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Herbert Exenberger
(Veröffentlicht in: Herbert Exenberger (Hrsg.), Als stünd' die Welt in Flammen. Eine Anthologie
ermordeter sozialistischer SchriftstellerInnen. Wien: Mandelbaum Verlag 2000)
Die Schriftstellerin, Tochter von Chaje Sarah und Iwo Blech, kam
am 25. April 1887 in Riga auf die Welt. Am 27. Dezember 1908
verehelichte sich die Autorin mit dem am 29. März 1881 in
Lemberg geborenen Dr. jur. et phil. Emil Merwin, Sohn von Eduard und
Roza, geborene Fränkel. Die Hochzeit fand in der "polnischen
Schule" im 2. Bezirk, Leopoldsgasse 29, statt. Die Trauung vollzog
der über Jahrzehnte in dieser Synagoge wirkende Rabbiner Meier
Mayersohn. Als Trauzeugen waren die Rechtsanwälte Dr. Leopold
Blech und Dr. Carl Lifcis anwesend. Bei beiden Rechtsanwälten
absolvierte Emil Merwin seine Praxisjahre, ehe er am 18. Juli 1913 in
die Verteidigerliste eingetragen wurde. Das Ehepaar Merwin wohnte zur
Zeit der Geburt ihrer Tochter am 7. April 1911 im 9. Wiener Bezirk,
Glasergasse 5. Thekla Merwin sandte im August dieses Jahres ihre
Skizze "Der Causeur" der Monatsschrift zur Pflege schöngeistiger
und künstlerischer Bestrebungen Wir leben zum Abdruck
ein. Vom literarischen Werk Thekla Merwins gibt es keine
selbständigen Publikationen, man kann es nur in mehreren
Zeitschriften und Zeitungen - Der
Merker, Neue Freie Presse, März, Neues
Wiener Tagblatt, Arbeiter-Zeitung, Arbeiterwille,
Neues Wiener Abendblatt, Der Sozialdemokrat, Die
Frau, Der jugendliche Arbeiter, Neuer
Vorwärts, Unser Kalender 1934 - aufspüren. Die
an den Rand der Gesellschaft gedrängten Menschen sind es, die in
den vor allem in der sozialdemokratischen Presse
veröffentlichten Gedichten konkrete Gestalt annahmen und auch
konkrete Forderungen für ihre Zukunft fanden. Nicht
unerwähnt sollen auch die kulturpolitischen und
literaturhistorischen Beiträge von Thekla Merwin bleiben. Gerade
mit solchen Beiträgen begann sie ihre schriftstellerische
Tätigkeit. Sie schrieb etwa Abhandlungen über die
Schriftsteller Oscar Wilde, Georg Herwegh, Heinrich Jung oder
über die österreichische Dichterin Betti Paoli, die
eigentlich Elisabeth Glück hieß. Hierher gehören auch
die fundierten Rezensionen von Thekla Merwin.
Die Schriftstellerin, die mit ihrer Familie im 1. Stock des Hauses
Reithlegasse 5 im 19. Bezirk eine Wohnung gefunden hatte, litt seit
dem Ersten Weltkrieg an Diabetes und mußte wegen ihrer
Krankheit immer wieder Kuraufenthalte einplanen. Um wieder eine
notwendige Kur in Karlsbad durchführen zu können, schrieb
sie am 4. Mai 1922 an den Kulturredakteur der
Arbeiter-Zeitung, Otto Koenig:
"Infolge der wahnsinnigen Entwertung unserer Krone habe ich zwei
Jahre mit der Kur ausgesetzt. Der Befehl meines Arztes zwingt mich
jedoch, heuer wieder hinzufahren. Wenn es Ihnen, Herr Doktor, nicht
unangenehm ist, bitte ich Sie um eine Bestätigung, daß ich
Mitarbeiterin der 'AZ' bin. Diese Bestätigung sichert mir
Befreiung von Kurtaxe und Bäderzahlung, was für heutige
Verhältnisse eine so namhafte Summe ausmacht, daß ich mich
gegen meine Gewohnheit mit einer Privatangelegenheit an Sie
wende." Otto Koenig entsprach ihrem Wunsch und sandte Thekla
Merwin die gewünschte Legitimation.
Die Tochter Magda besuchte das Bundesgymnasium im 19. Bezirk,
Gymnasiumstraße 83, an dem sie 1929 maturierte. Sie
inskribierte 1929 als ordentliche Hörerin an der rechts- und
staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien und
schloß ihr Studium mit dem Doktorat ab. Am 12. August 1934
starb Rechtsanwalt Emil Merwin. Neben seiner Anwaltspraxis war er
noch als Rechtskonsulent der holländischen Gesandtschaft
tätig und verfaßte auch einschlägige Abhandlungen,
wie etwa im Juli 1925 Gedanken "Zur Frage der Wiedererlangung der
österreichischen Staatsbürgerschaft". Im Dezember 1936 zog
Thekla Merwin in eine Wohnung im 1. Bezirk, Ebendorferstraße
3/Tür 14. Nach dem März 1938 wurden Thekla und Magda Opfer
des NS-Rassismus. Von ihrer letzen Wohnadresse (Thekla: Marc
Aurelstraße 3/Tür 14, Magda: Marc Aurelstraße
5/Tür 9 im 1. Bezirk), wo sie einen knappen Monat Unterkunft
fanden, wurden sie am 24. September 1942 mit dem 11. Transport vom
Wiener Aspangbahnhof nach Theresienstadt deportiert. Nach zwei
entsetzlichen Jahren in Theresienstadt mußten sie am 19.
Oktober 1944 ihren letzten Weg nach Auschwitz antreten. Danuta Czech
notierte am 20. Oktober 1944 im "Kalendarium der Ereignisse im
Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939-1945":
"Mit einem Transport des RSHA werden 1.500 jüdische
Männer, Frauen und Kinder aus dem Ghetto in Theresienstadt
eingeliefert. Nach der Selektion werden 169 Frauen in das
Durchgangslager und 173 Männer als Häftlinge in das Lager
eingewiesen. Die Männer erhalten die Nummern B-13307 bis
B-13479. Die übrigen 1.158 Menschen werden in der Gaskammer des
Krematoriums III getötet."
Unter ihnen Magda und Thekla Merwin.

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