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Die Eingliederung des österreichischen Bundesheeres Manfried Rauchensteiner
Das österreichische Bundesheer war bis zum März 1938 der deutlichste Ausdruck staatlicher
Macht. Es hatte allerdings erst zwei Jahre zuvor damit beginnen können, sich auf eine größere
militärische Auseinandersetzung vorzubereiten, war personell noch im Aufbau und materiell
den meisten seiner Nachbarn, vor allem dem Deutschen Reich, deutlich unterlegen. Kurze Zeit
hatte es am 11. März 1938 den Anschein, als ob das Heer allen Bedenken zum Trotz zur
Grenzverteidigung und zum Krieg gegen das Deutsche Reich eingesetzt würde, doch schließlich
bekundete der österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg, dass er nicht gesonnen sei, den
Befehl zum Blutvergießen zu geben. Die schon in Richtung deutsche Grenze in Marsch
gesetzten Heereskörper wurden wieder in ihre Garnisonen zurückverlegt. Drei Tage später
leisteten die meisten Heeresangehörigen den Eid auf Hitler. Damit unterstellten sie sich ebenso
den neuen Machthabern, wie dies der Großteil der anderen Exekutivorgane, der Beamtenschaft
und der öffentlich Bediensteten tat.Für die Deutsche Wehrmacht bedeutete die Eingliederung des Bundesheeres zunächst eine Belastung, da ein Ministerium, acht höhere Kommanden und rund 40.000 Mann organisatorisch und ausrüstungsmäßig eingegliedert werden mussten. Noch war freilich nicht abzusehen, dass sich das Deutsche Reich die österreichische Wehrkraft in einem bis dahin nicht gekannten Ausmaß zunutze machen würde. Schließlich wurden bis 1945 1,2 Millionen Österreicher eingezogen. Eine Viertelmillion von ihnen sollte Krieg und Gefangenschaft nicht überleben. Von den Berufssoldaten des Bundesheeres wurden - je nach Rang - viele übernommen, während andere sofort die Konsequenzen ihrer unerwünschten Abstammung oder ihres eigentlich selbstverständlichen Einsatzes für Österreich zu ziehen hatten. Es gab Mord, Verfolgung und Konzentrationslager. |
1938
NS-Herrschaft in Österreich |
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