Herbert Exenberger

2. April 1945 - Evakuierung des
KZ-Nebenlagers Saurer-Werke

(Leicht geänderte Fassung eines Beitrags, der in den Simmeringer Museumsblättern veröffentlicht wird).


Im Sommer 1944 herrschte trotz Verschleppung und anschließender Zwangsarbeit von ausländischen Arbeitskräften und schonungslosem Einsatz von Kriegsgefangenen für die auf Hochtouren laufende Nazi-Kriegsindustrie ein permanenter Mangel an Arbeitskräften. In diesem Zeitraum wurden Häftlinge des KZ Mauthausen nach Wien überstellt, um hier Nebenlager aufzubauen. In der offiziellen Geschichtsschreibung der Österreichischen Saurer-Werke zum 50-jährigen Firmenjubiläum finden wir kein Wort über die Sklavenarbeit von Zwangsarbeitern, "Ostarbeitern", KZ-Häftlingen und ungarischen Juden in diesem Betrieb. Im Gegenteil - völlig nebulos heißt es dazu:

"Eine Reihe von neuen Produktionsaufgaben (so die Großerzeugung von Kurbelwellen und die Entwicklung eines luftgekühlten Zweitakt-Dieselmotors) machten es notwendig, neue Werksgebäude zu errichten. Ausländische Arbeiter wurden aufgenommen, die in einem Barackenlager vor den Toren des Werkes untergebracht wurden. Der Belegschaftsstand an in- und ausländischen Arbeitern wuchs damals auf mehr als 5.000 Menschen an." (1)

Der Wiener politische Häftling Franz Kalteis - am 20. Jänner 1943 mit dem Vermerk "Zur Vernichtung durch Arbeit" (2) in das Konzentrationslager Mauthausen eingewiesen - setzte mit Pepi Kohl, Hans Marsalek und Arthur London auf Initiative des Mitglieds des Zentralkomitees der KPÖ Leo Gabler (Letzterer wurde vom KZ Mauthausen nach Wien überstellt und am 7. Juni 1944 im Landesgericht enthauptet) die ersten Schritte zur Gründung einer illegalen Häftlingsorganisation im KZ Mauthausen. (3) Die illegale Häftlingsorganisation konnte es so einrichten, dass Franz Kalteis in der Funktion eines Lagerältesten nach Simmering, in das neu zur errichtende Nebenlager Saurer-Werke, auch Wien-West genannt, überstellt wurde. Über den Aufbau des KZ-Nebenlagers Saurer-Werke schrieb Kalteis:
Saurer-Werke, Mai 1945

Betonunterstand

Ansicht aus den sechziger Jahren

Planskizze

Verzeichnis der "evakuierten" Häftlinge

Verzeichnis der im Nebenlager Sauer-Werke zurückgelassenen 
Häftlinge

Gedenkstein

"Ich fuhr also im Sommer 1944, glaublich im Juli, mit einem Transport von 100 Häftlingen, hauptsächlich Polen, Russen, Franzosen und Italiener unter dem Kommando eines reichsdeutschen Oberscharführers und in Begleitung von ca. 25 bis 30 SS-Leuten nach Wien. Auf dem Gelände der Simmeringer Haide, Wien 11., 2. Haidequerstraße, befand sich ein Barackenlager, das bis zu unserer Ankunft als Lager für Zivil-Internierte und Kriegsgefangene gedient hatte und nun von unserem Kommando sozusagen als Miniatur-Konzentrationslager für einen später geplanten Stand von ungefähr 1.500 Häftlingen ausgebaut werden sollte." (4)

Der offizielle Gründungstag des Nebenlagers Saurer-Werke war der 20. August 1944. (5) Als Lagerkommandant fungierte SS-Hauptsturmführer Johann Gärtner, als Schutzhaftlagerführer SS-Oberscharführer Karl Kleine und als Führer vom Dienst SS-Oberscharführer Gerhard Wittkowski. Die Bewachung der Häftlinge oblag den Mauthausener Angehörigen der Waffen-SS und bestand aus 4 SS-Offizieren,

46 SS-Unteroffizieren sowie 85 SS-Mannschaftsgraden. Im Nebenlager Saurer-Werke verzeichnete die SS vom 31. August 1944 bis zum 1. April 1945 folgenden Häftlingsstand: (6)

