchungsbereich auf Spenderinnen und Leserbriefschreiberinnen,
so erhält man einen Frauenanteil von 16 Prozent (5), d. h. umso
weiter entfernt vom eigentlichen Kern rechtsextremer Aktivisten,
desto größer der weibliche Anteil. Diese Zahlen
können allerdings nicht als repräsentativ im streng
methodischen Sinne verstanden werden, da das Dokumentationsarchiv
über keinen Zugang zur Gesamtheit der Namen rechtsextremer
AktivistInnen, FunktionärInnen und SympathisantInnen
verfügt. Die im "Handbuch des österreichischen
Rechtsextremismus" aufgelisteten Personen sind nur jene, die in
schriftlichen Unterlagen - Zeitschriften, Flugblättern, etc. -
aufscheinen. Informationen über nicht in Publikationen Genannte
stehen dem Dokumentationsarchiv nicht zur Verfügung.
Gehen wir noch einen Schritt weiter zur Wählerschaft tendenziell
rechtsextremer Parteien, wie beispielsweise der FPÖ oder der
Republikaner, so finden wir sowohl in Österreich als auch in
Deutschland einen konstanten Anteil von rund einem Drittel weiblicher
Wähler, der jedoch im Falle der FPÖ bedauerlicherweise in
Zunahme begriffen ist. Bis 1996 votierte die Mehrheit der Frauen
für die Option einer Ampelkoalition, vor allem für junge,
gebildete und berufstätige Frauen waren die Freiheitlichen
unwählbar, nur 18 Prozent der Frauen stimmten für die
FPÖ. (6) Dieser Anteil stieg bei der Europawahl 1996 jedoch auf
25 Prozent an, wobei Haider vor allem schlechter ausgebildete
berufstätige Frauen für sich gewinnen konnte, d. h.., 41
Prozent der FPÖ-Wähler waren 1996 weiblich. (7)
An rechtsextrem motivierten Gewalttaten hingegen sind Frauen sowohl
in Österreich als auch in Deutschland nur in verschwindend
geringem Ausmaß beteiligt. Der Verfassungsschutzbericht des
deutschen Bundesministeriums des Inneren nennt einen Anteil von 1
Prozent Gewalttäterinnen (8), für Österreich weist das
Bundesministerium für Inneres keine nach Geschlechtern
differenzierte Statistik aus.
b) Die Funktionärinnen
Der Anteil von Frauen ist über die rechtsextremen
Organisationen keineswegs gleichmäßig verteilt, sondern
differiert je nach Militanz bzw. ideologischer Schwerpunktsetzung und
Ausrichtung der Gruppen. Im Spektrum des militanten Rechtsextremismus
bzw. Neonazismus, der seit den Verurteilungen der zentralen
Funktionäre in der ersten Hälfte der neunziger Jahre nur
mehr im Untergrund agiert, waren im Kernbereich der Aktivisten in den
letzten Jahren keine politisch tätigen Frauen anzutreffen, sehr
wohl aber Unterstützerinnen und sich solidarisierende
Ehepartnerinnen bzw. Freundinnen. Der Versuch der VAPO ("Volkstreue
Außerparlamentarische Opposition"), mit Hilfe der Freundinnen
ihrer Mitglieder eine eigene Frauengruppe aufzubauen, kam über
die Anfangsphase aber nicht hinaus. (9) Aus strukturellen
Gründen finden sich in Veteranenorganisationen der ehemaligen
SS- und Wehrmachtsangehörigen ebenfalls keine weiblichen
Funktionäre. Eine Ausnahme stellt der im Umfeld des
Rechtsextremismus angesiedelte "Österreichische
Kameradschaftsbund" dar, der Frauen als unterstützende
Mitglieder oder Patinnen von Traditionsfahnen ausweist.
