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ÖsterreicherInnen im Exil. USA 1938-1945 / Remigration 16. AUS: "AUFBAU"-ARTIKEL "WIEN - EIN SCHATTEN SEINER SELBST" VON "EINEM AMERIKANISCHEN SOLDATEN - EINEM GEBÜRTIGEN WIENER, DER ACHT TAGE IN DER STADT ZUBRACHTE, AUS DER ER 1938 HINAUSGEWORFEN WURDE",
16. 11. 1945 Aufbau, N. Y. C., 16. 11. 1945 DÖW Bibliothek 3059 C |
Materialien
Aus: Österreicher im Exil. USA 1938-1945. Eine Dokumentation, hrsg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Einleitungen, Auswahl und Bearbeitung: Peter Eppel, Wien 1995, Bd. 2, S. 719 f. |
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Vorweg möchte ich betonen, dass das Elend einfach unbeschreiblich ist. Man muss es sehen, um es zu glauben. Keiner, der in Wien geboren ist - und mag er noch so amerikanisiert sein -, kann sich dem entsetzlichen Eindruck entziehen. Die Wiener selbst tun einem weniger Leid, wir haben nicht vergessen, wie sie sich 1938 benommen haben. Sie haben reichlich ihr Schicksal verdient. Aber es gibt auch viele Unschuldige, die mit den Schuldigen leiden müssen. Wien büßt, was es verbrochen hat - es ist nur mehr ein Schatten seiner selbst. [...]
Alle Parks sind voll von Gräbern gefallener Russen, Zivilisten und Nazis. [...] Der Stock im Eisen ist verschwunden, und der ganze Stephansplatz vollkommen zerstört. [...] Die ganze Kärnterstraße ist weg, alle Häuser sind ausgebrannt, alle Geschäfte ausgeplündert - vom Stephansplatz bis zur Oper. [...] Das Militärkasino ist verschwunden, desgleichen der größte Teil des dritten Bezirks. Wo der Arenberg Park war, stehen zwei riesige Flaktürme, die je 75 Millionen Mark gekostet haben. Nicht ein Baum ist übrig geblieben. Das treffendste Symbol für das, was aus Wien geworden ist. [...] Die wenigsten Häuser - mit Ausnahme von Döbling, das fast unbeschädigt ist - haben Fensterscheiben. [...] Trotzdem sind alle sehr optimistisch, aber das ist nichts Neues. Das waren sie 1938 auch. Alle Theater spielen, es gibt eine Menge Konzerte. [...] Das Phantastischste aber ist, dass der "alte Wiener" keineswegs tot ist: ganz im Gegenteil, er ist heute lebendiger als je. Es wird gelacht und getanzt, als wäre nichts geschehen [...]. Die Leute finden Trost in ihren alten Wiener Liedern, aber vielen, die sie singen, laufen dabei die Tränen über die Wangen. Die früheren Nazis sind meistens Mitglieder der so genannten Ziegelschupferbrigade - sie räumen den Schutt weg. [...] Die Donaubrücken sind alle weg, mit Ausnahme der Reichsbrücke; auch die Brücken über den Donaukanal sind verschwunden. [...] Wien wird niemals wieder Wien sein, und ich persönlich möchte keinem raten, dahin zurückzukehren. Besser in USA ums tägliche Brot kämpfen als in einem Palais in Wien leben. « zurück |
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