31. August 1944: 150
30. September 1944: 1.000
31. Oktober 1944: 1.157
30. November 1944: 1.391
31. Dezember 1944: 1.106
31. Jänner 1945: 1.218
28. Februar 1945: 1.480
15. März 1945: 1.480
31. März 1945: 1.470
1. April 1945: 1.466

Die für die Zwangsarbeit bestimmte Werkshalle, die C-Halle im Werk 2, erfuhr auch eine Veränderung. Die KZ-Häftlinge mussten die Fenster vergittern, Mauern aufstellen und wurden dann ausschließlich bei der Produktion von Panzerschleppern eingesetzt. Die geschundenen Männer erlebten aber auch Solidarität. Hier waren es vor allem österreichische Arbeiter und in diesem Betrieb beschäftigte Ausländer sowie die Sanitätsstation der Saurer-Werke, die die "Lebensbedingungen der KZ-Häftlinge halbwegs erträglich" (7) machten. So berichtete etwa der im Saurer-Werk beschäftigte Fritz Konir am 1. Mai 1947:

"Jede Nacht gab es die gleichen Szenen. Die österreichischen Arbeiter und Meister duldeten das Schlagen nicht. Sie warfen halbe Zigaretten als 'Tschick' weg, sie vergaßen ihr Jausenbrot auf irgendeiner Werkbank. Einige Tage später hing im ganzen Betrieb ein Anschlag: Wenn die Sympathiekundgebungen der deutschen Gefolgschaft mit den Häftlingen nicht aufhören, wird mit Verhaftungen vorgegangen." (8)

Die illegale Häftlingsorganisation im Lager Saurer-Werke wurde vom Funktionär des deutschen Kommunistischen Jugendverbandes Walter Ehlen (er wurde 1945 im KZ Gusen von kriminellen Häftlingen ermordet) aufgebaut und geführt. Ihr gehörten Vertreter der politischen Häftlinge aller im Lager vertretenen Nationen und Richtungen an, z. B. Friedrich Hirth, zwei französische Häftlinge, der Russe Ing. Krawtschenko, der Tscheche Horn, der Belgier Robert Feld, ein ungarischer Jude, der Slowene Stanislaus Vrschowec, ein Slowake, der Oberst der Roten Armee Pawl Jerofejem und der Oberstleutnant Kusnetzow. Insgesamt konnten von der Häftlingsorganisation etwa 120 Häftlinge erfasst werden. Franz Kalteis gehörte als Lagerältester nicht direkt dem illegalen Lagerkomitee an, hatte aber doch großen Einfluss auf diese Organisation. Ende März 1945 rang er mit dem Lagerkommandanten SS-Hauptsturmführer Johann Gärtner um das Leben von 190 kranken Häftlingen, die gemäß einer zentralen Weisung des Mauthausener Lagerkommandanten vor der Evakuierung der Außenlager ermordet werden sollten. Über diese Stunden informiert uns Franz Kalteis:

"Am letzten Märztag wurde ich spätabends zum Lagerkommandanten Gärtner gerufen, bei dem es zu einer dramatischen Aussprache kam. Gärtner war vollkommen außer Fassung und fragte mich sofort, wieviel Leute marschunfähig, also krank wären. Da ich unschwer den Zusammenhang erraten konnte, übertrieb ich die Zahl und erklärte ihm, dass ungefähr 180 Häftlinge nicht imstande wären, einen längeren Fußmarsch durchzustehen ... Damals setzte ich Gärtner ruhig und leidenschaftslos auseinander, dass der Krieg verloren sei, wobei mich der leise grollende Kanonendonner unterstützte. Ich sagte Gärtner, dass gerade er als Wiener hier mitten in der Stadt nicht fast 200 Menschen umbringen könne, ohne dass tausende Zeugen ihn später dafür verantwortlich machen würden. Kurz und gut, es gelang mir, den Lagerkommandanten soweit zu bringen, dass er sich bereit erklärte, die fußkranken und sonst maroden Häftlinge ohne Bewachungsmannschaft im Lager zurückzulassen." (9)