Im Bereich der Kultur- und Sportorganisationen hingegen sind Frauen
am stärksten vertreten. Sie treten als Referentinnen von
Tagungen beispielsweise der "Arbeitsgemeinschaft für
demokratische Politik" (AFP) oder des "Vereins Dichterstein
Offenhausen" ebenso in Erscheinung wie als Autorinnen im
Mitteilungsblatt der "Wohlfahrtsvereinigung der Glasenbacher", einer
Vereinigung ehemaliger Nationalsozialisten, oder in den Publikationen
der "Österreichischen Landsmannschaft". Einige dieser Gruppen
sind im karitativen Bereich zur Unterstützung deutschsprachiger
Minderheiten z. B. in Rumänien tätig, wo typischerweise
Frauen sich in besonderem Maße engagieren. Im
"Österreichischen Turnerbund", der als Sportorganisation
tausende Mitglieder erfaßt, von denen die Mehrheit wohl nicht
als rechtsextrem anzusehen ist, sind - strukturell bedingt -
besonders viele Frauen anzutreffen. Trotzdem sind
Funktionärinnen dort - mit Ausnahme der Betreuung der
Mädchengruppen - deutlich unterrepräsentiert (10). In einer
Kulturorganisationen, nämlich im "Deutschen Kulturwerk
Europäischen Geistes", Ableger einer gleichnamigen deutschen
Organisation, wirkt auch eine der drei im österreichischen
Rechtsextremismus führenden Frauen, nämlich Lisbeth
Grolitsch, Angehörige der NS-Generation und wahrscheinlich
längstgediente rechtsextreme Aktivistin Österreichs. Die
Leitung der Zeitschrift "Die Umwelt", die sich nicht auf
Umweltthemen, sondern vielmehr auf antisemitische und
NS-apologetische Inhalte sowie Ablehnung der Abtreibung
spezialisiert, obliegt seit dem Tod des männlichen Gründers
1988 der (1997) fünfundsiebzigjährigen Hemma Tiffner.
Eher jünger hingegen die dritte Frau, Astrid Friesacher, die
nach einer Verurteilung ihres Vaters wegen nationalsozialistischer
Wiederbetätigung die Herausgabe eines
esoterisch-neuheidnisch-neugermanischen, ökologisch
verbrämten und rassistischen Kalenders, des "Alten
Jahreszeitweiser", übernommen hat und nunmehr auch eine
inhaltlich ähnlich gelagerte Zeitung, "Der Jahreskreis", ediert.
Neuheidnische Gruppen ziehen - anders als deren Vorläufer vor
1933/38 - auch in Deutschland zahlreiche Frauen in ihren Bann, ein
Trend, den auch die von Friesacher bearbeitete Zeitschrift zu
nützen sucht. (11)
Auch die deutschnational-kulturpolitisch orientierte
"Österreichische Landsmannschaft" wird seit dem Rückzug des
FPÖ-Mandatars Helmut Kowarik von einer Frau, Gertraud Schuller,
geleitet, um damit die Organisation aus den tagespolitischen
Auseinandersetzungen herauszuhalten und Kowarik vor Angriffen wegen
seiner rechtsextremen Aktivitäten zu schützen. (12)
Während die traditionellen deutschnationalen Burschenschaften -
nicht zu verwechseln mit den katholischen Studentenverbindungen des
Cartellverbandes - die Mitgliedschaft von Frauen strikt ablehnen,
wurde in ihrem Umfeld 1988 als weibliches Pendant die
"Mädelschaft" Freya gegründet, namensgleich mit einer noch
vor dem Ersten Weltkrieg bestehenden weiblichen Pennale, dem
"Deutsch-arischen Mädchenbund Freya" (13), die zwar die
Interessen weiblicher Studierender vertreten möchte, die wahre
und zentrale Bestimmung von Frauen aber doch in der "Mutter und
Erzieherin" sieht. (14) Der Name der germanischen Göttin Freya
verfügt offensichtlich über große Anziehungskraft auf
Frauengruppen des rechtsextremen Bereichs. Unter der Bezeichnung
"Freja's [sic!] Homepage" (15) verbreitet seit einiger Zeit eine
rassistische Gruppe von Schwedinnen ihre Propaganda über
Internet.
