ÖsterreicherInnen im Exil. USA 1938-1945 / Remigration



56. AUS: MITTEILUNGEN VON PAUL ELBOGEN (SAN FRANCISCO, KALIFORNIEN) AN PETER EPPEL BETREFFEND DIE GRÜNDE FÜR ELBOGENS ENTSCHLUSS, NICHT NACH ÖSTERREICH ZURÜCKZUKEHREN,
11. 8. 1982

DÖW E 20.781

Materialien

Aus: Österreicher im Exil. USA 1938-1945. Eine Dokumentation, hrsg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Einleitungen, Auswahl und Bearbeitung: Peter Eppel, Wien 1995, Bd. 2, S. 757

Ich stamme von völlig "entjudeten" Juden ab und wurde als Kind katholisch getauft. [...]

Ich bin ein Homo non-politicus. [...]

Ich dachte nie an Heimkehr. [...] Wenn wir je Heimweh hatten (in der allerersten Zeit), so nach den mir seit Kindheit vertrauten Bergen Österreichs. [...] Später bereisten wir den ganzen Westen im Auto sehr ausführlich, von Alaska bis Kalifornien. Damit verflüchtigte sich alles Heimweh. (Die Anbetung der Berge wurde uns von meinem Vater, einem der letzten "Erschließer" der Ostalpen um 1870, als eine Art Religion eingeflößt.) [...]

Als wir eine Woche (vor mehr als zehn Jahren) in Wien waren, das ich Laden für Laden auswendig kenne und Gassl für Gassl [...] war [alles] völlig verändert, mein Geburtshaus [...] völlig neu fassadiert, das ganze Gegenüber inklusive Sühnhaus weggebombt, die Bevölkerung meist in Lodenkostümen [...], als trüge man heute auf [...] dem Forum Romanum [...] Toga. Mehr als das; man war ebenso boshaft (die ältere Generation, meine ich) wie einst, mürrisch und dem Amerikaner gegenüber opportunistisch wie einst, redete aber einen uns wohl bekannten gestelzten Dialekt oder in einem Tonfall, der unwienerisch war - mit "mal" und [...] Schickeria in infinitum -, genau wie einst Ungebildete sprachen, die "Hochdeutsch" reden wollten. Wo also sollte da das Heimweh herkommen? [...]

Wir fanden und finden unsere neue "Heimat", die US, trotz aller Pestbeulen, schwarzen Flecken, Ungerechtigkeiten, der Vulgarität, der naiven Geldjagd [...] in vielem so "bequem", verglichen mit den etwa 25 Ländern, die wir auf Reisen in vier Kontinenten kennen lernten, dass wir niemals an Rückkehr dachten.


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