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DÖW-Neuerscheinung Katalog zur
permanenten Ausstellung Die Beiträge des soeben erschienenen Katalogs zur 2005 neu gestalteten Dauerausstellung des DÖW spiegeln einerseits zentrale Forschungsschwerpunkte des DÖW und seiner MitarbeiterInnen wider und geben andererseits einen Überblick über den Stand der zeitgeschichtlichen Forschung zu NS-Verbrechen sowie Verfolgung und Widerstand auf österreichischem Gebiet 1938-1945. Österreichische NS-Täter und die Beteiligung aus der Bevölkerung werden dabei ebenso angesprochen wie der oft fragwürdige Umgang der Republik mit der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit nach 1945 in Entnazifizierung und justizieller Ahndung von NS-Verbrechen sowie Rückstellung und Entschädigung für die NS-Opfer. Damit stellt der Katalog einen umfassenden Sammelband zu Widerstand und Verfolgung 1938-1945 sowie zur Vorgeschichte des "Anschlusses" und zur Aufarbeitung der NS-Zeit nach 1945 dar. Ebenfalls fertig gestellt wurde ein schmalerer Band mit den Ausstellungstexten in englischer Sprache, der auch nicht-deutschsprachigen Interessierten die Möglichkeit des Nachlesens nach dem Besuch der Ausstellung bietet. DÖW-Mitarbeiterin Christine Schindler über die Präsentation im November 2006 und die einzelnen Beiträge des Katalogs. |
Mitteilungen 179
DÖW Katalog zur permanenten Ausstellung |
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Zahlreiche Interessierte füllten den Veranstaltungsraum der DÖW-Ausstellung, als am 10. November 2006 DÖW-Präsident Bundesminister a. D. Rudolf Edlinger, Stadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny und die wissenschaftliche Leiterin des DÖW Univ.-Doz. Dr. Brigitte Bailer-Galanda die beiden Kataloge präsentierten. Die Redner wie das anwesende Publikum standen noch unter dem Eindruck der Aussagen eines FPÖ-Abgeordneten, der wenige Tage zuvor im ORF gemeint hatte, dem Nationalsozialismus auch positive Seiten abgewinnen zu können, was die Notwendigkeit und Aktualität der Arbeit des DÖW einmal mehr unterstrich. Bundesminister a. D. Edlinger verwies auch in Hinblick auf die Wahlerfolge der ausländerfeindlichen FPÖ auf die Wichtigkeit, den nachkommenden Generationen die Konsequenzen und Gefahren von Verhetzung und Fremdenhass vor Augen zu führen, und dankte Mailath-Pokorny und der Stadt Wien für die permanente Unterstützung des DÖW. Stadtrat Mailath-Pokorny erachtete in seiner Rede die finanzielle Unterstützung der Arbeiten des DÖW als kleinen Beitrag zur wichtigen Aufklärungsarbeit über den Nationalsozialismus, aber auch Rechtsextremismus nach 1945. Die Stadt Wien unterstützt viele Gedenkinitiativen, wie aktuell den Weg der Erinnerung in der Leopoldstadt, wo künftig Erklärungstafeln und Wegmarkierungen u. Ä. an das Leben und an die Verfolgung der einstigen jüdischen Bevölkerung erinnern werden, oder die Ausstellung Für das Kind im Nestroyhof, die der Schicksale von 10.000 meist jüdischen Kindern gedenken soll, die 1938/39 ohne Eltern das Land verlassen mussten. Mailath-Pokorny verwehrte sich gegen Aussagen der FPÖ im Wiener Gemeinderat, es sei "schon genug erinnert", denn es könne kein Genug an Erinnerung geben. DÖW-Leiterin Bailer-Galanda berichtete vom bisherigen großen Erfolg der neuen Ausstellung: Schulen und in- und ausländische Einrichtungen der Erwachsenenbildung sowie WissenschafterInnen besuchen die Ausstellung und nutzen den Veranstaltungsraum ebenso wie Lagergemeinschaften, wissenschaftliche Vereinigungen und viele andere. Alle drei Ebenen der Ausstellung sind mit dem Katalog nun fertig gestellt: Die von der Firma Braintrust konzipierte und realisierte Website www.doew.at/ausstellung wurde im August 2006 der Öffentlichkeit präsentiert, die Ausstellung selbst war bereits im November 2005 eröffnet