Die seit 1986 zu einer zentralen Kraft des österreichischen
Rechtsextremismus gewandelte Freiheitliche Partei verfolgt in der
Frage der Frauenemanzipationen eine Doppelstrategie. Während
Frauen auf allen Ebenen der Partei zu finden sind und nach
außen Aufgeschlossenheit und Modernität demonstriert wird,
befindet sich die Partei in ideologischer Hinsicht in dieser Frage in
den alten "nationalen" Bahnen. Die einst führende freiheitliche
Ideologin, Kriemhild Trattnig, kehrte 1993/94 verärgert
über den ihr unverständlichen - da offiziell nicht mehr den
alten Werten verpflichteten - Kurs Haiders der FPÖ den
Rücken.
Frauen in der rechtsextremen
Ideologie
Rechtsextreme Ideologie, von Holzer als Spielart des
Konservativismus begriffen, ist kein in sich geschlossenes, logisch
aufgebautes Gedankengebäude, sondern vielmehr eine
Bündelung von apodiktisch behaupteten Einzelaussagen und
Vorurteilen. Der Qualitätssprung zum ausgeprägten
rechtsextremen Weltbild entsteht erst durch das gemeinsame Auftreten
dieser Elemente (16). Drei Zentralbegriffen kommt dabei wesentliche
konstitutive Bedeutung zu:
- der Idee der "Volksgemeinschaft", die in
rückwärtsgewandter Utopie als Ort der Geborgenheit in
einer organisch aufgebauten, notfalls zwangsweise harmonisierten
Gemeinschaft aller Mitglieder des (deutschen) Volkes verstanden
wird. Politische Gruppen und Bestrebungen, die die verordnete
Harmonie stören, werden abgelehnt.
- der sogenannten "biologischen Weltanschauung", die
gesellschaftliche Zusammenhänge mit biologischen Argumenten
erklärt und eine vorgebliche "Natürlichkeit" aller
erwünschten Zustände postuliert, Abgelehntes als
"widernatürlich" diffamiert.
- dem meist rassistisch konnotierten (Deutsch)nationalismus, der
vor allem im Zusammenhang mit dem Volksgemeinschaftskonzept alles
Fremde ausschließt ("Ethnopluralismus", "Ethnozentrismus"),
Vermischung des eigenen mit fremden Völkern ablehnt und vor
allem das für Rechtsextreme typische NS-apologetische
Geschichtsbild bedingt.
Dieser Idealtypus rechtsextremer Ideologie findet sich in je nach
Ausrichtung und Schwerpunktsetzung der einzelnen Gruppen
unterschiedlicher Ausprägung wieder. Modernisierungsversuche
sollen alte Inhalte hinter neuen Begriffen und Argumentationsmustern
verbergen.
Die Ähnlichkeit rechtsextremer Vorstellungen zu jenen mancher
Rechtskonservativer oder religiöser Fundamentalisten wird in dem
von Rechtsextremen gezeichneten und geforderten Frauenideal besonders
deutlich. Die (wesentlichen) Unterschiede liegen im
Begründungszusammenhang. Während Konservative um den
Bestand tradierter Werte und Lebensformen bangen, definieren
Rechtsextreme die Rolle der Frau in einem
bevölkerungspolitischen und biologistischen Zusammenhang. Die
bipolare Sicht des Geschlechterverhältnisses ist ihnen jedoch
gemeinsam. Die Geschlechter werden, vor allem in der von
Rechtsextremen vertretenen biologistischen Weltsicht als
"gleichwertig", aber biologisch bedingt "verschieden" begriffen,
woraus unterschiedliche Aufgaben für Mann und Frau abgeleitet
werden. In diesem Zusammenhang kann durchaus Mechtild Jansen
zugestimmt werden, wenn sie meint, der Rechtsextremismus treibe "das
Patriarchat auf die Spitze". (17)
Im Kontext von Familien- und Bevölkerungspolitik wird Frauen
spezifische Verantwortung zugeschrieben. Sie sollen auf ihre
biologische Gebärfähigkeit reduziert werden, wobei die
Forderung nach einer Aufwertung von Mutterschaft und Hausfrauendasein
im Mittelpunkt sowohl der Argumentation traditionell rechtsextremer
Gruppierungen als auch der Äußerungen zentraler
Funktionäre der Freiheitlichen steht, allen voran Haiders
selbst. (18) In seinem Bekenntnisbuch "Die Freiheit, die ich meine"
machte der F-Führer aus seiner Sicht der Frauen kein Hehl:
"Familie und Kinder haben Vorrang: Die Geburtenentwicklung hat das
demographische Fundament des Sozialstaates ins Wanken gebracht. [...]
