Gekürzt entnommen aus: Handbuch des
österreichischen Rechtsextremismus, Wien 1994
Vorbemerkung
Diesem Kapitel liegt der von Willibald I. Holzer entwickelte
Rechtsextremismusbegriff zugrunde, der - wie schon mehrmals betont -
jede Gleichsetzung von Rechtsextremismus mit Nationalsozialismus,
Neonazismus, Neofaschismus und dergleichen ausschließt. Die
Klassifizierung der einzelnen Personen als rechtsextrem erfolgte
aufgrund ihrer Stellung innerhalb rechtsextremer Organisationen sowie
aufgrund von Stellungnahmen in Publikationen. Die Kategorie
"rechtsextrem" bezieht sich weder auf Charaktereigenschaften noch auf
private Verhaltensweisen, sondern auf die politische und ideologische
Haltung der einzelnen Personen. Berücksichtigt wurden die
wichtigsten Funktionäre, Aktivisten und Ideologen, ohne mit
dieser Auflistung Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.
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RADL, Franz
Geb. 20. 6. 1967
- 1989
- Veranstalter einer Kundgebung zu dem Thema "DDR 1953 und heute -
Meinungsfreiheit"
- 1990
- Im Namen der "Arbeitsgemeinschaft Wiener Burschenschaften und
Landsmannschaften" Mitunterzeichner eines Flugblattes der
Burschenschaft "Teutonia", in dem gegen die geplante Entfernung des
Siegfriedskopfes aus der Aula der Wiener Universität Stellung
genommen wird
Kandidat der Liste "Nein zur Ausländerflut", die von der Wiener
Wahlkreisbehörde wegen NS-Wiederbetätigung nicht zu den
Nationalratswahlen zugelassen wird
- 1991
- Veröffentlichung eines Artikels in der Zeitschrift
"Halt"
Hersteller und Verleger der Nr. 1 der neonazistischen Zeitschrift
"Gäck"
Verteiler eines Flugblattes in Graz, in dem die Gaskammern zur
Ermordung von Menschen in nationalsozialistischen Konzentrations- und
Vernichtungslagern als Attrappen bezeichnet werden. Festnahme und
Verhängung der Untersuchungshaft
Herausgeber eines Flugblattes der "Volkstreuen Jugendoffensive" in
Linz
Wahlhelfer der FPÖ
- 1992
- Verurteilung zu einer fünfzehnmonatigen Haftstrafe
(fünf davon unbedingt) wegen NS-Wiederbetätigung
- 1993
- Bestätigung des Urteils durch den Obersten Gerichtshof
- 1993/94
- Untersuchungshaft wegen des Verdachtes der Beteiligung an den
im Dezember 1993 erfolgten Briefbombenattentaten. Fertigstellung
einer Anzeige wegen NS-Wiederbetätigung und mutmaßlicher
Beteiligung an den Briefbombenattentaten
RAIDL, Erich Richard
Wien
Geb. 1928
Bewachungsmeister bei der Wach- und Schließgesellschaft
- 1976
- Verantwortlicher Redakteur der Zeitung "Klartext" (NDP)
Gründungsversuch des "Nationaldemokratischen Arbeiter- und
Selbständigenbundes" in Bad Ischl
- 1978
- Nach dem 1. Euro-Forum in Wien Obmann der "Volksbewußten
Arbeiterpartei"
Kandidatur auf der Liste "Wahlgemeinschaft für
Bürgerinitiativen und Umweltschutz" bei der Wiener
Gemeinderatswahl
- Bis 1980:
- Nach Fusion der "Volksbewußten Arbeiterpartei" mit
der "Volkssozialistischen Bewegung" zur "Volkssozialistischen
Arbeiterpartei" Obmann dieser Partei
Herausgeber der Zeitung "Der Volkssozialist"
