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Winfried R. Garscha Österreich - das schlechtere Deutschland? Fakten und Legenden zum Verhältnis Österreichs zum "Dritten
Reich" vor und nach 1938 und zu den NS-Verbrechen und ihrer
Aufarbeitung nach 1945 Vortrag in der Königlichen Bibliothek in Brüssel im Rahmen der Konferenz "AUTRICHE 1934-2000: Les origines d'un dérapage", veranstaltet vom Centre d'Études et de Documentation 'Guerre et Sociétés contemporaines' (CEGES) / Studie- en Documentatiecentrum 'Oorlog en Heedendagse Maatschappij' (SOMA) 5. 4. 2000
Als die Europäische Union noch Europäische Gemeinschaft
hieß und erst 12 Staaten umfasste, erschien in Frankreich ein
Buch mit dem Titel "L'Autriche - Treizième des Douze?", damals
noch als Frage formuliert, weil der Autor in diesem heute noch
lesenswerten Buch unter anderem die verschiedenen Vorbehalte gegen
einen Beitritt Österreichs behandelte. Der Autor Felix
Kreissler, langjähriger Professor an der Université de
Haute Normandie in Rouen und Gründer der akademischen
Halbjahreszeitschrift AUSTRIACA, hat sich jahrzehntelang bemüht,
einem französischsprachigen Publikum die Geschichte
Österreichs nahe zu bringen und hat sich insbesondere mit dem
gestörten Verhältnis der ÖsterreicherInnen zu sich
selbst und zu ihrer Vergangenheit auseinandergesetzt. Heute
interessieren sich nicht nur Germanisten und Historiker, sondern ein
breites Publikum für diese Fragen, und Experten wie Felix
Kreissler sind viel gefragte Interviewpartner geworden. Innenpolitische Gräben 1933-1938 Die Regierungen von Engelbert Dollfuß und seinem Nachfolger
Kurt Schuschnigg führten zwischen 1933 und 1938 einen
Zweifrontenkrieg gegen die linke und die rechte Opposition.
1932 hatten die Nationalsozialisten nicht nur in Deutschland, sondern
auch in Österreich spektakuläre Wahlerfolge erzielt. Nach
Hitlers Machtübernahme in Deutschland versuchten seine
Parteigänger in Österreich, durch Terror und massive
Propaganda, auch in Österreich einen nationalsozialistischen
Umsturz zu erzwingen. Nach einem blutigen terroristischen
Überfall im Juni 1933 wurde die Nazi-Partei in Österreich
verboten. Doch die österreichischen Nazis führten ihre
terroristischen Anschläge aus dem Untergrund heraus fort. Wir
haben am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes
vor kurzem ein Forschungsprojekt begonnen, das sich zum Ziel setzt,
die Opfer dieses Nazi-Terrors vor 1938 zu untersuchen. - Zwischen Rot und Schwarz konnte es keine Versöhnung geben - die Regierung hatte das Bundesheer mit Artillerie auf Arbeiterwohnungen schießen und schwer verletzte Arbeiterfunktionäre zum Galgen schleppen lassen. - Zwischen Schwarz und Braun stand der Mord der Nazis an Bundeskanzler Dollfuß. - Und zwischen Rot und Braun nicht nur die ideologischen Gegensätze, sondern auch die reale Erfahrung des benachbarten Deutschland, wo die NSDAP, die in Österreich für die Wiedereinführung der Demokratie agitierte, massenhaft Arbeiterfunktionäre in die Konzentrationslager verschleppte. HistorikerInnen und PolitologInnen streiten in Österreich
heute noch darüber, ob das bereits von Zeitgenossen als
austrofaschistisch bezeichnete Regime als "faschistisch" im
politikwissenschaftlichen Sinn gelten kann. Ich bleibe im folgenden
bei diesem Begriff, aber nicht weil ich eine Debatte über
Faschismusdefinitionen beginnen will, sondern um auf eine Tatsache
von entscheidender Bedeutung aufmerksam zu machen: Wenn in
Österreich von "Faschismus" geredet wird, ist damit nicht