Die Erziehung von Kindern ist eine vorrangige gesellschaftliche
Aufgabe, und deshalb müssen auch die Leistungen der Frau und
Mutter unabhängig von ihrer möglichen Berufstätigkeit
anerkannt werden. Eine Alterspension für die "Nur"-Hausfrau und
Mutter ist ein gesellschaftspolitisches Grundanliegen. [...] Aber hat
man schon einmal darüber nachgedacht, daß die Frau von
ihrer biologischen Struktur her ein ausgesprochen starkes Schutz- und
Sicherheitsbedürfnis wegen ihrer Kinder hat? Mutterliebe ist
durch Vaterliebe nicht zu ersetzen. [...] Das Recht auf
Chancengleichheit und Entscheidungsfreiheit für die Frau ist
unbestritten, aber man sollte auch darauf achten, ihren Gefühlen
keine Gewalt anzutun und ihr das Frau- und Muttersein nicht beinahe
schon zu verbieten." (19)
Hier findet sich das alte Muster der propagandistischen Aufwertung
der Rolle der Mutter, wodurch die reale gesellschaftliche
Diskriminierung der Frauen ideologisch überhöht und
gerechtfertigt wird.
Die Frau als Bewahrerin der Familie soll helfen, die idealisierte
Volksgemeinschaftsharmonie wieder herzustellen, wodurch alle
Übel moderner Gesellschaften wie von selbst geheilt werden
könnten. Berufstätigkeit der Frauen wird als negativ,
unnatürlich und zerstörerisch für die Frauen selbst,
ihre Kinder, Ehemänner und das gesamte "Volk" begriffen, im
Umkehrschluß zum oben Gesagten wird die egoistische, weil
berufstätige Mutter für alle Probleme und
Mißstände bis hin zu Krebs und Aids verantwortlich
gemacht. Kriemhild Trattnig, ehemalige freiheitliche Kärntner
Landtagspräsidentin, mittlerweile wegen mangelnder
Grundsatztreue der FPÖ ohne politische Funktion, brachte dies in
einer freiheitlichen Zeitung einmal unübertroffen auf den Punkt,
als sie schrieb:
"Längst überholt sind jene Thesen von speziellen Emanzen,
Ideologen und Meinungsmachern, welche uns jahrelang einredeten,
daß der Fortschritt unaufhaltsam sei, die Betreuung und
Erziehung unserer Kinder ebensogut, ja noch besser von staatlichen
Einrichtungen aller Art erledigt werden kann und dadurch die Frauen
über die Ausübung eines Berufes sich selbst verwirklichen
können. Wohin dieses ausschließlich ichbezogene, rein
wirtschaftliche und materialistische Denken und Handeln führt,
sehen wir heute in allen Ecken und Enden. Umweltzerstörung (34
Millionen Tonnen an Schadstoffen jährlich in Europa),
Verschuldung, Arbeitslosigkeit, Jugendkriminalität,
Drogenabhängigkeit, Zunahme des Alkohol- und
Nikotinmißbrauches, starkes Ansteigen von Krankheiten, Krebs,
Herz-, Kreislaufschäden und nicht zuletzt die neue Seuche Aids
haben ihre Ursachen zum größten Teil in unserer
Maßlosigkeit und widernatürlichen Einstellung zum Leben,
zur Mutter, Ehe und Familie." (20)
Frauengleichberechtigung, Emanzipationsbestrebungen werden so zum
Bedrohungsbild, sie führen, wie der Freiheitliche Jürgen
Hatzenbichler - mittlerweile Redaktionsmitglied der
Österreichausgabe der "Jungen Freiheit" - meinte, "zu einer
Orientierungslosigkeit, die die ganze Gesellschaft erschüttert".
