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Christian
Kloyber Asylland Mexiko: Ein
Ehrenplatz unter den "Nationen, die die Freiheit und das
internationale Recht wahren und verteidigen" (2002 erschien der Mexiko-Band aus der Reihe "Österreicher im Exil 1938-1945". Bearbeitung: Christian Kloyber und Marcus Patka. Übersetzung und Redaktion: Elisabeth Namdar-Pucher. Die im Folgenden zitierten Originaldokumente befinden sich im Mexikanischen Staatsarchiv bzw. im Historischen Archiv des mexikanischen Außenministeriums; Bildrechte: Christian Kloyber) Am 19. März 1938 legt der mexikanische Diplomat Isidro Fabela die schriftliche und offizielle Protestnote der Vereinigten Staaten von Mexiko gegen den vollzogenen "Anschluss" Österreichs an Hitlerdeutschland vor. Damit erlangen Mexiko und das österreichische Exil in Mexiko eine besondere Stellung im Vergleich zu anderen Exilländern. Der mexikanische Präsident Lázaro Cárdenas ist gemeinsam mit den revolutionären Diplomaten des lateinamerikanischen Staates Proponent einer progressiven Außenpolitik, die besonders den antifaschistischen Kampf der Spanischen Republik unterstützt und natürlich gegen den Nationalsozialismus auftritt. In den schwierigsten Zeiten der mexikanischen Wirtschafts- und Innenpolitik nimmt im Jahr 1938 Mexiko über 40.000 Flüchtlinge des Spanischen Bürgerkrieges auf. Ihnen folgen bis zu 10.000 Vertriebene aus Deutschland, Österreich und vor allem aus Osteuropa und Asien (China). Bereits am 7. November 1937 hat Vicente Lombardo Toledano, Führer der mexikanischen Gewerkschaftsbewegung CTM, im neu erbauten Kulturpalast der mexikanischen Hauptstadt - im Palacio de Bellas Artes - eine Veranstaltung gegen den Nationalsozialismus organisiert. Ernst Toller, der bekannte deutsche Schriftsteller und Mitunterzeichner des Pariser Aufrufs zur Bildung der deutschen Volksfront aus dem Jahr 1936 nimmt daran teil. Schon im Frühjahr 1933 hat Toller auf dem PEN-Klub-Kongress in Ragusa (Dubrovnik) die passive Haltung vieler Mitglieder gegen den Faschismus und Nationalsozialismus angeprangert. Der PEN-Klub weigert sich, eine klare Haltung gegen die Bücherverbrennung des 10. März 1933 einzunehmen. In Mexiko ist es anders. Am fünften Jahrestag der Machtergreifung Hitlers, also im März 1938, steht eine Massenveranstaltung, wieder im Kulturpalast Mexikos, im Zeichen des Widerstandes gegen Rassismus und Nationalismus. Die österreichischen Antifaschisten und Emigranten in Mexiko treten am 21. März 1938 erstmals öffentlich auf. In einem Telegramm an Präsident Cárdenas schreiben sie: Die in Mexiko ansässigen Österreicher richten an Sie, Herr Präsident, mit größter Dankbarkeit für das großzügige und mutige Auftreten Mexikos in Genf dieses Telegramm. Ein Akt, der Mexiko einen Ehrenplatz unter den Nationen sichert, die die Freiheit und das internationale Recht wahren und verteidigen. Isidro Fabela, bedeutender Diplomat und bekannter Förderer der modernen Kunst in Mexiko, ist der intellektuelle Vater der mexikanischen Protestnote. Er ist der Berater und Freund des mexikanischen Präsidenten. Regelmäßig schickt er ihm Berichte und persönliche Briefe aus Europa. Fabela bereist zwischen 1929 und 1938 regelmäßig alle europäischen Staaten. Sein Briefwechsel mit Cárdenas zeichnet ein genaues Bild der europäischen Situation und beeindruckt durch Humanismus und Offenheit. Es ist dies das Bild einer aktiven mexikanischen Politik, das im krassen Gegensatz zur österreichischen Außen- und Innenpolitik der Jahre 1934-1938 steht. Die mexikanischen Politiker und Diplomaten stehen für Humanismus und die demokratischen Prinzipien von Weltoffenheit und internationaler Solidarität. « zurück |