worden. Zum Inhalt Die Zeittafel NSDAP in Deutschland 1919-1938 zeigt stichwortartig den Aufstieg der NSDAP von der Gründung 1919 über die Machtergreifung in Deutschland 1933 bis zum "Anschluss" Österreichs 1938. Parallel dazu verläuft im nachfolgenden Beitrag die Entwicklung Österreichs 1918-1938 ebenso anhand einer Zeittafel von der Gründung der Ersten Republik bis zum Einmarsch der Deutschen Wehrmacht im März 1938. Zeittafel und Text thematisieren die politischen Krisen und Konflikte der jungen Republik, die Radikalisierung der politischen Lager, die Ausschaltung des Parlaments 1933 sowie die Februarkämpfe 1934 und die Errichtung des autoritären "Ständestaats" im selben Jahr. Ein weiteres Augenmerk richtet sich auf die Entwicklung der österreichischen NSDAP, ihre zahlreichen Terrorakte und den Putschversuch 1933. Kanzler Dollfuß bekämpfte unnachgiebig auch die NSDAP und wurde während des Umsturzversuches 1934 ermordet. Sein Nachfolger Schuschnigg beharrte auf der Eigenständigkeit Österreichs, unterzeichnete jedoch unter dem Druck des Deutschen Reichs mit dem Juliabkommen 1936 eine Annäherung an Hitlerdeutschland, den so genannten "Anschluss von innen". Der Beitrag über den "Anschluss" Österreichs 1938 fokussiert insbesondere auf die Propagandamaschinerie der Nationalsozialisten, die Österreich nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht überrollte - bis ins kleinste Detail geplante Masseninszenierungen, die Propagierung von Mythen von "Führer" und "Volksgemeinschaft" auf Tausenden Plakaten und Transparenten, Veranstaltungen der Freizeitorganisation "Kraft durch Freude" und vor allem auch allerlei soziale Versprechungen sollten die Bevölkerung für das Regime einnehmen. Der Propagandafeldzug erreichte vor der Volksabstimmung am 10. April 1938 seinen Höhepunkt und zeugte von höchstem psychologischen Raffinement. Gleichzeitig begann das nationalsozialistische Terrorsystem in Österreich, das von der NSDAP und ihren Gliederungen, dem Polizei- und SS-Apparat, insbesondere der Gestapo, der Justiz und verschiedenen Teilen des Gesundheitswesens getragen wurde. Unmittelbar nach dem "Anschluss" wurden Tausende bekannte Nazigegner, Vertreter des "Ständestaats", Kommunisten, Sozialisten und Juden festgenommen, misshandelt und in Konzentrationslager gesperrt. Der NS-Terror richtete sich im Verlauf der Jahre zunehmend gegen die Hunderttausenden ZwangsarbeiterInnen und Kriegsgefangenen. Auch der so genannte "kleine Widerstand" - Abhören ausländischer Rundfunksender, Wirtschaftsdelikte, regimekritische Witze u. v. a. m. - wurde streng geahndet. Die Justiz wurde insbesondere mit ihrem berüchtigten Volksgerichtshof zur Vollzieherin brutaler Repressionsmaßnahmen. Zahlreiche ÖsterreicherInnen wirkten tatkräftig an der Beraubung und Ermordung der Juden und Jüdinnen, an der Vernichtung der Roma und der geistig und körperlich Behinderten mit, und viele profitierten von den Terrormaßnahmen. Von Anbeginn der nationalsozialistischen Machtergreifung waren die Juden und Jüdinnen unvorstellbarem Terror ausgesetzt. Der Beitrag Die Verfolgung der österreichischen Juden und Jüdinnen skizziert, wie die Pogrome im Zuge des "Anschlusses" und vor allem im November 1938, Verhaftungen, Diskriminierung und Stigmatisierung, Demütigungen und Misshandlungen, Beraubung und Vernichtung der wirtschaftlichen Existenz viele Jüdinnen und Juden in die Flucht trieben, die das NS-Regime anfangs auch forcierte. Wie der Artikel Flucht und Vertreibung. Emigration und Exil 1934-1945 aufzeigt, vertrieben die Nationalsozialisten vom "Anschluss" 1938 bis zum generellen Auswanderungsstopp im Oktober 1941 mehr als 130.000 jüdische ÖsterreicherInnen. Dadurch kam es auch zu einem enormen Exodus von WissenschafterInnen und KünstlerInnen aller Sparten, was einen unersetzlichen Verlust für