(21)
Den Frauen obliegt im rechtsextremen Weltbild weiters die Erhaltung
bzw. "Reinhaltung" des angestammten Volkstums bzw. der "weißen
Rasse", wie die aus den USA eingespeiste Homepage "Aryan female
homestead" im Internet fordert: "If the Aryan women in this land of
ours don't wake up soon, their won't be many of us left to fight for
the purity of our white race. Stop letting the jews lie, preaching
that race mixing is okay, and stand up for what you believe in! We
need to continue and preserve our Aryan race." (22)
Da in rechtsextremer Weltsicht - wie erwähnt - die Vermischung
der Völker zwangsläufig den Untergang der Zivilisation in
Chaos und Bürgerkrieg nach sich zieht, muß alles daran
gesetzt werden, dies zu verhindern. Der Einbürgerung von Fremden
wird daher stets eine Erhöhung der Geburtenrate des eigenen
Volkes entgegengestellt, um das Aussterben der "Deutschen" bzw. der
"weißen Rasse", das schon die Rassentheoretiker des vorigen
Jahrhunderts befürchteten, zu verhindern. Wiederum ist es
Haider, der dies unter Hinblick auf die erforderliche
Finanzierbarkeit der Pensionen pointiert formulierte: "Die ehrliche
Alternative für die Finanzierbarkeit der sozialen Sicherheit
lautet: Mehr arbeiten, mehr Kinder und weniger ausländische
Zuwanderer oder weniger arbeiten, weniger eigene Kinder und mehr
Einwanderer." (23)
Parallel zu diesen traditionellen Ideologieelementen sind seit
einigen Jahren auch pseudoemanzipative Ansätze in rechtsextremer
Publizistik zu finden, die sich - wie zum Beispiel in Artikeln der
deutschen Theoretikerin der sogenannten "Neuen Rechten", Sigrid
Hunke, auf angebliche Gleichstellung der Geschlechter bei den
idealisiert gesehenen historischen Germanen berufen. So meinte Hunke
in einem Artikel in der deutschen Zeitschrift "Elemente",
nachgedruckt in der "Aula" (1/1990), es seien die "germanischsten
unter den Frauen Europas" gewesen, die die Frauenbefreiung auf ihre
Fahnen geheftet hätten. Sie erkannten, "ein Mensch mit Willen
zum eigenen Gesetz, zur Entfaltung ureigenster Wesenskräfte, zur
Verantwortung zu selbständigem Wachstum und Reifen zur
Persönlichkeit" zu sein. Es sei nicht verwunderlich, daß
die "erste Emanzipation, wie jede Kraft, die bis zur Unnatur gehemmt,
plötzlich freigesetzt ist, hier und da über das Ziel
hinausschoß". (24) In den "Deutschen Annalen", einer aus der
BRD kommenden rechtsextremen Zeitschrift, vertritt eine Eva Meier
einen etwas eigenwilligen, jedoch gleichfalls emanzipativ gemeinten
Ansatz und erhebt u. a. folgende Forderungen für eine rechte
Frauenpolitik: "Keine Gleichmacherei von Mann und Frau, denn Frau ist
dem Mann gleichwertig, aber nicht gleichartig. [...] Schutz des
ungeborenen Lebens [...] es geht um die Emanzipation, und zwar die
Emanzipation des Ungeborenen! [...] Rechte Frauenpolitik muß
zur Vorreiterin des Kampfes gegen die geistige Umweltverschmutzung
werden. [...] Ziel einer rechten Frauenbewegung muß die
Wiederherstellung der Würde der Frau sein. Nicht Prüderie
oder Bigotterie soll das Wort geredet werden, sondern der wahren
