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ÖsterreicherInnen im Exil. USA 1938-1945 / Remigration 10. AUS: AUFRUF VON STADTRAT VIKTOR MATEJKA, AMT FÜR KULTUR UND VOLKSBILDUNG (WIEN), "AN DIE ÖSTERREICHISCHEN KÜNSTLER UND WISSENSCHAFTLER IN DEN USA" MIT DER BITTE UM MITHILFE AM KULTURELLEN UND WISSENSCHAFTLICHEN WIEDERAUFBAU, 10. 10. 1945 (93)
Austro American Tribune, N. Y. C., November 1945 DÖW Bibliothek 3002 |
Materialien
Aus: Österreicher im Exil. USA 1938-1945. Eine Dokumentation, hrsg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Einleitungen, Auswahl und Bearbeitung: Peter Eppel, Wien 1995, Bd. 2, S. 712 ff. |
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Liebe Freunde Österreichs!
Es ist die erste Möglichkeit, die sich mir bietet, um euch herzlichst zu begrüßen, von einem neuen Österreich aus, das vor allem dadurch zustande gekommen ist, dass die alliierten Mächte den Kampf gegen den Faschismus im Allgemeinen und den Nationalsozialismus im Besonderen siegreich ausgetragen haben. Wir Österreicher, die wir uns bemüht haben, aktiv an diesem Kampf gegen den Faschismus und gegen die nationalsozialistische Eroberung Österreichs teilzunehmen, haben uns in den letzten Monaten der Arbeit gewidmet, die dem Neuaufbau unseres Landes dient. [...] Auf dem Gebiet des kulturellen Lebens in Wien ist es uns in verhältnismäßig kurzer Zeit gelungen, alle verfügbaren Kulturinstitutionen wieder zu neuem Leben zu bringen. [...] Die Leistungen der Künstlerschaft im Bereich der staatlichen Theaterkultur, aber auch auf dem Gebiet des privaten Theaterlebens sind bis zum Äußersten angespannt. [...] Unsere ganze Tätigkeit auf dem Gebiet der Volksaufklärung und Volksbildung ist bestrebt und eifrig daran, die sieben Jahre Nationalsozialismus und noch mehr Jahre Faschismus in Mitteleuropa bis zur Wurzel auszutilgen. In unseren Volksbüchereien kommt dies im Besonderen dadurch zum Ausdruck, dass wir alle faschistische Literatur restlos beseitigt haben und nun in die entstandenen beträchtlichen Lücken gute österreichische, europäische und Weltliteratur hineinbringen. Freilich fehlt es uns noch an einer richtigen Buchproduktion. Es kann sogar länger dauern, bis wir hier infolge der Kriegseinwirkungen und Kriegsfolgen so weit sind, um mit Hilfe einer großzügigen und neuen Bücherproduktion den immensen Bedarf zu decken, der bei uns für neue österreichische und die uns durch Jahre hindurch vorenthaltene Weltliteratur vorhanden ist. Und da wenden wir uns daher an unsere Freunde der Kunst, Kultur und Wissenschaft Österreichs in der Welt und bitten sie, uns ihre Mithilfe bei diesem Aufbauwerk nicht zu versagen. Es ist klar, dass hier auch schon der geringste Beitrag, welcher Form immer, ein großer Vorteil ist, um den Weg zu dem angedeuteten Ziel erfolgreich zu beschreiten. Die Schulen aller Art, von den Volksschulen über die Mittelschulen zu den Hochschulen, sind bereits wieder in Betrieb genommen. Unser Bestreben war und ist es, das gesamte Schulwesen von allen faschistisch-nationalsozialistischen Einflüssen gänzlich freizumachen. Um aber die Schulen mit neuem und zeitgemäßem Lehr- und Lesematerial zu beliefern, dazu bedarf es auch der besonders großen Hilfe jener Freunde Österreichs, die in Amerika und in anderen Ländern Interesse und Sympathie für Österreichs Kultur, Kunst und Wissenschaft haben. Wir tun und werden alles tun, was in unserer eigenen Kraft und bei unserer eigenen Initiative liegt. Ich spreche das im Besonderen für jene Österreicher, die es durch Jahrzehnte hindurch und besonders in den letzten schweren Jahren unter Beweis gestellt haben, dass ihnen die Bekämpfung des Faschismus und des Nationalsozialismus zu ihrer Lebensaufgabe geworden ist, und dafür jederzeit die größten Opfer zu bringen bereit waren und sind. Ich erkläre das für alle jene aktivistischen Kämpfer für die Freiheit Österreichs, die lange Jahre in den deutschen Konzentrationslagern und Gefängnissen verbringen mussten und leider nur zum geringsten Teil übrig geblieben sind. Die tausenden und zehntausenden Opfer, die die faschistischen Konzentrationslager und Gefängnisse von uns österreichischen Freiheitskämpfern gefordert haben, versuchen durch mich in diesen Zeilen zu euch zu sprechen. Das ist unsere stärkste Kraft, mit der wir an all unsere Bemühungen zum Neubau unseres Landes herangehen. Ich wende mich an euch, ihr Freunde Österreichs in den Vereinigten Staaten, um auch Euch zu danken für alle bisherige Sympathie und Mithilfe für unseren Befreiungskampf. Ich weiß, dass ihr alle Interesse habt, uns Eure Mithilfe auch in Zukunft angedeihen zu lassen. Ich schreibe diesen Brief nicht zuletzt auch deshalb, weil es mir gelungen ist, nach 6 1/2 Jahren Konzentrationslager Dachau wieder im öffentlichen Leben Wiens arbeiten zu können für den Wiederaufbau unseres kulturellen und volksbildnerischen Lebens. Anmerkung 93) Vgl. Dok. 61; Nueva Austria, Jänner 1946, S. 5; Mit der Ziehharmonika. Zeitschrift der Theodor Kramer Gesellschaft, Jg. 3, Nr. 3, September 1986, S. 1. « zurück |
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