automatisch Nationalsozialismus gemeint. Verhältnis zu Hitler-Deutschland Das Verhältnis des austrofaschistischen Regimes zum großen deutschen Nachbarn war ambivalent. Bundeskanzler Schuschnigg, der Nachfolger des ermordeten Kanzlers Dollfuß, war zwar monarchistisch eingestellt - aber so wie sich Kaiser Franz Joseph als "deutscher Fürst" gesehen hatte, war auch Schuschnigg in seiner Vorstellung von einer angeblich deutschen Sendung Österreichs gefangen. Das ging so weit, dass er angesichts des angekündigten Einmarsches der Deutschen Wehrmacht im März 1938 dem österreichischen Bundesheer Schieß-Verbot erteilte, um - wie er in seiner letzten Rundfunkansprache sagte - kein "deutsches Bruderblut" zu vergießen. Andererseits versuchte die Regierung Schuschnigg aber, gegenüber Hitler-Deutschland einen eigenständigen Kurs zu steuern und den permanenten Drohungen und Pressionen aus Berlin zu widerstehen; Teile des Regimes bemühten sich angesichts der Gefahr eines deutschen Einmarsches um einen Ausgleich mit der illegalen Arbeiterbewegung - und fanden Ansprechpartner, insbesondere bei der Kommunistischen Partei, die damals die Theorie von den ÖsterreicherInnen als eigenständiger, von den Deutschen unterschiedlicher Nation entwickelten und wegen der wachsenden Bedrohung durch Hitler-Deutschland sogar bereit waren, mit Nazi-Gegnern in der Regierung zu kooperieren. Die österreichische Diplomatie hat nach 1945 immer wieder auf den Widerstand des Staates Österreich gegen den mit Druck und Terror operierenden großen Nachbarn zwischen 1933 und 1938 hingewiesen. Das ist zwar richtig, aber trotzdem nur die halbe Wahrheit. Denn höchste Funktionäre der austrofaschistischen Staatspartei, der so genannten "Vaterländischen Front", verhandelten laufend mit Vertretern der illegalen Nazi-Partei, immer noch in der Hoffnung, sie domestizieren zu können. Manche Kritiker der heutigen Regierung in Österreich haben Bundeskanzler Schüssel auf diese Erfahrung hingewiesen. Man hat darauf mit Recht geantwortet, dass die heutige FPÖ mit der illegalen NSDAP der Jahre 1933-1938 nicht zu vergleichen ist. Aber die politischen Lager in Österreich haben zwar ihre äußere Erscheinungsform sowie einen beträchtlichen Teil ihres traditionellen ideologischen Grundgerüsts modernisiert, doch an der politischen Grundstruktur hat sich nichts Fundamentales verändert. Nach dem Treffen zwischen Hitler und Schuschnigg im Februar 1938 musste der österreichische Bundeskanzler seinen nazifeindlichen Generalstabschef absetzen und einen prominenten katholischen Nationalsozialisten, Seyß-Inquart, zum Innenminister ernennen. Ich will die Ausweglosigkeit der Schuschnigg-Regierung nicht gering schätzen - nur: heldenhafter Widerstand war das keiner! Mangelnden Heldenmut soll man niemandem vorwerfen. Vorzuwerfen ist dem austrofaschistischen Regime aber anderes. Ich will jetzt nicht auf die Frage Demokratie oder Diktatur eingehen - die Demokratie stand in diesen Jahren kaum wo in Europa hoch in Kurs. Entscheidender ist, dass das Regime durch eine extrem asoziale Austerity-Politik mit gigantisch hohen Arbeitslosenzahlen und einer politisch produzierten Massenarmut die Massen den Nazis geradezu in die Hände getrieben hat. Der harte Schilling, den die Regierungspropaganda Alpen-Dollar bezeichnete, war wichtiger als das Schicksal Hunderttausender Familien. Und das in einer Zeit, als in Deutschland durch die Rüstungsproduktion Hochkonjunktur herrschte. Das zweite Moment, mit dem die österreichische Regierung Hitler indirekt den Weg bereitete, betraf