das geistige Leben auch der Zweiten Republik bedeuten sollte. Die politische Emigration hatte bereits mit den Februarkämpfen 1934 begonnen, als SozialistInnen, KommunistInnen und GewerkschafterInnen vor der Verhaftung und den Standgerichten des "Ständestaats" fliehen mussten. Sie gingen vor allem in die benachbarte Tschechoslowakische Republik, in die Sowjetunion, und etwa 1400 ÖsterreicherInnen kämpften - vergeblich - im Spanischen Bürgerkrieg 1936-1939 für Demokratie und Sozialismus. Nach dem "Anschluss" 1938 mussten neben SozialistInnen und KommunistInnen auch Proponenten des "Ständestaats", LegitimistInnen und Konservative das Land verlassen. Der Artikel beschreibt die schwierigen Emigrationsbedingungen der Flüchtlinge und die mühevollen Lebensumstände im Exil. Viele ÖsterreicherInnen beteiligten sich in ihren Aufnahmeländern am Widerstand gegen das NS-Regime und kämpften in den alliierten Armeen. Nach 1945 wurden kaum Vertriebene nach Österreich zurückgeholt. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung forciert - wer es nicht ins Ausland schaffte, fiel den Deportationen in die Vernichtungslager zum Opfer. Der Beitrag Deportation der österreichischen Juden und Jüdinnen listet die Massendeportationen auf, beginnend mit den ersten Transporten im Herbst 1939 und im Frühjahr 1941 in Ghettos auf ehemals polnischem Gebiet bis zu den Deportationen in die Ghettos und zu den Vernichtungsstätten des "Reichskommissariats Ostland" (heute baltisches und weißrussisches Gebiet), nach Auschwitz oder ins Ghetto Theresienstadt, von wo die Weitertransporte in die Vernichtungslager des Ostens abgingen. Von den ungefähr 200.000 österreichischen Juden und Jüdinnen lebten Ende 1942 nur mehr rund 8000 in Wien, bis zum Februar 1945 wurden noch rund 1750 deportiert. Die meisten der ins europäische Ausland Geflüchteten wurden durch die Erfolge der deutschen Kriegsführung wieder eingeholt und ermordet. Insgesamt fielen mindestens 65.500 jüdische ÖsterreicherInnen der Shoah zum Opfer, die genaue Zahl der von den Nationalsozialisten und ihren Mittätern Ermordeten wird wohl nie festgestellt werden können. Zählt man die Mitglieder der NSDAP, so fällt im Vergleich die Zahl der WiderstandskämpferInnen ungeheuer niedrig aus. Umso höher soll ihr Einsatz für Demokratie und Menschlichkeit bewertet werden, wie es der Beitrag Der österreichische Widerstand 1938-1945 versucht. Unter den Bedingungen brutalster Verfolgungsmaßnahmen und gegen die vor allem anfängliche NS-Begeisterung breiter Bevölkerungsschichten fanden Menschen verschiedenster politischer und weltanschaulicher Richtungen - KommunistInnen, SozialistInnen, KatholikInnen, LegitimistInnen, Zeugen Jehovas und andere - den Mut, sich gegen das Regime aufzulehnen und dafür und oft für andere ihr Leben zu riskieren. Manche schlossen sich dem bewaffneten Widerstand der PartisanInnen an, andere handelten unpolitisch aus rein menschlichen Erwägungen. Der Artikel über die Kärntner Slowenen und Sloweninnen beschreibt u. a. ihren Kampf als PartisanInnen gegen das NS-Regime. Die österreichischen SlowenInnen litten seit dem "Anschluss" 1938 unter verschärften Diskriminierungsmaßnahmen; 1942 wurden Hunderte vertrieben und in Lager gesperrt. Der Kampf der slowenischen PartisanInnen war trotz grausamer Vergeltungsmaßnahmen durch die NS-Machthaber erfolgreich und konnte auf breite Unterstützung in der slowenischen Bevölkerung zählen. Diskriminiert und verfolgt wurden auch die österreichischen Roma und Sinti. Der Beitrag Roma und Sinti - "Zigeuner" im Nationalsozialismus geht auf Kontinuitäten der Diskriminierung vor 1938 und nach 1945 ebenso ein wie auf die Radikalisierung der Verfolgungsmaßnahmen im Nationalsozialismus bis hin zum Genozid. Rund 9500 der 11.000 bis 12.000 österreichischen Roma und Sinti wurden