Am 1. April 1945 erfolgten die Vorbereitungen zur Evakuierung des Lagers und einen Tag später mussten 1.276 Häftlinge in drei Kolonnen (geführt von den SS-Oberscharführern Karl Kleine, Josef Plehar und Gerhard Wittkowski) den Fußmarsch von Simmering über Purkersdorf, St. Pölten, Mank, Scheibbs, Gresten, Randegg und Seitenstetten nach Steyr antreten. 190 marschunfähige Häftlinge wurden im Lager Saurer-Werke zurückgelassen, unter ihnen Häftlinge aus Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, dem ehemaligen Jugoslawien, den Niederlanden, Polen, der ehemaligen Sowjetunion, Tschechien und Ungarn. 33 von ihnen waren jüdische Häftlinge. (10)

Vor dem Abmarsch aus dem Lager Saurer-Werke wurde den SS-Männern eingeschärft, dass jeder Häftling, der einen Fluchtversuch unternähme oder auf dem Marsch aus Schwäche zurückbliebe, zu erschießen sei und die Leichen verscharrt werden müssten. Der Student Stanislaw Dziadus, ein polnischer KZ-Häftling (Häftlingsnummer 104302), geboren am 10. Februar 1916, erinnert sich:

"Wien lag weiter hinter uns. Von der Front war nichts mehr zu hören. Es gab nur mehr die scharfen Stimmen der Aufseher und die Schüsse, die sie auf die Schwachen abfeuerten. Wenn jemand nicht mehr weiter konnte oder zu langsam ging und dadurch die ganze Kolonne aufhielt, wurde er mit einem Kopfschuss getötet. Die Menschen wurden vor der ganzen Gruppe erschossen und dann in den Straßengraben geworfen. Besonders ein großer, schwarzer serbischer Volksdeutscher, an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnern kann, erschoss mit besonderem Vergnügen die schwachen, nicht mehr gehfähigen Häftlinge. Sehr schlecht war es um diejenigen bestellt, deren Schuhe rissen und die dann zu hinken anfingen. Ein Schuss des SS-Mannes beendete den langen Marsch eines solchen Häftlings ins Lager. Schlecht erging es einem auch, wenn man Durchfall bekam, weil man vor lauter Hunger vorher Karotten oder Zuckerrüben gegessen hatte. In einem solchen Fall war der Tod unausweichlich. Schlecht ging es auch denjenigen, deren Schuhe auf dem steinigen Weg kaputt wurden. Der Häftling musste dann barfuß gehen und wurde sofort in den Graben gestoßen und mit Genickschuss erschossen. Es gab sehr viele Fälle, wo die Schuhe oder die Stiefel den steinigen Weg nicht überstanden." (11)

Der deutsche Häftling Otto Hollberg, geboren am 26. Mai 1913 in Berlin, der als KZ-Häftling die Nummer 33189 hatte und Lagerkoch im Nebenlager Saurer-Werke war, erinnert sich an einen Fluchtversuch von zwei KZ-Häftlingen:

"Zwei Häftlinge ergriffen die Flucht, wurden aber wieder gestellt und 300 Meter beiseite geführt und erhielten vor unseren Augen einen Genickschuss und wurden einfach vergraben ohne Feststellung der Nummer." (12)

Ehemalige KZ-Häftlinge, wie etwa die Deutschen Christian Hirsch, Häftlingsnummer 98241, der am 24. September 1944 vom KZ Mauthausen in das Nebenlager Saurer-Werke überstellt worden war, oder Max Trapper, Häftlingsnummer 124409, aber auch Angehörige der Wachmannschaften, wie der SS-Oberscharführer Engelbert Martha aus Wien, bezeugten Ermordungen von KZ-Häftlingen der 1. Marschkolonne. Sie berichteten von der Erschießung von zwei marschunfähigen Häftlingen am Nachmittag des ersten Marschtages, von der Tötung eines am Boden liegenden KZ-Häftlings am 4. April 1945 in Purkersdorf, von den Erschießungen des deutschen jüdischen Häftlings Artur Emmel (er hatte die Häftlingsnummer 123762 und wurde am 8. September 1898 in Reinhausen geboren)(13) und eines 17 bis 20 Jahre alten kranken tschechischen Juden sowie von der Ermordung eines von seinen KZ-Kameraden gestützten polnischen Häftlings am so genannten "Weißen Sonntag" 1945. (14)