- 1983
- Bundesparteiobmann der "Volkssozialistischen
Freiheitsbewegung"
Teilnahme am Bundesparteitag der "Österreichischen
Bürgerpartei"
- Ab 1984
- Aktivist der "Europäischen Freiheitsbewegung" und
Redakteur der Zeitschrift "Vernunft und Politik"
- 1985
- Mitarbeit bei der "Österreichischen Bürgerpartei"
REBHANDL, Fritz
Salzburg
Geb. 18. 4. 1921
Kaufmann
- Vor 1945:
- Angehöriger der illegalen Hitler-Jugend bis 1938
Freiwilliger der Waffen-SS (Division "Das Reich")
- Nach 1945:
- 1. Landessprecher der NDP-Salzburg
- 1974
- Organisator einer "Deutschen Weihnacht" in Salzburg
- 1975
- Verantwortlicher der "Jungen Nationaldemokraten" für
Salzburg
- 1976
- Herausgabe der Zeitschrift "Aufklärung, Leitsätze,
Zitate"
- 1977
- Organisator einer Ausstellung und Unterschriftensammlung
für Rudolf Heß in Salzburg
- 1981
- Verteilung eines gegen die FPÖ gerichteten Flugblattes bei
der 25-Jahr-Feier der FPÖ in Salzburg
- 1982
- Kandidat auf der Liste der "Volkstreuen-Sozialen-Ordnung" bei
den Gemeinderatswahlen in Salzburg
Gründung der "ARGE Wahrheitsgetreue Zeitgeschichte"
- 1984
- Organisierung des 15. Bundesparteitages der NDP in Wals bei
Salzburg
- 1985
- Einladung David Irvings als Referent im Rahmen der "ARGE
Wahrheitsgetreue Zeitgeschichte"
Teilnahme an einer Veranstaltung der "Deutschen Volksunion" (DVU) in
Passau
- 1986
- Unterstützung der Präsidentschaftskandidatur von Dr.
Otto Scrinzi
- 1990
- Unterstützung der Liste "Nein zur Ausländerflut"
- 1991
- Gerichtsverfahren in Salzburg wegen NS-Wiederbetätigung
- 1992
- Gewährt in seinem Haus dem aus Deutschland ausgewiesenen
Neonazi Karl Polacek Unterkunft
Verurteilung durch ein Salzburger
Geschwornengericht wegen NS-Wiederbetätigung zu einer bedingten
Haftstrafe
- 1993
- Erhöhung der Strafe auf sechs Monate unbedingt und ein Jahr
bedingt durch den Obersten Gerichtshof
REINTHALER, Günther
Salzburg
Geb. 23. 11. 1960
"Gaubeauftragter" der VAPO für Salzburg und Oberösterreich,
neben Küssel eine der wichtigsten Personen bei der
Zusammenarbeit zwischen österreichischen und deutschen
Neonazis
- 1990
- Teilnahme an einer Versammlung mit Gary Lauck, dem Chef der
NSDAP/AO, in Dänemark
In seinem in der BRD von Mitgliedern der
autonomen Szene angezündeten Auto findet die Polizei mehrere
Waffen (Maschinenpistole samt Munition, eine Pistole und ein
Schrotgewehr)
- 1991
- Zusammen mit Hans Jörg Schimanek jun. und Gottfried
Küssel Teilnahme an einer gemeinsamen Wehrsportübung
österreichischer und bundesdeutscher Neonazis im Raum
Langenlois
- 1992
- Zusammen mit Gottfried Küssel Teilnahme an der
Urnenbeisetzung des verstorbenen Michael Kühnen in Kassel
Untersuchungshaft bis Mitte 1992 wegen NS-Wiederbetätigung
- 1993
- Erneute Verhaftung unter anderem auch wegen des Vorwurfes der
Nötigung und Erpressung. Gemeinsam mit Jürgen Lipthay
Anklage und Verurteilung durch ein Salzburger Geschwornengericht zu
einer Haftstrafe
Bestätigung des Urteils (vier Jahre unbedingte Haft) durch den
