Gekürzt entnommen aus: Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus, Wien 1994

Rechtsextreme Funktionäre, Aktivisten und Ideologen



Vorbemerkung

Diesem Kapitel liegt der von Willibald I. Holzer entwickelte Rechtsextremismusbegriff zugrunde, der - wie schon mehrmals betont - jede Gleichsetzung von Rechtsextremismus mit Nationalsozialismus, Neonazismus, Neofaschismus und dergleichen ausschließt. Die Klassifizierung der einzelnen Personen als rechtsextrem erfolgte aufgrund ihrer Stellung innerhalb rechtsextremer Organisationen sowie aufgrund von Stellungnahmen in Publikationen. Die Kategorie "rechtsextrem" bezieht sich weder auf Charaktereigenschaften noch auf private Verhaltensweisen, sondern auf die politische und ideologische Haltung der einzelnen Personen. Berücksichtigt wurden die wichtigsten Funktionäre, Aktivisten und Ideologen, ohne mit dieser Auflistung Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.

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L

LACHOUT, Emil
Wien
Geb. 1928
1947 - 1971
B-Beamter der Stadt Wien
1966 - 1988
Lehrer für evangelische Religion an Volks- und Hauptschulen und an Polytechnischen Lehrgängen
1987/88
Veröffentlichung des Lachout-"Dokuments" in mehreren neonazistischen Zeitungen des In- und Auslandes
1988
Tritt in Kanada in einem Prozeß als Zeuge für den "Revisionisten" Ernst Zündel auf. Der Samisdat-Verlag Zündels macht mit Emil Lachout eine Video-Aufzeichnung über sein Leben und das "Dokument". Das Video wird von der bundesdeutschen rechtsextremen Zeitschrift "Der Bismarck-Deutsche" vertrieben
Einleitung einer 1993 immer noch nicht abgeschlossenen Voruntersuchung durch die Staatsanwaltschaft Wien nach § 3g Verbotsgesetz
1988 - 1990
Prozesse gegen Journalisten und eine Mitarbeiterin des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes sowie das DÖW selbst, von denen er einige verliert
1989
Veröffentlichung eines "Gastechnischen Gutachtens" zum KZ Mauthausen in "Sieg", Interview mit "Sieg"
Die vom DÖW erstatteten Anzeigen gegen Emil Lachout wegen des Verdachtes des Vergehens der Urkundenfälschung werden auf Antrag der Staatsanwaltschaft Wien in das beim Landesgericht für Strafsachen Wien wegen des Verdachtes des Verbrechens nach § 3g Abs. 1 Verbotsgesetz anhängige Verfahren einbezogen und die Voruntersuchung auf diese Fakten ausgedehnt
1990
Veröffentlichung eines "Gutachtens" über das Protokoll der Wannsee-Konferenz in "Sieg"
1991
Veröffentlichung eines Beweisantrages in "Sieg"
1992
Ablehnung der Mitwirkung an einer vom Untersuchungsrichter angeordneten psychiatrischen und psychologischen Untersuchung (laut einer parlamentarischen Anfragebeantwortung vom 14. September 1992 durch den Bundesminister für Justiz)
1994
Einbringung einer Anklageschrift durch das Landesgericht für Strafsachen Wien wegen des Verdachtes des Verbrechens nach § 3g Verbotsgesetz. Einstellung der Voruntersuchung nach §§ 223, 228 StGB gemäß § 109 (1) StPO


LEIPERT, Karl
Innsbruck
Geb. 1909
Vor 1945:
1936
Schriftleiter der Zeitschrift "Der Turnerhort. Rasseneinheit, Geistesfreiheit, Volkseinheit", Mitteilungsblatt des "Deutschen Turnvereins" Innsbruck
Nach 1945:
Landespressereferent des Tiroler "Kameradschaftsbundes"
Sekretär des "Österreichischen Schwarzen Kreuzes" in Tirol
Dietwart des ÖTB in Innsbruck
Referent bei den "Gästewochen" der "Deutschen Kulturgemeinschaft", Ehrenmitglied des "Schillerbundes", des "Deutschen Kulturwerks europäischen Geistes", des "Vereins Dichterstein Offenhausen", der Burschenschaft "Teutonia"
1983
Referent bei der 7. "Gästewoche" der "Deutschen Kulturgemeinschaft"
In einem in "Sieg" veröffentlichten Leserbrief bezeichnet er diese Publikation als "seelische Hilfe [...] in der Rundumverteidigung des deutschen Lebensraumes"
1985
Referent bei der AFP-Wien
Referent bei der 22. Tagung des "Vereins Dichterstein Offenhausen"
1992
Auszeichnung mit der Verdienstmedaille des Landes Tirol. In einem Schreiben vom 17. September 1992 an die Jungen Sozialdemokraten Tirols erklärt der Landeshauptmann von Tirol, Alois Partl, er habe dem Träger dieser Medaille, Karl Leipert, klargestellt, "daß die Verleihung der Verdienstmedaille des Landes Tirol ohne jeden Bezug auf Propagandaartikel in rechtsextremen Zeitschriften und seine Tätigkeiten im Nahverhältnis rechtsextremer Kreise erfolgte". Er habe "es Herrn Leipert auch untersagt, in Hinkunft selbst eine solche Verbindung herzustellen".
1993
Vorläufige Einstellung eines Strafverfahrens wegen NS-Wiederbetätigung wegen Verhandlungsunfähigkeit
Vortrag bei den Kulturtagen der "Zammelsberger Dichterstein-Gemeinschaft" in Weitensfeld
Beiträge in: "Der Kamerad", "Die Kameradschaft", "Aula", "Mitteilungen Wohlfahrtsvereinigung der Glasenbacher", "Die Umwelt"