In den Häftlingslisten, die nach Hans Marsalek vermutlich im Nebenlager Steyr geschrieben und nach Mauthausen übermittelt wurden und von denen Marsalek im Mai 1945 Durchschläge aus der Lagerschreibstube des KZ Mauthausen nach Wien mitnahm, (15) gibt es nur Angaben über die "auf der Flucht" erschossenen KZ-Häftlinge des 3. Marschkommandos. 14 Häftlinge - acht Russen (Iwan Korkodola, Petro Kurinnyi, Pawl Ljubij, Jaroslaw Marcinischyn, Iwan Moskowka, Sergiej Perepelko, Wladimir Saturskij, Danilo Swarygin), ein sowjetischer Kriegsgefangener (Michail Peregudow), drei Polen (Boleslaw Boczkowski, Kazimierz Bojko, Stanislaw Karwacki), ein Italiener (Camillo Albergatti) und ein jüdischer Häftling aus Berlin (Fritz Frey) - wurden von der SS erschossen, zwei Häftlinge - ein Deutscher (Emil Klausat) und ein Pole (Henryk Krowicki) - starben an Entkräftung am 22. April 1945 in Gründberg bei Steyr. (16) Aus dieser 3. Marschkolonne gelang insgesamt 25 Häftlingen die Flucht.

Am 25. Februar 1946 informierte der Gendarmeriepostenkommandant von Steyr das Bezirksgendarmeriekommando über mehrere Gräber in der Gemeinde Sierning mit dreißig Leichen von Häftlingen aus den Saurer-Werken. (17) Eine Gedenkstätte mit einem Gemeinschaftsgrab auf dem Ortsfriedhof von Sierning erinnert an 25 unbekannte Opfer der Todesmärsche. (18)

Auch noch so kleine Gesten der Hilfsbereitschaft von Ortsbewohnern für die durchziehenden Häftlinge wurden von den SS-lern rigoros verhindert. Nach einem am 1. Oktober 1945 im Kurier veröffentlichten Aufruf der Staatspolizei - die nach Wittkowski fahndete - meldete sich am 4. Oktober 1945 ein Dr. Wagner, der eine marschierende Gruppe von KZ-Häftlingen auf der Straße Seitenstetten-St. Peter beobachtet hatte und Folgendes mitteilte:

"Noch eine kleine Begebenheit hat sich mir eingeprägt. Einige Frauen wollten den offensichtlich an Durst leidenden KZ-lern Wasser in die Essschalen gießen und von allen Seiten wurden ihnen im Marschieren die Schalen entgegengehalten. Die Wache schritt sofort ein und verhinderte, dass Wasser verabreicht wurde." (19)

Am 23. April 1945 wurden 1.076 Häftlinge des Nebenlagers Saurer-Werke (SS-Arbeitslager Wien XI) in das Nebenlager Steyr-Münichholz (SS-Arbeitslager Steyr) eingeliefert. Unter ihnen waren Häftlinge aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, dem ehemaligen Jugoslawien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Polen, der ehemaligen Sowjetunion, Spanien, Tschechien und Ungarn. 95 von ihnen waren jüdische Häftlinge.

Wenn man nun vom Stand der Häftlinge am 1. April 1945 im Nebenlager Saurer-Werke (1.466 Häftlinge) die 190 marschunfähigen im Lager verbliebenen Häftlinge, ebenso die dokumentierten "auf der Flucht" erschossenen bzw. flüchtigen Häftlinge abzieht und weiß, dass 1.076 Häftlinge am 23. April 1945 ins Nebenlager Steyr eingewiesen wurden, so fehlen mehr als 150 KZ-Häftlinge, deren Schicksal nach wie vor im Dunkeln liegt. Der überwiegende Teil ist wohl von den begleitenden SS-Männern ermordet worden. Einem der beiden am Wegesrand der Gemeinde Rabenstein verscharrten KZ-Häftlinge konnte seine Identität zurückgegeben werden. Am 16. Dezember 1946 meldete die Bezirkshauptmannschaft St. Pölten den Fund von zwei Häftlingsleichen in der Gemeinde Rabenstein, bei denen Erkennungsmarken mit der Aufschrift "Ostmärkische Saurerwerke", KZ-Prämienscheine zu 1,- und 0,50 RM und ein Blechstreifen mit der Nr. 104424 gefunden wurde. (20) Diese Häftlingsnummer kennzeichnete den polnischen Forstschützen Janusz Jagusiak, geboren am 2. Mai 1926, der am 20. September 1944 vom KZ Groß-Rosen nach Mauthausen überstellt worden und von dort am 24. September 1944 in das Nebenlager Saurer-Werke gekommen war. (21)