Obersten Gerichtshof
ROSENKRANZ, Horst Jakob
Seebarn, NÖ
Geb. 16. 4. 1943
Ehemaliger Aktivist der NDP
- 1989
- Teilnahme an der Sonnwendfeier der
"Bürger-Rechts-Bewegung"
Mitarbeit bei der Partei "Ein Herz für Inländer"
Vortrag bei der AFP-Wien
- 1990
- Spitzenkandidat der Liste "Nein zur Ausländerflut", die von
der Wiener Kreiswahlbehörde wegen NS-Wiederbetätigung nicht
zur Nationalratswahl zugelassen wird
- 1990/91
- Obmann des "Vereins zur Förderung der ganzen
Wahrheit"
Ab 1991 Vorsitzender der Partei "Kritische Demokraten"
Unterstützung des "Überparteilichen Volksbegehrens
'Österreicher für Österreich'"
- 1992
- Referent bei der AFP-Wien
- 1992/93
- Unterstützung des FPÖ-Volksbegehrens
"Österreich zuerst"
- 1993
- Ehefrau Barbara Rosenkranz wird niederösterreichische
Landtagsabgeordnete der FPÖ
Referent bei der 28. Politischen Akademie der AFP
Beiträge in: "Fakten" (u. a. Verfasser der Editorials)
ROSSKOPF, Dr. Otto
Perchtoldsdorf, NÖ
Geb. 1919
Beamter des Österreichischen Patentamtes (Hofrat)
Aus dem "Österreichischen Kameradschaftsbund" wegen Extremismus
ausgeschlossen
Gründungsmitglied des "Verbandes Österreichischer
Kameradschaften"
Führer der "Kameradschaft Prinz Eugen". Obmann der in
Perchtoldsdorf (NÖ) aktiven Kameradschaft "Walter Nowotny"
- 1976
- Teilnahme an der Weihnachtsfeier der ANR
- 1977
- Beiratsmitglied der "Deutschen Kulturgemeinschaft"
- 1978
- Organisator der Prinz-Eugen-Wanderung gemeinsam mit der ANR in
Perchtoldsdorf
- 1979/80
- Mitglied des "Komitees zur Wahl eines nationalen Deutsch-Österreichers" (Norbert Burgers) bei der
Bundespräsidentenwahl
- 1981
- Ehrenschutz für die Dichterlesung von Gerd Honsik im Wiener
Hotel Hilton
- 1983
- Kandidat der "Ausländer-Halt-Bewegung" (AUS) für die
Nationalratswahl
- 1985
- Teilnahme an einer Veranstaltung der "Deutschen Volksunion"
(DVU) in Passau
Ehrenschutz für eine von der NDP mitunterstützte
Heldengedenkfeier der "Arbeitsgemeinschaft für
wahrheitsgemäße Zeitgeschichte"
- 1986
- Unterstützung der Präsidentschaftskandidatur von Dr.
Otto Scrinzi
- 1992/93
- Leserbriefe im FPÖ-Organ "Neue Freie Zeitung"
ROTHE, Dr. Otto
Wien
Geb. 16. 11. 1909
Senatspräsident des Obersten Gerichtshofes i. R.
- Vor 1945:
1932 - Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnummer 899292)
- 1938
- Im Juli mit der Wahrung der Geschäfte eines Vorsitzenden
des Kreisgerichtes Amstetten in Niederösterreich betraut
- 1939
- Dienstliche Versetzung nach Wien. Staatsanwalt im
Landgerichtsbezirk Wien
- 1945
- Anklagevertreter des Sonderstandgerichts im Standort Wien gegen
den österreichischen Freiheitskämpfer Major Karl
Biedermann. Biedermann wurde am 8. April 1945 am Floridsdorfer Spitz
gehenkt
- Nach 1945:
1970 - Obmann der "Österreichischen Landsmannschaft"
Vertreter der FPÖ in einer Richterkommission zur
Wahlkampfüberwachung
- 1978
- Trauerrede für Fritz Stüber auf dem Zentralfriedhof
Wien
Im Vorstand der "Österreichischen Landsmannschaft"

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