Emanzipation von Frau und Mann." (25)
Ein weiterer, quasiemanzipatorischer Ansatz besteht angeblich im
Kreise deutscher Skingirls, die meinen, sie wollten sich ebenso
prügeln wie ihre Freunde und sich nicht mit einer
untergeordneten Rolle zufriedengeben. Für Österreich fehlt
hier leider jedes Material. Als Indiz für diese
Spezialströmung innerhalb der Skinhead- bzw. Neonaziszene
könnte ein Vorfall aus dem April 1994 dienen, als fünf
junge Mädchen, 13 bis 16 Jahre alt, vier Schülerinnen der
Vienna International School in der U-Bahnstation Schwedenplatz in
Wien zusammenschlugen. (26) Über Einzelfälle reicht dies
aber in Österreich nicht hinaus.
Ein besonderer Randbereich der sogenannten "Neuen Rechten" muß
hier noch erwähnt werden. Einige Autoren dieses Bereiches so wie
auch zum Beispiel in Ansätzen Kriemhild Trattnig, stehen dem
Neuheidentum nahe, das sich auf angebliche germanische oder keltische
Mythen und Überlieferungen beruft und damit wiederum den
Brückenschlag zur stark anwachsenden Esoterik- bzw. New
Age-Szene sucht. Einige rechtsextreme Zeitschriften sowie
Publikationen stehen dieser Szene gleichfalls nahe, wie
beispielsweise der Kalender "Alter Jahreszeitweiser" und die Zeitung
"Der Jahreskreis. Das ganzheitliche Magazin für Familie und
Lebensart", beide - wie erwähnt - herausgegeben von der
Kärntnerin Astrid Friesacher. Beide Publikationen verbinden
altes rassistisches, teilweise antisemitisches Gedankengut mit
Neuheidentum, Anleitungen zur Kräuterheilkunde und
mondgläubiger Lebenshilfe. Unter anderen veröffentlicht der
"Jahreskreis" auch Beiträge von Judith Jannberg, die in den
achtziger Jahren durch ihr Buch "Ich bin ich" Aufsehen erregte.
Waltraud Friesacher (wie und ob sie mit der Herausgeberin verwandt
ist, entzieht sich der Kenntnis der Autorin) schrieb 1995 zur Aufgabe
der Frau:
"Und es ist eine große mitschöpferische Verantwortung -
Würde oder Bürde einer Frau -, Leben zu empfangen und Leben
zu geben und dieses Leben im Einklang und Harmonie mit der Natur zu
erhalten. Auch unser äußeres Erscheinungsbild prägt
nicht nur uns, sondern auch unser Unterbewußtsein. Nicht
einfach davonlaufen in eine äußere Scheinwelt, zu
kämpfen, wo es gar keines Kampfes bedarf. Sondern einfach nur
unseren, den ureigenen kosmisch intuitiven, schöpferischen Weg
zu gehen. Wir haben eine Macht in unseren Händen, zu der wir
keine Waffengewalt brauchen, sondern Besonnenheit, Erkenntnis und
Liebe zu allem Sein. Nehmen wir doch wieder ganz bewußt die
Hilferufe unserer Kinder, unserer Alten und unserer Männer
wieder wahr. Spüren und hören wir in uns hinein. Seien wir
wieder die liebende, umsorgende Hilfe unseres Schöpfers und der
Mutter Erde." (27) Seit 1997 erscheint eine weitere von Astrid
Friesacher betreute Zeitschrift, "Gezeitenmagazin", die obskuren
esoterischen Theorien ebenso Raum gibt wie Naturheilkunde und
"Lebenshilfe", sich jedoch einer beträchtlichen Zahl z. T.
potenter Inserenten (wie beispielsweise der Bank für
Kärnten und Steiermark) erfreut.