Einige der am 2. April 1945 im Nebenlager Saurer-Werke zurückgebliebenen Häftlinge starben nach ihrer Befreiung an den Folgen von Entbehrungen und Drangsalierungen während ihrer KZ-Haft und wurden in den angrenzenden Schrebergartenkolonien Gaswerk und Simmeringer Haide notbeerdigt. Die Exhumierung ihrer Leichen erfolgte vom 7. bis zum 10. September 1946. Es waren sechs polnische (Jan Cichos, Jan Jozwiak, Wladyslaw Kubicki, Jan Kurowski, Leon Pasieka, Roman Trafalski) und ein russischer Häftling (Anatolij Burow) der Jahrgänge zwischen 1887 und 1921. (22) Sie wurden in der Schachtgräbergruppe 40 des Wiener Zentralfriedhofes, in der die Nazis auch die Leichen der im Landesgericht Wien enthaupteten Frauen und Männer des österreichischen Widerstandes verscharrten, in der Reihe 7, Grab 107, 108 und Reihe 8, Grab 111, 112, 113 und 114 beerdigt.

Am 19. April 1945 meldete der Rapportführer des Konzentrationslagers Mauthausen noch eine Veränderungsmeldung für den 18. April 1945. Vom Nebenlager Saurer-Werke wurden nach dieser Liste noch elf Häftlinge, zehn Polen und ein Russe, die bei den 190 marschunfähigen Häftlingen dabei waren, nach Mauthausen überstellt. (23) Diese Häftlinge müssten aber bereits unmittelbar nach dem 2. April 1945 ihren Weg nach Mauthausen angetreten haben. Die Frage ist nur, mit welchem Transportmittel, da sie ja marschunfähig waren. Denn bereits am 8. April 1945 wurden der 11. Wiener Bezirk und damit auch die im Nebenlager Saurer-Werke zurückgebliebenen Häftlinge von den sowjetischen Truppen befreit.

An die Ermordung von nicht mehr gehfähigen KZ-Häftlingen des Nebenlagers Saurer-Werke auf ihrem Todesmarsch nach Steyr und Mauthausen erinnert sich auch der Schriftsteller, Journalist und langjährige Redakteur der israelischen Tageszeitung Ha'aretz Roman Frister, Häftling im KZ-Nebenlager Saurer-Werke, in seinem Lebensbericht Die Mütze oder Der Preis des Lebens:

"Wer auf der Straße blieb, nachdem die letzte Fünferreihe an ihm vorbeigegangen war, hatte nicht mehr lange zu leben. Unseren Spuren folgte ein mit Tarnfarbe bemalter Opel-Blitz-Lastwagen. In der hinteren Öffnung stand ein schweres Maschinengewehr. Die Befehle waren klar: Kein Häftling durfte lebend zurückgelassen werden. Um sicher zu sein, dass die Befehle ordentlich ausgeführt wurden, untersuchte ein Offizier jede Leiche. Jeder, der nur das geringste Lebenszeichen von sich gab, wurde mit einem 'Gnadenschuss' aus der Pistole getötet." (24)

Am 30. April 1945 schließlich überstellte die SS 497 Häftlinge vom Nebenlager Saurer-Werke, die zu dieser Zeit im "SS-Arbeitslager" Steyr inhaftiert waren, in das Konzentrationslager Mauthausen. (25)

Wo einst die Baracken des Nebenlagers Saurer-Werke standen, erinnert heute ein Mahnmal an die KZ-Häftlinge dieser Außenstelle des Konzentrationslagers Mauthausen. Es wurde auf Initiative der SPÖ Bezirksorganisation Simmering von Franz Kovar gestaltet und am 2. April 1981 auf dem Gelände des Gemüsegroßmarktes enthüllt. (26)

Die Blutspur vom KZ-Nebenlager Saurer-Werke nach Steyr ist ein Thema, das nicht in Vergessenheit geraten darf.