LIPTHAY, Jürgen Maria
Salzburg
VAPO-Aktivist, enge Kontakte zu Günther Reinthaler
1993
Verurteilung durch ein Salzburger Geschwornengericht wegen NS-Wiederbetätigung zu einer Haftstrafe von 18 Monaten unbedingt
Bestätigung des Urteils durch den Obersten Gerichtshof


LUDWIG, Dr. Horst
Wien
Geb. 9. 7. 1942
Jurist
Vorsitzender der AFP
1974
Mitglied des "Inneren Kreises" des "Nationalen Ideologiezentrums" (NIZ, später in "Neues Institut für Zeitgeschehen" umbenannt)
1975
Betrauung mit der vereinsrechtlichen Leitung des "Nationalen Ideologiezentrums"
1977
Ehrengast beim Kongreß der "Jungen Nationaldemokraten" in Osnabrück
1978
Teilnahme am Bundesparteitag der NDP
1979
Mitunterzeichner des Aufrufes für eine Generalamnestie für NS-Verbrechen in der "Deutschen National-Zeitung" (Nr. 16, 13. 4. 1979)
1986
Unterstützung der Präsidentschaftskandidatur von Dr. Otto Scrinzi
1991
Gratulation an die "Aula" zu ihrem vierzigsten Jubiläum
Zahlreiche Referate, vor allem bei den Tagungen der AFP



LÜFTL, Dipl. Ing. Walter
Gerichtsgutachter, Präsident der Bundesingenieurskammer bis 1992
Verfasser eines "Gutachtens", in dem die Existenz von Gaskammern zur Ermordung von Menschen in den nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern geleugnet wird
1988
Referent bei der AFP-Wien
1991
Veröffentlichung von Auszügen des "Gutachtens" in "Halt", 59a/1991
1992
Rücktritt als Präsident der Bundesingenieurskammer
Strafanzeige nach § 3g Verbotsgesetz durch den Verband Sozialdemokratischer Ingenieure Österreichs im "Bund Sozialdemokratischer Akademikerinnen und Akademiker, Intellektueller, Künstlerinnen und Künstler" (BSA)
Bericht über das Lüftl-"Gutachten" im "revisionistischen" "Journal of Historical Review" ("The Lüftl Report")
1992/93
Veröffentlichung von Artikeln in der bundesdeutschen neonazistischen Zeitschrift "Recht und Wahrheit"
1993
Veröffentlichung von Artikeln in der vom rechtsextremen bundesdeutschen Grabert-Verlag herausgegebenen Zeitschrift "Deutschland in Geschichte und Gegenwart"
1994
Im internationalen Computernetzwerk "Internet" wird ohne Wissen der Netzwerkbetreiber und gegen den Protest vieler Usergruppen von neonazistischen Kreisen aus den USA neben anderen "revisionistischen" Publikationen auch das Lüftl-"Gutachten" zum Abruf angeboten
Einstellung der Voruntersuchung wegen des Verdachtes der NS-Wiederbetätigung durch die staatsanwaltschaftlichen Behörden und das Bundesministerium für Justiz


LUXBACHER, Manfred
Wien
Geb. 1937
1975
Verurteilung zu neun Monaten unbedingter Haft wegen Böllerwerfens
1976
Anführer des Überfalles von NDP-Aktivisten auf die "Arena"; darauffolgende Schlagzeile des "Klartext" (19/1976): "Sondermeldung. Mordversuch an Manfred Luxbacher! Schauplatz: Schlachthofarena [...] Kreisky-Regime deckt die anarchistischen Mordgesellen und straft die Opfer."
1977
Gerichtsverfahren wegen des "Arena"-Überfalles
1983/84
Anklage und Verurteilung im Wiener Neonazi-Prozeß


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