Besonders im Bereich der neuen Sinnsuche, dem Bedürfnis nach
"Ganzheitlichkeit" und neuen Heilmethoden finden wir viele Frauen,
die sich davon angesprochen fühlen, wie Besuche auf
Esoterikmessen rasch zeigen.
Insgesamt stellen Verweise auf die besondere biologische Rolle der
Frau sowie die Überbetonung der Geschlechterdifferenz keinen
Randbereich dar, auf den frau mit Lächeln reagieren könnte.
Neokonservative Diskurse bemühen seit den achtziger Jahren eine
Rebiologisierung des Geschlechterverhältnisses, einzelne
Autorinnen, wie beispielsweise Mary Daly oder Luce Irigaray,
propagieren den weiblichen Separatismus, die Rückbesinnung auf
das spezifisch Weibliche (28) und verweisen Frauen auf den Bereich
der "Produktion und Reproduktion des Lebens" (29). Liebhart und
Veichtlbauer verweisen zu Recht darauf, daß "die
Rebiologisierung der Geschlechterverhältnisse soweit
vorangetrieben" ist, "daß sie kein Spezifikum rechter Diskurse
mehr darstellt". (30) Freiheitliche familienpolitische Vorstellungen
sind in ihrer Konkretisierung nicht weit von jenen einzelner
ÖVP-Politiker entfernt. (31)
Insbesondere im Gefolge der budgetären Sparmaßnahmen der
letzten Jahre wurde eine ganze Reihe frauenfeindlicher
Maßnahmen durchgesetzt, der Druck auf Frauen, sich gegen die
Berufstätigkeit zu entscheiden, wächst entschieden.
Rechtsextreme Diskurse repräsentieren die harten Varianten
traditioneller Frauenbilder; Rechtsextreme sprechen in aller
Deutlichkeit jene Wunschvorstellungen an, die auch so mancher
Rechtskonservativer gerne verwirklicht sähe. In der
gegenwärtigen ökonomischen und gesellschaftspolitischen
Situation müssen solche Bestrebungen mehr denn je unsere
Aufmerksamkeit erhalten.
ANMERKUNGEN
(1) Zum Zeitpunkt des Referats lag die ausgezeichnete
Diplomarbeit von Gertrude Öllinger, Rechte (und) Frauen:
Skinheads - Neonazis - Rechtsextreme (Institut für
Zeitgeschichte Wien, Wien 1997) noch nicht vor.
(2) Willibald I. Holzer, Rechtsextremismus -
Konturen, Definitionsmerkmale und Erklärungsansätze, in:
Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus, hrsg. v.
Stiftung Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes,
aktualisierte und erweiterte Neuausgabe, Wien 1994, S. 12-96.
(3) Siehe dazu beispielsweise Sonja Balbach, "Wir
sind auch die kämpfende Front". Frauen in der rechten Szene,
Hamburg 1994.
(4) Brigitte Bailer/Wolfgang Neugebauer,
Rechtsextreme Vereine, Parteien, Zeitschriften, informelle Gruppen,
in: Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus, a. a. O.,
S. 103-253.
(5) Hier ist anzumerken, daß die letztgenannte
Zahl nur als ungefähre Größe angegeben werden kann,
da sie aufgrund einer nur beschränkt repräsentativen
Grundgesamtheit errechnet wurde.
(6) Gallup-Analyse zur Nationalratswahl 1995, zitiert
nach: News 51 (1995).
(7) Fessl & GFK-Analyse zur Europawahl 1996,
zitiert nach: News 42 (1996).
(8) Verfassungsschutzbericht 1994, hrsg. v.
