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Julius Madritsch – ein Gerechter unter den Völkern

Eine Produktion der Wiener-Krakauer Kultur-Gesellschaft

Filmvorführung / Gespräch im DÖW, 19. November 2019

 

Der Nazi-Gegner Julius Madritsch, ein Wiener Textilkaufmann, wurde nach seiner Einberufung zur Wehrmacht ins Generalgouvernement für die besetzten polnischen Gebiete versetzt und verwaltete in Krakau zwei "arisierte" Konfektionsbetriebe. Nach der Zwangsumsiedlung der jüdischen Bevölkerung Krakaus in den Stadtteil Podgórze im März 1941 gestatteten die Besatzungsbehörden Madritsch die Errichtung eines Textilbetriebs im Ghetto selbst; später kam noch eine Filiale in der östlich von Krakau gelegenen Stadt Tarnów dazu, in der Madritsch ebenfalls Juden und Jüdinnen beschäftigte, darunter MusikerInnen und SchauspielerInnen, die von der Textilarbeit keine Ahnung hatten, deren Arbeitspensum aber von den Übrigen erledigt wurde. Hunderten Menschen konnte er so das Leben retten. Er sorgte für humane Arbeitsbedingungen sowie erhöhte Nahrungsmittelrationen für die jüdischen ZwangsarbeiterInnen, ermöglichte einigen von ihnen die Flucht aus dem Krakauer Ghetto und schmuggelte Nahrung hinein. Seine wichtigsten Helfer waren Raimund Titsch (Leiter der Filiale in Tarnów) und der SS-Mann Oswald Bouska, Leiter der Wache des Ghettos, sowie der polnische Arbeiter Roman Zbroja, Fußballer im Verein "Cracovia". Als 1942 die Kinder der in Madritschs Betrieben eingesetzten Arbeiterinnen nach Auschwitz deportiert werden sollten, gelang es, viele von ihnen in Säcken zu verstecken und mit Bouskas Hilfe aus dem Ghetto zu schmuggeln. Bouska wurde enttarnt, von einem SS-Gericht zum Tode verurteilt und im KZ Groß-Rosen ermordet.

 

1964 zeichnete die israelische Gedenkstätte Yad Vashem Madritsch, Bouska und Titsch, später auch Zbroja mit der Medaille "Gerechte unter den Völkern" aus. Piotr Szalsza hat diesem "Gerechten" – im Zusammenwirken mit einer Schulklasse aus Tarnów, die sich auf die Spur Madritschs in ihrer Stadt machte – ein filmisches Denkmal gesetzt.

 

Begrüßung: Winfried R. GARSCHA

 

Filmvorführung

 

Gespräch mit dem Regisseur Piotr SZALSZA und Stefan A. LANDAU

 

Moderation: Claudia KURETSIDIS-HAIDER

 

Foto: Wiener-Krakauer Kultur-Gesellschaft 

Piotr Szalza hat zuletzt in Kooperation mit dem DÖW den Film Die Helden von Stein über das Massaker vom 6. April 1945 gedreht. Im Film über Julius Madritsch kommt u. a. Andrzej Selerowicz, jahrelanger ehrenamtlicher Mitarbeiter des DÖW, der über Madritsch geforscht hat, ausführlich zu Wort. Stefan Landau kannte Julius Madritsch persönlich; seine Mutter wurde von Madritsch gerettet.

 

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Veranstalter: DÖW in Kooperation mit der Wiener-Krakauer Kultur-Gesellschaft

 

Ort:

Veranstaltungsraum Ausstellung Dokumentationsarchiv, Altes Rathaus, Wipplingerstraße 6-8, 1010 Wien (Eingang im Hof)

 

Zeit:

Dienstag, 19. November 2019, 18.00 bis 20.00 Uhr

 

 

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Downloads

Andrzej Selerowicz / Winfried R. Garscha

Franz Grün, "rechte Hand" des Massenmörders Amon Göth, und Oswald Bouska, ein "Gerechter unter den Völkern"
(1,8 MB)
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