ermordet. Geraubtes Eigentum wurde den wenigen Überlebenden oder Nachkommen nach 1945 nicht entschädigt. Die Anerkennung als NS-Opfer gestaltete sich aufgrund weiter bestehender Vorurteile und sozialer Probleme der Volksgruppe schwierig. Die homosexuellen Opfer des NS-Regimes wurden nach 1945 nicht berücksichtigt. Der Beitrag Homosexuelle im Nationalsozialismus erläutert die juristische Ausgangslage, die unverändert von 1852 bis 1971 gleichgeschlechtlich liebende Männer und Frauen kriminalisierte. Die Nationalsozialisten verfolgten Homosexuelle aber gewaltsamer als je zuvor bis hin zur Deportation in Konzentrationslager. Homosexuelle NS-Opfer erhielten bis 1995 keine Entschädigung und wurden bis 2005 vom Opferfürsorgegesetz ausgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt war kein potentieller Antragsteller mehr bekannt. Wie Antisemitismus, Rassismus und Homophobie haben auch eugenische Vorstellungen und Theorien eine lange Tradition, auf der die Nationalsozialisten in ihrem Ziel der Vernichtung geistig und körperlich Behinderter und anderer als "minderwertig" Eingestufter aufbauen konnten. Der Artikel Ideologie und Verbrechen: Zur Rolle der Medizin im Nationalsozialismus geht auf die Vorgeschichte eugenischer Vorstellungen seit dem 19. Jahrhundert ein, auf deren Basis die Nationalsozialisten ihre rassistischen und "rassenhygienischen" Vernichtungspläne aufbauten und ausführten. Im Mittelpunkt der Medizin stand ein "gesunder Volkskörper", psychisch Erkrankte, Alkoholiker, Prostituierte, geistig und körperlich Behinderte und viele andere wurden diskriminiert, von Sozialleistungen ausgeschlossen, zwangssterilisiert und viele auch getötet. Die "Aktion T4", im Zuge derer mindestens 70.000 AnstaltspatientInnen ermordet wurden, musste wegen anhaltenden Widerstands von Angehörigen und von VertreterInnen der Kirche abgebrochen werden, die Morde gingen aber mit der "Kindereuthanasie" und den dezentralen Anstaltsmorden ("wilde Euthanasie") ungehindert weiter. Die NS-Medizin richtete sich insbesondere auch gegen Zwangsarbeiterinnen, die vielfach zwangsabtreiben mussten und an denen pseudomedizinische Versuche durchgeführt wurden. Mit fast einer Million beziffert der Artikel Zwangsarbeit in Österreich unter NS-Herrschaft die Zahl der in- und ausländischen ZwangsarbeiterInnen auf dem Gebiet des heutigen Österreich. Je nach "rassischer" Zugehörigkeit, Nationalität, Geschlecht, Verfolgungsgrund sowie Ort und Art des Zwangsarbeitseinsatzes lebten sie unter verschiedenen Bedingungen. Juden und Jüdinnen, Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge und zivile AusländerInnen aus dem gesamten eroberten Europa mussten in der Landwirtschaft, in der Rüstungsindustrie und anderen Industriezweigen unter beschwerlichen, teilweise lebensbedrohenden Bedingungen arbeiten. Häftlingszwangsarbeit war auch ein wesentliches Moment des KZ-Lagerkomplexes Mauthausen. 200.000 Häftlinge waren in Mauthausen, Gusen und den über 50 Außenlagern inhaftiert, nur etwa die Hälfte erlebte die Befreiung. Häftlinge aus Polen und der Sowjetunion bildeten die größten Häftlingsgruppen, inhaftiert waren u. a. auch Deutsche, Österreicher, Franzosen, Spanier, Italiener, Jugoslawen, Tschechen, Griechen, Belgier, Slowaken, Niederländer und Ungarn sowie jüdische Häftlinge vor allem aus Polen und Ungarn und schätzungsweise etwa 8000 Frauen. Der Lagerkomplex Mauthausen diente neben der Ausbeutung der Arbeitskraft vor allem zur Vernichtung der politisch-ideologischen Gegner, die Häftlinge wurden misshandelt, gequält, erschlagen, erschossen und ab 1941 auch vergast. Eine Österreichkarte verortet Mauthausen und Außenlager (inkl. Schloss Lannach), aber auch die Außenlager des KZ Dachau auf heute österreichischem Gebiet sowie die vielen Lager für ungarisch-jüdische SchanzarbeiterInnen. In