eine kulturelle Frage. Durch seine enge Bindung an die katholische Kirche und ideologische Rückgriffe auf die Zeit vor der Französischen Revolution hatte das austrofaschistische Regime dem Nationalsozialismus wenig entgegenzusetzen bei jenen vielen vor allem jungen Menschen, die in der NSDAP damals eine "moderne Erneuerungsbewegung" sahen. Die letztendlich entscheidende politische Fehlentscheidung des Regimes war, dass es den Ausgleich mit dem einzig möglichen Verbündeten gegen die braune Gefahr, mit der in die Illegalität gedrängten und von der Polizei verfolgten Arbeiterbewegung, erst suchte, als es schon zu spät war, und sich selbst in den Tagen vor dem deutschen Einmarsch im März 1938 nicht zu einer Wiederzulassung der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften durchringen konnte. Im Laufe des Jahres 1937 kam die Situation "ins Rutschen" - nicht nur, weil Hitler-Deutschland einen offen expansionistischen Kurs einschlug, sondern auch, weil in Österreich selbst die illegale NSDAP ihren Mitgliederstand von 70.000 auf 105.000 erhöhen konnte. Die neuen Mitglieder rekrutierten sich zu einem erheblichen Teil aus Beamten, Polizisten, Soldaten, also aus der staatlichen Bürokratie, wo man offenbar den Glauben daran aufgegeben hatte, dass sich die Regierung gegen den Druck aus Deutschland halten könne. In vorauseilendem Gehorsam hat man den künftigen Machtwechsel schon vorweggenommen. So erklärt sich unter anderem die Tatsache, dass 1938, nach dem Ausscheiden von jeweils wenigen Dutzend Juden und einer ebenso geringen Zahl von deklarierten Nazi-Gegnern, das gesamte Bundesheer und die gesamte Polizei in Österreich auf Adolf Hitler vereidigt werden konnten. Der bekannte sowjetische Publizist Ilja Ehrenburg hat, als er kurz nach dem Bürgerkrieg im Februar 1934 Wien besuchte und die zerschossenen Arbeiterwohnungen sah, in einer Reportage geschrieben, der einzige, der Grund zur Freude habe, sei Herr Hitler. Denn ein anderer - nämlich Dollfuß - habe für ihn die schmutzige Arbeit erledigt, und er - Hitler - könne in dieses Land nun als "Befreier" kommen. Tatsächlich versuchten verschiedene Nazi-Führer sich 1938 der Arbeiterschaft in dieser Weise anzubiedern: Ihr seid von den Schwarzen entlassen und in die Internierungslager gesteckt worden - wir auch. Die Schwarzen verlangten Duckmäusertum - wir vergattern die Barrikadenkämpfer. Bei einigen fiel diese Demagogie auf fruchtbaren Boden. Aber entscheidend für die Massenbasis des Nationalsozialismus war nicht die Propaganda, sondern das, was die neuen Herren den Menschen anzubieten hatten: Arbeit, Brot und Wohnungen. Arbeit in der Rüstungsindustrie - und die Wohnungen der jüdischen Familien. Zwischen 1938 und 1940 verjagten die Nationalsozialisten in Wien 70.000 jüdische Familien aus ihren Wohnungen, in die so genannte "VolksgenossInnen", die früher in Elendsquartieren gehaust hatten, einziehen konnten. Das waren exakt so viele Wohnungen, wie die sozialdemokratische Gemeindeverwaltung des Roten Wien zwischen 1923 und 1933 aus dem Mitteln der Wohnbausteuer gebaut hatte. Rassismus zahlte sich für Zehntausende Menschen aus, brachte eine Verbesserung ihres Lebensstandards auf Kosten anderer Menschen. Das sind Erfahrungen, die diese Menschen als permanentes schlechtes Gewissen mit sich herumschleppen. Ganz wenige stellen sich diesem Problem, die meisten reagieren mit einer trotzigen Verweigerungshaltung. Es gibt Häuser in Wien, in denen alte BewohnerInnen 1988 ganz ungeniert den 50. Jahrestag ihres Einzugs in die