Bundesministerium des Innern, Bonn 1995, S. 93.
(9) In der BRD bestand im Umfeld der Organisationen
Michael Kühnens eine Zeitlang eine "Deutsche Frauenfront", die
jedoch mittlerweile in einer Reihe neonazistischer Organisationen
aufgegangen ist.
(10) Beim Bundesturntag 1988 klagte die
Bundesfrauenreferentin des ÖTB, Waltraud Reischl, über die
notorische Unterrepräsentanz von Frauen in den
Funktionärsrängen. Bundesturnzeitung 12/1988.
(11) Siehe dazu: Stefanie von Schnurbein,
Göttertrost in Wendezeiten. Neugermanisches Heidentum zwischen
New Age und Rechtsradikalismus, München 1993; dies.,
Weiblichkeitskonzeptionen im neugermanischen Heidentum und in der
feministischen Spiritualität, in: Fanitfa Marburg (Hg.),
Kameradinnen. Frauen stricken am braunen Netz, Münster 1995, S.
113-136.
(12) Eckartbote 12 (1995).
(13) Peter Krause, Mädchen in Couleur, in:
Cousin. Couleurstudentische Informationen Karlsruhe,
http://cousin.stud.uni-karlsruhe.de/cousin/allgemein/damen.html.
(14) Interview mit der Gründerin, Helena
Pleinert, in: Aula 1/1990.
(15) Freja's Homepage. A tribute to the white aryan
movement on the net, http://www.flashback.se/ freja/
(16) Zur rechtsextremen Ideologie siehe Anm.
1.
(17) Mechtild Jansen, Täterin, Zuarbeiterin,
Opfer - Frauen, Rechtsextremismus und Gewalt, in: Christiane Tillner
(Hrsg.), Frauen - Rechtsextremismus, Rassismus, Gewalt. Feministische
Beiträge, Münster 1994, S. 85.
(18) Vgl. dazu Brigitte Bailer-Galanda, Haider
wörtlich. Führer in die "Dritte Republik", Wien 1995, S. 73
f., 83-87.
(19) Jörg Haider, Die Freiheit, die ich meine.
Das Ende des Proporzstaates. Plädoyer für eine Dritte
Republik,Frankfurt/M. 1993, S. 167 f.
(20) Kriemhild Trattnig, Zum Muttertag 1987,
Kärntner Nachrichten, 7. 5. 1987.
(21) Identität 1 (1993).
(22) Aryan Female Homestead,
http://www.whitepower.com/aryanfemale/
(23) Jörg Haider, Freiheit, a. a. O., S.
173.
(24) Sigrid Hunke, Die Zukunft unseres
unvergänglichen Erbes in Mann und Frau, in: Die Aula 1/1190,
nachgedruckt aus Elemente 2/1989.
(25) Eva Meier, Frau und Politik in Deutschland. Ein
Klischee und sein notwendiger Wandel, in: Deutsche Annalen 1996, S.
119 ff.
(26) Kurier, 30. 4. 1994.
(27) Waltraud Friesacher, Die W(B)ürde, eine
Frau zu sein, in: Der Jahreskreis 3/1995, S. 28. Hervorhebung im
Original.
(28) Roswitha Moser, Gleichheit(en) und
Differenz(en). Zum Verhältnis neonkonservativer Politikmodelle
und feministischer Theorien zur Geschlechterdifferenz, in:
Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft 23
(1994), S. 141-149.
(29) Ebenda, S. 146.
(30) Karin Liebhart, Judith Veichtlbauer,
Weiblichkeitsbilder in neokonservativen und rechtsextremen Diskursen.
Am Beispiel Österreichs und Deutschlands, in: erziehung heute
3(1994), S. 22.
(31) Vgl. dazu: Eva Rossmann, Heim an den Herd?
Sparpaket, Arbeitsplatzmangel, konservative Trends - und was Frau
dagegen tun kann, Wien 1996.

« zurück
|