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ÖsterreicherInnen im Exil. USA 1938-1945 / Remigration 24. AUS: "AUFBAU"-ARTIKEL ÜBER "JUDENELEND IN ÖSTERREICH",
15. 3. 1946 Aufbau, N. Y. C., 15. 3. 1946 DÖW Bibliothek 3059 C |
Materialien
Aus: Österreicher im Exil. USA 1938-1945. Eine Dokumentation, hrsg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Einleitungen, Auswahl und Bearbeitung: Peter Eppel, Wien 1995, Bd. 2, S. 725 f. |
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Wiener Verhöre vor der anglo-amerikanischen Palästina-Kommission enthüllen Antisemitismus und praktische Rechtlosigkeit
[...] Trotz aller ermutigenden Versprechen der Regierung des Bundeskanzlers Figl ist Österreich durch und durch antisemitisch gesinnt, ist die Lage der Juden in Wien und anderen Städten des Landes praktisch die vollkommene Rechtlosigkeit. Kein Jude denkt daher daran, in Österreich zu bleiben, wenn er es nicht muss, und ebenso wenig ist des Bleibens für die Juden in Ungarn und Rumänien. Das ist das eindeutige Fazit aller Zeugenverhöre in Wien gewesen. Was der Bundeskanzler Leopold Figl hinter verschlossenen Türen [...] der Kommission gesagt hat, kann man nur vermuten. lm besten Falle dürfte er der Kommission die gleichen theoretisch judenfreundlichen Zusicherungen gegeben haben, die er Tage vorher durch Presse und Radio bekannt geben ließ. Ob sie allerdings die Aussage des vor ihm vernommenen Joint-Vertreters in Österreich, Dr. Benson Saks, stark abzuschwächen vermochten, darf füglich bezweifelt werden. Denn Dr. Saks betonte mit allem Nachdruck, dass der durchschnittliche Österreicher durch und durch antisemitisch sei, dass die Mehrzahl der österreichischen Juden nach Palästina auszuwandern gedenke. [...] Die Vertreter der Jüdischen Gemeinde [...] betonten, dass die Juden in Österreich als "Fremde und Ausländer" betrachtet werden und dass die Jüdische Gemeinde allen österreichischen Juden im Auslande anrate, nicht heimzukehren. Sie legten weiter dar, dass von der Regierung nur wenig getan [worden] sei, um die Lage der Juden zu bessern, ja, dass noch nicht eine einzige Maßnahme verkündet [worden] sei, die die ordentliche Rückerstattung jüdischen Eigentums vorsehe. Gemeindepräsident David Brill, Gemeindedirektor Bernhard Braver und Mitglied des Gemeinderates Rudolf Braun erklärten in öffentlicher Sitzung der Kommission zusammenfassend: "Nicht einem einzigen österreichischen Juden ist es geglückt, wieder in Österreichs Wirtschaft Fuß zu fassen. In der Bevölkerung Österreichs herrscht ein starker Antisemitismus. Wenn es bisher noch keine offenen Ausbrüche von Antisemitismus gegeben hat, so nur deshalb, weil sie noch durch ihre Niederlage eingeschüchtert sind und das Land noch besetzt ist [...]." In Wien seien die meisten Juden ohne einen Heller, ohne Heim und ohne ausreichende Nahrung. Die Hälfte werde vom Gemeinderat unterstützt. "Wir appellieren an die Regierung, die freundlich scheint, aber ihre ermutigenden Zusicherungen werden später in kurzen Briefen widerrufen", versicherte Brill. « zurück |
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