neue, große Wohnung feierten. In einem Haus in der Wallensteinstraße, im 20. Bezirk, hatte bis 1938 die Familie Hilberg gelebt. Ein SA-Mann, so erzählt der bekannte Holocaust-Forscher Raoul Hilberg, stand im März 1938 mit gezückter Waffe vor der Tür und forderte die Hilbergs zum Verlassen ihrer Wohnung auf. Als Hilberg in den sechziger Jahren mit einem Freund Wien besuchte, gingen sie in das Haus und sahen an der Tür der Hilberg-Wohnung ein Schild mit dem Namen jenes SA-Mannes, der sie damals aus der Wohnung geworfen hatte. Hilberg läutete, eine ältere Frau öffnete, und als sein Freund sagte: "Wir suchen eigentlich die Familie Hilberg, die hat doch einmal hier gewohnt?", wusste die Frau (offensichtlich die Witwe des seinerzeitigen "Arisierers" der Wohnung) sofort, worum es ging und stotterte: "Die sind im Krieg weggezogen. Aber es ist ihnen eh nichts passiert!" Abgesehen von der Katastrophe für die österreichischen Jüdinnen und Juden war der so genannte Anschluss des März 1938 dreierlei: Zunächst einmal ein militärischer Gewaltakt, nämlich der Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Österreich. Er war aber auch die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich selbst, und zwar schon Stunden, bevor der erste deutsche Soldat österreichischen Boden betreten hatte - begünstigt durch Drohungen aus Berlin und die kampflose Kapitulation der austrofaschistischen Führung. Und schließlich war der "Anschluss" auch die Eingliederung Österreichs in das "Dritte Reich", dessen wichtigste Folge für die Menschen nicht die war, dass ein Staat von der Landkarte verschwand, sondern dass über eine Million Österreicher zur Deutschen Wehrmacht eingezogen wurden und damit teilhatten sowohl an den siegreichen Eroberungsfeldzügen samt der anschließenden Niederlage, die viele bis heute nicht verkraftet haben, als auch an den zahlreichen Verbrechen der Wehrmacht. Als die Zweite Republik Österreich am 27. April 1945 von Vertretern der drei demokratischen Parteien SPÖ, ÖVP und KPÖ in Wien ausgerufen wurde, wurde in weiten Teilen Österreichs noch gekämpft. Und in diesen Kämpfen der Deutschen Wehrmacht auf österreichischem Boden kämpften Österreicher in deutscher Uniform gegen die Alliierten, die ihr Land befreiten. Für Millionen Österreicher war ihre Befreiung zunächst einmal die Niederlage und die Besetzung durch die Alliierten. Unter dem Begriff "Besatzungszeit" hat man in Österreich nie die Zeit zwischen 1938 und 1945, sondern immer nur die zehn Jahre der alliierten Besatzung von 1945 bis zum Staatsvertrag von 1955 verstanden. Aber sehr rasch begriffen sehr viele ÖsterreicherInnen, welche Chance ihnen die Alliierten geboten hatten, als sie 1943 bei ihrer Tagung in Moskau Österreich zum ersten Opfer Hitlers erklärt hatten. Niemand wollte etwas wissen von der Mitschuld an Krieg und Verbrechen durch die Beteiligung fast der gesamten männlichen Bevölkerung Österreichs an den Feldzügen der Deutschen Wehrmacht, von der Beteiligung großer Teile der österreichischen Polizei an Nazi-Verbrechen in Österreich und in den besetzten Gebieten, von der führenden Rolle österreichischer Verwaltungsspezialisten bei der Organisierung und Durchführung des Holocaust - auch nicht die österreichische Provisorische Regierung. Diese unternahm zwar viel zur Ausforschung und Ahndung von NS-Verbrechen, 43 Täter wurden von so genannten Volksgerichten zum Tode verurteilt, Hunderte weitere zu hohen Zuchthausstrafen - aber dem Problem der indirekten Involvierung breiter Teile der Bevölkerung in diese Verbrechen wollte sich die Regierung nicht stellen, sie konnte ja nicht gut gegen die Mehrheit der Bevölkerung regieren. Nur: Die Verbrechen waren ja geschehen, und wöchentlich