den einzelnen Beiträgen wird immer wieder auf den teils fragwürdigen, teils skandalösen Umgang der Zweiten Republik mit den verschiedenen Opfergruppen eingegangen. Der Beitrag Die Republik Österreich und die Opfer des Nationalsozialismus widmet sich explizit diesem Thema, erläutert das Dickicht der gesetzlichen Maßnahmen zu Rückstellung und Entschädigung sowie die jeweiligen politisch-gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und kommt zu dem Schluss: "Weder hat Österreich gar nichts, noch hat es alles entschädigt." Den engen Zusammenhang von Gedenken mit den jeweiligen politisch-gesellschaftlichen Hintergründen dokumentiert der Artikel Erinnerungskultur. Die NS-Opfer im österreichischen Gedächtnis. Dominierte bei den ersten Denkmalsetzungen nach dem Krieg die Selbstdarstellung Österreichs als erstes Opfer Hitlerdeutschlands und wurde in diesen ersten antifaschistischen Nachkriegsjahren der Widerstand gegen den Nationalsozialismus von allen drei Gründungsparteien der Zweiten Republik - SPÖ, ÖVP, KPÖ - beschworen, geriet mit der allmählichen Rehabilitierung ehemaliger Nationalsozialisten die Erinnerung an den Widerstand immer mehr ins Abseits und wurde vor allem in den Bundesländern außerhalb Wiens als kommunistisch diffamiert. Insbesondere der unterschiedliche Zugang zur "Ständestaat"-Diktatur beinhaltete Konfliktpotential zwischen ÖVP, SPÖ und KPÖ. Die durch Waldheim ausgelöste öffentliche Debatte hatte in den 1980er Jahren einen Perspektivenwechsel zur Folge, sodass künftig auch die Mitverantwortung von Österreichern und Österreicherinnen, insbesondere an der Verfolgung und Ermordung der Juden, mitgedacht wurde. Der Artikel Entnazifizierung und Ahndung von NS-Verbrechen in Österreich beschäftigt sich mit der bürokratischen und justiziellen Auseinandersetzung mit dem NS-Regime. Der bürokratische Vorgang der Registrierung zielte auf die 700.000 ehemaligen NSDAP-Mitglieder. Sühneabgaben und Entlassungen wurden nach der Minderbelastetenamnestie 1948 nur mehr den so genannten "Belasteten" zugemutet, womit 90 Prozent der insgesamt 540.000 registrierten NationalsozialistInnen - die so genannten "Minderbelasteten" - von allen Folgemaßnahmen befreit waren. Zur Ahndung der NS-Verbrechen wurden in Österreich eigene Volksgerichte geschaffen, vor denen Delikte wie Kriegsverbrechen, Massenmord, Misshandlung, Denunziation u. Ä. verhandelt wurden. Die Volksgerichtsbarkeit wurde 1955 abgeschafft, die NS-Amnestie 1957 verstärkte die Tendenz der Bagatellisierung von NS-Verbrechen. Es kam in der Folge zu skandalösen Freisprüchen von NS-Tätern, bis die gerichtliche Verfolgung von NS-Verbrechern Mitte der 1970er Jahre faktisch beendet wurde. Leider kommt der Katalog des DÖW nicht ohne das Kapitel Rechtsextremismus aus, der sich vor allem über völkische Ideologie, Antisemitismus, Rassismus und "Revisionismus" definiert. "Revisionistische" Auffassungen verharmlosen den Nationalsozialismus, heroisieren Wehrmacht und SS, leugnen, entschuldigen oder bagatellisieren die begangenen Verbrechen und heben angeblich positive Seiten des Nationalsozialismus hervor. Strafbar sind die deutlichste und abstoßendste Form des "Revisionismus" - die Holocaust-Leugnung - und der Neonazismus. Der Beitrag zeichnet in seiner Geschichte des Rechtsextremismus auch die Rolle der FPÖ nach. Die rechtlichen Freiräume und technischen Möglichkeiten des Internet werden von der rechtsextremen Szene ebenso eifrig benutzt wie die Propaganda über das Medium Musik, mit dem viele Jugendliche erreicht werden können. Über 160 historische Abbildungen, aber auch Aufnahmen der neuen Ausstellung des DÖW komplettieren den Katalog ebenso wie Informationen über das DÖW, die Ausstellungswebsite und die Architektur der Ausstellung. | |
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