Anmerkungen

1) Die Geschichte der Österreichischen Saurer-Werke 1906-1956. Wien 1956. S 21.
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2) Kamerad Kalteis gestorben, in: Der neue Mahnruf, Nr. 1, Jänner 1974.
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3) Franz Kalteis über seine Erlebnisse und seine Tätigkeit im KLM sowie Nebenlager Saurerwerke. 15. September 1969. Archiv der Gedenkstätte Konzentrationslager Mauthausen, St 9/8.
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4) Kalteis, Franz: Aktenvermerk. 9. Mai 1949. Archiv der Gedenkstätte Konzentrationslager Mauthausen, B 38/4.
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5) Marsalek, Hans: Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen. Dokumentation. 3. erweit. Aufl. Wien 1995. S. 76.
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6) Rabitsch, Gisela: Konzentrationslager in Österreich (1938-1945). Überblick und Geschehen. Phil. Diss. Wien 1967.
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7) Marsalek, Hans: Das Nebenlager Saurer-Werk, in: Der sozialistische Kämpfer, Nr. 4/5/6, April/Mai/Juni 1981. S. 7.
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8) Konir, Fritz: Ein Betrieb in der Nazizeit, in: Arbeiter-Zeitung, 1. Mai 1947. S. 5.
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9) Kalteis, Franz: Aktenvermerk. 9. Mai 1949. Archiv der Gedenkstätte Konzentrationslager Mauthausen, B 38/4.
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10) Archiv der Gedenkstätte Konzentrationslager Mauthausen, B 38/3.
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11) Dziadus, Stanislaw: W Saurer-Werke przed oswobodzeniem (In den Saurer-Werken vor der Befreiung), in: Przeglad Lekarski Nr. 1, 1975. Zu danken habe ich Elisabeth Pucher und Henryk Horowitz, die den Text übersetzten. Siehe dazu auch: Alby, Fernand: La longue Route. Départ du Camp de Wiener-Saurer vers la Liberté, in: Amicale de Mauthausen, Paris, Nr. 123, 1965. S 18 f.
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12) DÖW V 207/1-11. Vg-Verfahren gegen Johann Gärtner.
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13) Für biographische Angaben danke ich Herrn Ralf Lechner vom Archiv der KZ-Gedenkstätte Mauthausen.
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14) DÖW V 347/1-11. Vg-Verfahren gegen Gerhard Wittkowski.
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15) Archiv der Gedenkstätte Konzentrationslager Mauthausen, B 38/3.
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16) Archiv der Gedenkstätte Konzentrationslager Mauthausen, B 38/6.
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17) DÖW 14.792.
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18) Haider, Siegfried, Gerhart Marckhgott: Oberösterreichische Gedenkstätten für KZ-Opfer. Linz 2001. S. 202.
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19) DÖW V 347/1-11. Vg-Verfahren gegen Gerhard Wittkowski.
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20) Mahnruf für Freiheit und Menschenrecht. Organ des österreichischen Bundesverbandes ehemals politisch verfolgter Antifaschisten, Nr. 2, 31. Jänner 1947. S. 11.
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21) DÖW 5236/H 17. Liste Mauthausen Einlieferungstage 16. 9. 1944-20. 9. 1944.
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22) Die Daten stellte mir dankenswerterweise Kollege Heinz Riedel, pensionierter Leiter des Wiener Bestattungsmuseums, zur Verfügung.
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23) Archiv der KZ-Gedenkstätte Mauthausen Y/50/05. Mikrofilm vom Institut für Nationales Gedenken (IPN), Warschau.
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24) Frister, Roman: Die Mütze oder Der Preis des Lebens. Aus dem Hebräischen von Eva und Georges Basnizki. Berlin 1998. S. 447.
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25) Archiv der Gedenkstätte Konzentrationslager Mauthausen, B 38/10.
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26) Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.): Gedenken und Mahnen in Wien 1934-1945. Gedenkstätten zu Widerstand und Verfolgung, Exil, Befreiung. Eine Dokumentation. Wien 1998. S. 245.
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