förderten die Gerichtsverhandlungen neue Scheußlichkeiten
zu Tage. Die spezielle österreichische Art, mit diesem Problem
fertig zu werden, hatte zwei Seiten: Die eine war, den
Nationalsozialismus zu einer deutschen Angelegenheit zu erklären
und damit gewissermaßen zu exterritorialisieren. Die Abgrenzung
des wieder erstandenen Österreich vom Nationalsozialismus war
vor allem auch eine Abgrenzung von Deutschland. Österreichische
Zeitungen stellten in Artikeln die angeblich von Natur aus
aggressiven, kriegerischen Deutschen den angeblich von Natur aus
konzilianten, friedlichen Österreichern gegenüber. Und
innerhalb Österreichs wurde alle Schuld auf den 100.000
so genannten "Illegalen" abgeladen; das waren diejenigen, die schon vor
1938, zur Zeit ihres Verbots, Mitglied der NSDAP gewesen waren. Die
Entnazifizierung, aber auch die gerichtliche Verfolgung setzte
zuallererst bei ihnen an und ließ die Opportunisten des Jahres
1938 weitgehend ungeschoren. Erst nach heftigen Diskussionen
innerhalb der Provisorischen Regierung wurde ein
Kriegsverbrechergesetz beschlossen, das Kriegs- und
Humanitätsverbrechen unabhängig von der
Parteizugehörigkeit des Täters unter Strafe stellte. Das, was Österreich bei der Ahndung von NS-Verbrechen in der
unmittelbaren Nachkriegszeit geleistet hat, ist durchaus beachtlich
und braucht einen internationalen Vergleich nicht zu scheuen. In den
sechziger und siebziger Jahren war die Situation ganz anders, da
fanden nicht nur kaum Gerichtsverfahren wegen NS-Verbrechen statt,
sie endeten außerdem in vielen Fällen mit skandalösen
Freisprüchen. Politisches Umdenken im Zuge der Waldheim-Diskussionen Die Regierungen von konservativer Österreichischer Volkspartei und Sozialdemokratischer Partei waren peinlich bemüht, alles zu vermeiden, was als Eingeständnis einer Verantwortung des österreichischen Staates für die NS-Verbrechen, die von Österreichern begangen wurden, aussehen könnte. Erst 1991, am 8. Juli 1991, hat der damalige sozialdemokratische Bundeskanzler Vranitzky namens der Bundesregierung eine Erklärung abgegeben, in der erstmals anerkannt wurde, dass die österreichischen Nazi-Täter nicht aufgehört haben Österreicher zu sein, nur weil sie ihre Verbrechen zum Großteil in deutscher Uniform verübt hatten. Sie waren aus der österreichischen Gesellschaft hervorgegangen, waren in Österreich zu Antisemiten und Nationalsozialisten geworden und hatten, sofern sie Krieg und Nachkrieg überlebt hatten, in der Zweiten Republik wieder ihre Positionen eingenommen, manche sogar führende Positionen. Dieses Umdenken der Regierung ist in erster Linie Ausdruck der
politischen Redlichkeit des damaligen Bundeskanzlers, dessen Familie
selbst mit dem antifaschistischen Widerstand in Beziehung stand. Es
ist aber auch eine Reaktion auf Übertreibungen in die andere
Richtung. Während der Auseinandersetzungen um die
Kriegsvergangenheit Kurt Waldheims Ende der achtziger Jahre wurde
nicht selten der Anteil der ÖsterreicherInnen an den
NS-Verbrechen so dargestellt, als seien die österreichischen
Nazis besonders grausam gewesen und als hätten sie hinterher
ihre Verbrechen besonders gut zu tarnen vermocht. (Auch in den
heutigen Diskussionen hat man übrigens manchmal den Eindruck,
als wären die ÖsterreicherInnen insgesamt eine besonders
widerliche Variante der unsympathischen Deutschen.) « zurück |